August Sander, Die Gebirgsstruktur des Siebengebirges, 1930 © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln: VG Bild-Kunst, Bonn 2026
August Sander, Die Gebirgsstruktur des Siebengebirges, 1930 © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln: VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Eröffnungsdatum
Fotograf / Fotografin
August Sander
Ausstellungsdatum
-
Name der Galerie / Museum / Ausstellungsort
Beschreibung

Mit dem dreiteiligen Ausstellungszyklus August Sander. Architektur Landschaft Portrait. Facetten eines Werkes würdigt die Galerie Julian Sander gleich zwei große Jubiläen: Am 17. November 2026 wäre der Fotograf 150 Jahre alt geworden. Zudem jährt sich 2027 zum 100. Mal die Einzelausstellung, mit der August Sander 1927 im Kölnischen Kunstverein erstmals in Grundzügen sein epochales Werk Menschen des 20. Jahrhunderts vorstellte. Auf diesem konzeptionell angelegten Opus Magnum, das mittels zahlreicher Einzel- und Gruppenporträts die Struktur der Gesellschaft seiner Zeit umfassend darstellen sollte, gründet Sanders Bedeutung als einer der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts.

Doch war es keineswegs allein das Genre des Porträts, auf dem sich August Sander als Meister seines Mediums zeigte. Auch die Architektur- und die Landschaftsfotografie betrieb Sander nicht nur intensiv, sondern schuf auf letzterem Gebiet Bilder, die „in der Photographie des 20. Jahrhunderts gewiss zu den Meisterwerken des Landschaftsgenres“ zählen (Olivier Lugon). Diese Bilder bilden den Auftakt zu der Ausstellungsreihe, die den Blick weiten möchte auf das gesamte Œuvre des Fotografen: Den Landschaftsbildern folgen zu Beginn des kommenden Jahres seine Architekturfotografien, bevor dann im Frühjahr 2027, zeitgleich zur großen Sander-Ausstellung im Kölner Museum Ludwig, Auszüge aus seinem Portraitwerk – darunter seine bekanntesten Bildnisse, aber auch selten Gesehenes – gezeigt werden.

Die Ausstellung zeigt, dass August Sander die Landschaftsfotografie von Beginn an und durchgehend in sein Schaffen einbezog. Eine Schilderung aus den frühen 1950er Jahren, in der er sich an seine persönliche Entdeckung der Fotografie während seiner Zeit als Haldenjunge auf einer der Gruben nahe seinem Elternhaus in Herdorf erinnerte, erscheint gleichsam als Initialzündung für seine spätere berufliche Laufbahn. Die erste Begegnung mit der Kamera war für ihn untrennbar mit der Schönheit der Landschaft verbunden.

Dass sich August Sander mit der Hinwendung zur Landschaft während der NS-Zeit in eine Art „innere Emigration“ begeben habe, ist durch zahlreiche Landschaften in seinem Frühwerk widerlegt. Den Beginn der Ausstellung markiert ein früher Gummidruck des Fotografen, der in repräsentativem Großformat und stilistisch ganz der damaligen Strömung der Kunstfotografie verpflichtet ist. Er entstand in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts, als Sander ein Atelier im österreichischen Linz betrieb.

In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre war Sander nahezu ganz von der Arbeit an Menschen des 20. Jahrhunderts ausgefüllt. 1931 hielt er fest: „Haben wir somit die Physiognomik der Menschen geschildert, so gehen wir jetzt über zu den Gestaltungen, also den Werken des Menschen, beginnen wir mit der Landschaft.“ Demnach lassen sich seine Darstellungen unterschiedlicher Regionen ebenso wie sein Portraitwerk als Teile eines gemeinsamen, übergeordneten Konzepts der systematischen Abbildung einer Epoche begreifen. Sein Vorgehen bei der Landschaftsfotografie war von einem typologischen Denken geprägt: Stets arbeitete er in Serien, um verschiedene Landstriche möglichst umfassend zu dokumentieren.

Was überrascht, ist der bei aller Schärfe und Detailgenauigkeit keineswegs immer sachlich-dokumentarische Stil des Fotografen. Eine der beeindruckendsten Aufnahmen, Das Siebengebirge: Blick vom Rolandsbogen, besticht durch das sanfte Licht, das bei tiefstehender Sonne die Hügel der Gebirgskette sanft beleuchtet. In anderen Bildern zeichnen sich Schiffe auf dem Rhein oder Baumreihen als dramatische schwarze Silhouetten ab. August Sander erscheint hier zugleich als Romantiker – es ist diese Verbindung zweier Gegensätze, die den besonderen Reiz vieler seiner Landschaftsbilder ausmacht.

Auch bei dem überwiegenden Teil der Ausstellungsexponate handelt es sich um Rheinlandschaften, vor allem um Aufnahmen des von Sander so geschätzten Siebengebirges. Versehen mit einem schwarzen Tuscherand, aufgezogen auf Originalkarton und dort signiert, stellte Sander diese Bilder bereits in den 1930er Jahren in Mappen zusammen. Viele Motive existieren nahezu ausschließlich als Vintage-Abzüge, was den Seltenheitswert der nun präsentierten Bilder unterstreicht