Aktuelle Bücher im Dezember

How We See
Photobooks by Women

Herausgeber: Russet Lederman, Olga Yatskevich, Michael Lang
Texte: Miyako Ishiuchi, Kristen Lubben, Valentina Abenavoli in Englisch
Leineneinband, 320 Seiten mit zahlreichen Farbabbildungen.
10x10 Photobooks 2018
 ISBN 9780692144299; 68,- Euro

Der soeben von ‚10x10 Photobooks, NYC‚ publizierte Band ’How We See. Photobooks by Women' möchte das Design, den Inhalt sowie den intellektuellen Beitrag herausstellen, der von Frauen verfasste Photobücher auszeichnet. Zusätzlich zu den hundert Büchern im Lesesaal enthält die Publikation einhundert historische Bücher von Photographinnen, eine kommentierte Chronologie und mehrere Essays zur Geschichte und Praxis von Photobüchern von Frauen.Jeder Abschnitt betont den über die üblichen historisch-geografischen Grenzen hinaus reichenden Ansatz der Publikation: wie sehr sich das Photobuch-Konzept weiblicher Photographen von dem ihrer männlichen Kollegen unterscheidet. Und der feministische Ansatz hat für Sammler, Fachleute, Kunsthistoriker, Kuratoren etc. für die Beurteilung und Einordnung von Photobüchern mehr zu bieten, als es zuerst erscheint: ‚How We See‘ ist auch ein Statement für das unabhängige Photobuch! Denn ‚How We See‘ wartet gleich zu Anfang mit einer statistischen Zahlen zur Verdeutlichung des Missverhältnisses weiblicher Photobände am Photobuch-Markt auf: nur jeder sechste Band erscheint bei einem großen Verlag, dennoch sind 3/4 der im Band aufgeführten ‚100 Contemporary Photobooks‘, die von 10 Fachfrauen als besonders interessant ausgewählt wurden und als exemplarisch für die aktuelle Photobuchproduktion gelten können Titel eben nicht bei etablierten Verlage erschienen, sondern bei Kleinverlegern (45%) oder wurden selbst veröffentlicht (30%).
Die 304 Seiten umfassende Publikation ‚How We see‘ mit Bildern und Texten zu allen Photobüchern des Projekts ist schon jetzt eine unschätzbare Referenz und Ressource. Die Erstauflage von nur 600 Exemplaren weltweit ist zu knapp bemessen. Besprochene Bücher der Künstlerinnen Laia Abril, Ying Ang, Olivia Arthur, Sophie Calle, Xiaoyi Chen, Zoe Croggon, Cristina de Middel, Laura El-Tantaw, Mary Frey, Abigail Heyman, Hannah Höch, , Dragana Jurisic, Kristina Jurotschkin, Liao, Susan Meiselas, Lucia Moholy, Zanele Muholi, Yurie Nagashima, Catherine Opie, Maja Rochat, Guadalupe Ruiz, Eva Saukane, Collier Schorr, Ketaki Sheth, Lieko Shiga, Dayanita Singh, Clare Strand, Batia Suter, Mayumi Suzuk, Mitra Tabrizian, Ilaria Turba, Carrie Mae Weems, Vanessa Winship, Francesca Woodman Sc. RS

 

Pentti Sammallahti  - Des Oiseaux
Text von Guilhem Lesaffre

Editions Xavier Barral, 2018
Hardcover, 120 Seiten mit 66 S.W. Abbildungen
ISBN: 978-2-36511-215-4; 36,50 Euro

Der in Paris ansässige Verleger Xavier Barral hat einen Photoband mit Aufnahmen der finnischen Photographenlegende Pentti Sammallahti publiziert, der eine besondere Erwähnung verdient.
‚Des Oiseaux’ (dt.: ‚Vögel’), der erste Band einer auf zwei Bände angelegten Kollektion, ist ein Photobuch für Liebhaber der klassischen Schwarz/Weiß-Photographie. Das qualitativ hochwertig in Leinen gebundene Buch mit einer aufgeklebten Photographie beinhaltet 66 Aufnahmen sowie einen Text des Ornitologen Guilhem Lesaffre, der die Beziehung zu den Jahreszeiten, die einen wesentlichen Aspekt des Vogellebens ausmachen mit den Photographien Sammalahtis verbindet. Dessen (Winter-)Photographien zeugen von einem außergewöhnlichen Blick für Details, von Licht, das Räume umspannt, bis zu stillen Weiten, in denen plötzlich eine menschliche oder tierische Präsenz erscheint. Zeitgleich mit dem vom Niederländer Hans Bol selbst veröffentlichten Band ‚God’s Allies‘ über Krähen und Rabenvögel wird unser Blick derzeit auf die Strategien von Vögeln bei der Suche nach Lebensmittel- und Energiewirtschaft oder nach Geselligkeit gelenkt. ‚Des Oiseaux‘ hat das perfekt Format, um dieses Zusammenspiel von Vogel, Mensch und Natur bei einem Glas Rotwein in Ruhe zu betrachten. Gerade wenn draußen die Tage kürzer und die Nächte kälter werden. rs

 

Jitka Hanzlova
Vanitas

Herausgeberinnen:  Barbara Hofmann-Johnson und Susanne Pfleger (DGPh)
mit einem Essay von Barbara Hofmann-Johnson in Deutsch und Englisch
Leineneinband mit Prägung , 40 Seiten mit 12 Abbildungen
Koenig Books London
ISBN: 978-3-96098-446-7; 29,80 Euro

Mit der Monografie »Vanitas« ehrt das Museum für Photographie Braunschweig und die Städtische Galerie Wolfsburg die Photographin Jitka Hanzlová zu ihrem 60. Geburtstag, die in dieser Werkserie ein tradiertes Motiv europäischer Kulturgeschichte aufgegriffen hat. Das Vanitas (lat. leerer Schein) Motiv ist der jüdisch-christliche Vorstellung von der „Vergänglichkeit alles Irdischen“ entlehnt. In der bildenden Kunst ist eine bestimmte Ikonografie der „Vanitas“ zugeordnet, wie der menschliche Schädel, die Sanduhr oder welkende Blumen. Damals wie heute sind die Veränderungen menschlicher Existenz das „Panta rhei“ (gr. πάντα ῥεῖ, „alles fließt“) des Heraklit (gr. Philosoph) und die Unausweichlichkeit des Endes floraler, faunischer und menschlicher Lebensformen Thema des Vanitas Motivs. Diese Visualisierung des „memento mori “ im floralen Stillleben - das Erblühen und Verblühen - und die Unaufhaltsamkeit des Prozesses zeigt Jitka Hanzlová in den BlumenPhotographien dieses Buches. Die Stillleben aus Blumen und Blüten sind vor dunklem monochromem Hintergrund im Studio im Stil der niederländischen Malerei mit großer Photographischer Detailschärfe dargestellt. Die Präsentation der Photographien im Format 11x14cm reicht leider nicht aus um die Photographische Qualität und die hohe Druckqualität zu zeigen. Die Serie steht in Bezug zu Hanzlovás Interesse an Lebenszyklen und die Pflanzenstudien verweisen zugleich auf den kreativen Prozess in der Photographie.Die Monografie VANITAS erscheint mit zwei Sondereditionen bei Koenig Books London. Das Buch ist besonders schön und stimmig mit getöntem Paper und Leineneinband gestaltet. (Ausstellung vom 6. Oktober bis 2. Dezember 2018) db

 

Ute & Werner Mahler (DGPh)
Kleinstadt

Text: Ute Mahler, Werner Mahler in Deutsch und  Englisch
144 Seiten mit 69 Abb. (Duotone)
Hartmann Books
ISBN 978-3-96070-029-6; 49,– Euro bis 1.2.2019, danach 59,– Euro

LIMITED EDITION
Kleinstadt
Silbergelatineabzug
30 × 40 cm
Auflage von 20 plus 3 a.p. in Leinenbox mit Buch
490,– Euro bis 1.Februar 2019, danach 580,– Euro

Kleinstadt – ein leerer Platz, kaum ein Mensch, wenn, dann Alte oder Jugendliche, keine Sehenswürdigkeit, leere Innenstadtgeschäfte, langsamer Verfall, im günstigen Fall der Charme des Morbiden – man kommt hier nur zufällig vorbei und fragt sich:
Wer ist hier, wenn ich nicht da bin und warum? Kleinstädte sind die Trabanten der Großstädte. Die bis heute gültige Definition der Kleinstadt des Kaiserlichen Statistischen Amtes (!) von 1887 nennt 5.000 bis 20.000 Einwohner als ihr demografisches Merkmal. Nach den Monalisen der Vorstädte (bis 2010), Wo die Welt zu Ende war (bis 2012) und seltsame Tage (bis 2014) wählten sich Ute und Werner Mahler die Erkundung der Kleinstadt als viertes gemeinsames Projekt. Seit 2015 bereisen sie Deutschland mit kleinem Wagen und großer Kamera und einem Vorrat an SW-Planfilmen, auf der Suche nach Bildern, die die Stimmung, das Lebensgefühl, den Geist dieser Orte dokumentieren. Ihre lakonisch präzisen Bilder fixieren die Zeit und den Ort. Sie erfassen die Idee einer Kleinstadt, die sich aus den Bildern vieler Kleinstädte zusammensetzt: von Arzberg über Bitterfeld, Hofgeismar, Pasewalk, Simmern bis nach Wadern und Zehdenick. Die Zukunft der kleinen Städte entscheidet sich in den nächsten Jahren. Die Zukunft sind die Jungen, wenn sie gehen, stirbt die Kleinstadt. (Aktuelle Ausstellung: Springer Galerie, Berlin: bis 05.01.2019)

