Times Square Yoga © Barbara Wolff
Times Square Yoga © Barbara Wolff

Interview und Text: Ute Noll 

Barbara Wolff, geboren 1951 in Kyritz in Brandenburg, studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. In der DDR entstanden frühe Langzeitprojekte über Landleben und Dorfalltag. Nach der Ausreise 1985 weitete sich ihr Blick auf Städte, Kontinente und Menschenbilder. Sie lebt und arbeitet seit 2011 in Berlin. 

Wie würden Sie Ihre fotografische Arbeit heute beschreiben? 

Die Basis meiner fotografischen Arbeit sind persönliche Reflexionen über Orte, Geschehnisse und Personen, die mich unmittelbar beschäftigen und berühren. Die Auseinandersetzung mit dem real Vorhandenen ist das Wichtigste in meinem kreativen Prozess. 

Uferhalle Berlin © Barbara Wolff
Uferhalle Berlin © Barbara Wolff

Was interessiert Sie im Moment an Fotografie am meisten? 

Zurzeit beschäftigen mich zwei grundsätzliche Arbeitsweisen. Zum einen die Aufarbeitung des Lebensweges anhand eigener Fotografien und Dokumente: Ich will klären, warum das Heute so geworden ist, im persönlichen sowie im gesellschaftlichen Kontext. In meiner anderen aktuellen Arbeit widme ich mich den Menschen im urbanen Raum: die Stadt als Ort des Lebens, des Ankommens und des Fremdseins, als Ort der Gemeinsamkeit und des Alleinseins. Mich fasziniert und ängstigt zugleich das moderne Leben. Nach dem horizontalen Berlin und dem vertikalen New York widme ich mich nun einer anderen Stadt, deren Wurzeln in der Tiefe zu finden sind. 

Wie entsteht bei Ihnen ein Bild? 

Ich gehe nicht von einer Bildidee aus. Inszenierungen spielen bei mir keine Rolle. Ich suche die Orte auf, die mich interessieren, aber dann entsteht das Bild aus Beobachtung und Intuition. Ich versuche, mich auf Situationen einzulassen. Natürlich lassen sich Bilder im Kopf nicht verdrängen, aber ich überprüfe sie. Mein Arbeitsprozess ist letztendlich ein spontanes Reagieren. Das Auge ist wichtiger als die Kamera. Meine ästhetischen Formulierungen beinhalten manchmal auch experimentelle Lösungen. 

Amalfiküste © Barbara Wolff
Amalfiküste © Barbara Wolff

Gibt es Erfahrungen, die Ihre Sicht auf Fotografie besonders geprägt haben? 

Die Assistenzzeit bei Stefan Moses Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre: In dieser Zeit habe ich begriffen, dass Fotografie ein Lebensentwurf sein kann. Es gibt keine private und keine berufliche Fotografie für mich. Es gibt keinen Feierabend. Das Leben bestimmt die Bilder, die bleiben. 

Was unterscheidet ein Foto von einem Bild? 

Fotografie ist inflationär, sei es in sozialen Medien, in Ausstellungen, in Fotoschulen und im Kunststudium. Die neuen Techniken machen das Medium demokratisch. Das ist nichts Schlechtes, ich liebe Fotografie. Aber bei so vielen Bildproduktionen und Bildbeliebigkeiten sollten wir genauer hinschauen. Nicht der sorgfältige, teure und große Fineart-Print in einer Ausstellung macht eine Fotografie zum Bild. Ein Bild entsteht, wenn eine Fotografie eine Haltung, eine Wahrnehmung, eine Aussage hat. 

Barbara Wolff © Rui Camillo
Barbara Wolff © Rui Camillo

Wie erleben Sie die aktuelle Situation der Fotografie? 

Die gelehrte konzeptionelle Fotografie nimmt einen dominanten Platz ein. Political Correctness spielt eine große Rolle und führt oft zu gleichartigen Bildlösungen und überstrapazierten Themen. Die Frage der jüngeren Fotografinnen und Fotografen ist eher, welche Themen gefragt sind, als die Frage der persönlichen Auseinandersetzung. Dabei steht die Karriere im Vordergrund, nicht unbedingt die künstlerische Absicht. Die deutsche Fotoszene ist lebendig, besonders hier in Berlin, wird jedoch von wenigen Institutionen und Kuratorinnen und Kuratoren meinungsbildend angeführt. Es ist ein fast geschlossenes Netzwerk. 

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