
Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) und die Deutsche Fotothek
Bei der Exkursion in die Fotostadt Dresden standen zunächst die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) und die Deutsche Fotothek auf dem Programm. Dort hieß uns Dr. Agnes Matthias willkommen. In der Fotowerkstatt von Christian Schmidt wurden die Arbeitsprozesse der Digitalisierung erläutert und das sich wieder im Aufbau befindende analoge Labor vorgestellt. Anschließend erhielten wir vertiefende Einblicke in die Geschichte der Fotothek, die Verwaltung der Bestände sowie Vor- und Nachlässe.
Zudem entwickelten sich Gespräche über die Bereitstellung ikonischer Motive der Dresdner Stadtgeschichte, wobei ein besonderes Augenmerk auf fotohistorische Protagonisten wie August Kotzsch gelegt wurde, dessen Werk in diesem Jahr im Leonardi-Museum präsentiert wird.
Bezüge zur sächsischen Fotografie und die Aktivierung der Bestände durch forschende Aufarbeitung und anschließende Ausstellungspraxis rundeten den Einblick ab. Als Referenzbeispiele dienten Ausstellungsprojekte von Dirk Reinartz (LVR-Museum und Kunsthalle Erfurt), die die Präsentation von Archivbeständen in Ausstellungen verdeutlichen, sowie die Möglichkeit, dass Künstler*innen direkt vor Ort im Archiv arbeiten können. Die zentrale Fotoarchivarbeit in Dresden verknüpft somit lokale Relevanz mit überregionalen Bezügen. Die beeindruckende Zusammenarbeit zwischen Digitalisierung, Archivverwaltung und Ausstellungspraxis konnten wir durch die von Agnes Matthias präsentierten Beispiele an den fotohistorischen Objekten wie den entstandenen Publikationen erleben.
Hermann-Krone-Sammlung
Zweite Station des Freitagvormittags war die TU Dresden mit der Hermann-Krone-Sammlung. Else Schlegel, die Leiterin der Sammlung, berichtete über die Anfänge der Hermann-Krone Sammlung, die dieser 1907 als “Historisches Lehrmuseum für Photographie” der Technischen Hochschule Dresden stiftete. Hermann Krone arbeitete mit den frühen Verfahren der Daguerreotypie und Kalotypie sowie später mit industriell gefertigten Fotomaterialien. Zu dem Bestand in der Technischen Universität gehört eine große Sammlung von Fotografien, die er diesen und anderen unterschiedlichen Verfahren erstellte und in großem Umfang auch als Lehrtafeln zusammenfügte. Die Lehrtafeln nutzte er für den Unterricht zur Fotografie am Polytechnikum Dresden. Erst 1895 wurde er zum Professor ernannt und für seine Lehrtätigkeit dort auch finanziell honoriert. Im Bestand befindet sich außerdem das Buchmanuskriptmaterial Krone’s zu den “photographischen Urmethoden” und weiteres Material.
Hermann Krone (1827-1916) gilt als einer der wichtigsten Pioniere der Fotografie in Deutschland, wenn nicht im deutschsprachigen Raum. Er hat die Fotografie mit all ihren Facetten erforscht und mit ihr gearbeitet, als Porträt- und Landschaftsfotograf, als Wissenschaftler, als Verleger und Autor.
Sein Lebenswerk spiegelt den Aufstieg der Fotografie von einer experimentellen Technik zu einem modernen Massenmedium und einem unverzichtbaren Instrument der Wissenschaften. Ausgebildet an der Dresdner Kunstakademie, eröffnete Krone zunächst in Leipzig, später in Dresden ein Fotoatelier. Bereits 1852 gründete er zudem eine private fotografische Lehranstalt.
Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK)
Am Nachmittag führte der Besuch zur Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK), wo Prof. Ivo Mohrmann und Kerstin Riße Einblicke in den Studiengang Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung von Kunst- und Kulturgut gaben. Zunächst standen die Werkstätten und restauratorischen Fachbereiche im Mittelpunkt. Vorgestellt wurden praktische Arbeitszusammenhänge, in denen Maltechniken erprobt, Kopierverfahren studiert und Schichtaufbauten von Wandmalereien nachvollzogen werden. Die Werkstattbesuche vermittelten einen anschaulichen Eindruck davon, wie handwerkliche Praxis und materialbezogenes Wissen im Studium zusammengeführt werden.
