
Generative Engine Optimization | Die unsichtbare Macht hinter fotografischer Sichtbarkeit
Wer heute nach einem Fotografen sucht, beginnt meist bei Google. Doch diese Gewohnheit könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Generative KI-Systeme wie ChatGPT, Gemini, Claude oder Perplexity verändern die Art und Weise, wie Informationen gefunden und verarbeitet werden, grundlegend. Statt einer Liste von Suchergebnissen liefern sie fertige Antworten – und entscheiden dabei selbst, welche Quellen sie berücksichtigen.
Welche Konsequenzen das für Fotografen hat, war Thema eines Online-Talks der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) mit SEO- und KI-Experte Ralf Zmölnig. Seine zentrale Botschaft: Wer künftig sichtbar bleiben möchte, muss lernen, nicht nur für Menschen, sondern auch für Maschinen zu kommunizieren.
Vom Suchmaschinenranking zur KI-Antwort
Die klassische Suchmaschinenoptimierung (SEO) bleibt zwar wichtig, doch ihre Rolle verändert sich. Künftig geht es weniger darum, auf Platz eins der Suchergebnisse zu erscheinen, sondern vielmehr darum, von generativen KI-Systemen als vertrauenswürdige Quelle ausgewählt und zitiert zu werden. Google selbst investiert massiv in KI-gestützte Antwortsysteme und entfernt sich zunehmend von der klassischen Trefferliste.
Für Fotografen bedeutet das einen Paradigmenwechsel. Bildstarke Portfolios allein reichen nicht mehr aus. Künstliche Intelligenz kann die Qualität eines Fotos nur begrenzt bewerten. Entscheidend werden stattdessen strukturierte Informationen, verständliche Texte und maschinenlesbare Daten, die einer KI erklären, wer ein Fotograf ist, welche Leistungen angeboten werden und für welche Themen er steht.
Bilder reichen nicht mehr
Viele Fotografen-Webseiten sind visuell beeindruckend, liefern Suchmaschinen und KI-Systemen jedoch nur wenige verwertbare Informationen. Genau hier sieht Zmölnig erheblichen Nachholbedarf.
KI-Systeme zerlegen Suchanfragen in zahlreiche Teilfragen – etwa nach Referenzen, Spezialisierungen, Preisen oder Standorten. Wer auf seiner Webseite keine klaren Antworten darauf liefert, wird von den Systemen oft übergangen. Statt bildlastiger Portfolios ohne Kontext empfiehlt der Experte präzise formulierte Inhalte mit klaren Überschriften, eindeutigen Aussagen und einer sauberen Informationsstruktur.
Die Macht der Spezialisierung
Besonders wichtig sei die Segmentierung von Inhalten. Statt allgemeiner Aussagen wie „Ich bin Fotograf“ sollten unterschiedliche Leistungen auf eigenständigen Landingpages beschrieben werden.
Ein Corporate-Fotograf könnte beispielsweise separate Bereiche für börsennotierte Unternehmen, mittelständische Betriebe oder Start-ups anlegen. Wer Hochzeiten, Porträts und Businessfotografie anbietet, sollte diese Themen nicht auf einer einzigen Seite vermischen. Je präziser die Positionierung, desto besser können Suchmaschinen und KI-Systeme die Inhalte zuordnen.
Das digitale Selbstbild
Ein weiterer zentraler Begriff des Abends war das sogenannte „Entitätsbild“. Gemeint ist die Gesamtheit aller Informationen, die über eine Person oder ein Unternehmen im Netz verfügbar sind.
Fotografen sollten darauf achten, sich auf ihrer Webseite, bei LinkedIn, Instagram, YouTube und anderen Plattformen möglichst konsistent zu beschreiben. Wer sich auf der eigenen Webseite als Corporate-Fotograf präsentiert, auf LinkedIn als Business Storyteller und auf Instagram als Lifestyle Creator, erzeugt widersprüchliche Signale. Für KI-Systeme sinkt dadurch die Wahrscheinlichkeit einer eindeutigen Zuordnung.
Insbesondere LinkedIn gewann in der Diskussion eine überraschend wichtige Rolle. Nach Einschätzung Zmölnigs dient die Plattform vielen KI-Systemen zunehmend als vertrauenswürdige Quelle für berufliche Profile und fachliche Expertise.
Strukturierte Daten werden Pflicht
Neben guten Texten gewinnen technische Aspekte an Bedeutung. Dazu gehören sogenannte strukturierte Daten oder Schema-Markups, mit denen Webseiten Informationen maschinenlesbar bereitstellen.
