John Morris, ein Urgestein des Bildjournalismus, ist verstorben

Wie die Agentur Magnum mitteilt, ist ihr Mitglied, der weltweit wohl wichtigste Photopublizist John Godfrey Morris, am Freitag, dem 28. Juli 2017 in Paris im Alter von 100 Jahren verstorben. Er gehörte zu den wirkmächtigsten Menschen im Bildjournalismus der zweiten Hälfe des 20. Jahrhunderts.

Für seine außerordentlichen Verdienste um die Photographie wurde John Morris 2003 mit dem Dr.-Erich-Salomon-Preis der DGPh geehrt. In der bewegenden Zeremonie in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim  berichtet er sehr lebhaft und authentisch aus seiner Tätigkeit für das Magazin „Life“ und andere Publikationen. So richtete er 1944 im besetzten Frankreich mehrere Photolabors ein, um die mit der Landung der Alliierten ankommenden Bilder zu entwickeln. Er war Zeitzeuge, als ein großer Teil der Aufnahmen von Robert Capa durch einen Laborfehler zerstört wurde und  war der erste Mensch auf der Erde, der 1969 die Bilder von der Mondlandung aus dem Gerät zur Bildübertragung zu Gesicht bekam. Die unaufgeregte Art, in der Morris von diesen einzigartigen Erlebnissen berichtete, bleibt sicher allen, die dabei waren, im Gedächtnis.

Unvergessen auch sein Einsatz für die publizistische  Verwendung der Bildikone vom kleinen Mädchen Kim Phuc des Photographen Nick Ut, diese Aufnahme trug maßgeblich zur veränderten Wahrnehmung des Vietnam-Kriegs in der Weltöffentlichkeit bei und ist bis heute eine der wichtigsten und meistgezeigten Aufnahmen der Kriegsphotographie.

Mit unbestechlichem Blick für die Relevanz von photographischen Bildern und beharrlichem Durchsetzungsvermögen hat er dafür gesorgt, dass die wichtigsten Bilder der Zeitgeschichte auch verbreitet wurden, als Bildredakteur von renommierten Publikationen wie der „Washington Post“, dem „Life Magazin“ und der „New York Times“ hat er das visuelle Gedächtnis der Menschheit entscheidend mitgeprägt.  

Bis zum Schluss hat er an seinem großen Lebensbericht „My century“ mit zentralen Bildern seiner langen Tätigkeit und begleitenden Essays gearbeitet.

Mit John Morris verliert die DGPh einen ihrer wichtigsten Preisträger.

(Photo: Francois Besch, 2014, Wikipedia)