 

Andre Kirchner
Die Westberliner Jahre

Texte von Andre Kirchner in Deutsch und Englisch
Leineneinband mit Fensterbild und Prägung , 100 Seiten, 70 SW-Abbildungen
Edition Braus, Berlin 2018
ISBN: 978-3-86228-185-5; 32,- Euro

Mit der Monografie »Die West-Berliner Jahre« ehrt die Kommunale Galerie „HAUS am KLEISTPARK“ den Photographen Andre Kirchner, der von 1981 bis 1990 Berlin als Flaneur durchstreift hat, immer seinem künstlerischen Thema folgend über das architektonisch - urbane Erscheinungsbild hinaus die individuellen und charakteristischen Facetten der Stadt Berlin „dem Meer aus Stein“ in SW Photographien zu zeigen. Kirchner, der aus Franken stammt und in München studiert hat, sah nach seiner Übersiedlung Berlin mit den Augen eines „Fremden“. Aus dieser Perspektive entwickelte er eine dokumentarische Photographie die sich an Albert Renger-Patzsch und Janos Frecot orientiert. Er strebt in manchen Sujets wie Renger-Patzsch eine über das „Dokumentarische“ hinaus gehende „Ästhetisierung des Exemplarischen“ an. Allen drei Photographen gemeinsam ist die Sicht auf den Alltag, in dem sie die Motive für ihre Serien finden, den sie nicht dokumentieren sondern aus dem sie allgemeingültige Bilder in einer zurückhaltenden Bildsprache extrahieren. Wie sagte Marcel Proust: „Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu suchen, sondern mit anderen Augen zu sehen.“ Es ist der Blick eines Flaneurs, der mit großer Sensibilität aber ziellos umherstreift und Motive großer Intensität und Aussagekraft in gewöhnlichen Dingen und Orten sieht und daraus Bilder gestaltet, die er mit der Kamera fixiert! Diese Arbeitsweise verbindet Andre Kirchner mit der »Neuen Sachlichkeit« in Deutschland. Janos Frecot hat diese Sichtweise 1981 „Berlin im Abriß “ in einem Buch genannt und Andre Kirchner hat das Grundthema in der Werkserie Rückbauten 1988 - 1990 aufgegriffen. In dem jetzt vorliegenden Buch werden auch Motive der Serie „Fensterordnungen“ gezeigt, die zeitgleich im Markischen Museum präsentiert werden. Diese Art Stadt-Photographie regt an über ihre künstlerischen Möglichkeiten und über die stilistischen Varianten konzeptueller Photographie zu diskutieren.
Die adäquaten Ausstattung des Buches der Edition Braus, die Buchgestaltung in ihrer klaren SW Optik entspricht diesem wichtigen photographischen Archivbestand zum Berliner Stadtbild. Eine übersichtliche Typografie, und Themengliederung und ein guter SW Druck machen das Buch zu einem Bestandteil des Bauhaus Jahres in Deutschland, das sich auch an Photographie Interessierte wendet. Das Buch ist nicht nur ein gelungener Erinnerungsband eines Berlin Besuchs sondern für den ambitionierten Amateurphotographen auch eine schöne Anregung für einen eigenen Photorundgang in Berlin. Ein sehr empfehlenswertes Buch als Diskurs einer Zeitepoche aber auch für die Auseinandersetzung mit klassischer SW Photographie. (Ausstellung vom 12. Oktober bis 16. Dezember 2018) db

 

Gerd Danigel
Berlin - damals und heute

mit einem Vorwort von Mark Lehmstedt  in Deutsch
96 Seiten mit 180 z. T. farbigen Abbildungen
Lehmstedt Verlag 2018
ISBN 978-3-95797-077-0; 15,- Euro

Ein Buch das in ganz besonderer Weise ein konzeptuelles Photographisches Projekt mit einem Statement zur Zeitgeschichte verbindet. In seinen Photographien gelingt es Gerd Danigel die Orte im Stadtbild zu verallgemeinern, indem er das „Panta rhei“ (gr. πάντα ῥεῖ, „alles fließt“ gr. Philosoph Heraklit) und die Unausweichlichkeit der Veränderung des Ortes sichtbar macht. Damals wie heute sind die stetigen Veränderungen im Stadtbild die Herausforderung für ihre Bewohner.
Begonnen hat der Photograph im Sommer-Herbst 1989 mit Exkursionen in Ostberlin, die er nach der Wende in Westberlin fortsetzte. So wurde er der Chronist eines doppelten Wandels (einer Symbiose und deren radikaler Veränderung). Die Gebäude, Straßen und Plätze die vor knapp 30 Jahren vielfach noch Kriegsbeschädigungen zeigten sind heute vom demselben Standpunkt aus Photographiert oft nicht wiederzuerkennen.
Der Photograph Gerd Danigel (geb. 1959), war von 1985–1990 im »Institut für Kulturbauten der DDR« tätig und ist seither freischaffender Dokumentar-, Werbe- und ArchitekturPhotograph.

 

Inge Morath
Fotografien

Herausgeber Kurt Kaindl
Texte von Inge Morath, Kurt Kaindl, Margit Zuckriegl in deutscher Sprache
Festeinband,  288 Seiten, ca. 290 Abbildungen
Edition Fotohof, Salzburg 2000
ISBN: 978-3-8375-1953-2; Museumspreis: 42,- Euro

Mit dem Begleitbuch »Inge Morath – Photographien« hat Kurt Kaindl ein Standardwerk dieser Photographin vorgelegt. Gleich beim ersten Durchblättern fällt einem auf, dass es sich hier um einen außergewöhnlichen „photographischen Kosmos“ handelt. Dieser beruht auf einer besonderen Sicht einer außergewöhnlichen Persönlichkeit auf die sie umgebendeWelt. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Künstlerehe mit dem Schriftsteller Arthur Miller, beginnt als Inge Morath zusammen mit Henry Cartier-Bresson am Set des Films »Misfits- Nicht gesellschaftsfähig« nach dem Buch von Arthur Miller und mit Marilyn Monroe in der Hauptrolle - photographiert. In späteren Jahren münden mehrere gemeinsame Reisen in die Sowjetunion, nach China und Kambodscha in außergewöhnlichen Büchern - Photographie Inge Morath und Text Arthur Miller. Dabei ist sicher die Begegnung mit dem Kriegsphotographen Robert Capa (Juli 1949, Paris) für sie prägend gewesen. Die Zusammenarbeit mit Ernst Haas war der Einstieg in ihre internationale Karriere als Reise-, Portrait- und Reportage-Photographin. Robert Capa war es auch, der Inge Morath mit ihrer ersten Reportage nach Spanien schickte. Diese Photographien wie z.B. die Photographie der Doña Mercedes Formica (Madrid, 1955) sind heute beispielhaft für ihr Werk. Die Motive aus dem bäuerlichen Spanien visualisieren das Zitat von Arthur Miller: „Inge Morath ist eine Dokumentaristin des alltäglichen Lebens, eine stille Beobachterin, die fremde Kulturen, Menschen und Orte in sentimentaler Zärtlichkeit“ zeigt. In ihrem beruflichen Werdegang pflegt sie Kontakt zu Kollegen wie Henri Cartier-Bresson und Elliot Erwitt.
Diese SW Photographien haben bis heute unser Bild der Welt und von fremden Ländern geprägt. In ihrer Abstraktion, in der Betonung des Wesentlichen sind sie nachhaltiger als die tägliche bunte Bilderflut. Die in dieser Zeit entstehenden Reisebildbände bedienen eine Bevölkerungsgruppe, die noch keinen Pauschaltourismus kennt, und sie sind bis heute stilistisch unerreicht. Inge Moraths (1923 – 2002) Photographien sind im originären Sinne zeitlos. Sie sind aber nicht nur Stilikonen der Photographie im 20. Jahrhundert, sondern sie werden uns in ihrer thematischen Verdichtung aktuell und auch in Zukunft helfen, die abgebildeten Menschen und Länder besser zu verstehen.
Dem Fotohof gebührt Anerkennung dafür nicht nur eine exquisite Auswahl getroffen zu haben, sondern mit dem stilvollen Einband einer zurückhaltenden Typografie und vor allem mit dem Duotondruck dem photographischen Werk von Inge Morath gerecht geworden zu sein. (Ausstellung vom 24. Mai bis 2. September 2018) db

