
Anlässlich des Stuttgarter Fotosommers 2026 und des 75-jährigen Jubiläums der DGPh präsentieren Mitglieder der Regionalgruppe Südwest ihre Arbeiten in einer Outdoor-Ausstellung an der Fassade des Kolping Berufskollegs Design in Stuttgart-Mitte.
Zum Fotosommerthema „Unordnung“ bespielen die Ausstellenden die großflächige Fensterfront in prominenter Innenstadtlage. Die ausgestellten Fotografien spannen einen breiten Bogen über unterschiedliche Sujets und Positionen. Ergänzend finden Vorträge und Führungen statt: zur Geschichte und Entstehung der Fotografie, zur Rolle von Frauen in der Kriegsfotografie, zur Wissenschaftsfotografie und zur Psychologie der Fotografie.
Parallel dazu zeigen Studierende der Berufskollegs im Foyer fotografische und filmische Arbeiten zum selben Thema.
So entsteht ein spannender Dialog zwischen Nachwuchs und erfahrenen Fotografierenden – ganz im Sinne des Veranstaltungstitels: „Meet the Pros – Meet the Young Creatives“
Die Eröffnung findet am Samstag, den 18. Juli 2026, ab 14:00 Uhr als offenes Get-together statt.
Das Programm des Fotosommers Stuttgart 2026 ist unter https://www.fotosommer-stuttgart.de/unordnung-2026 online einsehbar.
Ort: Kolping Berufskollegs Design, Kronprinzstr. 30, Stuttgart
Zeit: 18.7. bis 13.09.2026
Öffnungszeiten: täglich 14:00 - 19:00 Uhr (nicht ab 27.07.2026), und Outdoor 24/7
Eröffnung: 18.07.2026 ab 14:00 Uhr
Vorträge: 18.07.2026 ab 15:00 Uhr
Kontakt: Ralf Grömminger, mail@groemminger.net
Teilnehmende DGPh-Mitglieder in der Ausstellung:
Anne Schubert | Schmetterlingseffekt
Der Schmetterlingseffekt ist ein sehr bekanntes Beispiel aus der Chaostheorie, das beschreibt, wie ein Flügelschlag eines Schmetterlings winzige Veränderungen in der Luft auslösen, die sich über die Zeit verstärken und schließlich weit entfernt einen Sturm auslösen kann. Für mich bedeutet das: in der Natur ist alles verbunden, über ein Prinzip der Unordnung.
Bettina Meister | Zwischen Wegwerfgesellschaft und Wiederverwendung
Bettina Meister ist Reportage-, Porträt-, Unternehmens- und Veranstaltungs-fotografin sowie Fototrainerin. Sie ist viel in Marokko unterwegs. Gegenstände, die bei uns auf dem Müll landen, werden in Marokko „recycelt“, denn die Wegwerfgesellschaft hat dort bisher kaum Einzug gefunden. Jeder noch so kleine Gegenstand wird verwendet bis er auseinanderfällt und selbst danach wird er häufig kreativ zweckentfremdet. So finden sich dort in Läden und auf Märkten Dinge, die für uns keinerlei Nutzen mehr haben, aber noch hilfreich zu allerlei zu gebrauchen sind.
Isabell Munck | Waldstücke
Die Serie “Waldstücke” durchbricht Sehgewohnheiten, unterschiedliche Perspektiven vereinen sich in einem Bild. Es entstehen neue Blickwinkel, die das menschliche Auge so in der Natur nicht sehen kann. Die einzelnen Arbeiten sind komplette 360 Grad Umrundungen je eines Baumes, zusammengesetzt aus ca. 100 Einzelbildern. Irritation findet statt, Wahrnehmung auf einer neuen Ebene.
Die Natur arbeitet nicht nach unserer Vorstellung von Ordnung. Wohl aber „denkt“ sie in Kreisläufen. Totholz ist Zerfall und auch ein Neuanfang. Werden und Vergehen. Die Basis neuen Lebens.
Joachim Michael Feigl | zwischenWELTEN
Die Serie „zwischenWELTEN“ erkundet die spirituelle Arbeit von Heilern, Schamanen und anderen energetischen Praktikern, und stellt diese der wissenschaftlichen Erforschung des Paranormalen gegenüber. Die zwischen 2022 und 2024 entstandenen Bilder zeigen die intensive Verbindung der Heiler mit den Kräften, mit denen sie arbeiten, und laden zur Reflexion über das Zusammenspiel von Glaube, Wissen und Erfahrung ein. Die vollständige Serie „zwischenWELTEN“ mit weiteren Bildern und Informationen ist über den folgenden Link abrufbar: https://www.calameo.com/read/007769720be1b03c41b5a
Oliver Meckes & Nicole Ottawa, eye of science | Diatomeen
Diatomeen von einer Tiefsee-Probe aus dem Südatlantik. Diatomeen sind einzellige Algen, deren Zellen von einer Silikatschale (Siliziumdioxyd) umschlossen sind. Diese Kieselalgen sind der Hauptbestandteil des Meeresphytoplanktons und erzeugen einen grossen Teil des atmosphärischen Sauerstoffs.
