Aktuelle Bücher im November 2019

Michael Schmidt
Berlin-Wedding 1978

Hrsg.: Thomas Weski
Vorwort von Horst Bowitz, Text von Heinz Ohff
Textbeilage zum Reprint von Thomas Weski (Einleger)
Texte in Deutsch und Englisch
Buchgestaltung Leinenband, Schutzumschlag
120 Seiten, mit 70 ganzseitigen Schwarz-Weiß Photographien
Verlag Buchhandlung Walther-König, 2019
ISBN: 978-3-96098-644-7; 45,- Euro

Das Buch „Michael Schmidt. Berlin-Wedding 1978“ ist die Neuauflage (2019) des stilprägenden Photobuchs von 1978. In dieser Werkserie hat Michael Schmidt mehrere Eckpunkte gesetzt, die die zeitgenössische Photographie geprägt haben. Dies sind das Arbeiten in konzeptuellen Serien (thematische Konzeption), die Dokumentation der Serie in Ausstellung und Photographen-Buch. Stilistisch ist die Serie „Wedding“ der Beginn einer neuen `Neuen Sachlichkeit´. Thomas Weski geht in seinem Textbeitrag detailliert auf die Arbeitsweise von Schmidt - das Entstehen, die thematische Konzeption die stilistische Realisation und die Dokumentation in Ausstellung und Buch der Werkgruppe „Wedding“ ein. Damit skizziert er ein Vorgehen, das stilbildend für eine ganze Photographengeneration wurde. Im Gegensatz zu seiner Serie „Kreuzberg“ im `fotojournalistischen Stil´ nutze er im „Wedding“ den distanzierten dokumentarischen Stil. Michael Schmidt beginnt in der Serie “Wedding” das SW der Photographien in ein intensives Grau (Kontrastminderung) zu wandeln und somit erfolgt in der Serie eine Verdichtung und Ergänzung der Realität, die der “Subjektiven Fotografie” nahesteht. Er entwickelt in der von ihm gegründeten “Werkstatt für Photographie” (1976) einen veränderten dokumentarischen Stil. Für den Betrachter der Photographien stellt sich die breite Palette von Grauwerten als die Situation eines frühen, trüben Sonntagmorgen im Winter dar, die von Schmidt nicht gewollt ist da es ein künstlerischer Ansatz ist. Der Text von Heinz Ohff (Originalausgabe 1978) stellt wesentliche Aspekte dieser Photographie dar, und erläutert gut verständlich die Arbeitsweise von Michael Schmidt. Um 1980 in der Nachfolge von Otto Steinert, arbeitet Schmidt als Dozent an der Folkwang Schule (Essen), und entwickelt in der folgenden Werkserie “Waffenruhe” einen subjektiven Blick. Mit diesem Künstlerbuch (1978) wird der vielbeschworene Anspruch, dass Kunst neue Perspektiven schafft und einen interkulturellen Austausch ermöglicht, eindrucksvoll umgesetzt. Insgesamt eine besonders gelungene Publikation, ein Schlüsselwerk für die zeitgenössische Photographie und die Schüler von Otto Steinert Detlef Orlopp, Heinrich Riebesehl und dem Ehepaar Becher die in dieser Arbeitsweise ihre Wurzeln erkennen. Dem Verlag Buchhandlung Walther-König ist zu danken, dass er dieses grundlegende Werk wieder zugänglich gemacht hat. (db)

 

Michael Kerstgens
ZwischenZeiten - Fotografien Mühlhausen 1990

Hardcover, Fadenbindung, Leinen
144 Seiten 85 Bilder, Duplexdruck
Lehnstedt Verlag, 2019
ISBN 978-3-95797-097-8; 22,- Euro

Eigentlich hatte Michael Kerstgens kein großes photographisches Interesse am Fall der Mauer und an den Wirren der Wiedervereinigung. Zuviel Schwarz-Rot-Gold und Deutschtümelei – für seinen Geschmack. Durch Zufall kam er im März 1990 nach Mühlhausen in Thüringen. Im Auftrag einer westdeutschen Zeitschrift sollte er die 'vergessene Stadt' photographieren. Während der Arbeit änderte sich seine Haltung. Was ihn immer mehr interessierte, war das Leben in der sich selbst überlassenen, mittelalterlichen Stadt, weit entfernt von den im Fokus der Medien stehenden 'Wende'-Zentren Berlin, Leipzig oder Dresden – einer historischen Stadt, die durch ihre Bürger notdürftig zusammengeflickt und am Leben gehalten worden war und die nun plötzlich in das Zentrum von Deutschland rückte. Noch hieß der Staat DDR, doch wenige Tage vor den Volkskammerwahlen vom 18. März war sein Ende bereits absehbar. In dieser Zeit zwischen den Zeiten beobachtete Michael Kerstgens die Stadt und ihre Bewohner aufmerksam und voller Anteilnahme mit seiner Kamera. Dreißig Jahre später erweisen sich seine Bilder als einzigartige Zeugnisse eines historischen Augenblicks – unspektaktulär und dadurch umso ergreifender.
 

 

Ethna O’Regan
Beyond Reach

mit Texten von Katja Lange-Müller in Deutsch und Englisch
Festeinband, 112 Seiten 42 Farb- und 6 S/W-Abbildungen
Kehrer Verlag 2019
ISBN: 978-3-86828-940-4 2019; 35,- Euro

Wer heute den 160 Kilometer langen sogenannten Mauerweg, der ehemaligen Grenzlinie zwischen West Berlin und Brandenburg, entlangwandert oder -radelt, wird überrascht sein, wie grün und waldreich diese Randbezirke der Stadt sind. Entlang dieses Weges stößt man immer wieder auf Gedenkstätten für Menschen – häufig junge Männer –, die ihr Leben ließen bei dem Versuch, die Grenze zwischen Ost und West zu überwinden. Mindestens 140 Menschen wurden zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer getötet oder starben in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Grenzregime. Ethna O’Regan (*1971) nimmt den Betrachter mit auf eine visuelle Reise durch eine Landschaft, die die irische Photographin als Metapher benutzt, um die Erinnerung an die Opfer der Berliner Mauer wachzurufen. Die Photoserien von Ethna O’Regan wurden international ausgestellt.