 

Frederik Pajunk
Mitte des Lebens

Texte von Ellen Dietrich, Julia Schoch, Frederik Pajunk" in Deutsch
336 Seiten, 132 Schwarz-Weiß ¬Photographien
Kerber Verlag 2018
ISBN 978-3-7356-0515-3; Preis: 40,- Euro

Die Monografie »Mitte des Lebens« mit Photographien von Frederik Pajunk setzt sich mit den Veränderungen menschlicher Existenz dem „Panta rhei“ (gr. πάντα ῥεῖ, „alles fließt“) des Heraklit (gr. Philosoph) und der Unausweichlichkeit der Vergänglichkeit des Augenblicks, die auch das Wesen der Photographie ist, auseinander. Das „memento mori“ ist hier als Innehalten in der Mitte des Lebens als Reflexion des Bisherigen und des Kommenden visualisiert. Eine stilistisch vergleichbare Werkgruppe sind die „The Brown Sisters“ in der der Amerikanische Photograph Nicholas Nixon über 40 Jahre lang 4 Schwestern immer in der der gleichen Konstellation Photographiert hat. In seiner Serie »Mitte des Lebens« folgt der Photograph Frederik Pajunk (*1970) einer immer gleichen Struktur - Portrait, Arbeitsumfeld, Wohnsituation, Paarportrait, Elten-Kind Motiv, Vita und Interview - die dem Betrachter eine Reflexion der gezeigten Lebenssituationen ermöglicht. Da es Personen aus seinem privaten Umfeld sind, die er über 2 Jahre begleitet hat, entsteht ein fast persönlicher Einblick, der durch die kurze Vita und das Interview vertieft wird. Der daraus entstehende Reflexionsraum regt den Betrachter an sich auch der Wendepunkte in seinem eigenen Leben bewusst zu werden. Julia Schoch fasst in ihrem Essay diese Eindrücke zu der Mitte des Lebens zusammen mit der Erkenntnis das „man manche Dinge erst Photographieren muss, um sie zu sehen.“

 

Michael Friedel (DGPh)
Photographien 1950–1990

Text von Hans-Michael Koetzle in Deutsch
Hardcover, 124 Seiten
MM Photodrucke GmbH
ISBN: 978-3-929489-56-9; 30,- Euro (erhältlich bei Leica Galerie Frankfurt)

"Von Michael Friedel könnte man sagen, er habe drei Leben gelebt in der Photographie. Das scheint nicht viel verglichen mit dem »Haus mit fünfzehn Schlüsseln«, von dem der Pariser Photograph Frank Horvat mit Blick auf sein facettenreiches OEuvre spricht. Aber es genügt, um der Rezeption auf lange Sicht ein Bein zu stellen. Wer regelmäßig neue Wege geht in Bildsprache und Themenwahl, formal-ästhetisch Haken schlägt, den Fokus unvermittelt auf andere Gegenstände richtet, sich vor dem Hintergrund einer Welt im Wandel immer wieder neu erfindet, dessen Werk verschwimmt in der Wahrnehmung einer Branche, die merkfähige Labels liebt. Schubladen sind gefragt, nicht Überraschungen.
Michael Friedels Weg in der Photographie hat viel mit den Veränderungen innerhalb unserer sich globalisierenden Kultur zu tun. Aber auch mit einem unbedingten Freiheitswillen, dem Wunsch immer wieder aus- und aufzubrechen, um auch Photographisch Neues zu entdecken..." mk

 

Norbert Bunge (DGPh)
Porträts

104 Seiten mit 80 Duotone-Abbildungen
24 x 27 cm, Festeinband, Fadenheftung
Lehmstedt
ISBN 978-3-95797-076-3; 25,- Euro

Über Jahrzehnte hinweg hat der Dokumentarfilmer und Photogalerist Norbert Bunge die Menschen, die ihm begegneten, mit der Kamera porträtiert – Schauspieler, Bildhauer, Maler, Grafiker, Musiker, Wissenschaftler, vor allem aber immer wieder die von ihm hochgeschätzten Photographen, deren Meisterwerke er seit 1996 in seiner Galerie »argus fotokunst« präsentiert. Nun versammelt Bunge erstmals die schönsten seiner Bildnisse in einem Band, der von einem intensiven Gespräch der Journalistin Michaela Gericke mit dem Künstler eingeleitet wird, das die »Geschichten hinter den Bildern« aufscheinen lässt.

 

Hubertus Hamm (DGPh)
€žNarziss und Goldgrund

Text von Thomas Zaunschirm in Deutsch und Englisch
Festeinband, 236 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Verlag für Moderne Kunst, Wien
ISBN: 978-3-903228-64-1; 28,- Euro

Hubertus Hamm setzt sich in seinen Werken mit den Parametern der Photographie auseinander. Ein
zentrales Sujet in seinem Schaffen ist die intensive und zuweilen kritische Beschäftigung mit
dem photographischen Portrait, die in der Installation Portrait IV gipfelt.
Der Kunstwissenschaftler Thomas Zaunschirm ordnet dieses Werk€œ wie folgt ein:"Portrait IV (2016) ist das epochale Werk des Photographen und Künstlers Hubertus Hamm. Es handelt sich um eine Holzstele mit dem ersten goldenen Spiegel der Kunstgeschichte. Das minimalistische, einfach wirkende Werk ist einerseits die Vollendung des Lebenswerkes von Hamm und seinem Bestreben, die Grenzen der Photographie zu erweitern. Andererseits setzt das Verständnis dieser Installation mit der 18 kg schweren Platte aus 24-karätigem Gold die Kenntnis der Geschichte(n) des Sehens (Bewusstseins), der Perspektive (des Raumes), des Spiegels, des Porträts, des Goldes und seines (Geld-)Wertes voraus. Der Titel „Narziss und Goldgrund“ bezieht sich im Sinne des Renaissance-Theoretikers Leon Battista Alberti (1435) sowohl auf Narziss, also das Motiv der Spiegelung als Ursprung der Kunst, als auch auf das damit einhergehende Ende des mittelalterlichen Goldgrundes. Das Sehen und das Gold stehen in einem dialektischen Verhältnis zueinander, das in Ägypten einsetzt, in der Renaissance, im Barock, in der Romantik seine Metamophosen und in der Gegenwart seinen Abschluss findet.

 

Christopher Anderson
Bleu Blanc Rouge

Hrsg. Nadine Barth
Text in Englisch
Heft, 2018. 32 Seiten, 18 Abb.
Hatje Cantz
ISBN 978-3-7757-4532-1; 23,- Euro

Christopher Anderson (*1970, Kelowna, Kanada), Mitglied der Fotoagentur Magnum, gehört zu den einflussreichsten Photographen der Gegenwart. Erste Aufmerksamkeit erhielt er, als er 1999 zusammen mit 44 haitianischen Immigranten auf einem kleinen Boot, das später in der Karibik verunglückte, Richtung USA segelte. Für diese Aufnahmen erhielt er die Robert Capa Goldmedaille. Seitdem ist er in den Bereichen Dokumentation, Werbung, Kunst- und ModePhotographie tätig. Er war der erste »Photographer in Residence« des New York Magazine und wurde 2007 und 2008 mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet. Die Aufnahmen in Bleu Blanc Rouge, entstanden in den Vereinigten Staaten, Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland, umfassen Porträts, nebenbei eingefangene Augenblicke sowie Stillleben. Mit wiederkehrenden visuellen Elementen wie der Farbe Rot oder einem bestimmten Licht verbinden sich die Aufnahmen zu einer spielerischen, poetischen Serie, die in leichter Heftform daherkommt und mit ihrer Intimität im Nu verzaubert.

 

Helen Levitt
Herausgeber: Walter Moser, Albertina, Wien
Textevon Duncan Forbes, Astrid Mahler, Walter Moser, Christina Natlacen, Bert Rebhandl in Deutsch
Festeinband mit Banderole, 232 Seiten 203 S/W- und 34 Farbabb.
Kehrer
ISBN: 978-3-86828-876-6 2018; 39,90 Euro

Helen Levitt (1913–2009) ist eine der wichtigsten Vertreterinnen der Street Photography. Als leidenschaftliche Beobachterin und Chronistin des New Yorker Straßenlebens photographiert sie ab den 1930er-Jahren die Bewohner der ärmeren Stadtviertel wie der Lower Eastside und Harlem. Mit einem Blick für surreale und ironische Details hält sie über viele Jahrzehnte die Menschen in dynamischen Kompositionen fest. Ihre unsentimentale Bildsprache eröffnet ein humorvolles und theatralisches Schauspiel abseits moralischer und sozialdokumentarischer Klischees. Bereits 1959 etabliert Helen Levitt Farbe als künstlerisches Ausdrucksmittel und zählt somit zu den frühesten Vertretern der New Color Photography. Das Buch zur Retrospektive in der Albertina führt rund 130 ihrer ikonischen Werke zusammen. Einige der Bilder stammen aus Helen Levitts persönlichem Nachlass und werden hier zum ersten Mal öffentlich gezeigt.

