Prostitutes, La Rue des Lombards, Paris, France, 1976-1977 © Jane Evelyn Atwood
Prostitutes, La Rue des Lombards, Paris, France, 1976-1977 © Jane Evelyn Atwood
The Blind, L‘Institut Départemental des Aveugles, Saint-Mandé, France, 1980 © Jane Evelyn Atwood |
The Blind, L‘Institut Départemental des Aveugles, Saint-Mandé, France, 1980 © Jane Evelyn Atwood |
Women in prison/femmes en prison, Centre Pénitentiare de Femmes, Metz, France, 1990 © Jane Evelyn Atwood
Women in prison/femmes en prison, Centre Pénitentiare de Femmes, Metz, France, 1990 © Jane Evelyn Atwood
Haiti, 2005 ©Jane Evelyn Atwood
Haiti, 2005 ©Jane Evelyn Atwood
Cheveaux, Ile d‘Ouessant, La Bretagne, France, 2014 © Jane Evelyn Atwood
Cheveaux, Ile d‘Ouessant, La Bretagne, France, 2014 © Jane Evelyn Atwood
Auszeichnung: Dr. Erich Salomon-PreisJahr: 2026Ausgezeichnet wurde: Jane Evelyn Atwood

Nähe, Respekt und Empathie: Die Fotografin Jane Evelyn Atwood erhält den Dr. Erich Salomon-Preis 

Die Deutsche Gesellschaft für Photographie zeichnet die französisch-amerikanische Fotografin Jane Evelyn Atwood mit dem renommierten Dr. Erich Salomon-Preis aus. Mit dieser Auszeichnung würdigt die DGPh eine Fotografin, die die Möglichkeiten des dokumentarischen Bildes konsequent erweitert hat. Atwoods Werk, das seit Jahrzehnten in einzigartiger Weise den Blick auf Menschen am Rand der Gesellschaft richtet, steht exemplarisch für eine engagierte, ethisch reflektierte Fotografie, die gesellschaftliche Realitäten sichtbar macht und nachhaltig im kollektiven Bildgedächtnis verankert.

Geboren 1947 in New York, lebt Atwood seit 1971 in Paris. Ihre fotografische Karriere begann sie Mitte der 1970er-Jahre als Autodidaktin. Geboren 1947 in New York, lebt Atwood seit 1971 in Paris. Ihre fotografische Laufbahn begann sie Mitte der 1970er-Jahre als Autodidaktin: 1976 entstand mit ihrer ersten Kamera eine Serie über Sexarbeiterinnen in der Rue des Lombards in Paris. Es folgten Arbeiten über transidente Menschen, blinde Kinder, Menschen mit HIV und Aids sowie über Inhaftierte. Atwood steht für eine Fotografie der Nähe, des Respekts und der Empathie. Ihre Arbeiten entstehen über lange Zeiträume hinweg und zeichnen sich durch ein tiefes Vertrauen zwischen Fotografin und Porträtierten aus; dank intensiver Recherche und einer sensiblen Vorgehensweise dringt sie in Lebenswelten vor, die sonst unsichtbar bleiben.

Besondere internationale Aufmerksamkeit erlangte Atwood mit ihrem Langzeitprojekt Too Much Time. Women in Prison, an dem sie zwischen 1989 und 1999 arbeitete. Sie fotografierte in rund vierzig Gefängnissen in neun Ländern West- und Osteuropas sowie in den Vereinigten Staaten und erhielt dabei Zugang auch zu extrem schwer zugänglichen Strafvollzugsanstalten, darunter Todestrakte in den USA. Die Arbeit dokumentiert die Lebensrealitäten inhaftierter Frauen und gilt bis heute als eines der eindringlichsten fotografischen Zeugnisse über Haftbedingungen von Frauen weltweit

Neben ihren thematischen Langzeitprojekten dokumentierte Atwood auch Krisenereignisse, darunter das Erdbeben von Kobe 1995 und die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001. Ihre Arbeitsweise beschreibt sie selbst als „besessen": Ein neues Kapitel schlägt sie erst auf, wenn sie sicher ist, ein Thema und ihre eigene Beziehung dazu vollständig erfasst zu haben – und dass ihre Bilder dieses Verständnis widerspiegeln.

Die Verleihung des Dr. Erich Salomon-Preises fand im Rahmen der DGPh Photography Awards am 24. Oktober im Museum für Angewandte Kunst Köln statt.