 

 

Christine Fenzl
Land in Sonne

Texte von Dani Levy, Nan Goldin, Christine Fenzl in Deutsch und Englisch
gebunden, 160 Seiten, 118 Abb.
Hatje Cantz 2019
ISBN: 978-3-7757-4609-0; 40,- Euro

In diesem Band erforscht die Photographin Christine Fenzl die Lebensbedingungen von Jugendlichen in den Berliner Bezirken Hellersdorf, Hohenschönhausen, Lichtenberg und Marzahn – Stadtviertel, die vor der Wende zum Osten gehörten und in den vergangenen Jahrzehnten starken sozialen und urbanen Veränderungen ausgesetzt waren. Während die Mauer den Lebensraum ihrer Eltern stark geprägt hat, ist dies für die nach dem Mauerfall geborene Generation nicht mehr vorstellbar. In sensiblen Aufnahmen spürt Christine Fenzl den Geschichten, Erwartungen und der Auseinandersetzung der Jugendlichen mit dem heutigen Berlin nach. Mit Jugendlichen und den Bedingungen ihres sozialen Umfelds hat sich Christine Fenzl bereits in anderen Serien beschäftigt, beispielsweise dem Projekt striking chance – streetfootball, für das sie Fußball spielende Kinder in Nairobi, Skopje, London und den Favelas von São Paulo besucht hat.

 

 

Margarete Freudenstadt
Cinemas - From Babylon Berlin to La Rampa Havana

Hrsg.: Christoph Wagner
Beiträge von Gerald Dagit, Peter Krieger, Barbara Muhr, Michael M. Thoss und Christoph Wagner
Texte:  Englisch, Deutsch
96 Seiten mit 80 Abbildungen in Farbe
Format: 27x30 cm, gebunden
Hirmer Verlag, 2019
ISBN: 978-3-7774-3458-2; 34,90 Euro
 

Die Photographin Margarete Freudenstadt hat sich mit ihrer Kamera dem Kino verpflichtet und eindrucksvolle Zeitgeschichte festgehalten. In „Cinemas“ treten ihre Bilder der prachtvollen, aber dem Verfall anheimgegebenen Kinopaläste des heutigen Kuba mit ihren melancholischen Aufnahmen der Lichtspielhäuser der ehemaligen DDR in einen spannenden Dialog. Christoph Wagner, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Regensburg, betitelt seine Einführung daher mit „Das Kino als Illusionsraum“. In Kuba erlebten die Filmtheater in den 1950er Jahren unter amerikanischem Einfluss einen Boom. Margarete Freudenstadt zeigt in dem im Hirmer Verlag, München, erschienenen Bildband „Cinemas“, was heute von diesem Glanz geblieben ist. Denn dort sind die Lichter längst erloschen – und zwar nicht, weil man sich in der einstigen Unterhaltungsmetropole Havanna seiner Baudenkmäler schämen würde. Es sind vielmehr die Langzeitfolgen des US-Embargos. Entstanden sind daher Bilder von bröckelnden Kinofassaden im Kuba der Gegenwart. Ob prunkvoller Neobarock, verspielter Modernismus oder schlichte Industriearchitektur, hier geben die Kinos die ganze bunt bemalte Formenvielfalt der Epochen vor und nach der Revolution wieder. Michael M. Thoss, Leiter des Goethe-Instituts in Havanna, berichtet dazu über „Havannas vergessene Filmpaläste“ und Peter Krieger, Professor an der mexikanischen Nationaluniversität (UNAM), beschreibt die „Utopie und Melancholie der Illusionspaläste in Havanna“. Für ihre Serie über Kinos des Sozialismus nutzte Freudenstadt Anfang der 1990er Jahre im Osten Deutschlands die Chance, das dortige Kino mitsamt seiner Architektur und Ästhetik festzuhalten, bevor es den modernen Multiplexen weichen musste. Sie dokumentierte das korallenartige Glühbirnengewölbe über dem Kassenhäuschen im Colosseum an der Schönhauser Allee in Berlin ebenso, wie sie die herbstlichen Vorgärten rund um das Kinohäuschen im sächsischen Großbreitenbach erkundete oder sich behutsam dem verhüllten Foyersofa im Kino an der Friedensgrenze Guben, das damals nur noch mit Erotikfilmen Zuschauer lockte, näherte – ein vergessenes und vernachlässigtes Kapitel der deutschen Einheit. Das Essay von Barbara Muhr über Margarethe Freudenstadts Photographien verlassener Orte zwischen Erwartung und Hoffnungslosigkeit trägt daher die Überschrift „Die Stille der Dinge“, während sich Gerald Dagit von der Universität Regensburg unter dem Titel „Von Sovexport zur DEFA“ über die Kinostrukturen in der Deutschen Demokratischen Republik äußert. In der DDR hießen sie verheißungsvoll Fortschritt-Lichtspiele oder Filmtheater Kosmos, in Kuba Riviera, Acapulco oder Florida – die Kinos, in denen Illusionen verkauft wurden. Der Band „Cinemas“ versammelt die beiden Photoserien und zeigt, dass diesen teils verlassenen Orten trotzdem weiterhin die Magie des Kinos innewohnt. (vZ)

 

Wolfgang Volz (DGPh)
Christo and Jeanne-Claude

Hrsg.: Paul Goldberger
Texte: Englisch, Deutsch, Französisch
Hardcover mit Schutzumschlag, in Tragetasche, 616 Seiten
Taschen Verlag, 2019
ISBN: 978-3-8365-6699-5; 150,- Euro