 

Vivian Maier
Die Farbphotographien

Mit Texten von Joel Meyerowitz und Colin Westerbeck in Deutsch
Festeinband,  240 Seiten, 153 Farbtafeln
Schirmer/Mosel Verlag
ISBN 9783829608626; 58,- Euro 

Nach den beiden Publikationen zu dem jüngst bei einer Reihe von Zwangsversteigerungen in Chicago aufgetauchten photographischen Werk der bis zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannten Vivian Maier (1926–2009) legt Schirmer Mosel nun einen dritten Sammelband mit ihren unveröffentlichten Farbaufnahmen vor. Das Buch enthält mehr als 150 Photographien und ist nachgerade die direkte, farbige Fortsetzung der Sensation, die die Entdeckung von Vivian Maier in der Geschichte der Photographie ausgelöst hat. Denn auch im Bereich der Farbphotographie, die sich erst ab den 50er Jahren zu ästhetisch-technischer Reife entwickelt hat, erweist sie sich als eine frühe Meisterin. Die Themenkreise, die sie hier behandelt, sind die ihrer schwarzweißen Bilderwelt: Sie findet ihre Motive als Flaneurin in der Großstadt und in ihrer nächsten Umgebung. Portraits von Passanten, Selbstportraits in Spiegeln, Street Photography, Stadtansichten und surreale Stillleben aus Schaufenstern, Ladenfronten und Straßenschildern. Ihre farbigen Bilder überraschen mit außergewöhnlich sicherem Blick für Komposition und Farbgefühl und sind von einer photographischen Geistesgegenwart, die alle Unterschiede aufhebt, die bis dahin die Photogeschichte zwischen der Berufs- und der Amateurphotographie aufgerichtet hat. Man könnte fast von einem „Bildersturm“ sprechen, den Vivian Maier mit ihren schöpferischen Erfindungen, ihren Bildern einer Reporterin auf eigene Rechnung auch auf dem Gebiet der Farbphotographie entfacht. Ein Bildersturm, der alle bekannten Autoritäten und Hierarchien hinwegfegt.

 

Annie Leibovitz
The Early Years, 1970 – 1983

Mit Texten von Annie Leibovitz, Luc Sante und Jann S. Wenner in Englisch, Deutsch, Französisch
Hardcover mit 180 Seiten
Taschen Verlag, Köln
ISBN: 978-3—8365-7189-0; 40,- Euro

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang hat Annie Leibovitz mit ihren unverwechselbaren, intimen und ausdrucksstarken Porträts von Pop- und Rockstars, Politikern, Schauspielern, Sportlern, Royals und Mitgliedern des US-Establishments popkulturelle Meilensteine geschaffen, gleichzeitig Geschichte geschrieben und den Zeitgeist dokumentiert. Ihre Anfänge sind in ihrem im Taschen-Verlag, Köln, erschienenen Katalogband „Annie Leibovitz: The Early Years, 1970 – 1983“ anschaulich wiedergegeben. In ihrem einführenden Text schildert Anni Leibovitz ihre Kindheit, wie sie mit 17 nach Kalifornien ging, am San Francisco Art Institute Kunst studierte, dort eher zufällig zur Photographie fand und ihre ersten Reportagen für den ‚Rolling Stone‘ aufnahm. Mit der von der Photographin persönlich zusammengestellten Installation, die in der Luma-Foundation in Arles zu sehen war, wird Leibovitz’ Entwicklung als junge Photographin dargestellt. Der Katalog, der auch Kontaktbögen und Polaroidphotos enthält, ist zugleich ein Porträt einer faszinierenden, bewegten Ära. Denn vor allem Leibovitz’ Photoreportagen für den ‚Rolling Stone‘, für den sie bereits während ihrer Studienzeit zu arbeiten begann, dies bis 1983 und damit 13 Jahre lang tun sollte und dabei allein 142 Titelbilder schuf, geben aufregende politische und gesellschaftliche Ereignisse und Verwerfungen wieder. Dies bezeugen auch die Textbeiträge von Luc Sante und Jann Wenner. Leibovitz begleitete die Proteste gegen den Vietnamkrieg ebenso wie den Start von Apollo 17, den Präsidentschaftswahlkampf von 1972, Richard Nixons Amtsverzicht 1974 und die Tourneen der Rolling Stones 1972 und 1975. Zu den porträtierten Stars zählen u. a. John Lennon und Yoko Ono, von Leibovitz festgehalten in ihrer inzwischen ikonischen Umarmung wenige Stunden vor Lennons Ermordung.
Die Porträts und Reportagen in diesem Band sind verknüpft durch Bilder von Autos, vom Autofahren und von kalifornischen Highwaypolizisten. „Dinge durch ein Autofenster zu sehen – das hatte ich mein Leben lang gemacht“, erläutert Leibovitz. Und so sind alle vier Umschlagseiten des Buchs, außen wie innen, mit Bildern von Autofahrern bestückt, bekannten, wie Wim Wenders, Tommy Lee Jones, Marvin Gaye, Bruce Springstein, Norman Mailer, Hunter S. Thompson, Tina Turner, Roman Polanski, Margaux Hemingway oder Mick Jagger, oder weniger bekannten. Der Katalogband „Annie Leibovitz: The Early Years, 1970 - 1983“ ist daher einerseits eine Hommage an die Anfangsjahre einer legendären Photographin, zugleich aber auch eine Hymne an das Leben ‚on the road‘ mit seinem spezifischen Rhythmus, zufälligen Begegnungen und meditativen Augenblicken. vZ

 

Michael Danner
Migration as Avant-Garde

mit einem Text von Hannah Arendt
120 Seiten
Kettler Verlag
ISBN 978-3-86206-718-3; 45,- Euro

Die Zahl der Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, war noch nie so hoch wie heute. Aktuell sind laut UN weltweit über 68 Millionen Menschen auf der Flucht. Mit seinem Buch „Migration as Avant-Garde“ liefert Michael Danner einen bewegenden, kritischen und aufrüttelnden Beitrag zum aktuellen gesellschaftlichen Diskurs. Gekonnt spielt Danner mit unterschiedlichen Elementen, vereint eigene Photos und Texte mit historischen Aufnahmen zu einer konsistenten aber vielschichtigen Erzählung, die gestalterisch und inhaltlich immer wieder aufgebrochen wird.
Der zunächst verstörend wirkende Titel des Buches erklärt sich beim Lesen der eingestreuten Zitate aus Hannah Arendts Essay „Wir Flüchtlinge“ von 1943. Die Vorgänge, über die Arendt vor mehr als siebzig Jahren schrieb – die Aufgabe der eigenen Heimat, der Freunde, Familie und Sprache –, sind heute drängender denn je. Auf der Suche nach Fortschritt, angetrieben von der Sehnsucht nach einer besseren Zukunft und unter dem Einsatz ihres Lebens machen sich Menschen damals wie heute auf den Weg, durchbrechen physisch wie psychisch Grenzen und bringen so neue Sichtweisen und Denkansätze mit in unsere Gesellschaft. (Gewinner des Dummy Awards 2018)

 

Hans Christian Schink
Kochi Nights

mit einem Nachwort von Christoph Bertrams in Englisch
Pappeinband, Fadenheftung, farbiger Papiereinband
80 Seiten, ca. 70 FarbPhotographien
The Velvet Cell
400 Exemplare, limitierte Auflage
ISBN 978-1-908889-52-2; 30,- Euro

Mit dem Buch »Kochi Nights« wird ein interessanter Part in der konzeptuellen Photographie auf eine lokale und doch exotische Ebene begrenzt. Im Rahmen eines Goethe Institut Programms im indischen Bundesstaat Kerala setzt sich der Photograph Hans Christian Schink auf seine Weise mit dem historischen Ort und seiner aktuellen Nutzung auseinander.
Kochi liegt an der Südspitze des indischen Subkontinents auf einer Halbinsel. Hier landete Vasco da Gama bei seiner Entdeckung des Seeweges nach Indien zuerst und gründete das Fort Emanuel und die Franziskaner Kirche (1503), in der er 1524 auch begraben wurde. Im Jahre 1539 wurde sein Leichnam nach Lissabon in das Hieronymus Kloster überführt, hier ruht es bis heute in einem portugiesischen Pantheon der Seefahrer. Schink geht die Aufgabe in seiner charakteristischen Weise an, in dem er eine besondere Lichtstimmung wählt in diesem Fall farbige Nachtaufnahmen. Durch die teils spärliche örtliche Beleuchtung entstehen geheimnisvolle teils surreale Motive und bizarre Strukturen. Die sehr unterschiedlichen künstlichen Leuchtmittel erzeugen für eine Nachtsituation eine  sehr variantenreiche Farbigkeit und eine unwirkliche Atmosphäre. Die historische Bedeutung und Architektur „Kochis“ wie auch seine heutige touristische Nutzung und als Ziel europäischer Einwanderer kommen in der Photographischen Serie nicht vor. Eine Photographische Serie an der man studieren kann, wie man bei ungünstigen Voraussetzungen noch konzeptuell interessante Motive kreiert. db

