Mit der Fotoserie zum Thema „Drogensucht in Deutschland“ wird die Reihe „Pixelprojekt auf Zollverein“ fortgesetzt: Neben Betroffenen zeigt die Ausstellung auch Drogenkonsumräume und Räume der Substitutionsbehandlung.
Seit einigen Jahren sind Suchterkrankungen ein zentrales Thema der fotografischen Arbeit von Alexander Lackmann. Er beschäftigt sich insbesondere mit den sogenannten substanzgebundenen Abhängigkeiten, mit denen er in seinem direkten Umfeld in Berührung kam. Dass in Deutschland noch immer mehrere Tausend Menschen pro Jahr an ihrem Drogenkonsum sterben, verdeutlicht ihm auf schmerzhafte Weise, dass die Auseinandersetzung mit diesem Thema selbst nach Jahrzehnten intensiver Diskussionen und Präventionsarbeit relevant bleibt.
Seit Anfang 2024 befasst sich Alexander Lackmann auch mit Drogenkonsumräumen. Bisher konnte er acht solcher Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen besuchen und fotografisch festhalten. Menschen, die von einer Substanzgebrauchsstörung betroffen sind, erhalten dort neben einer medizinischen Grundversorgung und hygienischen Injektions- oder Rauchutensilien vor allem eine sichere Umgebung, in der sie ihrem riskanten und in der Öffentlichkeit stigmatisierten Konsum nachgehen können. Diese Stigmatisierung führt oft sogar dazu, dass die Betroffenen selbst Hilfsangebote wie diese Konsumräume meiden und sich nicht trauen, sie aufzusuchen.
Den Titel „Gelb ist Geschichte!“ fand Alexander Lackmann in einer Informationsbroschüre über die Leberentzündung Hepatitis C. Ihr Virus wird hauptsächlich beim Drogenkonsum durch das Teilen von unsauberen Spritzen und Besteck verbreitet und kann in der Folge zur Gelbfärbung von Haut und Augenweiß führen.
Die Auseinandersetzung des Fotografen mit diesem Sujet wirft auch Fragen zur Rolle der Fotografie auf, die nicht selten an der Entstehung oder sogar Verstärkung von Vorurteilen beteiligt ist. Dabei interessiert sich Lackmann besonders für die fotografischen Darstellungsmöglichkeiten von Sucht und fragt sich: Wie kann Sucht mit der nötigen Sensibilität und Empathie behandelt werden? Wie können problematische Darstellungen erkannt und vermieden werden? Und ist es überhaupt möglich, Sucht fotografisch „richtig“ abzubilden und zu repräsentieren?
Das Ziel des Künstlers ist es, die Komplexität von Abhängigkeit auf unterschiedlichen Ebenen sichtbar zu machen und zur Reflexion über gesellschaftliche Vorurteile anzuregen. Zurzeit umfasst seine Arbeit Fotografien von Raumansichten der Konsumräume, Fotoporträts von Klient*innen und Angestellten – ohne diese erkennbar zuzuordnen – sowie einer Bildschirmpräsentation von Found Footage (also in Medien gefundenes Bildmaterial) wie zum Beispiel Google-Streetview-Ansichten und Rezensionen.
Alexander Lackmann wurde 1994 in Gelsenkirchen geboren und studierte nach einer kaufmännischen Ausbildung von 2018 bis 2023 Fotografie (Bachelor of Arts) an der Essener Folkwang Universität der Künste. Hier befindet er sich aktuell im Masterstudiengang.
Aktuelle Fotografie im Ruhrgebiet. Pixelprojekt auf Zollverein
Das Pixelprojekt_Ruhrgebiet wurde 2002 vom Fotografen Peter Liedtke (DGPh) entwickelt und 2003 auf Initiative von damals 26 freien Fotograf*innen gegründet. Es ist ein nicht kommerzielles Projekt, das hervorragende fotografische Serien zu einzelnen Aspekten der Region Ruhrgebiet sammelt, strukturiert und auf einer Internetseite sichtbar macht. Über die neu aufgenommenen Serien entscheidet eine Jury. Die mehr als 10.000 Bilder der Sammlung widmen sich Themen wie Ökologie, Soziales, Kultur, Stadt, Wohnen, Sport, dem wirtschaftlichen Wandel und vor allem den Menschen in der Region Ruhrgebiet. Die gemeinsame Ausstellungsreihe „Aktuelle Fotografie im Ruhrgebiet. Pixelprojekt auf Zollverein“ der Stiftung Zollverein und des Pixelprojekt_Ruhrgebiet konzentriert sich auf zeitgenössische Positionen und Ruhrgebietsthemen im weitesten Sinne.