Aktuelle Bücher im April 2019

Annet van der Voort (DGPh)
The Wall

Hardcover, 256 Seiten mit 152 Farbabbildungen
Text in Englisch
Distanbz Verlag, 2019
ISBN: 978-3-95476-276-7; 48,- Euro

Über drei Jahre bereiste Annet van der Voort (geb. in den Niederlanden, lebt und arbeitet in Drensteinfurt, Deutschland) europäische Küstenregionen auf der Suche nach den Überbleibseln des Atlantikwalls. So wird die über 6000 Kilometer lange Verteidigungslinie aus Bunkern an den Stränden von Norwegen, Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und den Britischen Kanalinseln bezeichnet. Entstanden ist eine Serie von Photographien, die achtzig Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs letzte Spuren einer grausam-größenwahnsinnigen Vision dokumentieren. Van der Voort gelingen dabei überraschende neue Blicke auf die Architektur der grauen Kolosse: Einige der Bunker erinnern mit ihren Kuppeldächern und Entrees an antike Tempel, andere an futuristische Villen, wie sie die Architektur des Brutalismus der 1950er Jahre hätte hervorbringen können, oder an abstrakte Betonskulpturen von Katzen, Elefanten und Schildkröten. Das Meer und die Natur mit Dünen und Heidelandschaften sind nicht nur Kulissen in den Photographien, sondern haben zum Verfall der Bunker beigetragen. Auch Mensch und Tier wirken auf die Nazi- Bauten ein, indem sie sie mit Graffiti besprühen oder als Unterschlupf nutzen. Van der Voorts fotografische Bestandsaufnahme wird perfekt ergänzt durch historische Einschübe, geschrieben von Volker Jakob (DGPh).

 

Paul Hart
Truncated

Gebunden, 72 Seiten mit 34 S/W-Abbildungen
Dewi Lewis Publishing
ISBN: 978-1-904587-69-9; 42,- Euro

Drei Schwarz-Weiss-Bände, ‚Truncated‘ (2005-2008), ‚Farmed‘ (2009-2015) und ‚Drained‘ (2016-2017) hat der britische Photograph Paul Hart (* 1961) bislang veröffentlicht. Alle drei Bände thematisieren die Natur, dennoch gehören nur die letzten beiden Titel zusammen und bilden den Auftakt zu einer Trilogie. Die Bände ‚Farmed‘ und ,Drained’ - wie auch ‚Truncated‘ - messen 29,5 Zentimeter im Quadrat und sind jeweils etwa 100 Seiten stark. Sie sind in hochwertiges Leinen gebunden und tragen auf der Vorderseite eine eingelegte S/W-Photographie. Dort, wie auch in gleicher Form auf dem Buchrücken, befindet sich der Buchtitel in silberfarbener Prägeschrift und sachlich gehaltener Typografie.‚Truncated‘, beinhaltet Wald-Bilder.

Paul Hart
Farmed

Gebunden, 108 Seiten mit 56 Duoton S/W-Abbildungen
Dewi Lewis Publishing
ISBN: 978-1-907893-97-1; 42,- Euro

Für Hart ist das Waldes-Innere, wo die Außenwelt verschwindet und sich die Zeit verändert, mehr Architektur als Landschaft. Diese formale Sicht sich ergänzender und widersprechender Linien ist auch die Basis für die Folgebände, die thematisch weiter gefasst sind: Hart erforscht unsere Beziehung zur Landschaft sowohl im humanistischen als auch im sozio-historischen Sinn. Aus den Wäldern, den ‚Inseln‘ zog es ihn in das diese umgebende Nutzland. Sein Areal sind die ‚Fens‘, eine Sumpflandschaft im Osten Englands, die zu den reichsten Ackerflächen Großbritanniens zählt.
Die im Kern monokulturell bewirtschaftete Landschaft stellt der Photograph als verletzlich dar und zeigt die Objekte, die zurückbleiben, wenn ihre Umgebung durch die moderne Landwirtschaft geräumt wurde. Hart geht dokumentarisch vor und nutzt den analogen Prozess wie auch die traditionelle Dunkelkammertechnik.

Paul Hart
Drained

Gebunden, 96 Seiten mit 49 S/W-Abbildungen
Dewi Lewis Publishing
ISBN: 978-1-911306-37-5; 42,- Euro

Die äußerst lesenswerten, englisch-sprachigen Einführungen stammen von Gerry Badger (‚Truncated’), Steven Brown (‚Farmed’) bzw. Francis Hodgson. Sie verweisen auf inhaltliche Zusammenhänge und Unterschiede zu den Werken von Dorothea Lange oder Donovan Wylie sowie auf das ‚Romantische‘ in den technisch perfekten Photographien, die menschenleer und linien-betont sind. Unwillkürlich denkt der Betrachter an Arbeiten von Heinrich Riebesehl in ‚Agrarlandschaften‘, Albert Renger-Patzsch, aber auch an Lewis Baltz und die ‚New Topographic Bewegung‘ insgesamt.
Gleichzeitig stellt Hart in den Titeln - ‚Bewirtschaftet‘ und ‚Ausgetrocknet‘ - klar, dass es sich um gebrauchtes, verbrauchtes Land handelt. Die Stille des Waldes in ‚Truncated‘ entspricht nicht der Stille in der monokulturellen Landwirtschaft. Und so ist die Ruhe, die z.B. der Städter als wohltuend empfindet trügerisch. Während der Betrachtung zeitlos schöner S/W-Aufnahmen finden wir uns wieder in der gegenwärtigen Diskussion um den Raubbau an der Natur, die in alle Lebensbereiche hineinreicht. So aktuell sind Paul Hart Bildbände ‚Farmed‘ und ‚Drained‘.