 

Soldier Studies
Cross-Dressing in der Wehrmacht

Hrsg. Martin Dammann, Text(e) von Martin Dammann, Harald Welzer in Deutsch und Englisch
Festeinband, 128 Seiten, 118 Abb.
Hatje Cantz
ISBN 978-3-7757-4483-6; 28,- Euro

Der Künstler und Sammler Martin Dammann beschäftigt sich mit KriegsPhotographie und der Wirkmacht von Bildern und Geschichtsschreibung. Während seiner Bildrecherche ist er auf zahlreiche Amateurphotos von Wehrmachtssoldaten gestoßen, die sich als Frauen verkleideten – Szenen, die der nationalsozialistischen Ideologie zuwider liefen. Diese Funde werden nun erstmals in einem Band zur Diskussion gestellt. Dammanns kritisches Buch zeigt Bilder, die überraschende Einblicke in die Sehnsüchte und den Alltag deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg geben: von spielerischen Klamaukszenen jugendlicher Rekruten über improvisierte Verkleidungen an der Front in engstem Kreis bis hin zu langwierig vorbereiteten Aufführungen in den Kriegsgefangenenlagern der Alliierten. Textbeiträge von Martin Dammann sowie dem Soziologen und renommierten Sachbuchautor Harald Welzer ordnen die Bilder vielschichtig ein.

 

LAND__SCOPE
Herausgeber Dr. Ulrich Pohlmann, Christina Leber
mit Texten von Volker Demuth, Ulrich Pohlmann, Christina Leber, Dietmar Mezler, Erec Gellautz und Katharina Zimmermann in deutscher und englischer Sprache.
160 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen
Snoeck Verlag,  Köln
ISBN: 978-3-86442-264-5; Museumspreis  19,90 Euro

Mit dem Begleitbuch »LAND_SCOPE« wird die Kooperation des Münchner Stadtmuseums mit der DZ BANK Kunstsammlung dokumentiert. Ist in dem Buch »Remembering Landscape« das Thema der Landschaft in unterschiedlichen Medien und ihren heutigen Künstler Positionen analysiert ist es hier der Rundgang durch einen individuellen Sammlungsbestand.
Die Landschaft ist seit über 2.000 Jahren Thema in der Kunst. Ging es zu Anfang um eine Idealbild und die Staffage von religiösen Motiven, in der Renaissance um Architektur und Tiere in der Landschaft, bevorzugten Klassizismus und Romantik das ästhetische Ideal eines abwechslungsreich ge¬stalteten Natur-, Agrar- und Siedlungsraumes? In der Neuen Sachlichkeit wurde die Landschaft auf ihre Bestandteile Bäume und Gesteine reduziert, die dann isoliert ästhetisiert wurden. In der heutigen Landschaft sprechen wir von Stadt- Industrie- von Kriegs- und Folgelandschaften. Es wird also der Eingriff des Menschen thematisiert. Rest-Landschaften dessen ruinöse Strukturen Zeichen setzen.
Dieses Buch reflektiert eine Landschaftsvorstellung, die sich an der „romantischen idyllischen Naturdarstellung“ orientiert und deren Veränderungen durch den Menschen thematisiert. In diesen Zusammenhang passen auch die verschiedenen astronomischen Motive, denken wir z.B. an C.D. Friedrichs und Mathias Claudius Monddarstellungen. Die Landschaftsdarstellungen (Sammlung DZ BANK) in der zeitgenössischen Photographie thematisieren die Veränderung von Natur- und Nutzlandschaft sowie deren Auswirkungen. Interessanterweise ist die „Agrarlandschaft“ dabei, aber die Stadtlandschaft und die Industrielandschaft sind in der Sammlung ausgeblendet. Diese Positionen zeigen, dass nicht nur tradierte malerische Gattung übernommen, sondern auch neue Darstellungsweisen, gesellschaftliche Debatten und politische Diskurse einbezogen werden. LandschaftsPhotographien sind heute mehr als ästhetische Phänomene, mit ihren philosophischen, ökologischen und ökonomischen Aussagen sind sie noch immer durch kulturelle Konnotation (Bedeutung) geprägt. Das Buch ist in die Themen - Ideallandschaften, Wüstungen, Politische Territorien, Landschaft als Konzept, Formkräfte der Natur, Agrarlandschaften, Digitale Landschaften - unterteilt, denen die 120 Photokünstlerischen Arbeiten u. a. von Claudia Angelmaier, Ursula Böhmer, Mona Breede, Lucinda Devlin, William Eggleston, Jochen Gerz, Beate Gütschow, Raphael Hefti, Dan Holdsworth, Carsten Höller, Roni Horn, Axel Hütte, Magdalena Jetelová, Sven Johne, Peter Keetman, Robert Longo, Richard Mosse, Inge Rambow, Heinrich Riebesehl, Thomas Ruff, Adrian Sauer, Stephen Shore, Maria Sewcz, Hiroshi Sugimoto und Anna Vogel zugeordnet sind. (Ausstellung vom 30. November 2018 – 31. März 2019) db

 

Remembering Landscape
Herausgeber Eva Schmidt und Kai Vöckler
Mit Texten von Kai Vöckler, Branislav Dimitrijević, Kurt Lewin, Daniel Falb und Eva Schmidt in deutscher und englischer Sprache
248 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Snoeck Verlag
ISBN: 978-3-86442-260-7; 38,80 Euro

Mit dem Begleitbuch »Remembering Landscape« hat die Photographie eine wichtige Etappe erreicht, sie ist gleichberechtigtes Medium eines künstlerischen Themas - der Landschaft - und ihrer aktuellen Künstler Positionen. Buch und Ausstellung werden in MGK Siegen, Museum of Contemporary Art, Bukarest, dem Center for Decontamination, Belgrad und der Sint-Lukas Galerie, Brüssel präsentiert.
Die Vielfalt der Positionen zu Malerei, Photographie, Plastik und „concept art“ wird durch die 24 KünstlerInnen Marianna Christofides, Luc Delahaye, Chloe Dewe Mathews, Lukas Einsele, Anca Benera und Arnold Estefán, Cyprien Gaillard, Anne Heinlein und Göran Gnaudschun, Markus Karstieß, Thomas Kellner, Jan Kempenaers, Anselm Kiefer, Aglaia Konrad, Susanne Kriemann, Armin Linke, Richard Mosse, Andreas Mühe, Multiplicity, Paul Nash, Alexandra Navratil, Peter-Paul Rubens, Milica Tomić & Sans Souci Collective, Unknown Fields, Danny Veys, Paul Virilio und Kristof Vrancken deutlich. Die Landschaft ist seit über 2000 Jahren Thema in der Kunst. Ging es zu Anfang um eine Idealbild, und die Staffage von religiösen Motiven, in der Renaissance um Architektur und Tiere in der Landschaft, bevorzugten Klassizismus und Romantik das ästhetische Ideal eines abwechslungsreich ge¬stalteten Natur-, Agrar- und Siedlungsraumes. In der Neuen Sachlichkeit wurde die Landschaft auf ihre Bestandteile Bäume und Gesteine reduziert, die dann isoliert ästhetisiert wurden. In der heutigen Landschaft sprechen wir von Stadt- Industrie- von Kriegs- und Folgelandschaften. Es s wird also der Eingriff des Menschen thematisiert, dessen Rest-Landschaften mit ruinösen Strukturen Zeichen setzen. In diesem Buch wir der Topos Landschaft zwischen Fiktion, Sinnbild und Dokumentation dargestellt, um den Betrachter in den künstlerischen Prozess einzubeziehen und an seine Imagination und Empathie zu appellieren. So werden z.B. die Bunker an den Stränden der Normandie als interessante Formen und Strukturen inszeniert und literarische Texte erzeugen wiederum andere Perspektiven auf das Thema. db

 

Jean-Luc Mylayne
Herbst im Paradies

Hrsg.: Bice Curiger
Einführung von Maja Hoffmann, Texte von Jean-Luc Mylayne, Jacqueline Burckhardt, Christie Davis, Leo Lencsés in Deutsch und Englisch
Broschur mit Schutzumschlag, 128 Seiten, 100 Abb.
Hatje Cantz
ISBN 978-3-7757-4523-9; 30,- Euro

Jean-Luc Mylayne (* 1946) hat sein Leben lang die Welt durchstreift, um Vögel in ihrer ruralen Umgebung zu Photographieren. Dabei investierte er jeweils Wochen und Monate in die Suche nach der richtigen Komposition. Die Fondation Vincent van Gogh Arles präsentiert ein Ensemble von 39 Werken, die zwischen 1979 und 2008 entstanden und in neun Kapiteln gegliedert sind. Im Umkreisen der Beziehung zum Licht und zur Örtlichkeit zeigt sich Ihnen beim Besuch der Ausstellung eine wachsende Ausdehnung des Blaus des Himmels. Jede Photographie existiert nur als Unikat und betont gleichzeitig in aller Ruhe sowohl den Moment und die Dauer der Aufnahme, um die Begegnung mit der anderen Kreatur, dem Vogel, geschehen zu lassen. Der Vogel aber ist nicht der alleinige Gegenstand des Bildes, er ist auch Vorwand und Zeuge. (Ausstellung Aargauer Kunsthaus, Aarau vom 18.5.–11.8.2019, Kestner Gesellschaft Hannover vom 6.3.–10.5.2020)

 

Henry Carroll
BIG SHOTS!

