Robert Frank, Dr.-Erich-Salomon-Preisträger 1985, ist verstorben

Mit Robert Frank ist einer der einflussreichsten Photographen des 20. Jahrhunderts gestorben. Die unverstellten und persönlichen Eindrücke seines Umfelds haben die Dokumentarphotographie in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts entscheidend geprägt und das Verhältnis zur urbanen Lebenswelt und deren photographische Fixierung nachhaltig verändert. Robert Frank starb am 9. September in Inverness, USA im Alter von 94 Jahren.

Der 1924 in Basel als Sohn eines deutschen Vaters und einer Schweizer Mutter geborene Frank machte zunächst eine Ausbildung bei den Züricher Photographen Hermann Segesser und Michael Wolgensinger. 1947 wanderte er im Alter von 23 Jahren nach New York aus, um der Enge seiner Schweizer Heimat zu entfliehen. Hier wurde er von dem legendären Artdirektor des Magazins Harper’s Bazaar, Alexei Brodowitsch entdeckt und gefördert. Es folgten Aufträge für LIFE und Vouge, die ihn nach Süd-Amerika und Europa führten. Dort verfestigte sich sein neuer subjektiver Stil. Seine Kontakte, unter anderem mit Walker Evans, ermöglichten ihm ab 1953 die Mitarbeit am Projekt „Family of Man“ von Edward Steichen. In der 1955 im MoMa eröffneten Ausstellung ist Frank mit sieben Arbeiten prominent vertreten.

Bekannt wurde Robert Frank aber vor allem durch sein bahnbrechendes Buch „The Americans“, ein Meisterwerk mit schwarz-weiß Photographien, das er von 1955 bis 1957, gefördert durch ein Guggenheim-Stipendium auf mehreren Reisen durch die USA schuf. In seiner neuen Heimat wurde das Buch anfangs massiv kritisiert. Daher erschien es 1958 zunächst in Paris (Hg. Robert Delpire, Kulturpreis 2007) und erst 1959 in New York. Das Vorwort schrieb Jack Kerouac, der namhafteste Vertreter der Beat Generation. Dieses Buch ist ein Meilenstein der dokumentarischen Photographie und hat seinen Nachhall bis heute. "The Americans" ist ein subjektives Statement zur Situation der damaligen amerikanischen Gesellschaft während der McCarthy-Ära und versteht sich als Kritik an der Selbstzufriedenheit des „American way of life“. Die neue Sichtweise definiert sich durch oft flüchtige und teilweise expressiv komponierte Bilder, die auf den ersten Blick belanglos wirken.

Die Photographien von Robert Frank – ob von einzelnen Personen, jugendlichen Paaren, Gruppen bei Beerdigungen und ungewöhnlichen Orten des kulturellen Lebens - waren cineastisch, unmittelbar, ungewöhnlich und körnig wie die frühen Fernsehsendungen dieser Zeit. Sie manifestieren seinen Platz im Pantheon der bildjournalistischen Photographie. Die Kulturkritikerin Janet Malcolm bezeichnete ihn daher als den "Manet der neuen Photographie".

In seinem Spätwerk setzte er sich intensiv mit seinem Leben und dem tragischen Tod seiner beiden Kinder Andrea und Pablo auseinander.

Robert Frank hat den Hasselblad Award im Jahre 1996 und 2012 den Swiss Press Photo Lifetime Achievement Award erhalten. Er drehte rund 20 Filme und publizierte zahlreiche Bücher (meist im Steidl Verlag). Dazu kommen Ausstellungen in den bedeutendsten Häusern der Welt. Das Folkwang-Museum in Essen widmete Frank gleich drei bedeutende Ausstellungen. 2001 unter dem Titel „Hold still ­ keep going“ (Foto), 2008 und zuletzt 2014 „Books and Films“ (zusammen mit der Akademie der Bildenden Künste München), 2014.

Photo: Volker Heinze: Robert Frank, 1988