 

Ulrike Crespo
Nordkorea

Freirückenbroschur mit Schutzumschlag, 440 Seiten mit 460 Farbabbildungen
Text in Deutsch und Englisch
Kehrer Verlag, 2019
Lieferbar ISBN 978-3-86828-919-0 2019; 58,- Euro

Im September 2018 feierte Nordkorea den 70. Jahrestag seiner Staatsgründung. Stolz und überraschend friedlich präsentierte sich ein Land, von dem wir kaum mehr wissen, als uns in der Presse berichtet wird. Denn die Demokratische Volksrepublik Korea gilt als eines der unzugänglichsten Länder der Welt. Man sagt, der Schlüssel zu einem Land seien seine Menschen. Da aber ein direkter unkontrollierter Austausch mit Einheimischen praktisch unmöglich ist, näherte sich die Photographin Ulrike Crespo den Menschen über ihre Kamera und gewährt uns intime und seltene Einblicke in das Alltagsleben der Koreaner. Ihr Fazit: »Augen auf, hinschauen und nicht sofort alles bewerten. Die Realität abzubilden, ist unmöglich«. Nach ihren Erfolgstiteln Iceland (2017) und Danakil (2018) ist Nordkorea ihr siebter Bildband, der im Kehrer Verlag erscheint.

 

GERHARD RICHTER MICHAEL SCHMIDT
DIE FARBE GRAU

Photographien von Michael Schmidt
Herausgegeben von Thomas Zander
Texte von Dietmar Elger, Martin Germann, Thomas Weski in Deutsch und Englisch
Broschur, 6 farbiger Druck der Farbe Grau, zum Thema passende Typografie
64 Seiten, 25 meist ganz- bzw. doppelseitige Abbildungen
Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2019
ISBN: 978-3-96098-518-1; 39,80 Euro

Mit dem Begleitbuch „DIE FARBE GRAU“ richtet die Galerie Thomas Zander dem Maler Gerhard Richter und dem Photographen Michael Schmidt (1945-2014) eine umfangreiche Retrospektive zu der „FARBE GRAU“ in ihren Werkgruppen aus. Es ist ein besonderes Ereignis in dem aktuellen kunsthistorischen Diskurs, dass ein zeitgenössischer Maler und ein Photograph eine gemeinsame Galerie-Ausstellung haben. Damit wird der Aspekt aufgegriffen, dass das BAUHAUS weniger ein Kunststil sondern vielmehr eine Lebenshaltung ist, die das gleichwertige Verständnis der Künste untereinander beinhaltet.
Der Katalog stellt Gerhard Richters “graue Bilder” (1965-1974) und den “Spiegel, Grau” (1991) den Photographien der Werkserien „Wedding“ (1976-78) und „Waffenruhe“ (1985-87) von Michael Schmidt gegenüber. Gerhard Richter übernimmt das Grau in seinen Malereien den häufig unscharfen Amateurphotos und Reproduktionen, die ihm als Vorlage dienen und negiert damit jedwede künstlerische Festlegung. Michael Schmidt beginnt in der Serie “Wedding” das SW der Photographien in ein intensives Grau (Kontrastminderung) zu wandeln und somit erfolgt in der Serie eine Verdichtung und Ergänzung der Realität, die der “Subjektiven Fotografie” nahesteht. Er entwickelt in der von ihm gegründeten “Werkstatt für Photographie” (1976) einen veränderten dokumentarischen Stil. Um 1980 in der Nachfolge von Otto Steinert, arbeitet Schmidt als Dozent an der Folkwang Schule (Essen), und entwickelt in der folgenden Werkserie “Waffenruhe” seinen subjektiven Blick.
Mit diesem Katalog und den Ausstellungen wird der vielzitierte Anspruch, dass Kunst neue Perspektiven schafft und einen interkulturellen Austausch ermöglicht, eindrucksvoll umgesetzt. Der Katalog hat eine weitere strukturelle Besonderheit indem er den Bildtafeln nicht eine Textliste der Werke voranstellt sondern eine Panorama der jeweiligen Hängung in der Galerie Zander. Insgesamt eine besonders gelungene Publikation, die den gezeigten Werkgruppen künstlerisch gerecht wird und den Liebhaber des Photographie-Buches erfreut, da er eine besondere künstlerische Note hat. DB

 

Aenne Biermann
60 Fotos

Mit einem Originaltext von Franz Roh und einem Essay von Hans-Michael Koetzle
Texte: Deutsch, Englisch, Französisch
104 Seiten, 61 Schwarzweiß-Abbildungen
Format: 18x24 cm, Broschur
München, Klinkhardt & Biermann Verlag
ISBN: 978-3-943616-59-0;  22,- Euro