Photographen über Photographie
Wie Profis sehen, denken und handeln
128 Seiten
Midas Collection
ISBN 978-3-03876-141-9; 22,90 Euro

Sie glauben, Sie kennen sich in der Photographie aus? Dann denken Sie lieber um. Dieses Buch versteht sich als Erweiterung der erfolg¬reichen BIG SHOTS!-Reihe. Während dort vor allem die technischen Grundlagen vorgestellt werden, ist der Ansatz hier etwas philosophischer. Mit sorgfältig ausgewählten Zitaten, Bildern und Interviews legt dieses Buch offen, was den Meistern des Fachs wirklich wichtig ist. Hier entdecken Sie, wie die Giganten des Genres ihren einzigartigen Stil entwickelt haben, und welche Überlegungen ihrer Arbeitsweise zugrunde liegen.
Mit 50 Meisterwerken von: Henri Nobuyoshi Araki | Man Ray | Maisie Cousins | Tacita Dean | Lisette Model | Viviane Sassen | Irving Penn | Harley Weir | Richard Avedon | Garry Winogrand Aus dem Vorwort: »In diesem Buch kommen Visionäre, Vordenker, Wegbereiter und Neulandbetreter zu Wort – diese einflussreichen Menschen aus Vergangenheit und Gegenwart, die die Photographie nach vorn gebracht haben und es heute noch tun. Wie sind sie an ihr Handwerk herangegangen, was war ihnen wichtig? Und was ist es bis heute? Diese Sammlung von Zitaten, Photos und Interviews geben uns Einblicke in die Denkweisen der großen Meister. Sie sind kleine Einführungen in die großen Ideen und regen zum Nachdenken über die Photographie an. Nehmen Sie das Buch zu Hand, um sich zu inspirieren, oder blättern Sie um und tauchen Sie in diese zauberhafte Kunst ein.«

 

FOTOGRAFEN
Michael Pritchard (DGPh) und Tony Nourmand
288 Seiten mit zahlreichen Abbildungen
Midas Collection
ISBN 978-3-03876-125-9; 59,- Euro

Dieser Klassiker zeigt seltene Aufnahmen der großen Photographen des 20. Jahrhunderts in einer Bildqualität, die ihresgleichen sucht. Von Henri Cartier-Bresson und Weegee zu David Bailey und Richard Avedon, über die PressePhotographen von Life und Picture Post ebenso wie die anonymen Journalisten, die alle bei der Arbeit an der Kamera zu sehen sind. Gezeigt werden nicht bloß Photo-Legenden mit ihren berühmten Models, sondern auch alle klassischen Kameras, wie sie von der Presse, Fotoreportern und ModePhotographen verwendet wurden: Leica, Nikon, Pentax, Rolleiflex und Speed Graphic u.a. sind in diesem Buch vertreten. Ein Abschnitt über Kriegsphotographie zeigt auch Kameras für Luftaufnahmen in der Praxis.
Zu den Photographen in diesem Buch gehören: Antony Armstrong-Jones, Richard Avedon, David Bailey, Cecil Beaton, Margaret Bourke-White, Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, Terence Donovan, Philippe Halsman, Bert Hardy, Annie Leibovitz, Tony Ray-Jones und Weegee. Unter den photographierten Stars sind Sean Connery, Sammy Davis Jr., David Hemmings, Audrey Hepburn, Jayne Mansfield, Marilyn Monroe, Peter Sellers, Terence Stamp, James Stewart, Robert Vaughn und John Wayne, ebenso wie die Beatles, Christine Keeler und John F. Kennedy. Eine umfassende Einführung von Photo-Experte Michael Pritchard setzt die Photographen und ihre Kameras in den Kontext des wachsenden Bedarfs an Star-Photos im Zusammenhang mit dem Aufstieg der Filmbranche. In enger Kooperation mit Getty Images wurden alle Bilder auf Basis der dort vorliegenden Originale in höchster Bildqualität reproduziert. 

 

Civilization
Herausgeber: William A. Ewing und Holly Russel
352 Seiten mit 485 farbigen Abbildungen
Knesebeck
ISBN 978-3-95728-210-1; 55,- Euro

Ein faszinierender globaler Blick auf unsere heutige Welt durch die Linse zeitgenössischer Photographen.
In diesem fulminanten Bildband offenbaren über 140 Photo-Künstler, darunter Cindy Sherman, Edward Burtynsky, Jeffrey Milstein oder Taryn Simon, ihre Blickwinkel auf die Welt, in der wir heute leben. Zu jedem Tag und zu jeder Stunde breitet sich die menschliche Zivilisation weiter aus, entwickelt und verändert sich. In 485 atemberaubenden Photographien wird die Art und Weise unseres heutigen Lebens und Zusammenlebens offenbar: das Zusammenleben in der Stadt, Menschen- und Warenströme, Freizeit und Vergnügen, Werbung, Konflikte oder technischer Fortschritt. Begleitet werden die Bilder von Essays, Zitaten und Kommentaren renommierter Soziologen, Historiker und Personen des öffentlichen Lebens. Ein hochästhetischer und zugleich informativer Photokunst-Band mit populärer Herangehensweise, der die wichtigsten Positionen zeitgenössischer Photographie zu unserem heutigen Leben versammelt. Folgende Photokünstler sind im Buch enthalten: Evan Baden, Olivo Barbieri, Olaf Otto Becker, Edward Burtynsy, Alejandro Cartagena, Philippe Chancel, Natan Dvir, Andrew Esiebo, Andreas Gefeller, Christoph Gielen, Sean Hemmerle, Chris Jordan, Nadav Kander, Christian Lünig, Edgar Martins, Jeffrey Milstein, Michael Najjar | Walter Niedermayr, Simon Norfolk, Simon Roberts, Cindy Sherman, Robert Walker u.v.m

 

Guido Guidi
Le Corbusier - 5 Architectures

Herausgeber:1/9unosunove, Rome, Andrea Simi
Texte: Rosa Tamborrino, Antonello Frongia, Andrea Simi in Englisch, Italienisch
Festeinband , 120 Seiten mit 87 Farbabb.
Kehrer Verlag
ISBN 978-3-86828-833-9; 45,- Euro

2003 dokumentierte der berühmte italienische Photograph Guido Guidi (* 1941 in Cesena) verschiedene Gebäude des Architekten Le Corbusier in Frankreich. Die meisten dieser Aufnahmen des Pioniers der italienischen Landschafts- und ArchitekturPhotographie werden hier zum ersten Mal gezeigt. Die Serie ist ein Beispiel seines tiefen Verständnisses »gebauter Landschaften«. Für das sehr persönliche Projekt wählte er auch weniger bekannte Bauten Le Corbusiers: das Maison la Roche (vollendet 1925), das Maison Planeix (1928), die Villa Savoye (1931), die Cité de Refuge der französischen Heilsarmee (1933), und das Fabrikgebäude der Usine Duval (1951). Die Bilder zeugen von der intensiven Auseinandersetzung des Photographen mit dem Werk Le Corbusiers. Er zeigt uns die Räume, die Materialien, die Farben und die reine Geometrie der Formen. Indem er die Oberfläche des Symbolischen durchbricht, enthüllt Guidi die Gedankenwelt Le Corbusiers und hilft uns, das Erbe des großen Architekten zu entschlüsseln.