Die aktualisierte XXL-Ausgabe „Christo and Jeanne-Claude“ ist teils Biographie, teils kritische Analyse, teils Katalog. In über 600 Seiten, 30x40 cm groß und fast sieben Kilogramm schwer, wird das künstlerische Gesamtwerk von Christo und Jeanne-Claude ausgebreitet, von ersten Zeichnungen und Familienphotos über früh realisierte und aktuelle Werke bis hin zu Plänen für künftige Projekte. Christo und Jeanne-Claude, beide am 13. Juni 1935 geboren, er als Christo Vladimiroff Javacheff  in Gabrowo (Bulgarien), sie als Jeanne-Claude Marie Denat in Casablanca (Marokko), haben ein außergewöhnliches künstlerisches Werk geschaffen. Beide arbeiteten seit 1961 zusammen und lebten seit 1964 in New York. Ihre Kunstwerke überschreiten Grenzen, vereinen Monumentalität und Vergänglichkeit und stellen ein ureigenes Genre zwischen Konzeptkunst, Land Art, Stadtplanung und Politik dar. Die Projekte beeindrucken nicht nur aufgrund ihrer künstlerischen Vision und schieren Dimension, sondern auch durch die behördlichen und finanziellen Anstrengungen, die sie erst möglich machten. Der großformatige, im Taschen-Verlag, Köln, erschienene Band enthält, eingerahmt von Zeichnungen und Plänen, Hunderte von bisher unveröffentlichten Photographien, die größtenteils von Wolfgang Volz, seit 1971 der Exklusiv-Photograph der Werke von Christo und Jeanne-Claude, realisiert wurden. Sämtliche Projekte des Paares, beginnend 1961 mit einem Entwurf für ein verhülltes Gebäude und dem ersten gemeinsamen Werk  „Wrapped Coast, Australia, 1968/69“, sowie alle folgenden, wie beispielsweise „Running Fence“ in Kalifornien 1972/76, „Surrounded Islands“ in Florida 1980/83, die Schirme in den USA und in Japan 1984 bis 1991, der verhüllte Reichstag in Berlin 1971/95, die 13.000 Ölfässer im Gasometer in Oberhausen 1998/99 oder die London Mastaba 2016/18, werden  ausführlich in Wort und Bild vorgestellt. Gezeigt wird schließlich der Stand der aktuell noch unvollendeten Werke „The Mastaba of Abu Dhabi“ und „L’Arc de Triomphe Wrapped“ in Paris. Christo sagt zu seinen Schöpfungen: „Jedes Projekt ist wie ein Stück unseres Lebens, ein Bestandteil von etwas, das ich niemals vergessen werde.“ Neben der umfassenden photographischen Dokumentation und einer Einleitung durch den Architekturkritiker und Autoren Paul Goldberger enthält der Band ein ausführliches Gespräch zwischen den Künstlern und dem Autor, in dem sich Jeanne-Claude kurz vor ihrem Tod Ende 2009 noch einmal öffentlich über die gemeinsame Arbeit äußert. So ist dieser Band eine letztgültige Hommage an Jeanne-Claude und gleichzeitig eine Würdigung des Werks zweier Künstler, deren Ideen den Blick auf Landschaften und Gebäude weltweit für immer verändert haben. (vZ)

 

Annelies Strba
Madonna

Steifbroschur mit geprägtem Leinen
Essays auf Dünndruckpapier
192 Seiten mit 82 Abbildungen
Arnoldsche Art Publishers
ISBN 978-3-89790-537-5; 34,- Euro

Annelies Štrba (geb. 1947) zeigt die heilige Maria nicht als Mutter Gottes, sondern als ideale Vertreterin ihres Geschlechts. Die Photokünstlerin zeichnet ein Bild der Weiblichkeit, das die einst religiöse Intention in eine abstrakte Sphäre hebt. Die digitale Entfremdung, die fast ekstatische Farbgebung inszenieren eine Projektionsfläche für Emotionen. Štrba macht sich die Madonna zu eigen, blendet das Transzendente aus und konzentriert sich auf die empathische Betonung der Mutter-Kind-Beziehung. Mit der Wahl der Madonna legt Štrba die Rolle der Frau als schmerz- und verlusterfahren an, zeigt sie aber auch geprägt von Reinheit und Güte. Waren diese Facetten ursprünglich noch in Komposition und Mimik angelegt, verfremdet die Künstlerin diese nun durch Farbfilter sowie durch die Aufhebung von Konturen – die sich auflösenden Figuren verlieren sich in ihrer eigenen Leuchtkraft. Gefördert von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung. Annelies Štrba ist eine international bekannte Künstlerin aus der Schweiz. Sie blickt bereits auf zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland zurück, wird unter anderem von der Leipziger Galerie Eigen+Art vertreten.  Arnoldsche Art Publishers haben bereits zwei Publikationen zu ihrem Werk veröffentlicht. (st)

 

Polar Bears
Hrsg. Jochen Raiß
Text(e) von Norbert Thomma, Gestaltung von Tanja Pöpping, Sofarobotnik in Englisch
Gebunden, 112 Seiten, 52 Abb.
Hatje Cantz, 2019
ISBN: 978-3-7757-4599-4; 16,- Euro

Figuren im Eisbärkostüm am Strand, in der Kneipe, auf dem Jahrmarkt, Arm in Arm mit Kleinkindern, Männern, Frauen: Was sind das für kuriose Bilder? Der Sammler Jochen Raiß, dessen Flohmarktfunde von Frauen auf Bäumen nicht nur Fotoliebhaber begeistert haben, öffnet nun seinen Sammlerschatz für eine neue rätselhafte Serie: von posierenden Menschen mit Eisbären. Das weiße Zotteltier taucht an den seltsamsten Orten auf und dient sich ebenso bereitwillig wie selbstverständlich als Fotomotiv an. Woher stammt dieser offenkundige Trend und warum ist ausgerechnet der Eisbär so populär geworden? Und warum waren vor allem die Deutschen bis Mitte des 20. Jahrhunderts so eisbärverrückt? Das spaßige Büchlein versammelt die besten Fotos aus Raiß‘ Sammlung – und lässt mit Sicherheit Fragen offen. Seit drei Jahrzehnten stöbert der Hamburger Jochen Raiß durch Flohmärkte und Antiquariate und sammelt historische Amateuraufnahmen. Auf seiner Website imperfekt.photography zeigt er einen Teil davon.

 

Fotografie in der Weimarer Republik
Photographien von Alfred Eisenstaedt, Hugo Erfurth, Hans Finsler, Hannes Maria Flach, Lotte Jacobi, Paul W. John, Kurt Kranz, Werner Mantz, Martin Munkácsi, Albert Renger-Patzsch, Franz Roh, Werner Rohde,  Erich Salomon, August Sander, Theo Schafgans, Friedrich Seidenstücker, Anton Stankowski, Alex Stöcker, Umbo, Yva
Herausgeber: LVR Landesmuseum Bonn
Vorwort: Gabriele Uelsberg, Lothar Altringer, Jens Bove, Sebastian Lux
Textbeiträge von L. Altringer, J. Bove, A. Komenda, S. Lux, F.Mecklenburg, G.Mölich, M.Schmidt  in Deutsch
Festeinband, 264 Seiten, ca. 250 Bildern Abbildungen in Schwarz-Weiß
Hirmer Verlag, 2019
ISBN: 978-3-7774-3407-0; Museumsausgabe 24,90 €, Buchhandelspreis: 39,90 Euro

