Porträt David Hockney, Wasserturm Hotel Cologne 1992 © Benjamin Katz
Porträt David Hockney, Wasserturm Hotel Cologne 1992 © Benjamin Katz

David Hockney, einer der einflussreichsten und vielseitigsten Künstler unserer Zeit, ist am 11. Juni 2026 im Alter von 88 Jahren verstorben. Mit ihm verliert die Welt nicht nur einen Maler, Grafiker und Bühnenbildner von Weltrang, sondern auch einen Visionär, der die Grenzen der Fotografie neu definierte. Die DGPh verliert zugleich einen ihrer herausragenden Preisträger: 1997 wurde David Hockney mit dem Kulturpreis, der höchsten Auszeichnung unserer Gesellschaft, geehrt – verliehen im Museum Ludwig in Köln.

Geboren 1937 im englischen Bradford, fand Hockney seine künstlerische Heimat in Kalifornien, wo Licht und Landschaft sein Werk nachhaltig prägten. Was ihn einzigartig machte, war die Symbiose seiner verschiedenen Schaffensbereiche: sie standen bei ihm in ständigem Wechselspiel, befruchteten einander und bildeten ein untrennbares Ganzes. Hockney selbst sprach von einer Symbiose, die stets wirksam war.

Während Hockneys Gemälde ihm früh internationale Anerkennung einbrachten, schuf er parallel ein fotografisches Werk, das seinesgleichen sucht. Ab den frühen 1960er Jahren füllte er über 150 Bildalben – Zeugnisse einer unermüdlichen visuellen Neugier, denen er selbst höchsten künstlerischen Wert beimaß.

Den eigentlichen Durchbruch erzielte er 1982/1983 mit seinen rund 350 Polaroid- und Foto-Collagen. Diese Arbeiten betraten bildnerisches Neuland. Hockney brach mit der „straight photography", es ging ihm nicht um „Fotorealismus“ oder die Ästhetik des „entscheidenden Augenblicks“ in der Fotografie (Cartier-Bresson). Stattdessen entwickelte er eine „eigene fotografische Syntax, er erweiterte die Aussageformen der Fotografie und verschob ihre Sprachgrenzen weit hinaus in ein neues Möglichkeitsfeld.“  

Was Hockney interessierte, war nicht das eine Bild, sondern die Vielfalt menschlicher Perspektiven. Er wollte zeigen, wie wir tatsächlich sehen: nicht mit einem unbeweglichen Auge der Kamera, sondern mit Augen, die wandern, verweilen, zurückkehren – und mit einem Gehirn, das aus unzähligen Momenten ein fortlaufendes Bild der Welt formt. „Seine Fotografie ist nicht definitiv sondern spekulativ, nicht monokausal sondern multilateral: nach vielen Seiten offen, von vielen Seiten her zugänglich. Der fotografische Konjunktiv, dies scheint sein eigentliches Thema zu sein, also die Darstellung nicht eines einzigen „gültigen", sondern die Darstellung einer Vielzahl möglicher Standpunkte in einem prinzipiell unbegrenzten und unendlichen Zeit-Raum-Kontinuum“. 

„Während der Arbeit an den Collagen wurde mir klar, wie eng das Denken mit dem Sehen verknüpft ist", schrieb Hockney an einer Stelle seines Buches Camerawork … „mit dem permanenten Ordnen und Neuordnen von endlosen Detailketten, die unsere Augen an das Gehirn weitergeben.“ Diese Erkenntnis machte er sichtbar – spielerisch, humorvoll, oft mit einem Augenzwinkern und wie beiläufig, doch stets getragen von intensiver gedanklicher Reflexion.

David Hockney hinterlässt ein Werk, das Generationen von Künstler*innen inspiriert hat und weiter inspirieren wird. „Seine Foto-Collagen können als „offene" Kunstwerke gelten. Sie verweisen nicht allein auf einen erkennbaren Gegenstand, sondern dieser erscheint oft nur als Anlass, im Umgang mit diesem Gegenstand einen Prozess zu schildern, bei dem sich der Künstler ein Bild von ihm macht. Hockney bezieht sich selbst in diesen Prozess mit ein - wie auch den Betrachter, den er einlädt, das von ihm eröffnete Spiel mitzuspielen und so das „Puzzle" seiner Werke zu „vollenden"
 

Die „Schule des Sehens", die er vor unseren Augen errichtete, wird bleiben.

 

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und Weggefährten.

Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Gottfried Jäger, dessen Laudatio für das Verfassen des Nachrufs eine maßgebliche Basis war. Auch die verwendeten Zitate stammen aus der Laudatio von Prof. Dr. Gottfried Jäger zur Verleihung des Kulturpreises an David Hockney 1997.

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