Das Bild wurde mit einem Raster-Elektronenmikroskop erstellt und nachträglich coloriert. Endvergrösserung des Ausstellungsbildes: ca. 10.000:1
Ralf Grömminger | Affirmatives Gefüge
Mich interessiert an der Militärflugshow weniger das Ereignis selbst als die Art und Weise, wie es erscheint. Wie wird aus Technik ein Bild? Wie wird aus einem politischen Gegenstand ein Moment der Faszination? Militärische Technologie tritt hier als Versprechen auf: Schutz, Präzision, Überlegenheit und Unsichtbarkeit. Dabei ist sie Teil eines öffentlichen Spektakels - Tarnung und Demonstration fallen zusammen. Das, was eigentlich der Unsichtbarkeit verpflichtet ist, wird ausgestellt. Das Gefährliche verliert seinen Ernst und wird zur Attraktion.
Ich verstehe die Arbeit als Reflexion über Wirkung als solches. Wie formiert sich Zustimmung? Welche Rolle spielt Faszination? Mich interessiert das affektive Gefüge, in dem sich Wahrnehmung ordnet, bevor wir uns dazu verhalten.
Dr. Ralph Fischer | HfG Ulm - Unordnung
Warum Unordnung?
Bauwerke bewirken Interaktionen mit Ihrer Umgebung, die bewusst genutzt werden können und eine große Rolle in Bezug auf den Menschen spielen. So passte der Architekt Max Bill die Gebäude der HfG Ulm so an die Topografie des Ulmer Hochsträß‘ an, dass sie sich darin integrieren und einen fließenden Übergang zum Gelände bilden.
Die HfG ist scheinbar nahtlos in die sie umgebende Natur eingebettet. Die klaren geometrischen Linien des Baus und die organischen Linien der Vegetation interagieren über Schattenprojektionen auf der Fassade und durch Überlagerungen der Strukturen, wodurch ein fließender Übergang zwischen gebauter und gewachsener Umgebung erreicht wird. Die im strengen Raster angeordneten Fensterflächen erzeugen eine atmosphärisch dichte Belichtungsführung, die – je nach Sonnenstand und Tageszeit – kontrastreiche Belichtungssituationen im Innenraum hervorbringt. Warum erzeugen diese LichtSchatteneffekte bei der Betrachtung so prägnante Eindrücke? Die visuelle Wahrnehmung des Menschen ist auf die rasche Erfassung von Linien und Kanten ausgerichtet, um auch bei schnellen Bewegungen Orientierung zu finden. Die Unordnung besteht darin, dass die beschriebenen Interaktionen dazu führen, dass die Vegetationswelt mit ihren organischen Formen die klar gegliederte Architekturwelt aufbricht und so eine neue Möglichkeit der Wahrnehmung bildet. Licht und Mensch können im Architekturkörper HfG Szenarien entstehen lassen, die mit scheinbar alltäglichen Szenerien auf ein für die damalige Kreativ- und Designszene sehr einschneidendes Ereignis hinweisen – die Schließung der HfG Ulm im Jahre 1968.
Torsten Dodillet | Unordnung
Die Serie „ Displaced Objects“ sind Entdeckungsreisen im öffentlichem Raum, bei denen das Ziel von Anfang an nicht klar definiert ist. Sein fotografisches Interesse hat sich bei dieser Serie immer mehr auf sogenannte Displaced Objects konzentriert und verdichtet. Gegenständliches, Raumsituationen, die mal geordnet oder in einer Unordnung daherkommen, wecken seine Aufmerksamkeit. Die Aufnahmen haben eine starke Wirkung auf dem schmalen Grad zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Diese wird noch gesteigert durch die Anordnung der hochformatigen Fotografien zu collageartig wirkenden Kombinationen von jeweils zwei linear angeordneten Bildern. Formale Analogien und der Einsatz von Farbe lassen im Zusammenspiel der Fotografien eine Art Bilderrätsel entstehen, das den Objekten des Alltags neue Bedeutungen verleiht.
