Die Geschichte des deutschsprachigen Photobuchs wird auch in den USA erforscht - DGPh-Stipendium zu diesem Thema geht 2015 an Mareike Stoll (Princeton/NJ)

•    Die Geschichte des deutschsprachigen Photobuchs wird auch in den USA erforscht
•    DGPh-Stipendium zu diesem Thema geht 2015 an Mareike Stoll (Princeton/NJ)


Das DGPh-Stipendium zur Geschichte des deutschsprachigen Photobuchs, das 2013 erstmals ausgeschrieben wurde und zunächst alle zwei Jahre von der Sektion Geschichte und Archive der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) vergeben wird, wurde für 2015 Mareike Stoll aus Princeton/USA zuerkannt. Mareike Stoll wird in den kommenden Monaten ein Projekt zum Thema „Bilder-Bücher, Lese-Bücher. Deutschsprachige Photobücher der 1920er und 1930er Jahre als Fibeln der Photographie“ bearbeiten. Der Jury gehörten Marjen Schmidt, Dr. Hans-Christian Adam und Dr. Dorothea Peters als Sektionsvorstand sowie Dr. Dr. Rolf H. Krauss und Wolfgang Hesse als Beirat an.

Mit dem Stipendium, das auf die Initiative und ein Legat von Manfred Heiting (DGPh) zurückgeht, möchte die DGPh zu Forschungen anregen, die die neuesten Ansätze zur historischen Aufarbeitung von Produktion, Distribution und Rezeption photographisch illustrierter Bücher aufnehmen und weiter vorantreiben. Dies können photo-, technik-, kultur- und/oder wissenschaftshistorisch orientierte Studien signifikanter Einzelfälle sein, aber auch medien- und buchwissenschaftliche Überblicksdarstellungen. Mareike Stolls Projekt widmet sich solch übergreifenden, medienspezifischen Aspekten am Beispiel ausgewählter Photobücher der 1920er und 1930er Jahre. Die zeitgenössisch-kritische Reflexion der Photographie als Massenmedium, wie sie etwa Walter Benjamin, Aby Warburg oder Siegfried Kracauer leisteten, soll sich in dem Projekt mit gründlichen Buch- und Bildanalysen zu einer kulturhistorischen Gesamtschau der 1920er/1930er Jahre verbinden. Im Zentrum steht dabei die These einer wahrnehmungsleitenden Funktion des Photobuchs, das durch seine spezifische Gestaltung und seine Gebrauchsweisen geeignet ist, die Rolle einer „Schule des Sehens“ von Photographien zu übernehmen. Diese komplexe Themenstellung hat die Jury überzeugt, Mareike Stoll durch das mit 7500 Euro dotierte Stipendium die Bearbeitung des Projekts zu ermöglichen. Eine Publikation und öffentliche Präsentation der Ergebnisse ist vorgesehen.

Mareike Stoll, Jahrgang 1979, studierte zunächst in Berlin Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften und schloss ihre Studien 2005 mit einer Magisterarbeit in Literaturwissenschaft über „Erzähltechniken der Überblendung“ am Beispiel W. G. Sebalds ab. Im Oktober 2015 legte sie ihre Dissertation über Photobücher als „Schools for Seeing“ am Department of German der Princeton University in New Jersey vor, wo sie derzeit auch als Wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftigt ist. Mit Mareike Stoll wird eine Wissenschaftlerin ausgezeichnet, die sich – u.a. durch die Mitarbeit in Galerien und einschlägige Veröffentlichungen – seit langem mit verschiedenen Aspekten der Photographie beschäftigt.

Weitere Informationen über das DGPh-Stipendium zur Geschichte des deutschsprachigen Photobuchs finden Sie hier.