Aenne Biermann gilt als eine der wichtigen Avantgarde-Photographinnen des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Bauhaus-Künstlerinnen, wie Lucia Moholy und Florence Henri, war sie in den wegweisenden Ausstellungen der späten 1920er und frühen 1930er Jahren vertreten. Franz Roh, Kunstkritiker und früher Förderer Biermanns, widmete ihr 1930 die legendäre, von Jan Tschichold gestaltete Monographie „Aenne Biermann. 60 Fotos“, die im Verlag Klinkhardt & Biermann, München, als Reprint neu erschienen ist.
Bereits 1928 wies Franz Roh auf die „beachtenswerte“ Photokünstlerin Aenne Biermann (1898-1933) hin, die mit ihren Nahaufnahmen von Pflanzen die Aufmerksamkeit der Fachwelt auf sich zog. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Autodidaktin zu einer bedeutenden Künstlerin der photographischen Moderne, die in ihren Arbeiten mit Nahsichten, extremen Ausschnitten und Beleuchtungskontrasten eine eindringliche und ästhetisch faszinierende Bilderwelt schuf. Ihre Motive fand sie meist in unmittelbarer Umgebung: Neben zahlreichen Stillleben aus Gegenständen des täglichen Gebrauchs sowie Naturaufnahmen photographierte sie immer wieder ihre Kinder, deren Objektwelt und Aktivitäten.
Viele Originale Aenne Biermanns gingen im Zweiten Weltkrieges verloren, einige der 60 Photos der jetzt wieder herausgegebenen Publikation gehören dazu. Wie das Original beginnt auch der autorisierte Reprint des Bandes mit dem einleitenden, aus 1930 stammenden Text „Der literarische Foto-Streit“ von Franz Roh. Schon damals ging es um Fragen, wie „Das Foto sagt nicht die Wahrheit“ oder „Kunst wirkt eindeutig, das Foto bleibt vieldeutig“, die er sehr dediziert beantwortet.
Nach den 60 Photos ergänzt ein aktuelles, kommentierendes Essay des Fachautors und Biermann-Kenners Hans-Michael Koetzle (DGPh) den Band, den er als ein photogeschichtlich bedeutendes Werk in authentischer Fassung und gleichzeitig als eine Hommage an eine der großen Photokünstlerinnen der Moderne sieht. (vZ)

 

Judith Samen (DGPh)
come closer

Hrsg. Niederrheinischer Kunstverein
Klappcover mit Schweizer Broschur mit 32 Seiten und 30 Farbabbildungen
Mit einem Text von Dr. Stephan Mann in Deutsch
ISBN 978-3-00-062204-5; 10,- Euro
Zu beziehen über: judithsamen@gmx.de

Die Düsseldorfer Künstlerin Judith Samen präsentiert photographische Inszenierungen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Zustände des Seins wie Verletzlichkeit, Irritation oder Präsenz hinterfragen die Vorstellungen, mit denen man einander in Bild und Wirklichkeit begegnet.
Zum Katalog erscheint eine Vorzugsausgabe mit einer Photographie aus dem Tobago-Komplex im Format 23 x 15,3 m (Permanent Inkjet auf Papier Hahnemühle Photo-Rag) um Preis von 180,- Euro.

 

Anna Halm Schudel
Blossom

Mit Texten von Franziska Kunze und Nadine Olonetzky in Deutsch und Englisch
Gebunden, 132 Seiten mit 93 farbige Abbildungen
Scheidegger und Spiess, 2019
ISBN 978-3-85881-621-4; 48,- Euro

Vom antiken Wandbild über das barocke Stillleben bis zur Photographie der Gegenwart: Blumen gehören zu den beliebtesten Motiven der Kunstgeschichte. Seit 25 Jahren beschäftigt sich die Zürcher Photographin Anna Halm Schudel mit dem traditionsreichen Sujet. Mit der Kamera zoomt sie in Blumenkelche hinein und an Blütenstempel oder Blattadern heran. Sie zelebriert die leuchtende Farbenpracht und Formenvielfalt und damit die Verführungskunst der Blumen. Ebenso leidenschaftlich verfolgt die Photographin den Prozess des Ausbleichens, Verdorrens und Welkens und nimmt trockene, faulende oder unter Wasser driftende Sträusse auf. Blossom vereint dekorative Pracht mit einem Memento mori. Diese Symbolik und die Bezüge zur Geschichte des Blumenstilllebens thematisieren die Kunst- und Photohistorikerin Franziska Kunze und die Photopublizistin Nadine Olonetzky in ihren Essays.

 

Mapplethorp
Flowers

Mit einem Text von Patti Smith in Deutsch und Englisch
Gebunden, 108 Seiten mit 50 Farbtafeln
Schirmer Mosel; 5. Auflage 2019
ISBN-13: 978-3829606783; 29,80 Euro

Blumen zählen wohl zu den gängigsten Kunstmotiven überhaupt. Mapplethorpe allerdings versteht es meisterlich, seinen Blumenphotographien einen radikal neuen Touch zu verleihen. Indem er sie einzeln arrangiert, sorgt er für eine klassische Pose und reduziert sie auf wenige essenzielle Formen. Die Kompositionen sind bestechend einfach, bergen jedoch gleichzeitig eine komplexe Dynamik in sich. Jede ist evokativ, fast immer schwingt eine sexuelle Note mit. Mapplethorpe erreicht in seinen Photographien, dass diese zarten Organismen beinahe muskulös wirken in der reinen Kraft, die sie ausstrahlen. Seine Blumenbilder sind nur auf den ersten Blick irritierend: Wie bei seinen schwarzweißen Akten und Portraits ging es Mapplethorpe auch bei den Blumen um die perfekt stilisierte Pose, die absolute Klarheit der Komposition und das erotische Drama. Robert Mapplethorpe wurde 1946 geboren und wuchs in Long Island, New York auf. Sein Studium am Pratt Institute in Brooklyn schloss er als Bachelor of Fine Arts ab. In den frühen Achtzigerjahren revolutionierte er mit neuen Techniken und Formaten die Photographie und schuf bis zu seinem frühen Aids-Tod 1989 kraftvolle Bilder.