Victor S. Brigola | Unordnung
„Nicht nur der Mensch selbst, auch die Natur bringt vom Menschen Geschaffenes in Unordnung. Ein Erdbeben in der Emilia Romagna / Italien.“
Volker Schrank | Fernweh
Die fotografische Serie beschäftigt sich mit dem Lebensstil des permanenten Unterwegsseins und der Frage, welche Rolle Reisen für unsere Identität spielt. In einer Zeit, in der Mobilität, Selbstinszenierung und digitale Sichtbarkeit eng miteinander verbunden sind, scheint das Erleben eines Ortes häufig untrennbar mit seiner fotografischen Dokumentation verknüpft zu sein.
Ausgangspunkt des Projekts ist die Beobachtung, dass Reisen heute nicht nur Erfahrung, sondern auch performative Handlung ist. Orte werden besucht, um gesehen zu werden – sowohl physisch als auch digital. Die Kamera fungiert dabei als Vermittlerin zwischen Erlebnis und Darstellung. Fotografieren wird zu einer eigenen Choreographie: Menschen positionieren sich vor Sehenswürdigkeiten, verrenken sich für den perfekten Bildausschnitt, halten Smartphones in die Höhe oder warten geduldig auf den „idealen" Moment. Gleichzeitig entstehen Situationen, in denen Menschen fotografiert werden, während sie fotografieren – ein vielschichtiges Geflecht aus Blicken, Gesten und Bewegungen.
Im Fokus stehen nicht die Sehenswürdigkeiten selbst, sondern die Handlungen rund um das Fotografieren. Durch beobachtende, teilweise distanzierte Perspektiven werden eigentümliche Bewegungsmuster und skurrile Situationen sichtbar: Körperhaltungen, Gruppendynamiken und kleine theatrale Momente, die entstehen, wenn Menschen versuchen, sich selbst und ihre Reiseerfahrung bildlich festzuhalten.
Die Bilder transportieren eine Ambivalenz zwischen Faszination und Distanz, zwischen Sehnsucht nach der Ferne und der absurden Komik menschlicher Selbstinszenierung.
Wolf-Peter Steinheißer | FitInsanity
Fotografische Serie, inspiriert von Motiven aus „American Psycho“
„FitInsanity“ untersucht die Inszenierung von Körper, Kontrolle und Selbstoptimierung in einer durchästhetisierten Gegenwart. Zwischen Perfektion und Abgründigkeit entsteht eine Bildwelt, in der Disziplin, Oberfläche und Identität untrennbar miteinander verbunden sind.
Die Arbeiten bewegen sich zwischen Editorial und künstlerischer Fotografie. Klare, reduzierte Bildkompositionen treffen auf eine präzise Lichtführung und eine bewusst inszenierte Künstlichkeit.
Der Körper wird dabei zum Träger eines Systems aus Erwartungen, Ritualen und Projektionen – zwischen Leistungsanspruch und innerer Leere.
Entstanden als fotografische Serie im Spannungsfeld zwischen Mode, Körperkultur und visueller Erzählung, Editorial Fotografie im Kontext von Körperkultur und Selbstinszenierung.
In „FitInSanity" interpretieren die Studierenden der Hochschule der Medien, deren Dozent (und Photograph) ich war, Bret Easton Ellis' Roman neu durch die Brille der modernen Selbsthilfekultur. Das Fotobuch persifliert die Besessenheit der Gesellschaft von Perfektion, Produktivität und körperlicher Erscheinung und verwandelt die Welt des Protagonisten Patrick Bateman in einen verdrehten Leitfaden zur „Selbstverbesserung". Fotografie, Layout und Typografie formen gemeinsam eine „glatte, aber leere" Ästhetik - ein Spiegelbild der Kultur, die das Projektteam kritisieren möchte.
Irme Schaber | Gerda Taro – Pionierin der Kriegsfotografie
Führung mit Taro-Biografin Irme Schaber
19.7.2026, 17:00 - 18:00 Uhr - Gerda-Taro-Platz
Als vor 90 Jahren, im Juli 1936, der Spanische Bürgerkrieg ausbrach, stand eine junge Stuttgarterin mit der Kamera mit an vorderster Front: GERDA TARO. Sie war eine der ersten Kriegsreporterinnen der Geschichte. Jung, emanzipiert, jüdisch und antifaschistisch. Zusammen mit ihrem Lebenspartner und Kollegen Robert Capa revolutionierte sie den Blick auf den Krieg.
Die jüdische Emigrantin aus Stuttgart war die erste Frau, die direkt im Gefecht fotografierte, und die erste, die bei der Kriegsberichterstattung ums Leben kam. Ihre sensationellen Bilder aus dem Spanischen Bürgerkrieg bewegten die Welt. Am Taro-Memorial führt Irme Schaber durch die bewegende Geschichte des Fotografen und Liebespaars.



























