Dr Harold Edgerton Gussie Moran, 1949 Silver gelatin print 28 x 35.5 cm AP from an edition of 5 Signed and editioned on verso in pencil © Dr Harold Edgerton
Dr Harold Edgerton Gussie Moran, 1949 Silver gelatin print 28 x 35.5 cm AP from an edition of 5 Signed and editioned on verso in pencil © Dr Harold Edgerton
Auszeichnung: KulturpreisJahr: 1981Ausgezeichnet wurde: Prof. Dr. Harold Edgerton, Prof. Dr. J. Mitchell

Der Kulturpreis 1981 der Deutschen Gesellschaft für Photographie wird vergeben an Prof, Dr, Harald Edgerton, Cambridge USA. 

Sein Lebenswerk hat wesentlich dazu beigetragen, daß unsere visuelle Wahrnehmungsfähigkeit durch die Kurzzeitphotographie erweitert worden ist. Seine Pionierarbeiten brachten nicht nur die Kurzzeitphotographie voran, sondern schufen auch wichtige Voraussetzungen für die heutige Elektronen-Blitztechnik. Im Labor benutzte Edgerton seine Zauberlampe, um altgewohnte Vorgänge optisch in Einzelphasen zu zeriegen.

Edgerton veröffentlichte derartige Photo zunächst in der Zeitschrift "Technology Review", danach in Zeitschriften der ganzen Welt - in Deutschland zeigte z.B. "Die Koralle" bereits 1936 Aufnahmen von Edgerton. Dadurch machte er einer breiten Öffentlichkeit bewußt, in welchem Ausmaß die Kurzzeitphotographie unserer Wahrnehmung der Welt neue und überraschende Dimensionen verliehen hatte.

Beaumont Newhall, Kulturpreisträger unserer Gesellschaft, hat bereits 1939 auf das Verdienst von Prof. Edgerton hingewiesen, schon am Anfang seiner Arbeit die ästhetische die dem menschlichen Auge bis dahin verschlossen geblieben waren. Selbst Susan Sontag, die die Photographie wegen ihrer untrennbaren Verkettung mit einer Maschine als der Malerei nicht ebenbürtig ansieht, schreibt unter Hinweis auf die Photographien von Harold Edgerton: "Niemand kann den Informationswert und die formale Schönheit vieler Photos leugnen, die ohne das stetige Wachsen dieser technischen Möglichkeiten überhaupt nicht denkbar wären.”

1937 begann die Zusammenarbeit von Edgerton mit Gjon Mili. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden lange Serien ver-
blüffender Momentaufnahmen, von denen viele in "Life" veröffentlicht wurden. Beispielsweise zeigten sie Geschoße in Bewegung, Golf- und Tennisbälle, die vom auftreffenden Schläger oder Racket flachgedrückt werden. Einige der
verblüffendsten Effekte kamen dadurch zustande, daß Edgerton stroboskopische Blitze wiederholt in kurzen Abständen aufleuchten ließ, um mehrere Belichtungen auf dem gleichen Negativ zu machen,

In den 50er Jahren entwickelte Edgerton Blitzlichtgeräte für die Unterwasser-Photographie für den französischen Forscher Jaques Cousteau, den er auf zehn Forschungsreisen begleitete. Cousteau und seine Mitarbeiter waren es, die Edgerton liebevoll "Papa Flash" tauften, Im Rahmen dieser Arbeit gelangen ihm zahlreiche Verbesserungen der bestehen-
den Peilgeräte für die Unterwasserforschung in großen Tiefen, Mit Hilfe dieser Geräte half Edgerton mit, verschiedene versunkene Schiffe wieder aufzufinden, wie zum Beispiel das U5S Monitor, ein Schiff, das wahrend des amerikanischen Bürgerkriegs vor der Küste von North Carolina gesunken war.

Mit der Verleihung des Kulturpreises 1981 an Professor Dr, Harold E. Edgerton ehrt die Deutsche Gesellschaft für Photographie einen Wissenschaftler, Pädagogen und Künstler, der unser Wissen von der Welt dadurch vergrößert hat, daß er durch seine Arbeit - wie einst Aladin mit seiner Wunderlampe - Unsichtbares für uns sichtbar gemacht hat. 

Auszug aus der Laudatio anlässlich der Übergabe des Kulturpreises der Deutschen Gesellschaft für Photographie am 7, Mai 1951 in Köln