 

David Bailey
Textbeiträge von Francis Hodgson in Englisch
Format: 50x70 cm
Hardcover, mit vier verschiedenen Schutzumschlägen, 440 Seiten
sowie einem weißen Buchständer
Taschen-Verlag
ISBN: 978-3-8365-5810-5;  2.500,- Euro

Der 1938 in London geborene David Bailey gilt als einer der Begründer der zeitgenössischen Photographie: Er schuf einige der ikonischen Porträts der letzten fünf Jahrzehnte. Baileys Frühwerk fing die Atmosphäre vom Swinging London der 60er-Jahre ein und definierte sie gleichzeitig. Er machte eine neue Generation von Models, wie Jean Shrimpton und Penelope Tree, zu Stars. Der Photograph verstand es, die Energie des neuen und informellen Street-Styles in seinem Werk zu kanalisieren und einen neuen lässig-coolen Stil zu kreieren. Von der Moderne inspiriert, verlieh er seinen Arbeiten durch Verwendung einer sehr direkten, angeschnittenen Perspektive ein Gefühl von Bewegung und Unmittelbarkeit. Falls man einmal im London des Jahres 1965 landen sollte, muss man unbedingt die „Box of Pin-Ups“ des jungen Photographen David Bailey, eine Schachtel, die Porträtaufnahmen von allen enthält, die damals als ‚hip‘ galten, erwerben: John Lennon und Paul McCartney, Beatles-Manager Brian Epstein, Michael Caine, Supermodel Jean Shrimpton (liiert mit Bailey), ihre kleine Schwester (liiert mit Mick Jagger), Jagger selbst, Andy Warhol, Terence Stamp oder, der Publicity wegen, auch die Kray Twins, zwei ruchlose Gangster und Folk Heroes aus dem Londoner East End, aus dem auch Bailey stammt. Denn Bailey war mitten drin. Er wohnte mit Jagger zusammen, heiratete bald Catherine Deneuve, photographierte für die ‚Vogue‘, kannte jeden, sah gut aus. Ein Jahr später machte ihn Michelangelo Antonioni mit dem bald zum Kult avancierenden Film ‚Blow Up‘ endgültig zur Legende. Seitdem hat Bailey immer weiter gemacht, Millionen von Bildern aufgenommen, Filme gedreht, Ausstellungen bestückt, Bücher veröffentlicht - und zeigt bis heute keine Ermüdungserscheinungen.
Das Buch spannt den Bogen von den 1960ern, als Swinging London der hippe Nabel der Welt war, bis in die 2010er Jahre. Es enthält mehr als 300 großartige Porträtaufnahmen des „Geburtshelfers der Coolness“, wie die FAZ einmal titelte. Abgebildet sind unter anderem Andy Warhol, Salvador Dalí, Kate Moss, Nelson Mandela, Francis Bacon, Zaha Hadid, die Rolling Stones, Jack Nicholson, Brigitte Bardot, Margaret Thatcher, Lennon, McCartney und Hunderte andere Prominente aus Kunst, Mode, Pop und Politik, aber auch Menschen aus Baileys ganz privatem Umfeld.
Der Autor Francis Hodgson ist Professor für die Geschichte und Praxis der Photographie an der Universität Brighton in Großbritannien. Bis 2015 war er langjähriger Photokritiker für die Financial Times und leitete die Abteilung für Photographie bei Sotheby's. Im Jahr 2017 erhielt Francis Hodgson den J. Dudley Johnston Award von der Royal Photographic Society, der für herausragende Texte zur Photographie vergeben wird.
Der Bildband David Bailey im „Sumo-Format“ 50x70 cm des Taschen-Verlags reiht sich damit in deren großformatige Sumo-Titel Helmut Newton, Sebastião Salgado, David Hockney und Annie Leibovitz ein. Er wird, zusammen mit einem von Marc Newson entworfenen, weißen Buchständer, mit vier verschiedenen Covervarianten - mit John Lennon und Paul McCartney 1965, Jean Shrimpton 1965, Mick Jagger 1964 und Andy Warhol 1965 – angeboten. Die Collector’s Edition (Nr. 301–3.000) ist auf 2.700 Exemplare limitiert, während die vier Art Editions von jeweils 75 Exemplaren (Nr. 1–300) zusätzlich je ein von David Bailey signierten Fine Art Print enthält. (vZ)

 

Gerhard Vormwald
Bilderfinder

Herausgeber: Thomas Schirmböck (DGPh)
Text von Heinz Norbert Jocks in Deutsch und Englisch
Hardcover, 160 Seiten mit 86 Abbildungen (63 Duplex, 23 Farbe)
Hartmann Projects
ISBN 978-3-96070-033-3; 34,- Euro