Es ist das dritte Buch in diesem Jahr in der Themenreihe „100 jahre bauhaus im westen“ für Ausstellungen in NRW zur Photographie und dem BAUHAUS, die in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge erschienen sind. So stellt das erste »Bauhaus und die Fotografie« die aktuellen Tendenzen in der photographischen Rezeption des BAUHAUSES dar. Das Buch »Neues Sehen - Neue Sachlichkeit« schlägt den Bogen von den 1920er Jahren über die 50er Jahren zu den Photographen*innen die seit 1980 die Kontinuitäten und Brüche in der Rezeption der Ästhetik und Programmatik der Neuen Sachlichkeit in ihren photograhischen Positionen als Schüler von Otto Steinert, Heinrich Riebesehl und Bernd und Hilla Becher widerspiegeln. Jetzt mit dem Buch »Fotografie in der Weimarer Republik« werden sozusagen die Anfänge dieser Entwicklung und 100Jahre stilistischer Entwicklung in der Photographie vorgestellt. Diese sehr interessante Darstellung der Entwicklung und Bedeutung der Photographie in der Weimarer Republik (1919-1933) zeigt die Entwicklung der Photographie als Dokumentationsmedium, das Entstehen des qualitätsvollen `Bildjournalismus´ gefördert durch neue Drucktechniken und das Aufkommen der Illustrierten mit Bildserien. Es ist aber auch das Übergehen zu einer künstlerischen an Themen und Bildgestaltung orientierten Photographie. Renger-Patzsch publiziert in diesem Zeitabschnitt „Die Welt ist schön“ und die später berühmt gewordenen „Ruhrgebiets-Landschaften“ sind bereits photographiert. Allen Positionen dieses Aufbruchs in die `Moderne´ ist das Neue Sehen gemeinsam, das von den Anfängen am BAUHAUS bis zur heutigen Photographie nicht nur neue Perspektiven, neue Standorte beinhaltete sondern vor allem neue Themen für die Photographie bedeutete wie z.B. die Architektur, die Arbeiterphotographie, Tanz und Mode, Technik und Industrieerzeugnisse oder Sportereignisse bis hin zu der legendären Bildreportage der „Atlantiküberquerung des Zeppelins von Alfred Eisenstaedt! Für die in dieser Zeit neu entwickelten Zeitschriften wird die Reportage mit großen Abbildungen und kleinen Textblöcken prägend. Die ´Berliner Illustrierte´ hatte in dieser Zeit eine Auflage von 2 Millionen Exemplaren (war das weltweit auflagenstärkste Druckerzeugnis) und beschäftigte für ihre journalistischen, politischen Informationen Photographen wie Erich Salomon, Alfred Eisenstaedt und den Reporter Egon Erwin Kisch.  Die im Buch gezeigten Arbeiten von Alfred Eisenstaedt, Hugo Erfurth, Hans Finsler, Hannes Maria Flach, Lotte Jacobi, Paul W. John, Kurt Kranz, Werner Mantz, Martin Munkácsi, Albert Renger-Patzsch, Franz Roh, Werner Rohde,  Erich Salomon, August Sander, Theo Schafgans, Friedrich Seidenstücker, Anton Stankowski, Alex Stöcker, Umbo, Yva, u. a. sind heute ein who is who der Klassischen Modern in der Photographie. Das Buch zur gleichnamigen Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt des LVR-LandesMuseums Bonn, der Stiftung F.C. Gundlach Hamburg und der Deutschen Fotothek Dresden mit Unterstützung von ullstein bild collection Berlin. (Ausstellung im LVR-LandesMuseum, Bonn bis 19.01.2020)
Ein sehr empfehlenswertes Buch als Dokument der Kulturgeschichte der Weimarer Republik aber auch für die Entwicklung der klassischen Moderne und ihren stilistischen Impulsen für die Photographie. Ein für zeitgeschichtlich interessierte Leser, Kunstwissenschaftler und Photographen gleichermaßen interessantes Buch, das schön gestaltetet ist und zur kritischen Reflexion einer historischen wichtigen Epoche anregt. Mit der umfassenden Darstellung des „Neuen Sehen“ das am BAUHAUS und der russischen Avantgarde entstand, dem Photojournalismus und der Dokumentarphotographie regt es zum Diskurs über die Photographie und ihre künstlerischen Möglichkeiten wie die stilistischen Varianten konzeptueller Photographie an.
 

Ludwig Windstosser
Fotografie der Nachkriegsmoderne

Herausgeber: Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin    
Texte von Stefanie Dietzel, Lara Höfchen, Jette Panzer in Deutsch
Softcover, 96 Seiten, 36 farbige und 51 s/w Abbildungen
Kerber Verlag 2019
ISBN: 978-3-7356-0625-9; 25,- Euro

Ludwig Windstosser (1921–1983) war einer der erfolgreichsten Photographen im Westdeutschland der Nachkriegszeit. Heute ist er nahezu vergessen. Als Gründungsmitglied der Avantgarde-Gruppe fotoform war Windstosser von Neuer Sachlichkeit und Neuem Sehen geprägt und entwickelte eine beeindruckende Bildsprache, die mit starken Kontrasten, abstrakten Strukturen und extremen Perspektiven die Individualität seines fotografischen Blicks herausstellt. Der Bildband der Kunstbibliothek Berlin präsentiert nun erstmals eine umfangreiche Auswahl seiner Industriephotographie, ›Städteporträts‹ und freien Arbeiten. Der zur Ausstellung erscheinende 80-seitige Begleitband soll die drei Hauptaspekte im Schaffen Windstossers – Industriephotographie, künstlerische Photographie, Städteporträts – vertiefen.

