Builing Stories. Francis Kéré.
Nachhaltige Architektur

Der 1965 in Gando (Burkina Faso), geborene afrikanische Architekt Francis Kéré kam 1985 nach Deutschland, wo er 1990 an einer Abendschule sein Abitur machte. Ab 1995 studierte er an der Technischen Universität in Berlin Architektur und Ingenieurwesen. Heute ist Kéré einer der international erfolgreichsten Architekten, dessen Arbeiten sich vor allem durch Nachhaltigkeit und das Einbinden der Natur auszeichnen.

In dem im Taschen-Verlag, Köln, erschienenen, vom Amsterdamer Grafikdesignstudio Irma Boom gestalteten Buch „Building Stories“ stellt Francis Kéré in einer persönlichen Ich-Erzählung in inspirierenden Texten und mit teilweise zusätzlichen Handnotizen sowie einer großen Auswahl bisher unveröffentlichter Skizzen, eigenen Farbphotographien und Zeichnungen 26 seiner bedeutendsten architektonischen Werke vor – von Schulen in Afrika bis zu aktuellen Entwürfen weltweit. Dabei wird sein experimenteller, innovativer und gemeinschaftlicher Ansatz hautnah erlebbar. 

Francis Kérés spannender Band offenbart aus erster Hand in Wort und Bild die Ideen und Werte, die ihn und sein sozial engagiertes Architekturbüro antreiben. Zu den vorgestellten Werken gehören der Serpentine Pavilion, die Gando-Schulprojekte, Entwürfe für die Gebäude der Nationalversammlungen von Burkina Faso und Benin, das Thomas-Sankara-Denkmal, das an den 1987 ermordeten Präsidenten von Burkina Faso erinnert, und das kürzlich fertiggestellte ‚Museum of Art‘ in Las Vegas (USA). 

Kérés Sprache bewegt sich mühelos zwischen Poesie und Pragmatismus. Ob es um technische Details wie das Ziegelschneiden vor Ort geht oder um die politischen und ökologischen Kräfte, die seine Entwürfe prägen: Seine Begeisterung gilt sowohl dem Handwerk als auch groß angelegten Ideen. Ein Kapiteluntertitel – „Wie man Phantasie in das Raster der Regeln einfließen lässt (ohne sie daran zu hindern, zu fliegen)“ – sagt alles. 

Denn für Kéré ist Architektur ein Instrument des gemeinsamen Lernens und des Austauschs. Sie entsteht kollektiv und wird nicht von oben verordnet. Nicht der Architekt ist der Star, sondern ein Vermittler gemeinsamer Ziele. Seine Entwürfe basieren auf traditionellem Wissen und nicht-elitären Werten, setzen sich jedoch intensiv mit den dringenden Problemen unserer Zeit, vom Klimawandel über die Überbevölkerung bis hin zu den fragilen Infrastrukturen junger Demokratien, auseinander.

Diesen Bildband zu lesen ist, als würde man in Kérés Notizbuch blättern, das zu den einzelnen Werken vollgeschrieben ist mit seinen Anmerkungen. Zwei reflektierende Texte – von der ghanaisch-schottischen Wissenschaftlerin und Schriftstellerin Lesley Lokko und von Kérés Mentor Juhani Pallasmaa – ordnen seine Praxis in einen breiteren kulturellen, ethischen und architektonischen Diskurs ein.  (vZ)

Francis Kéré
Building Stories 
444 Seiten
Format: 19,5 x 26 cm, Softcover mit Schutzumschlag
Sprache: Englisch 
Köln, Taschen-Verlag 
ISBN: 978-3-7544-0507-9
75,00 Euro

Erhältlich über www.taschen.com