Gerhard Vormwald, 1948 in Mannheim geboren, 2016 in Paris gestorben, hat mit seinen Arbeiten in den 80’er und 90’er Jahren national und international für Aufsehen gesorgt. Mit seinen surrealen Bildinszenierungen und Montagen hebelte er die Schwerkraft und unser Vorstellungsvermögen noch vor der Erfindung von Photoshop visuell aus. In seinen Bildern schweben Menschen, Wasser fliesst aufwärts, Dinge tanzen im Raum zu surrealen Choreografien. Dieses Buch gibt einen Überblick über seine gefundenen und erfundenen Bilderwelten – von frühen dokumentarischen Bildern (Unterwegs), über Architekturmontagen (Concrete Illusions), Bildpaarungen (Blind Date Essentials) surrealistische (Autonomie der Dinge) und negativ (Schwarzes Licht) verfremdete Stilleben und einige wenige der Auftragsbilder aus dem Werbekontext. Die poetische Irrealisierung der Welt, die Vormwald mit Inbrunst betreibt, zeugt von seinem und von seiner fröhlichen Lust am Abwegigen und Geheimnisvollen. Dass er in der Kunstwelt heute noch weitgehend unbekannt ist, mag sich mit seiner Sperrigkeit erklären, seine Bilder lassen sich nicht auf ein leicht wiedererkennbares Markenzeichen reduzieren. st
(Ausstellung Zephyr – ZEPHYR zu Gast in der Schatzkammer, Museum Zeughaus 13.April – 19.Juni 2019)

 

Ulrich Weichert (DGPh)
Rund um Zollverein. Vom Leben im Essener Norden

Herausgegeben von der Stiftung Zollverein
Text ein Interview mit Ulrich Weichert in Deutsch
64 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen
Klartext Verlag, Essen
ISBN: 978-3-8375-2101-6 ; 16,95 Euro

Mit dem Begleitbuch »Rund um Zollverein« dokumentiert die Stiftung Zollverein nach mehreren Ausstellungen im Rundeindicker zu dem Weltkulturerbe Zollverein mit der Ausstellung »Vom Leben im Essener Norden « des Phtographen Ulrich Weichert (*1949) den Blick auf den umgebenden Stadtteil Essen-Katernberg.
Ulrich Weichert pflegt eine farbige „street photography“ mit der er den Stadtteil und seinen Geschäften, Handwerksbetrieben, dem Straßenleben, Imbissbuden, Sportplätzen und den Touristen auf dem Zollverein-Gelände zeigt. Mit dezenter Neugier gelingt es ihm sehr authentische, manchmal humorvolle Bilder des Alltagslebens zu zeichnen. Ulrich Weichert, Schüler des Photographen Karl Hugo Schmölz (Köln), besuchte dort die Fachhochschule für Kunst und Design und leitete bis 2013 die Bildredaktion des Bundespresseamtes. Seine Bildsprache pendelt zwischen genau beobachteten Alltagsszenen und exakt komponierten Portraitstudien. (Ausstellung 01. April bis 25. August 2019, UNESCO-Welterbe Zollverein, Areal Schacht XII, Kohlenwäsche [A14] Rundeindicker, Buch und Ausstellung auf Zollverein werden ergänzt durch großformatige Vergrößerungen, die im Stadtteil auf Plakatwänden gezeigt werden und so die Photographien an den Ort ihrer Entstehung zurückbringen).

 

Andreas Mader
Days, Life Die Tage Das Leben 1988 - 2018

Text von Klaus Merz in Deutsch und Englisch
Fotohof edition, Bd./vol. 274
ISBN: 978-3-902993-74-8; 38,- Euro

Die Tage Das Leben“ ist ein Langzeit-Porträtprojekt, in dem Andreas Mader dieselben Menschen immer wieder photographierte. Es wurde in Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland, Luxemburg und Österreich zusammen mit Arbeiten von Richard Avedon, Rineke Dijkstra, Nan Goldin, Roman Opalka und anderen gezeigt. Mit 100 Abbildungen umfasst es einen Zeitraum von dreißig Jahren und bildet eine mosaikartig verdichtete, große Erzählung des Lebens. „1988 begann ich enge Freundinnen und Freunde und meine Familie zu photographieren. Die ersten Bilder entstanden sporadisch aus dem Zusammensein heraus. Wir waren jung, verbrachten ganze Tage miteinander, redeten Nächte hindurch, waren uns nahe und vertraut.
 Im Lauf der Zeit porträtierte ich die Nächsten bewusster. Ich sah ihnen dabei zu, wie sie sich fanden und trennten, wie sie Kinder bekamen und diese heranwuchsen. Wie sie alleine und mit Anderen waren, wie sie älter wurden und sich bei der Hand nahmen, um nicht unterwegs verloren zu gehen.
 Manche der Freunde zogen weg. An einen anderen Ort, in ein anderes Land. Ein Jahrzehnt ging zu Ende, ein neues Jahrhundert begann. Wir sahen uns seltener, reisten zueinander, um uns nicht aus den Augen zu verlieren, und ich photographierte weiter. Die wechselnden Orte, die sich verändernden Beziehungen, der Wandel der äußeren Erscheinung und das unmerkliche Verstreichen der Zeit bilden den Hintergrund, vor dem dieselben Menschen immer wieder vor die Kamera treten und das Leben sichtbar werden lassen.“ Andreas Mader

 

Bernd Cramer
ÜbergangsGesellschaft

Fotografien 1985–2019
Mit einem Vorwort von Bernd Lindner
Gebunden, 160 Seiten
Mitteldeutscher Verlag, 2019
ISBN 978-3-96311-120-4; 25,- Euro

