Die Deutsche Gesellschaft für Photographie zeichnet die französisch-amerikanische Fotografin für ihr dokumentarisches Werk aus
Köln, 20. August 2026 – Die Deutsche Gesellschaft für Photographie zeichnet die französisch-amerikanische Fotografin Jane Evelyn Atwood mit dem renommierten Dr. Erich Salomon-Preis aus. Mit dieser Auszeichnung würdigt die DGPh eine Fotografin, die die Möglichkeiten des dokumentarischen Bildes konsequent erweitert hat. Atwoods Werk, das seit Jahrzehnten in einzigartiger Weise den Blick auf Menschen am Rand der Gesellschaft richtet, steht exemplarisch für eine engagierte, ethisch reflektierte Fotografie, die gesellschaftliche Realitäten sichtbar macht und nachhaltig im kollektiven Bildgedächtnis verankert.
„Der Dr. Erich Salomon-Preis würdigt die vorbildliche Anwendung der Fotografie in der Publizistik. Jane Evelyn Atwood hat über Jahrzehnte gezeigt, was das heißt: Sie macht Lebensrealitäten sichtbar, die sonst unsichtbar bleiben, und hält sie im kollektiven Bildgedächtnis fest", sagt Ruediger Glatz, Vorsitzender des geschäftsführenden Vorstands der DGPh.
Geboren 1947 in New York, lebt Atwood seit 1971 in Paris. Ihre fotografische Karriere begann sie Mitte der 1970er-Jahre als Autodidaktin. Geboren 1947 in New York, lebt Atwood seit 1971 in Paris. Ihre fotografische Laufbahn begann sie Mitte der 1970er-Jahre als Autodidaktin: 1976 entstand mit ihrer ersten Kamera eine Serie über Sexarbeiterinnen in der Rue des Lombards in Paris. Es folgten Arbeiten über transidente Menschen, blinde Kinder, Menschen mit HIV und Aids sowie über Inhaftierte. Atwood steht für eine Fotografie der Nähe, des Respekts und der Empathie. Ihre Arbeiten entstehen über lange Zeiträume hinweg und zeichnen sich durch ein tiefes Vertrauen zwischen Fotografin und Porträtierten aus; dank intensiver Recherche und einer sensiblen Vorgehensweise dringt sie in Lebenswelten vor, die sonst unsichtbar bleiben.
Besondere internationale Aufmerksamkeit erlangte Atwood mit ihrem Langzeitprojekt Too Much Time. Women in Prison, an dem sie zwischen 1989 und 1999 arbeitete. Sie fotografierte in rund vierzig Gefängnissen in neun Ländern West- und Osteuropas sowie in den Vereinigten Staaten und erhielt dabei Zugang auch zu extrem schwer zugänglichen Strafvollzugsanstalten, darunter Todestrakte in den USA. Die Arbeit dokumentiert die Lebensrealitäten inhaftierter Frauen und gilt bis heute als eines der eindringlichsten fotografischen Zeugnisse über Haftbedingungen von Frauen weltweit.
Neben ihren thematischen Langzeitprojekten dokumentierte Atwood auch Krisenereignisse, darunter das Erdbeben von Kobe 1995 und die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001. Ihre Arbeitsweise beschreibt sie selbst als „besessen": Ein neues Kapitel schlägt sie erst auf, wenn sie sicher ist, ein Thema und ihre eigene Beziehung dazu vollständig erfasst zu haben – und dass ihre Bilder dieses Verständnis widerspiegeln.
Ihre Arbeitsweise beschreibt Atwood selbst als „besessen“. Ein neues Kapitel schlägt sie erst auf, wenn sie sicher ist, ein Thema und ihre eigene Beziehung dazu vollständig verständig erfasst zu haben und dass ihre Bilder dieses Verständnis widerspiegeln.