Diese Markierungen helfen Suchmaschinen und KI-Systemen dabei, Dienstleistungen, Standorte, Referenzen oder Spezialisierungen korrekt zu erkennen und einzuordnen. Fehlen solche Informationen, bleibt eine Webseite für viele KI-Anwendungen weitgehend unsichtbar.
Gerade für Fotografen, die Baukastensysteme wie Squarespace, Wix oder ähnliche Plattformen nutzen, wird dies künftig zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor.
Alt-Texte werden plötzlich relevant
Auch Bildbeschreibungen erleben eine Renaissance. Statt generischer Bezeichnungen wie „Portrait_001.jpg“ oder „Frau mit Fahrrad“ empfiehlt Zmölnig aussagekräftige Beschreibungen, die Motiv, Kontext und fotografische Kategorie benennen.
Ein Alt-Text wie „Corporate-Porträt einer Führungskraft in München“ liefert einer KI deutlich mehr verwertbare Informationen als eine rein technische Dateibezeichnung. Gerade Fotografen können hier mit vergleichsweise geringem Aufwand ihre Sichtbarkeit verbessern.
Das Ende der Google-Bewertung?
Überraschend kritisch äußerte sich der Referent zur Bedeutung klassischer Google-Bewertungen. Diese würden von KI-Systemen zunehmend skeptisch betrachtet, da sie manipulierbar seien und häufig künstlich erzeugt würden.
Größere Bedeutung gewinnen stattdessen echte Empfehlungen und Erwähnungen in sozialen Netzwerken oder auf vertrauenswürdigen Webseiten. Wer von Kunden, Unternehmen oder Branchenpartnern öffentlich empfohlen wird, sendet für KI-Systeme oft stärkere Vertrauenssignale als eine anonyme Fünf-Sterne-Bewertung.
Content einmal erstellen, mehrfach nutzen
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags lag auf der Content-Strategie. Statt für jede Plattform eigene Inhalte zu produzieren, empfiehlt Zmölnig, größere Inhalte mehrfach zu verwerten.
Aus einem Kundengespräch, einem Making-of oder einem Interview lassen sich Beiträge für LinkedIn, Instagram, Newsletter, Blogartikel und YouTube entwickeln. Besonders YouTube hält der Experte für unterschätzt, da Transkriptionen von Videos wertvolle Textdaten liefern, die von Suchmaschinen und KI-Systemen hervorragend ausgewertet werden können.
Wenn KI-Agenten Fotografen buchen
Die vielleicht weitreichendste These des Abends betraf die Zukunft der Suche selbst. Zmölnig erwartet, dass KI-Agenten künftig eigenständig Dienstleistungen recherchieren, Angebote einholen und Termine koordinieren werden.
Unternehmen könnten ihre Anforderungen künftig einer KI mitteilen, die daraufhin automatisch geeignete Fotografen identifiziert und kontaktiert. Wer für solche Systeme keine klaren, maschinenlesbaren Informationen bereitstellt, läuft Gefahr, in diesen automatisierten Auswahlprozessen gar nicht mehr berücksichtigt zu werden.
Sichtbarkeit wird zur strategischen Aufgabe
Die Diskussion machte deutlich, dass die Auswirkungen generativer KI weit über technische Fragen hinausgehen. Für Fotografen wird digitale Sichtbarkeit zunehmend zu einer strategischen Aufgabe. Neben fotografischer Qualität gewinnen Themen wie Positionierung, Strukturierung von Inhalten und technische Auffindbarkeit an Bedeutung.
Die gute Nachricht: Viele der empfohlenen Maßnahmen sind weder teuer noch hochkomplex. Klare Texte, konsistente Profile, aussagekräftige Bildbeschreibungen und eine durchdachte Content-Strategie lassen sich auch von Einzelunternehmern umsetzen.
Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die eigene Arbeit nicht nur für Menschen, sondern auch für Maschinen verständlich zu machen. Denn in einer Welt generativer KI entscheidet zunehmend nicht mehr allein die Qualität eines Bildes darüber, ob es gefunden wird – sondern die Qualität der Informationen, die es begleiten.
Ralf Zmölnig ist Digitalstratege und Geschäftsführer der Agentur ROCKITdigital in München: https://www.rockitdigital.de
Das Gespräch zwischen Silke Güldner (Mitglied des Vorstands der Sektion Kunst, Markt und Recht) und Ralf Zmölnig ist in der DGPh-Mediathek verfügbar.