Bäuerinnen auf dem Feld während ihrer Mittagspause, ein singender Junge auf einer Veranstaltungsbühne mit einem Lenin-Plakat im Hintergrund, ein schlafender NVA-Soldat im Zug, Heranwachsende bei ihrer Jugendweihe, der Schornsteinfeger auf Leipzigs Dächern, Menschen beim Gebet in der neugebauten Leipziger Propsteikirche, Trossiner Dorfbewohner, die sich für einen Karnevalsfilm wie Hollywood-Filmstars verkleiden und Legida-Demonstranten, die mit ihren populistischen Ansichten die Gesellschaft spalten: Über mehr als 30 Jahre setzt der Leipziger Photograph Bernd Cramer das Grundgefühl anhaltender Verunsicherung in seiner Heimatregion ins Bild. Zwischen 1985 und 2019 entstanden, bieten die Photographfien des vorliegenden Bandes eine eindrucksvolle Zusammenschau der instabilen Lebenslage Ostdeutscher zwischen der Endzeit der DDR und dem zögerlichen, mitunter krisenhaften Ankommen in der bundesdeutschen Gesellschaft. Es sind Bilder einer anhaltenden Übergangsgesellschaft.

 

Vladimir Antaki
The Guardians

Festeinband mit Banderole, 112 Seiten mit 58 Farbabbildungen
Text in Englisch und Französisch
Kehrer Verlag, 2019
ISBN 978-3-86828-925-1 2019; 39,90 Euro

Für seiner Werkserie The Guardians reiste Vladimir Antaki durch Europa, den Mittleren Osten und Amerika, um Ladenbesitzer zu fotografieren – »Wächter«, wie er sie nennt. Diese Wächter behüten das, was Antaki als »urban temples«, urbane Tempel, bezeichnet – einzigartige Orte, die sich im Zeitalter der Handelsketten und Standardprodukte auf frühere Zeiten und ein anderes Lebensgefühl beziehen. Antaki schafft eindrucksvolle Porträts dieser Wächter inmitten ihrer Läden, die den Betrachtenden die Schönheit dieser oftmals vergessenen Orte erneut vor Augen führen. Der Fotograf ist der Überzeugung, dass diese Tempel das Herz und die Seele jeder Großstadt ausmachen und sie dem jeweiligen Stadtzentrum sein einzigartiges Flair verleihen. Darüber hinaus besteht gewissermaßen eine Verpflichtung, an diese Läden zu erinnern, da immer mehr ihre Tore schließen müssen. Das Buch zeigt 45 Ladenbesitzer und Handwerker aus Beirut, Berlin, Bordeaux, Istanbul, London, Mexico City, Miami, Montréal, New York, Paris, Philadelphia, Toronto und Venice Beach.

 

Olaf Heine
Rwandan Daughters

Texte von Matthias Harder (DGPh), Olaf Heine, Antje Stahl in Deutsch und Englisch
Gebunden, 208 Seiten mit 70 Abbildungen
Hatje Cantz, 2019
ISBN 978-3-7757-4547-5; 54,- Euro

Während des Völkermordes in Ruanda im Jahr 1994 wurden bis zu eine Million Tutsi von Hutu-Angehörigen ermordet, 80 Prozent der überlebenden Frauen wurden vergewaltigt. Heute leben Täter und Opfer Tür an Tür. Während Frauen seitdem in der Gesellschaft stetig an Einfluss gewannen, stehen die Vergewaltigungsopfer und ihre Kinder am unteren Ende der sozialen Hierarchie. Vielen jungen Frauen gelingt es jedoch, ihre traumatisierten Mütter aufzufangen und sich von dem Stigma zu befreien. Der Mut und die Zuversicht dieser Frauen in einer von Traumata geprägten und autoritär regierten Gesellschaft sind beispiellos. Rwandan Daughters zeigt starke Frauen, die die erfahrenen Traumata überwunden haben. Olaf Heine (*1968) hat diesen Wendepunkt und die Versöhnung bildlich ausdrucksstark vor Ort inszeniert und Mütter und Töchter Seite an Seite am Ort des Geschehens porträtiert. Neben den Bildern enthält der Photoband kurze Statements der Frauen zu ihrem Umgang mit den Erlebnissen.
Das Photobuchprojekt entstand in Zusammenarbeit mit der ora Kinderhilfe, die die Betroffenen vor Ort psychologisch und finanziell unterstützt. Einen Teil des Erlöses aus dem Verkauf der Bücher spendet Hatje Cantz den betroffenen Müttern und Töchtern in Ruanda.

 

Anja Niedringhaus
Bilderkriegerin

Herausgegeben von Hannelore Fischer
Texte von Sonya und Yury Winterberg, Minka Nijhuis, Michael Kamber, u.a.in Deutsch und Englisch,
Buchgestaltung: farbig abgesetzte Textseiten, 144 Seiten, ca. 90 farbige Abbildungen
Wienand Verlag, Köln 2019
ISBN 9783868325140; Museumspreis: 22,- Euro, Buchhandelspreis: 29,80 Euro