 

Köln an der Seine
Photographien von Hugo und Karl Hugo Schmölz
Herausgeber Mario Kramp
Texte von Mario Kramp in Deutsch
Festeinband, Schutzumschlag, 272 Seiten mit 167 Abbildungen in Schwarz-Weiß
Greven Verlag, Köln
ISBN: 978-3-7743-0902-9; 30,00 Euro


Das Buch »Köln an der Seine« hat einen besonderen Stellenwert, da die Photographien (Abbildungen) von Hugo und Karl Hugo Schmölz stammen. Unter der Archivnummer 7083 sind die Photographien der ersten Parisreise (1937) von Hugo Schmölz. Karl Hugo Schmölz hat die Photographien (Archivnummer 7146-7174) der zweiten Parisreise erstellt. Stilistisch sind diese Aufnhamen deshalb besonders interessant weil Hugo Schmölz Werk durch das Buch `Architektur des Neuen Köln´ (1924-1937) und Karl Hugo Schmölz Werk durch die `Architektur der 1950er Jahre´ vorliegen, beides Meisterwerke der Architekturphotographie. Hugo Schmölz ist der kongeniale Interpret des `Neuen Bauens´ und Vermittler der funktionalen Intensionen der Architektur der 1920er Jahre. Karl Hugo Schmölz interpretiert im dokumentarischen Stil mit strenger formaler Qualität und ausdrucksstarken Licht- und Schattenkompositionen den Baustil der frühen Bundesrepublik. Dazwischen liegen die Pariser Serien von der Weltausstellung 1937. Es ist interessant welche Kontinuitäten und welche Brüche es in Motivfindung, Perspektive und dem Motivaufbau/-Gestaltung in den beiden Serien von 1937 gibt, zumal Karl Hugo Schmölz, ab 1950 eine bis heute wegweisende Architekturphotographie vorgelegt hat. Eingebettet sind die Photographien in fundierte und spannende Texte zur Entstehung der Bauten, der Weltausstellung, der politischen Rahmenbedingungen und einer Darstellung der damaligen Perspektive der Bevölkerung auf diese Präsentation. Dies hat Karl Hugo Schmölz, speziell in mehreren Motiv-Perspektiven des deutschen und des sowjetischen Pavillons thematisiert. Dabei stellt er die maßlose Gigantonomie und die Ikonografie des Machtanspruchs dezidiert zur Diskussion des Betrachters. Ein für Architekten und Photographen gleichermaßen interessantes Buch, das schön gestaltetet ist und zur kritischen Reflexion beider Medien anregt. Es zeigt auch eine vergessene Episode deutsch-französischer Geschichte aus der Perspektive der Photographie. Das Buch ist eine wichtige Neuerscheinung, da es stilistisch zwei bedeutende Photographen vorstellt und zu gleich dazu anregt, über den nationalen Tellerrand zu schauen und Photographie als eine historische europäische Interpretation zu erkennen. (Ausstellung im Stadtmuseum Köln bis 15. Dezember 2019)


Christiane Kruse
Macht, Ohnmacht, Widerstand
Frauen in der Zeit des Nationalsozialismus. 50 Porträts

Kultur & Kritik (Jg. 8, 2/2019)
Broschur, 180 Seiten
Transcript Verlag 2019
ISBN: 978-3-8376-4457-9; 16,80 Euro

POP. Kultur und Kritik analysiert und kommentiert die wichtigsten Tendenzen der aktuellen Popkultur in den Bereichen von Musik und Mode, Politik und Ökonomie, Internet und Fernsehen, Literatur und Kunst. Die Zeitschrift richtet sich sowohl an Wissenschaftler_innen und Studierende als auch an Journalisten und alle Leser_innen mit Interesse an der Pop- und Gegenwartskultur. Die Geschichtsschreibung beschränkt sich weitgehend auf die Rolle der Männer in der NS-Zeit. Aber welche Bedeutung hatten Frauen im Spannungsfeld von Ideologie, Propaganda und dem Alltagsleben? Christiane Kruse nähert sich dieser Frage anhand von 50 Frauenporträts und beleuchtet die unterschiedlichen Lebenswege von Frauen in der NS-Zeit. Im Schatten der Macht, im Scheinwerferlicht oder in Opposition – wie lebten Frauen als Mitläuferinnen, Opfer, Widerständlerinnen, aber auch Täterinnen und welche Motive gab es für ihr Handeln? Eine Annäherung an Lebenswege, die sich nicht in Kategorien pressen lassen und dabei oft vielschichtiger sind als es auf den ersten Blick scheint.

Niina Vatanen
Time Atlas

Kein Text
Leineneinband mit Lesebändchen, 288 Seiten 103 Farb- und 171 S/W-Abbildungen
Kehrer Verlag, 2019
ISBN 978-3-86828-943-5 2019; 48,- Euro

Time Atlas verbindet Bilder aus unterschiedlichen Quellen miteinander: persönliche Fotos, Bilder aus dem Internet, aus alten Enzyklopädien, Zeitungen, Ratgebern und Lehrbüchern. Einer ganz eigenen visuellen und intuitiven Logik folgend, schafft Niina Vatanen durch die Kombination dieses vielfältigen Materials überraschende Verbindungen. Wie in einer Enzyklopädie sind die Bilder locker nach Themengebieten geordnet. Insbesondere konzentriert sich Vatanen dabei auf die Zeit und unsere Wahrnehmung davon und auf die Art und Weise, wie bildliche Erinnerung, persönliche Erfahrung und Geschichte ineinandergreifen. Niina Vatanens Arbeiten mit Fotografien, Texten und Archivmaterialien werden seit 2006 in internationalen Galerien, Museen und auf Festivals ausgestellt. Im Kehrer Verlag sind zwei Bücher von Vatanen erschienen: A Room’s Memory / Huoneen muisti (2013) und Archive Play (2014).

 

Tim Mitchell
Product

Herausgeber: Alistair Robinson, Northern Gallery for Contemporary Art
Texte von Luc Boltanski & Arnaud Esquerre, Mike Crang, Nicky Gregson, Emily McMehen, Helen James, Carol McKay, Michalis Nikolakakis, Lucy Norris, Alistair Robinson
Hardcover, 368 Seiten mit 230 farbigen Abbildungen
Kerber Verlag 2019
ISBN: 978-3-7356-0602-0; 45,- Euro

Wissen wir unser Leben überhaupt noch zu schätzen? Seit 15 Jahren studiert der Photograph Tim Mitchell Alltagsobjekte des 21. Jahrhunderts. Als genauer Beobachter fragt in seiner ersten Monografie Product nach ökologisch nachhaltigen und ethischen Produktions- und Gebrauchsmodellen und thematisiert anhand der sich rasant ändernden Warenwelt den allgemeinen sozialen Wertewandel. Mit weiterführenden ökonomischen, soziologischen und kunsthistorischen Aufsätzen, zeigt das Buch das glamouröse Chaos der Pariser Fashion Week ebenso wie die globalen Auswirkungen des Bekleidungsrecyclings und der griechischen Finanzkrise.