 

Ludwig Thalheimer
Costa Rica Time Warp

Text von Maxi Obexe in Englisch mit Beilage deutsch spanisch
Fotohof edition, Bd./vol. 272
Hardcover, 208 Seiten mit 64 SW- Abbildungen  und 48 Farbabbildungen
ISBN: 978-3-902993-72-4; 36,- Euro

In Costa Rica Time Warp  zeigen sich Kinder, denen Ludwig Thalheimer begegnete, als er sich 1986 in Costa Rica aufhielt. Er traf sie an öffentlichen Orten, auf den Straßen, wo sie Zeitungen verkauften, Autos wuschen, in den Verkaufsständen ihrer Eltern mithalfen. Es sind Kinder, die auf den Straßen ihre Zuflucht suchten, oder auch solche, die in behüteten Gated Communities aufwuchsen. Sie erzählten dem Photographen von ihrem Leben, ihren Wünschen und ihren Träumen für die Zukunft. Nach über 30 Jahren wollte Ludwig Thalheimer wissen, was aus diesen Kindern von damals geworden ist. 2017 machte er sich auf die Suche nach ihnen, um sie wiederzufinden, sie erneut zu Photographieren und ihre Lebenswege aufzuzeichnen. Das Buch gewährt einen unsentimentalen und doch berührenden Einblick in sehr unterschiedliche individuelle Lebensgeschichten.

 

Kindheit in der großen Stadt
Photographien aus der bpk-Bildagentur
Herausgegeberin von Frauke Berchtig
mit einem Vorwort von Frauke Berchtig in Deutsch
128 Seiten, ca. 90 Schwarz-Weiß ¬Photographien
Edition Braus, Berlin 2018
ISBN 978-3-86228-178-7; 14,95 Euro

Mit dem Bildband »Kindheit in der großen Stadt« hat die Edition Braus ein Kaleidoskop von Stadtmotiven aus dem Blickwinkel von Kindheitserinnerungen zusammengestellt, die Walter Benjamin (Kindheit um 1900 in Berlin) so beschrieb: „Der Takt der Stadtbahn und des Teppichklopfens wiegte mich in Schlaf“ Die Motive illustrieren den Alltag von Kindern aber auch die kleinen Nischen und Freiräume, die sie sich mit großer Kreativität schaffen.
Die meisten Photographien entstammen den 1920er Jahren als mit dem Aufkommen der PressePhotographie und der „Illustrierten“ das Interesse an der Großstadt und ihren Bewohnern entstand. So ist es folgerichtig, dass die Photographen Friedrich Seidenstücker, Willy Römer, Konrad Hoffmeister, Bernd Heyden, Esther Colton und Alfred Eisenstaedt, die die Fotoreportage als ein Stilmittel in der Photographie entwickelt haben, in diesem Band vertreten sind. Für die Photographen waren es spontane Stadteindrücke, die für uns heute ein buntes, faszinierendes Bild der Metropole Berlin ergeben. In diesem Sinne ein weiterer interessanter Aspekt zu Berlin in 2018. Frauke Berchtig studierte Kulturwissenschaft und Kunstgeschichte und ist als Autorin, Lektorin und Redakteurin in Berlin tätig. Den Reiz des Buches machen die eingestreuten berühmten und zeitlosen Photographien von Friedrich Seidenstücker, Willy Römer, Henry Ries („Kinder erwarten den Rosinenbomber“) aus, die zu Ikonen der Zeitgeschichte geworden sind und so für alle Leser Kindheitserinnerungen wach werden lassen.  db

 

Lewis W. Hine
The boss don't care

Kinderarbeit in den USA 1908-1917
Herausgeber - Wilfried Kaute mit einem Vorwort von Jean Ziegler in Deutsch
320 Seiten, ca. 240 Abbildungen,
Emons Verlag Köln 2018
ISBN 978-3-7408-0465-7; 39,95 Euro

Das Buch »The boss don't care« mit den beeindruckenden Photographien von Lewis W. Hine dokumentiert die Kinderarbeit in den USA (Zeitraum von 1908-1917). Es ist eine soziale Dokumentation für das National Child Labor Committee, die  mit der Photographie Argumente gegen Kinderarbeit für eine politische Kampagne sammelt.
Eine vergleichbare Arbeit entsteht in den 1930er Jahren im Auftrag der Farm Security Administration mit den PhotographenInnen u.a. Dorothea Lange und Walker Evans (1935-38) um auf die prekäre Lebenssituation der „Wanderarbeiter“ hinzuweisen und politische Konsequenzen zu erwirken. Da letztere Serie eine Stilikone der modernen Photographie ist, wirft der Vergleich der beiden Serien einen interessanter Blick auf die Stilentwicklung der Photographie in den USA von 1900-1950. Beide Werkserien sind Meilensteine in der sozialdokumentarischen Photographie, deren Bedeutung darin besteht, dass sie den Betrachter für ein soziales Problem sensibilisieren und bis heute Bestürzung und Empörung auslösen. Über die soziale Dokumentation hinaus gibt der Photograph Lewis W. Hine den Kindern ihre Identität und Würde zurück, indem er ihnen auf Augenhöhe begegnet. Dieses Photographische Stilmittel wird ergänzt durch die Angaben zu Namen, Alter, sowie den Ort und das Datum der Aufnahme, so dass Persönlichkeiten entstehen. Dadurch hat das Buch eine weitere Ebene, wie in seinen Arbeiten zu den Folgen des Ersten Weltkriegs in Europa und dem Buch »Men at Work«, das den Bau Empire State Buildings dokumentiert. Der vorliegende Bildband wurde von Wilfried Kaute zusammengestellt, der als Kameramann. Filmproduzent und Autor in Köln tätig ist und große Erfahrungen im bearbeiten und Erschließen von Archiven mit umfangreichen Bild-Konvoluten hat. Lewis W. Hine und seine Photographien zur Kinderarbeit lernte er während seines Photographie Studiums kennen und setzte sich seither damit auseinander, daher sein Engagement für diese Publikation. Kongenial ist das Vorwort von Jean Ziegler, der als UN Berater (Vizepräsident des  UN-Menschenrechtsrates und profilierter Globalisierungskritiker) darlegt, dass Kinderarbeit auch heute noch ein Problem ist und somit die Photographie für ein bis heute aktuelles Problem sensibilisiert. db

 

Fred Jaeger
Persil und Petticoat - Köln von 1949-1959

Herausgeberinnen Eva Neubert und Britta Schmitz
mit einem Vorwort von Volker Kutscher in Deutsch
240 Seiten, ca 240 Schwarz-Weiß Photographien
Emons Verlag Köln 2018
ISBN 978-3-7408-0464-0; 39,95 Euro

Mit dem Buch »Persil und Petticoat - Köln zwischen 1949 und 1959« wird ein interessanter Part in der journalistischen Photographie auf eine lokale Ebene begrenzt. Aber die beiden Herausgeberinnen Eva Neubert und Britta Schmitz haben auch ein beeindruckendes Zeitdokument zusammengestellt, das das wieder erwachende „kölsche“ gesellschaftliche Leben mit dem Reiz des Neuen und dem ausgeprägten Sinn für Geselligkeit (Kneipen und Karneval) als „Wirtschaftswunder“ Zeitreise zeigt. Dazu gehören Feste, ausgelassene Bälle, schicke Mode, auf Hochglanz polierte Autos, Filmbegeisterung und großes Kaufinteresse.
Der Bildjournalist Fred Jaeger (1918-1999) hat in den 1950er Jahren die bedeutenden Ereignissen und das spezifisch „kölsche“ gesellschaftliche Leben in eindrucksvollen SW Photographien festgehalten. Im Krieg mit der Photographie in Kontakt gekommen arbeitet er ab 1949 als freier Photograph und wechselt Mitte der 1970er Jahre als Kameramann zum WDR. Nun wurde sein umfangreicher Photographischer Nachlass mit 85.000 Negativen, 8.000 Vintages und zahlreiche Kontaktbögen erfasst. Für dieses Buch wurde eine Auswahl von 240 zum großen Teil unveröffentlichte historische Bilder ausgewählt. Die Herausgeberinnen haben das Gleichgewicht gewahrt zwischen lokalen „Muss“ (erste Rosenmontagszug nach dem Krieg schlängelt sich 1949 wieder durch die Stadt) und den Motiven, die darüber hinaus Zeitzeugnisse einer stark zerstörten Stadt sind wie z.B. die Panoramen auf denen die Ruinenstraßen zu sehen sind. Es ist keine künstlerische Photographie wie die in Hermann Classens „Gesang im Feuerofen“, aber doch ein eindrucksvolles Zeitdokument. db

 

Minirock und Literbombe
Herausgeber Reinhard Klimmt
in deutscher Sprache.
320 Seiten, ca. 250 Photographien
Ermons Verlag
ISBN 978-3-7408-0466-4; 39,95 Euro

