
Hommage an die Kulturhauptstadt 2025
Chemnitz, die Stadt, die auf eine bemerkenswerte urbane Metamorphose zurückblieben kann, ist 2025 Europäische Kulturhauptstadt. Sie war einst ein Symbol industrieller Stärke und florierende Textilstadt. Zu DDR-Zeiten wurde Chemnitz in Karl-Marx-Stadt umbenannt, in der die individuelle Freiheit stark eingeschränkt war. Nach der Wende erblühte Chemnitz zu neuem Glanz, fand kreative Ausdrucksformen und entwickelte eine lebendige Kulturszene. Heute strahlt die drittgrößte Stadt Sachsens als pulsierender Ort der Innovation und der Gemeinschaft.
Ruediger Glatz weist mit dem Titel „Kamenica“ seines im Kehrer Verlag, Heidelberg, erschienenen Buchs auf die Historie der Stadt hin. Denn dieser historische altsorbische Name von Chemnitz, der „Steinbach“ bedeutet, bezieht sich auf deren lange Geschichte, die der Photograph bei seinen oftmals von den frühen Morgenstunden bis hin zu nächtlichen Streifzügen immer wieder entdeckte. Dabei führte er Gespräche mit den Bewohnern, tauchte in die Literatur und Podcasts der Metropole ein und fing mit seiner Kamera in stark kontrastierenden Schwarzweiß-Photographien die Verbindungen zwischen Vergangenheit und Zukunft eindrucksvoll ein. In deren Mittelpunkt stehen sowohl ikonische Bauwerke als auch verborgene Ecken. Geduldig enthüllt er dabei die vielfältigen architektonischen Schichten und präsentiert Chemnitz in seiner gesamten Diversität – von der Gründerzeit über die sozialistische Moderne bis hin zur zeitgenössischen Architektur. Seine Fotografien sind in dem Band zumeist randlos, oftmals auch doppelseitig wiedergegeben.
Unter dem Titel „Geschichte(n) im Fluss“ schildert die ehemalige Direktorin der ‚The Walther Collection‘ Sophie-Charlotte Opitz, dass Ruediger Glatz vielfach bewusst Perspektiven von hoch oben oder weit weg gewählt hat, seine Bilder jedoch keinen distanzierten Blick vermitteln. „Vielmehr scheint der gewählte Abstand dazu zu streben, ein Gesamtbild der Stadt zu erhalten.“ Unter dem Titel „Schichten einer Stadt“ weiß der Historiker Sebastian Schmidt, dass Ruediger Glatz in seiner photographischen Auseinandersetzung mit Chemnitz versucht hat, sorgfältig deren verschiedene räumliche und zeitliche Schichten freizulegen und damit gleichzeitig die Vielfalt der Stadt zu präsentieren. Schließlich schildert der Photograph selbst, dass er bei seinen intensiven Streifzügen von der Vielschichtigkeit der Stadt besonders beeindruckt war.
Das Buch „Kamenica“ belegt die für Ruediger Glatz typische, bei seinen Streifzügen sehr eigenwillige Herangehensweise an das Porträt der europäischen Kulturhauptstadt 2025. Mit seinen Photographien gewährt er einen tiefen Einblick in das heutige Chemnitz und zeigt eine Stadt im Wandel, die stolz auf ihre Historie blickt und heute als pulsierender Ort der Innovation und der Gemeinschaft mutig neue Wege beschreitet. (vZ)
Ruediger Glatz (DGPh)
Kamenica – ein Porträt von Chemnitz
Text: Sophie-Charlotte Opitz, Sebastian Schmidt
223 Seiten mit 174 Abbildungen
Format: 17x23 cm, Freirückenbroschur mit Schutzumschlag
Sprache: Deutsch, Englisch
Heidelberg, Kehrer Verlag
ISBN: 978-3-96900-175-2; € 40,--