 


Lee Shulman
Midcentury Memories. The Anonymous Project

Texte: Englisch, Deutsch, Französisch
Hardcover, 280 Seiten
Taschen-Verlag, 2019
ISBN: 978-3-8365-7584-3;  40,- Euro

Was heute das Smartphone, war vor 50 Jahren die Kleinbildkamera: Mit ihr wurde einfach festgehalten, was man aß, wie man reiste, was auf Büropartys oder Familientreffen geschah. Sich vorzustellen, was irgendeine Person vor Jahrzehnten dazu veranlasste, auf den Auslöser zu drücken, war die Idee, der sich Lee Shulman bei seinem „Anonymen Projekt“ verschrieben hatte. Herausgekommen ist eine Sammlung alltäglicher Szenen. „Zufällige Momente, so unschuldig wie unbeholfen, an die sich heute niemand mehr erinnert, es sei denn, sie wurden von jemandem mit der Kamera festgehalten“ – wie der Kunstkritiker Richard B. Woodward unter dem Titel „Kollektive Erinnerungen auf Kodachrome“ in seiner Einführung feststellt. Das Projekt begann mit einem arglosen Kauf auf eBay: Der Filmemacher Lee Shulman erwarb einen Satz Kodachrome-Kleinbilddias – anonyme Familienphotos – und war so angetan von dem, was er den „emotionalen Wert dieser Lebensschnipsel“ nannte, dass ihm sofort klar war: Er braucht mehr davon. Also rief er im Januar 2017 „Das anonyme Projekt“ ins Leben. Shulman und seine Assistentin Emmanuelle  Halkin haben dazu von Spendern und Händlern über 700.000 Farbdias zusammengetragen, diese gespeichert, katalogisiert und zunächst etwa 10.000 Bilder für ihre Sammlung ausgewählt. Die frühesten Aufnahmen stammen aus den späten 1930er Jahren, die meisten jedoch aus den Jahren zwischen 1950 und 1970, als die Farbphotographie für jedermann erschwinglich wurde. In einem abschließenden Interview mit Reuel Golden mit dem „Initiator und kreativen Leiter des ‚Anomymen Projekts‘ über seine Sammlung und sein Faible für Kochachrome“ schildert Shulman, warum er dieses begonnen, warum er sich auf Farbdias konzentriert hat, und vor allem, was die anonymen Bilder seiner Meinung nach darüber aussagen, wie Menschen Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts ihr Leben lebten. Das im Taschen-Verlag, Köln, erschienene Buch „Midcentury Memories – the Annonymous Project“ beinhaltet eine kuratierte Auswahl von etwa 300 Bildern, die das Leben unzähliger anonymer Personen zeigt und damit eine wichtige Dokumentation der damaligen Amateurphotographie ist. Auch wenn die abgebildeten Menschen unbekannt sind und durch das Fehlen jeglicher Bildunterschriften auch bleiben, gehören diese Aufnahmen und die faszinierenden Geschichten, die dahinterstecken, zum universellen Erfahrungsschatz unserer westlichen Welt. (vZ)

Italienbilder
Photographien von Rosanna D'Ortona, Francesca Magistro, Luisa Zanzani
Texte von Francesca Della Ventura (Kunsthistorikerin) und Aurora Rodonò in Deutsch
Broschur, 52 Seiten, ca. 17 farbige Abbildungen
Eigenverlag, Köln
Museumspreis: 10,00 Euro

Das Buch »Italienbilder« erzeugt mit seinem Titel im ersten Moment ganz falsche Assoziationen. Wir verbinden mit `Italienbildern´ Photographien der Campagna, von antiken Säulen unter Pinien oder Ansichten der Stadt ROM. Hier ist es aber der Blick zurück von einer Jugend in Deutschland auf die Wurzeln in Italien. Entsprechend der anderen kulturellen Verankerung ist es auch nicht eine Landschaft ein Ort der mit `Heimat´ verbunden ist, sondern die `Nonna´ (Großmutter) der Identifikationsort. Es sind individuelle Migrationsgeschichten, in denen sich das kollektive Gedächtnis widerspiegelt. Die drei Photographinnen haben ganz unterschiedliche Zugänge zu diesen kulturellen Hintergründen, die auch dadurch geprägt sind, dass sie aus verschiedenen Regionen Italiens stammen. Auch der Nordeuropäer spürt diesen Unterschied z.B. zwischen der Emilia Romana, Latium oder Sizilien.
Rosanna D'Ortona beschwört die Jugend mit Selbstporträts in den Kleidern der Nonna. Francesca Magistro hat einen generellen Ansatz indem sie sich mit dem Begriff `Mutter Italien´ auseinandersetzt. Luisa Zanzani setzt sich mit dem Aspekt auseinander, dass sie das Haus der Großmutter nach 10 Jahren in Deutschland anders bewusster sieht. Es sind Innenansichten und nicht die mediale Außenansicht mit `Abschied, Reise, Ankunft im fremden Land´ die wir aus Zeitschriften (siehe Rezension `Punti di vista. Benno Wundshammer´) und Filmen kennen. Es ist das `andere Italien´ das der intensiv photographierende Reisende*in auch entdeckt, wenn er mit offenen Augen das Land besucht. So werden Erinnerungsbilder als Photographien zu einer Reflexion von Zeit und Raum in beiden Ländern. Die Kunsthistorikerin Francesca Della Ventura hat sich ausführlich mit deutsch italienischen Identität in der zeitgenössischen Kunst auseinandergesetzt. Aurora Rodonò geht in ihrem Text differenziert auf die Rezeption und Reflexion der Migration ein. Ein sehr interessantes Buch das mit Photographie über die soziale und kulturelle Vielfalt in Europa nachdenken lässt, einen interkulturellen Austausch ermöglicht mit der Erkenntnis, dass es jenseits dunkler Wälder, romantischer Fachwerkstädte, blühender Zitronenhaine und antiker Ruinen noch viel kennenzulernen gib. Das Buch zeigt der zeitgenössischen Photographie neue Themengebiete auf. Es regt zum Nachdenken über die Photographie und ihre künstlerischen Möglichkeiten an und ist ein Beitrag zu weiteren Diskursen über die stilistischen Varianten konzeptueller Photographie.