Ihre Arbeiten werden international ausgestellt und häufig hat Jane Evelyn Atwood sie auch in Buchform veröffentlicht, darunter Too Much Time, Women in Prison (2000), Trop de Peines, Femmes en Prison (2000 / 2004), Haïti (2008), Rue des Lombards (2011) und Pigalle People (2018 / 2019).
Für ihre Reportagen – veröffentlicht in Magazinen wie LIFE, Geo, Stern, Paris-Match, und The New York Times Magazine – erhielt sie unter anderem den W. Eugene Smith Grant (1980), den World Press Photo Award, Daily Life, 3rd Prize series (1988), den Ernst Haas-Preis (1994), den Leica Oskar Barnack Award (1997), den Alfred Eisenstaedt-Preis (1998). 2023 wurde sie mit dem Le Prix Albert Detaille der Académie des Sciences, Lettres & Arts de Marseille, geehrt.
Verleihung
Die Verleihung des Preises findet am 24. Oktober 2026 im Rahmen einer festlichen Veranstaltung in Köln im Overstolzensaal des Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) statt. An diesem Tag werden dort außerdem der Kulturpreis sowie die Manfred Heiting Medal of Curatorial Excellence in Photography sowie der Otto Steinert-Preis. DGPh-Förderpreis für Fotografie verliehen.
Der Dr. Erich Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie wird seit 1971 als Auszeichnung einer „vorbildlichen Anwendung der Fotografie in der Publizistik“ verliehen. Er dient zugleich dem Andenken an den großen Fotografen der Weimarer Republik, Dr. Erich Salomon, dem der moderne Bildjournalismus starke Impulse verdankt. Der Preis besteht aus einer Urkunde sowie einer Leica-Kamera und wird jährlich verliehen. Unter den Ausgezeichneten befinden sich Printmedien, Organisationen und Fernsehschaffende sowie seit 1985 Persönlichkeiten, die sich um die Fotografie in der Publizistik verdient gemacht oder im Bildjournalismus Herausragendes geleistet haben, wie der STERN (1971), Robert Frank (1985), Barbara Klemm (1989), Mary Ellen Mark (1994), Reporters sans Frontières (2002), Martin Parr (2006), Letizia Battaglia (2007), Paolo Pellegrin (2013), Josef Koudelka (2015), Stephanie Sinclair (2019), Chris Killip (2020), Hans-Jürgen Burkard (2021), Susan Meiselas (2022), Rafał Milach (2023) und Andrea Diefenbach (2024) und Kathy Ryan (2025).
Partner der DGPh bei der Vergabe des Dr. Erich Salomon-Preises ist die Leica Camera AG, die den Preis jährlich mit der Überreichung einer Leica Kamera unterstützt.
Über die DGPh
Die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) ist ein eingetragener Verein mit rund 1.200 Mitgliedern in ganz Deutschland und Sitz in Köln. Die DGPh setzt sich für die Förderung der Fotografie als Kulturgut und damit für die Stärkung ihrer gesellschaftlichen und kulturellen Bedeutung ein. Ihre Aktivitäten richten sich auf die Vermittlung fotografischer Themen an Fachöffentlichkeit und Gesellschaft sowie auf die Reflexion aktueller Entwicklungen wie Digitalisierung, KI und neue Bildmedien. Sie umfassen die vielfältigen Anwendungsgebiete des Fotografischen in Kunst, Wissenschaft, Bildung, Publizistik, Wirtschaft und Politik. Als zentrale Instanz für die Vermittlung wegweisender fotografischer Leistungen vergibt die DGPh jährlich mehrere renommierte Auszeichnungen, darunter den Kulturpreis, den Dr.-Erich-Salomon-Preis und die DGPh Manfred Heiting Medal of Curatorial Excellence in Photography.
Pressekontakt
Deutsche Gesellschaft für Photographie e.V.
Regina Plaar, regina.plaar@dgph.de
Rheingasse 8–12, 50676 Köln – www.dgph.de
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| Dr. Erich Salomon-Preis 2026_Jane Evelyn Atwood_Bildinformationen | 149.82 KB |
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