Manfred Kage, Kulturpreisträger 2012, ist am 09. August verstorben

Manfred P. Kage (geboren 1935 in Delitzsch) gehörte weltweit zu den herausragenden Persönlichkeiten der künstlerischen und professionellen Mikrofotografie. Am 09. August 2019 ist Manfred Kage verstorben.

Kage wird mit seinen verschiedenen Tätigkeits- und Interessensbereichen sowie Erfindungen als Visionär, Vordenker und eines der wenigen heute noch lebenden „Allroundgenies“ beschrieben. In seinem speziellen Arbeitsbereich, der Synthese aus Wissenschaft und Kunst, der Medienkunst und insbesondere der Multimedia- sowie Videokunst hat er frühe und sehr wichtige Leistungen erbracht sowie bahnbrechende Erfindungen und Innovationen kreiert. Kage wird daher auf diesen Gebieten als einer der weltweit wichtigsten Pioniere und als renommierter Künstler genannt.

Nach einer Ausbildung zum Chemieingenieur im renommierten Institut Dr. Flad in Stuttgart, bei dem er später einen Lehrauftrag erhielt, dem Besuch der Kunstschule der Künstlerin Christa Moering in Wiesbaden und einer Ausbildungsklasse der Hölzel´schen Farblehre erkannte Manfred P. Kage bereits in der 1950er Jahren die Möglichkeit, der Nutzung ästhetischer Elemente der Mikrofotografie zur Erzeugung von „Kunstformen“. Mit innovativen Techniken zur Darstellung in der künstlerischen Fotografie sowie Multimedia- und Videokunst, drang er seit 1956 in verborgene und neue visuelle Sehwelten vor und erreichte bei seinen mikrofotografischen Kunstwerken eine Ästhetik ganz eigener Dimension. In der Darstellung der Komplexität der Wunder der Natur, ihrer Schönheit, ihrer Sensibilität und die fotografische Betrachtung intelligenten Designs sah Kage eine fantastische Herausforderung. Kage präsentierte seit 1957 seine Werke im Kontext zur subjektiven Fotografie und apparativen Kunst in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen, Performances und Multimediaevents (z.B. bei den Olympischen Spielen, im Museum of Modern Art in New York, im ZKM Karlsruhe, auf der Biennale, der EXPO und der ars electronica).

1959 gründete Manfred P. Kage sein „Institut für wissenschaftliche Fotografie und Kinematografie“ in Winnenden bei Stuttgart (heute KAGE Mikrofotografie GbR, Schloss Weißenstein, Lauterstein). 1976 erhielt Kage als erste Privatperson in Deutschland ein Rasterelektronenmikroskop und entwickelte 1977 erstmals die Farbgebung für die Rasterelektronenmikroskopie direkt am Gerät mit einem Gammadiskriminator.
1977 begründete er damit seine multispektrale REM-Science-Art. Die Begrifflichkeit "Science Art" sowie "Modern Science Art, Video Science Art und REM Science Art" (u.a. in Abgrenzung zu Art and Science und Video Art), entwickelte Manfred Kage für seine Kunst zusammen mit seinem Freund Prof. Herbert W. Franke. Dieser unterstützte ihn dabei in textlicher Weise und präsentierte später seine Computerkunst unter dem Begriff Science Art; gemeinsam zeigten beide ihre Science Art z.B. auf der ars electronica und zahlreichen anderen Events und Ausstellungen.

Kage war berufenes Mitglied der DGPh (Deutsche Gesellschaft für Photographie), der DFA (Deutsche Fotografische Akademie) und Gründungsmitglied des BFF (Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e.V.). Neben zahlreichen Veröffentlichungen, Preisen und Auszeichnungen wurde Kages Lebenswerk 2012 mit dem Kulturpreis der DGPh ausgezeichnet. Die deutsche Post widmete ihm eine Sonder-Briefmarkenserie „Mikrowelten".

Das Schloss Weißenstein in Baden-Württemberg ist heute Sitz der künstlerischen Sammlung Kages und beherbergt das Unternehmen KAGE Mikrofotografie GbR mit dem „Institut für wissenschaftliche Fotografie“ und angeschlossenem Bildarchiv sowie dem Museum „KAGEs MIKROVERSUM“, welches sich insbesondere dem Lebenswerk Manfred P. Kages und seiner künstlerisch-wissenschaftlichen Arbeit widmet.

Kages Ehefrau Christina, seine Tochter Ninja-Nadine und sein Schwiegersohn Oliver Kage arbeiteten sowohl im Forschungsbereich, der wissenschaftlichen Fotografie und dem künstlerischen Wirken eng mit ihm zusammen, entwickeln mit Kage spezielle künstlerische und wissenschaftliche Projekte gemeinsam weiter, führen heute sein Lebenswerk fort und betreuen die künstlerische Sammlung sowie das Bildarchiv.