Mit dem Begleitbuch »Anja Niedringhaus. Bilderkriegerin« richtet das Käthe Kollwitz Museum der Photographin Anja Niedringhaus (1965–2014) eine umfangreiche Retrospektive aus, mit 80 großformatigen Photographien der unterschiedlichen Werkgruppen werden Motive aus den Kriegsregionen (Balkan, Irak, Libyen und Afghanistan), brillante einfühlsame Porträts und dynamischen Sportphotographien erschlossen. Das Buch ist eine wirkliche photographische Entdeckung zum Ouvre der Photographin und eine wichtiger Beitrag zur Bewertung der täglichen Nachrichten aus den Krisengebieten der Erde. Das Titelmotiv ist stellvertretend für die Arbeitsweise von Anja Niedringhaus, die nicht dramatisiert sondern mit einem starken humanistischen Aspekt dokumentiert - ein kleiner Junge hält sich die Ohren zu und beobachtet trotzdem interessiert den passierenden Soldaten und die Photographin. Ihre ruhige dokumentierende Bildsprache zeugt von Empathie für das Leid und den Überlebenswillen der betroffenen Menschen. Indem sie Momente der Ruhe (siehe Titel) im Chaos und im schlimmsten Grauen erfasst, zeigt sie was Krieg mit den Menschen macht. Ihre Photographien mahnen eindrücklich zum Frieden! So erscheint es folgerichtig dass die für EPA (European Pressphoto Agency) und AP (Associated Press) arbeitende Anja Niedringhaus 2005 als erste deutsche Photographin den Pulitzer-Preis erhielt. (Ausstellung 29. März - 30. Juni 2019 2019 Käthe Kollwitz Museum Köln im Rahmen des Photoszene-Festivals 2019)

 

Bauhaus Dessau - Architekture
Hrsg.: Stiftung Bauhaus Dessau
Text: Florian Strob
Photographien: Thomas Meyer
168 Seiten, 120 Abbildungen in Farbe
Format: 22x27 cm, gebunden
München, Hirmer-Verlag
ISBN: 978-3-7774-3199-4;  29,90 Euro


„Kunst und Technik: Eine neue Einheit“ – unter diesem Leitspruch kam das Bauhaus 1925 nach Dessau. Die darauf folgenden sieben Dessauer Jahre sollten die produktivste Zeit der Gestalter und Architekten des Bauhauses werden. Der Bildband stellt alle Dessauer Bauhausbauten in Wort und Bild vor und ermöglicht neue Perspektiven auf diese Ikonen der modernen Architektur in ihrer heutigen Nutzung.
Walter Gropius, Hannes Meyer, Ludwig Mies van der Rohe, Richard Paulick, Georg Muche, Carl Fieger, Karl Friedrich Engemann: Die Architekten am Dessauer Bauhaus verwirklichten ihre Entwürfe in den Jahren 1925 bis 1932 in der Industriestadt zwischen Elbe und Mulde und schufen so ein einzigartiges Ensemble moderner Architektur, das bis heute Besucher aus aller Welt nach Dessau lockt. Das im Hirmer-Verlag, München, erschienene, von der Stiftung Bauhaus Dessau unter der Leitung von Claudia Perren herausgegebene Buch ist ein idealer Führer. Einfach gestaltete Stadtpläne helfen dem Interessenten beim Rundgang durch die Stadt, die verschiedenen Gebäude zu finden.
Florian Strob, nach seinem Studium in Bonn und Oxford seit 2018 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung, beschreibt jeweils einzeln und ausführlich die Zeitzeugen aus den sieben Jahren Dessauer Bauhausbauten, beginnend mit dem von Walter Gropius entworfenen, 1926 vollendeten Schulgebäude mit dem markanten Schriftzug, das seit 1996 UNESCO-Welterbe ist. Diesem ist – ebenso wie allen anderen bis 1932 von den Bauhaus-Architekten entworfenen Gebäuden in Dessau -  ein Kapitel gewidmet. Dies gilt auch für die im Jahr 1945 zerstörten Häuser Gropius und Moholy-Nagy, die zwischen 2011 und 2014 von Bruno Fioretti als „neue Meisterhäuser“ rekonstruiert wurden. Alle Kapitel sind mit hervorragend komponierten Farbaufnahmen des Photographen Thomas Meyer, der bei Arno Fischer an der Ostkreuzschule für Photographie die Meisterklasse absolviert hat und seit 2000 Mitglied der Agentur Ostkreuz ist, bebildert. Sie zeigen die Gebäude von außen, aber in vielen eindrucksvollen Detailaufnahmen auch von innen.
Der Band „Bauhaus Dessau“ belegt, dass in den historischen Bauten der revolutionäre Anspruch des Bauhauses zum Ausdruck kommt, die Gesellschaft durch Gestaltung und Architektur grundlegend zu verändern, indem Architektur, Design, Handwerk und Kunst vereint wurden – durch schnörkellose Strenge und klare Formen. (vZ)

 

BEL CANTO – Wiener Staatsoper
Mit Texten von Clemens Höslinger, Andreas und Oliver Láng sowie Erich Seitter
Texte: Deutsch, Englisch, Französisch
240 Seiten mit 153 Photos
Format: 24 x 32 cm, Hardcover
Baden (A), Edition Lammerhuber
ISBN: 978-3-903101-63-0;  59,- Euro

it dem Bildband „BEL CANTO“ würdigt die Edition Lammerhuber den 150. Geburtstag der Wiener Staatsoper. Präsentiert werden  in dem exzellenten Buch 150 bedeutende Sängerinnen und Sänger, die dort auftraten und die der Photograph Lois Lammerhuber über Monate porträtiert hat.

