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| Einladung zur Eröffnung und den Veranstaltungen | 755.76 KB |
Ein Forensiker als Fotograf, der sich einem der unscheinbarsten Materialien unserer Umwelt widmet. Die Ausstellung „Die Welt in einem Sandkorn sehen“ vereint die mikrofotografischen Arbeiten von Matthias Burba (*1954), Synästhetiker, mit einer interaktiven Videoarbeit von Max Seeger (*1994) und erschließt Sand als vielschichtiges Bildfeld. Zwischen mikroskopischer Präzision, subjektiver Wahrnehmung und medialer Übersetzung wird das Material zugleich als geologisches Archiv und als Träger ökologischer, kultureller und historischer Prozesse sichtbar.
Matthias Burba verbindet analytische Präzision mit subjektiver Erinnerung. Seine rund 800 weltweit gesammelten Sandproben bilden ein visuelles Archiv, das über reine Dokumentation hinausgeht. Am Polarisationsmikroskop entwickelt er Bildkompositionen, in denen Licht und Filter gezielt eingesetzt werden, um spezifische Farb- und Strukturmerkmale der Sandkörner sichtbar zu machen. Diese sind nicht nur ästhetisch prägnant, sondern geben auch Hinweise auf ihre mineralische Zusammensetzung und ermöglichen Rückschlüsse auf den jeweiligen Fundort.
Die Arbeiten zeigen Sandkörner nicht als neutrale Objekte, sondern als komplexe Formationen, deren Farben, Strukturen und Lichtbrechungen an abstrakte Malerei erinnern. Sichtbar wird ein geologisches Archiv, geprägt von Millionen Jahren Verwitterung, Bewegung und Transformation. Ausgangspunkt ist ein Vers von William Blake (1757–1827), der das Kleine als Spiegel des Großen begreift und hier in eine zeitgenössische Bildpraxis überführt wird.
Mit der partizipativen Filmarbeit Ingrained erweitert Max Seeger diese Perspektive um eine raumgreifende Dimension. Die Installation verschiebt den Blick vom einzelnen Korn hin zu größeren Zusammenhängen. Digitale Bildräume verbinden sich mit dokumentarischen Elementen zu einer visuellen Erzählung, die den Stoff in seinen globalen Verflechtungen sichtbar macht.
Diese künstlerischen Annäherungen an Sand stehen in deutlichem Kontrast zu seiner alltäglichen Nutzung als Rohstoff. Als Siliciumdioxid zählt er zu den meistverwendeten Ressourcen der Erde und bildet eine zentrale Grundlage moderner Technologien und Infrastrukturen. Er ist Ausgangsmaterial für Mikrochips, Smartphones, Solarzellen und optische Produkte und zugleich unverzichtbar für Bauprozesse, von Betonherstellung bis hin zu Landaufschüttungen und Küstenbefestigungen. Dabei ist Sand kein universell einsetzbares Material, seine spezifischen Eigenschaften entscheiden über seine Verwendbarkeit.
Mit der global steigenden Nachfrage wird Sand zunehmend zu einer knappen und umkämpften Ressource. In den vergangenen 20 Jahren sind die Preise um bis zu 6500 Prozent gestiegen. Der intensive Abbau führt vielerorts zu erheblichen ökologischen Schäden, insbesondere durch die Zerstörung von Uferzonen und Stränden, und verschärft zugleich die Gefährdung von Küstenregionen durch den steigenden Meeresspiegel.