Mit dem Bildband »Minirock und Literbombe« der das Saarland in den 1960er Jahren zeigt, setzt der Emons Verlag seine Reihe historischer Photographie fort. Es wird ein Panorama des Saarlandes entworfen, dass von der Landschaft, Dörfern, Städten, den Mühen des Wiederaufbaus, Verkehrsbauten bis zu den Industriestandorten reicht. Im Mittelpunkt stehen aber die Menschen mit ihrem wieder erwachten Lebensgefühl, dem Alltagsleben, der Arbeitswelt und es wird deutlich, dass es ein Bundesland der Jugend ist! Es ist die Zeit in der sich das Saarland der übrigen Bundesrepublik angleicht (Saarstatut). Die Motivthemen sind die Arbeitswelt der Gruben und Stahlarbeiter, aber auch Landwirtschaft und Handwerk. Eine besonderer Schwerpunkt sind die Menschen in ihrem Alltag in den Städten, ihrer Freizeit, beim Sport, in Musikclubs, aber auch Bergwerksunglücke und religiöse Festegehören dazu. Das Buch zeigt Menschen, in ihrer Verbundenheit mit der Heimat, die Kunst des »Savoir-Vivre« und der gelebten Nähe zu Frankreich, die sehr schön auf dem Titel visualisiert wird, mit den 4 lachenden Kindern in der „Ente“ (2CV). Es ist wie überall in den 60er Jahren der Aufbruch aus einer klerikal geprägten in eine weltoffenen, modernen Gesellschaft. Den Reiz des Bandes machen die unterschiedlichen eindrucksvollen Photographien aus die leider nicht erfasst werden können, da im Bildnachweis nur die leihgebenden Archive genannt werden. Dabei wäre an Otto Steinerts erster Wirkungsstätte mit bekannten Schülern wie Joachim Lischke, Gunther Keusen, Monika Dietz und Monika von Boch und den bekannten Bildjournalisten u.a. Fedi Hartung, Julius Schmidt, Reiner Oettinger, Werner Wunderlich und J.H. Darchinger eine Zuordnung sehr interessant für den Leser gewesen. Der Herausgeber Reinhard Klimmt ist Publizist und ehemaliger Ministerpräsident des Saarlandes. db

 

Katja Gunkel
Der Instagram-Effekt

Wie ikonische Kommunikation in den Social Media unsere visuelle Kultur prägt
broschiert, 424 Seiten, zahlreiche Abbildungen
transcript Verlag
ISBN 978-3-8376-4445-6; 44,99 Euro

Ikonische Kommunikation ist Conditio sine qua non zeitgenössischer Social-Media-Anwendungen. Speziell die mobile Mediensoftware Instagram kann als eines der global bedeutendsten kulturellen Produktionsmittel der Gegenwart gelten. Ihre medienstrukturelle Konzeption – insbesondere die implementierten Grafik-Presets zur unmittelbaren One-Click-Bildbearbeitung – hat innerhalb weniger Jahre nicht nur den alltäglichen Umgang mit Bildern, sondern die Vorstellung von Bildlichkeit insgesamt fundamental verändert.
Ausgehend von der Positionsbestimmung von Software als inmaterielle Praxis, die mittels der ästhetisch erfahrbaren Bildform des Medieninterfaces zur Aufführung gelangt, fokussiert Katja Gunkel anhand ausgewählter Fallbeispiele softwaregestützte Ästhetisierungsprozesse des mobilen digitalen Bilds und deren Einfluss auf die zeitgenössische visuelle Kultur.

 

Astrid Köhler
Déjà-vu-Effekte

Intertextualität und Erinnerung in inszenierter Photographie
broschiert,  386 Seiten, zahlreiche Abbildungen
transcript Verlag
ISBN 978-3-8376-4387-9; 44,99 Euro

Auch wenn nicht allein das jüngere Kunstschaffen von Praktiken des piktorialen Verweisens, Wiederholens und Recycelns gekennzeichnet ist, wurden diese durch die Verbreitungsmöglichkeiten der Photographie und des Internets erheblich katalysiert. Lichtbildnerische Reproduktionen sowie das Aufgreifen bekannter Bildformeln in inszenierten Photographien – etwa im Werk von Rita Nowak, Tatiana Antoshina und Sam Taylor-Johnson – führen zu Kaskaden der Korrelierbarkeit und Déjà-vu-Effekten. Ausgehend von Theorien der Intertextualität, Interpiktorialität und Intermedialität untersucht Astrid Köhler Vorzüge und Fallstricke dieser Ansätze, um ein Analysemodell zu entwickeln, das von binären Vor-/Nachbild-Zuweisungen absieht.

 

Andrew Bellamy
Analoge Fotografie - Das Handbuch

Herausgeber Andrew Bellamy / ARS Imago / Vetro Editions
240 Seiten, Sprache Deutsch
ISBN 978-3-946688-50-1; 25,- Euro

Vielleicht haben Sie im Secondhand-Laden eine alte Nikon gefunden oder die Leica ihres Opas geerbt. Oder Sie sind einer der vielen jüngeren Photographen, die von der perfekten digitalen Welt gelangweilt sind und sich von der analogen „echten“ Technik angezogen fühlen. Dieses Buch erhält alle Informationen, die Sie benötigen, um Ihre alte Kamera zu verstehen und sie zu verwenden. Alle grundlegenden Informationen zur Technik und Funktionsweise von Kameras und Photographie werden einfach und verständlich erklärt und illustriert. Dies ist ein reines technisches Handbuch, es gibt keine Tipps wie man „bessere“ Photos macht. Sobald Sie die Mechanik der Photographie beherrschen, haben Sie die totale kreative Kontrolle über Ihre Kamera, und können ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Das perfekte Buch, um Ihre Liebe zur analogen Photographie (wieder) zu entfachen.

 

Monika Andrae / Chris Marquardt
Absolut analog

Photographieren wieder entdecken: in Kleinbild-, Mittel- und Großformat
2., erweiterte und aktualisierte Auflage
310 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband
dpunkt.verlag
ISBN Print: 978-3-86490-565-0;  34,90 Euro

Das Arbeiten mit Film und manuellen Kameras eröffnet kreative Spielräume und macht das Handwerkliche an der Photographie von Grund auf begreifbar. Mit diesem Buch teilen Monika Andrae und Chris Marquardt von absolutanalog.de ihr Wissen und ihre Erfahrungen und geben Ihnen einen intensiven Einstieg in die Welt der Analogphotographie. Geschrieben haben sie es für alle Neugierigen, die Freude an der Neuentdeckung der Photographie im Kleinbild-, Mittel- oder sogar Großformat haben. Andrae und Marquardt erläutern unterschiedliche Filme und deren Einsatzgebiete, was Sie beim Kauf einer gebrauchten Kamera beachten müssen, wie Sie zu Hause S/W-, Farb- und Diafilm entwickeln, die Negative scannen, als Photos ausdrucken und angemessen präsentieren. Außerdem vermitteln sie Ihnen alles Wichtige zu manueller Belichtungsmessung, zum Abbildungsverhalten von Filmen, zu unterschiedlichen Entwicklungsverfahren, zur richtigen Archivierung und zum spielerisch-kreativen Arbeiten mit Pinhole- und Toy-Kameras sowie abgelaufenen Filmen.  Ob Sie digitalen Ballast abwerfen und sich wieder mehr auf das Photographieren selbst konzentrieren wollen, ob Sie Ihre handwerklichen Fertigkeiten weiterentwickeln möchten oder neue Impulse für Ihre photographische Arbeit suchen – mit diesem Buch steigen Sie tief und praxisnah in die analoge Photographie ein.

 

Patrick Ludolph
Manche Fehler muss man selber machen -

oder wie ich Menschen Photographiere
Festeinband, 238 Seiten, komplett in Farbe
dpunkt.verlag
ISBN Print: 978-3-86490-612-1; 36,90 Euro

Oft schaut man sich Photos an und fragt sich »Wie hat der das bloß gemacht?«. Hinter manchen Bildern steckt sehr viel Aufwand, andere wiederum entstehen eher beiläufig und durch eine ordentliche Portion Glück. Patrick Ludolph hat auf seinem photographischen Weg viele Fehler gemacht. Über manche muss er heute schmunzeln, einige würde er am liebsten ungeschehen machen, doch auch in der Photographie gilt: Aus Fehlern lernt man. Das vorliegende Buch besteht aus zwei Teilen. Zunächst erzählt Ludolph über seine grundlegende Philosophie, seinen Ansatz, Menschen zu Photographieren. Der zweite Teil ist eine Sammlung seiner persönlichen Lieblingsbilder. Er schreibt zu jedem Bild, wie es entstanden ist, wie die Aufnahmeparameter waren, welches Licht zum Einsatz kam und vor allem wie die Geschichte dahinter ist. Manche Bilder haben eine längere Geschichte, andere gar keine. Es geht sowohl um Licht und Bildgestaltung, aber auch um Kreativität und den Umgang mit Menschen vor der Kamera. Ludolph möchte mit dem Buch eine persönliche Sicht auf die Dinge geben. Es soll keine Anleitung sein, sondern ein Denkanstoß, eine Ermutigung.