Erzählt wird von großen Sängerinnen und Sängern des Wiener Opernhauses am Ring. Manche wirkten hier ihr ganzes Leben lang, andere gastierten nur einige Male – aber ihnen allen war die große Zuneigung, Hingabe, ja Liebe des Wiener Publikums sicher. Aus den tausenden Interpreten, die in der 150-jährigen Geschichte des Hauses aufgetreten sind, wurden stellvertretend 150 ausgewählt. Nicht die 150 mit den meisten Auftritten, nicht einer oder eine aus jeweils einem der 150 Jahre, sondern einfach 150 außergewöhnliche Künstlerinnen und Künstler, die dem Haus, seiner Geschichte und seinem Publikum etwas bedeuten. Zu diesen gehören, beginnend mit Hans Rokitansky, der am 25. Mai 1869 den ersten Ton im Wiener Opernhaus sang, unter anderem Agnes Baltsa, Montserrat Caballé, Maria Cebotari, Placido Domingo, Ferruccio Furlanetto, Elina Garanĉa, Thomas Hampson, Jonas Kaufmann, Simon Keenlyside, Anna Netrebko, Luciano Pavarotti, Leontyne Price und Richard Tauber.
Dominique Meyer, seit 2010 Direktor der Wiener Staatsoper, reflektiert in seinem Text das „Who’s Who des internationalen Gesangs“. Er berichtet, dass dort zu Beginn zunächst vornehmlich deutsche und österreichische Künstler sowie danach vermehrt solche aus Italien auftraten. Später achtete Herbert von Karajan bei den Aufführungen verstärkt auf die Originalsprache und damit auf internationale Besetzung. Der Musikforscher Clemens Höslinger  erzählt in seinem Beitrag „Von Sängern und Sängerinnen der alten Hofoper“ und die Dramaturgen Andreas und Oliver Láng über die zwischen 1914 und 1955 dort Auftretenden. Der künstlerische Berater und Stimmkenner Erich Seitter schildert unter dem Titel „Ein Opernhaus mit ungeheurer Strahlkraft“, wie das Wiener Opernhaus im Herbst 1955 aus den Ruinen auferstand und beschreibt anhand einer Auswahl von Sängerinnen und Sängern, welch außergewöhnlicher Leistungen es bedurfte, das weltweit einzigartige Niveau des Wiener Opernhauses danach über Jahrzehnte hinweg zu halten. „Bel Canto“ ist das 13. Buch, das Lois Lammerhuber als eine Art Enzyklopädie über Theater am Fallbeispiel der Wiener Staatsoper photographiert hat. (vZ)

 

FOTOGESCHICHTE - Heft 151
Nomadic Camera. Fotografie, Exil und Migration
Burcu Dogramaci, Helene Roth (Hg.)
Softcover, 80 Seiten mit zahlreichen Abbildungen
Jonas Verlag, 20,- Euro

Die Photographie ist das diasporische Medium par excellence. Unweigerlich überschreitet sie in der (E)Migration lokale, regionale, nationale und globale Grenzen und wird somit selbst zu einem transnationalen Medium. Sie wird unterwegs und in der Fremde als Gedächtnis- und Erinnerungsmedium, aber auch als Kommunikationsmittel eingesetzt. Die Photographie wird zudem als Zeichen der Wertschätzung und Solidarisierung gegenüber Gleichgesinnten verwendet. Nicht nur Formen der geografischen Entwurzelung, sondern auch Bedürfnisse nach Zugehörigkeit finden in fotografischen Dokumenten ihren Niederschlag. So wie die untersuchten Bilder überschreiten auch die Beiträge dieses Themenheftes zeitliche, geografische und thematische Grenzen. Sie führen exemplarisch vor Augen, wie mit phototheoretischen und photohistorischen Mitteln die komplexen Zusammenhänge zwischen Flucht, Exil und Migration analysiert werden können.

 

Marc Stache
Analog fotografieren und entwickeln

mitp Verlag, Edition ProfiFoto, 3. Auflage 2019
Paperback mit 288 Seiten
ISBN: 9783958459656; 25,99 Euro

Der Moment, in dem der Film aus der Entwicklungsdose geholt wird, die Sekunde, in der das Bild zum ersten Mal auf Papier sichtbar wird – hier spürt man die Faszination, die analoge Photographie immer noch ausmacht. Sie bietet mit einer Vielzahl von Aufnahme- und Verarbeitungsmaterialien sehr viele kreative Möglichkeiten der Einflussnahme auf das Bildergebnis. Marc Stache berät Sie bei Aufbau und Einrichtung Ihrer eigenen Dunkelkammer. Er zeigt die Fülle an Filmen, demonstriert die Unterschiede und hilft bei der Wahl des passenden Films, des richtigen Entwicklers sowie bei der Papierauswahl. Außerdem geht er auf die praktischen Grundlagen der Dunkelkammerarbeit, auf die Möglichkeiten der Retusche sowie der experimentellen Entwicklung zum Beispiel mit Kaffee ein. So zeigt Ihnen Marc Stache Schritt für Schritt, wie Sie vom belichteten Film zum fertigen Abzug gelangen, sowohl Negative als auch Positive langfristig archivieren und Ihre Bilder perfekt präsentieren. Eine Liste der häufigsten Fehler mitsamt Ursachen und Tipps zur Abhilfe rundet dieses moderne Lehrbuch zu einem nur scheinbar alten Thema perfekt ab: Als Ergebnis erhalten Sie einzigartige Schwarz-Weiß-Fotos aus Ihrem Heimlabor.