 

Kunst auf der Margarethenhöhe
Herausgeber Heinrich Theodor Grütter
Vorwort Heinrich Theodor Grütter
Texte von Christoph Wilmer, Achim Mikuscheit in Deutsch
Broschur, 104 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen von Rainer Rothenberg
Klartext Verlag, Essen
ISBN 978-3-8375-2160-3; 12,95 Euro


Die Publikation »Kunst auf der Margarethenhöhe« aus der Reihe der „Kleinen Schriften“ des Ruhrmuseums hat zwei Bezüge zur Photographie. Einer ist dem Aspekt geschuldet, dass Albert Renger-Patzsch von 1927-1943 hier gelebt und gearbeitet hat. Wenn man die Broschüre durchblättert stellt man sich unbewusst die Frage wie hat er diese Umgebung wahrgenommen, hat sie ihn inspiriert, wie würden bei seinem hohen Anspruch die zahlreichen farbigen Motive in SW wirken? Der andere sehr praktische Bezug ist, dass der sehr informative und mit Karte versehene Führer zu den Kunstwerken im Stadtteil Margarethenhöhe auch die außergewöhnliche Architektur mit einbezieht. Die „Gartenstadt Margarethenhöhe“ ist als Gesamtkunstwerk entworfen worden in dem Architektur, Stadtplanung, Fassadendetails, Innenausstattung und Statuen und Kunstwerke im öffentlichen Raum, alle zueinander in Bezug stehen. So ergeben sich verschiedene sehr variantenreiche Themen für eine eigene photographische Serie. Die Margarethenhöhe (Essen) ist mit der Mathildenhöhe (Darmstadt) und der Siedlung „Dresden-Hellerau“ eine der herausragenden Wohnsiedlungen der Jahrhundertwende in Deutschland, die zugleich auch Wohn- und Inspirationsort für die zeitgenössichen Künstler waren.  Das Buch ist eine interessante Neuerscheinung im Kreis der Thematik „100 jahre bauhaus im westen“ und eine Inspiration sich einmal wieder mit der „Neuen Sachlichkeit“ photographisch auseinanderzusetzen. (Ausstellungen bis 5. Januar 2020 im Ruhr Museum, Essen)

 

Amateurfotografie
Vom Bauhaus zu Instagram

Herausgeber: Esther Ruelfs (DGPh) und Tulga Beyerle für das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Mit Texten von Ulrike Bergermann, Susanne Holschbach (DGPH), Florentine Muhry, Susanne Regener, Esther Ruelfs, Sven Schumacher, Bernd Stiegler (DGPh) in Deutsch und Englisch
Klappenbroschur, 208 Seiten 192 Farb- und S/W-Abbildungen
Kehrer Verlag 2019
ISBN: 978-3-86828-964-0 2019; 29,90 Euro

Die Publikation zur Ausstellung „Amateurfotografie. Vom Bauhaus zu Instagram“ widmet sich der Amateurphotographie und ihrer Innovationskraft. Das kreative Potential von Amateurinnen und Amateuren spielt seit der Erfindung der Photographie eine wichtige Rolle und interessierte vor allem die Künstlerinnen und Künstler des Bauhaus, die im unbekümmerten Umgang mit der Photokamera eine große schöpferische Kraft sahen. Auch das demokratische und politische Potential der Amateurphotographie wurde in den 1920er Jahren entdeckt. Beides ist auch heute noch von großer Bedeutung für unseren Umgang mit Bildern. Die Amateurphotographie Anfang des 20. Jahrhunderts war der Beginn eines Massenphänomens, das heute mit der digitalen Bilderflut immer wieder beschworen wird. Die Publikation vergleicht die Bildwelten der historischen und zeitgenössischen Amateurphotographinnen und -photographen, beleuchtet ihre Motivation und Ziele und fragt, ob und wie sich die digitale, massenhaft praktizierte Amateurphotographie von der historischen unterscheidet.

 

Lynn Goldsmith / Patti Smith
Before Easter After
Text: Englisch
Hardcover, in einer Schlagkassette, 296 Seiten
Taschen-Verlag, 2019
ISBN: 978-3-8365-7386-3; 600

Patti Smith und Lynn Goldsmith – eine der schillerndsten Figuren der Musikwelt und eine der profiliertesten Musikphotographinnen – arbeiteten Mitte der 1970er Jahre zum ersten Mal zusammen. Das Resultat waren intime visuelle Einblicke in eine Phase des Übergangs in Smiths Leben – zugleich wurde eine goldene Ära in der Geschichte des Rock’n’Roll verewigt. Die im Taschen-Verlag, Köln, erschiene Edition „Before Easter After“ ist Lynn Goldsmiths einfühlsames photographisches Dokument dieser Zeit: der Jahre 1975 bis 1979. Patti Smith ritt immer noch auf dem Kritikererfolg von ‚Horses‘, brachte ihr dogmatisches ‚Radio Ethiopia‘ heraus und produzierte ‚Easter‘ – ihr bislang erfolgreichstes Album und zugleich eines ihrer umstrittensten. Sie war auf dem besten Weg, ihren festen Platz in der Geschichte einzunehmen, aber zugleich noch frei von einer etablierten öffentlichen Identität. In dieser Phase schuf Goldsmith eine Atmosphäre, in der Patti Smith, wie sie sagt, „ich selbst sein, mein eigenes Potenzial entfalten konnte”. Lynn Goldsmith dokumentierte über fünf Jahrzehnte amerikanischer Kultur und veröffentlichte 13 Bände mit ihren Photographien. 1978 begleitete sie die Patti Smith Group auf Tour, hielt legendäre Nächte im CBGBs im Bild fest und erlebte Pattis unglücklichen Sturz von der Bühne in Tampa, Florida, als diese sich gleich mehrere Halswirbel brach. Während ihrer Genesung entstanden die subtilen Coverphotos für ‚Easter‘ und die Single ‚Because The Night‘. „Sie war der Inbegriff von cool – in ihrer Sinnlichkeit lag stets ein Hauch von Philosophie“, stellt die Photographin fest. Goldsmiths Studioaufnahmen – mit Requisiten, Kostümen und farbigen Kulissen – fangen die enormen Widersprüche zwischen den Idealen von Stärke und Schönheit ein und zeugen von Goldsmiths einzigartiger Fähigkeit, sowohl die Coolness als auch den Spirit ihrer Sujets herauszuarbeiten. Neben Hunderten von bislang unveröffentlichten Photos, die sich von dem bis dahin herrschenden Bild von Patti Smith – eher nüchterne Schwarzweißaufnahmen – unterscheiden, enthält der Band eine Einleitung, Lyrics, Gedichte sowie Texte von Smith, die einen Wendepunkt in ihrem Leben reflektieren. Der außergewöhnliche Band „Before Easter After“ würdigt eine einflussreiche kreative Partnerschaft zwischen Smith und Goldsmith, die bis heute andauert – zwei Ausnahmekünstlerinnen, die die Regeln des Rock’n’Roll immer wieder aufs Neue herausgefordert haben. (vZ)