Im zweiten Teil rückte das fachübergreifende Lehrgebiet Kunsttechnologie, Strahlenuntersuchung und Fotografie in den Fokus. Anhand von Beispielen aus studentischen Projekten, Abschlussarbeiten und laufenden Untersuchungen wurden verschiedene bildgebende und analytische Methoden vorgestellt, darunter Infrarot- und UV-Untersuchung, Streiflicht- und Durchlichtaufnahmen sowie Röntgenfluoreszenzanalysen. Die Beispiele bezogen sich vor allem auf Wandmalereien, Architekturoberflächen und Gemälde und machten deutlich, wie materialtechnische Fragestellungen über unterschiedliche Objektgattungen hinweg untersucht werden.
Für die Gruppe eröffnete sich hier eine ungewohnte Perspektive auf Fotografie: nicht als Archivmaterial oder künstlerisches Medium, sondern als bildgebende Untersuchungsmethode, mit der materielle Befunde sichtbar gemacht werden, die dem bloßen Auge entzogen sind.
Der Programmpunkt an der HfBK ergänzte den Besuchstag damit um einen Einblick in Fotografie als analytisches Werkzeug innerhalb kunsttechnologischer und restauratorischer Fragestellungen.
Kupferstich-Kabinett im Residenzschloss
Am späten Nachmittag fand die letzte Station des Tages im Kupferstich-Kabinett Dresden im Residenzschloss statt. Die Führung wurde von den Restaurator*innen Olaf Simon und Johanna Ziegler geleitet. Im Mittelpunkt standen der museale Umgang mit fotografischen Werken sowie zentrale Aspekte der konservatorischen und kuratorischen Praxis. Thematisiert wurden unter anderem Fragen der Bestandserhaltung, der sachgerechten Lagerung und Präsentation sowie der Umgang mit Originalen und Ausstellungskopien.
Ergänzend dazu fand ein fachlicher Austausch mit den Kurator*innen für Fotografie, Dr. Marion Heisterberg und Martin Buhlig, statt. In der Diskussion wurden insbesondere die Kriterien für die Auswahl von Originalen gegenüber Ausstellungskopien sowie die enge und sehr gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen Kuratorinnen und Restaurator*innen hervorgehoben, die eine wesentliche Grundlage für eine verantwortungsvolle Präsentation fotografischer Werke bildet.
Im Studiensaal bestand die Möglichkeit, zahlreiche Originale aus der Sammlung zu betrachten, die die große Bandbreite und Qualität des fotografischen Bestandes eindrucksvoll verdeutlichten. Gezeigt wurden unter anderem frühe historische Positionen, etwa Arbeiten von Johann Carl Enslen, sowie ein blauschwarzer Gummidruck mit dem Titel The Harvester von Nicola Perscheid.
Anhand ausgewählter Fotografien von Hugo Erfurth, von dem sich ein umfangreicher Bestand im Kupferstich-Kabinett befindet, wurde insbesondere auf die unterschiedliche Passepartourierung im Laufe der Zeit eingegangen. Diese verdeutlichte, wie Präsentationsweisen stets dem jeweiligen Zeitgeist angepasst wurden und sich gestalterisch wandeln. Am Bestand ließ sich diese Entwicklung anschaulich nachvollziehen. Insgesamt wurde deutlich, dass Fotografie im Kupferstich-Kabinett bereits frühzeitig gesammelt, wissenschaftlich erschlossen und systematisch dokumentiert wurde. Ein zentrales Zeugnis hierfür ist der Katalog Kunst Fotografie, der einen umfassenden Überblick über die fotografische Sammlung des Hauses bietet.
Technischen Sammlungen im Ernemann-Bau
Am Samstagvormittag besuchten wir die Technischen Sammlungen im Ernemann-Bau. Im Zentrum stand die Ausstellung „Kamerastadt Dresden“, außerdem erkundeten wir ausgewählte Bereiche wie die festinstallierte Camera Obscura und bestiegen den Turm, von dem sich ein beeindruckender Blick über Dresden bot.
Besonders beeindruckend waren die originalen Filmbeiträge aus der Produktionszeit, die die bedeutende Geschichte der Dresdner Kameraindustrie anschaulich zum Leben brachten. Der Ernemann-Bau selbst blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Er wurde ursprünglich als Kamerafabrik der Ernemann-Werke AG errichtet und später Teil der Zeiss-Ikon-Gruppe. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte der VEB Pentacon den Turm als ikonisches Zeichen der DDR-Kameraindustrie.

DGPh Besuchstag der Sektion Geschichte und Archive, Hermann-Krone-Bau, TU Dresden: © Nicolaos Choudetsanakis