 


Rebellion und Anpassung
Ostdeutschland – Neubewertung einer Kunstlandschaft

Kunstforum International Band 263
nur im Abo erhältlich, Informationen unter: www.kunstforum.de/abo/

„Ohne Angst vor Repressionen dokumentierten Fotograf*innen die Mobilisierungserfolge der Bürgerbewegung und begleiteten den gesellschaftlichen Aufbruch.“ Die DDR als Land der Photographie: Gingen Photographie und Propaganda für den Sozialismus Hand in Hand? Schließlich hat es den Anschein, als begleiteten Photojournalisten jeden noch so kleinen Erfolg bei der Schaffung sozialistischer Persönlichkeiten, lichteten Bestarbeiter*innen ab und waren dabei, wenn die jährlichen Ernteschlachten geschlagen wurden. Die Lust am Bild und die hohe Auflage an verschiedenen Zeitungen und Journalen steigerte die Lust am Photographieren – ein Akt, der auf den zweiten Blick die stillgestellte Zeit, dieses Leben im Vorhof der Zukunft, einfangen konnte und so politisches Potential gewann. In welchem Maße auch die Fotografie zur Zeit der DDR in ideologische Absichten eingehegt wurde, welche Rolle Photograph*innen wie Tina Bara, Sibylle Bergemann oder Christian Borchert spielten und welche Diskrepanz zwischen dokumentarischer „Leichtgewichtigkeit“ und ästhetischem Anspruch auszumachen ist, diskutiert Christoph Tannert im aktuellen KUNSTFORUM Band 263 „Rebellion und Anpassung I Ostdeutschland: Neubewertung einer Kunstlandschaft“ .

 

 

The Big Good Future #2
Herausgeber: Creative City Berlin
Vorwort: Klaus Lederer Senator für Kultur, Berlin
36 Beiträge zu verschiedenen Themen in Deutsch und Englisch
Broschur, innovative Typografie, 96 Seiten, 90 Abbildungen in Farbe und Schwarz-Weiß
Eigenverlag Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Berlin

Das Printmagazin »The Big Good Future #2«, das auch digital erscheint ist eine Publikation zu unterschiedlichen kulturellen Themen, das in einer ganz anderen eher digitalen Typografie gestaltet ist. Dieses Magazin ist für alle Photographen*innen interessant, die bereits ihre Bücher selbst konzipieren und gestalten oder die es tun wollen. Einem deutlich sichtbaren typografischen Raster werden immer wieder neue und innovative Platzierungen von Schrift und Photographien abgewonnen. Unterschiedliche Spaltenbreiten, Schriftgrößen entsprechend der Textbedeutung, farblich herausgestellte Spalten und grafisch gestaltete Doppelseiten ergeben ein grafisch sehr interessantes Magazin, in dem die Inhalte präsentiert werden! Sicher werden diese konzeptionellen und typografischen Eigenarten bald auch in Photographiebüchern angewandt werden und so der konzeptuellen Photographie neue Wege weisen. Ein Magazin das man immer wieder gerne hervorholen wird als Anregung und Diskussionsgrundlage für die eigene Buchgestaltung. Denn die `Self-Publisher´ haben einen wachsenden Anteil am Buchmarkt, Ende 2017 bereits 1/3 der Neuerscheinungen.
 

FotoMAGAZIN EDITION No. 9 - Bühne der Bilder
Die schönsten Seiten der Fotografie im XXL-Format Heft
Das Magazin ist zum Preis von 12,90 Euro ab sofort im gut sortierten Zeitschriftenhandel erhältlich

In der diesjährigen Ausgabe: Portfolios von bekannten Fotografen sowie von talentierten Neu-Entdeckungen und vieles mehr.
Wie wirklich ist die phtographische Wirklichkeit? Kann ein sogenanntes Dokumentarbild überhaupt objektiv die Realität widerspiegeln? Diesen Fragen geht die Reportage "An den Rändern des Realen" nach. Auch Fotografen wie Cédric Delsaux und Dana Cojbuc sind Grenzgänger zwischen Fiktion und Dokumentation. Ihre Bilder und weitere beeindruckende Werke, wie die des Körperkünstlers Arno Rafael Minkkinen, finden sich in diesem Fine Art-Sonderheft. Neue Perspektiven von Körper und Raum erforscht der Choreograf und Photokünstler AdeY und schafft dabei eine neue Form von Nacktheit. Weiter beherbergt die EDITION No. 9 Interviews, die Bildbände des Jahres, Portfolios und Themen wie die Geschichte der Luftbildfotografie und Musikstars als Photographen. Das Titelfoto stammt von Olaf Heine und zeigt den Schauspieler Daniel Brühl. Vielleicht ist ein Film-Star sogar der ultimative Grenzgänger zwischen Realität und Fiktion...

 

 

 

Bitte nicht gießen 2020
Der Kalender für Leute OHNE grünen Daumen

14 Seiten | 12 Fotos | Format 33 × 64 cm
ISBN: 978-3-8407-0473-4; 27,95 Euro

Kalenderpreis-Gewinner 2019

Sie lieben Zimmerpflanzen, haben aber vielleicht keinen grünen Daumen oder zu wenig Zeit? Mit dem „Bitte nicht gießen“-Wandkalender haben Sie ganzjährig schöne Grünpflanzen an der Wand, was übrigens viel praktischer ist als vor dem Fenster. Genießen Sie – mit einem Augenzwinkern – das ganze Jahr perfekt gewachsene Schönheiten im Topf, die ganz unabhängig von Lichteinfall, Wasserzufuhr und Dünger makellos und dekorativ bleiben. Die Jury des Kalenderpreises des Deutschen Buchhandels 2019 hat der „hervorragend produzierte Kalender“ in der Kategorie "Bestes Fotokonzept" überzeugt.