Werkstattbesuch - Mitglieder der DGPh stellen sich und ihre Arbeit vor.

Die Mitgliederstruktur der DGPh mit Ihren über 1.000 Mitgliedern setzt sich aus den unterschiedlichsten photographischen Sparten zusammen. Unterteilt in spezifische Sektionen finden sich innerhalb dieser weitere spannende Arbeitsfelder. Um diesen mehr Aufmerksamkeit zu schenken und die komplexe Bandbreite der DGPh transparent zu machen, ruft die Sektion Bild die Veranstaltungsreihe Werkstattbesuch ins Leben.

Erster Werkstattbesuch

In der ersten Staffel besuchten wir am 23. Mai 2009 das Labor Artificial Image von Michael Müller in Berlin.

Michael Maria Müller, Berlin
Artificial Image
Köpenicker Straße 154a/157
Aufgang C, 3. Etage
10997 Berlin, Germany

Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts nutzen einige wenige Visionäre den Computer als optimales Werkzeug zur künstlerischen Bearbeitung gescannter Bilder. Mit einem Tintenstrahldrucker der Marke IRIS gelingt es ihnen, diese Arbeiten in höchster, bislang ungeahnter Qualität zu drucken: Auf klassischen, nach jahrhundertealter Tradition hergestellten Büttenpapieren. 15 Jahre später hat sich die Technik erheblich weiterentwickelt und digitale Fine Art Prints erregen längst auf internationalen Kunstmessen, in Museen und Galerien ungläubiges Staunen. In der Feinheit und Genauigkeit der Darstellung, durch die Schönheit der Papiere, die Fülle und Kraft der Farben und schließlich auch bezüglich der Haltbarkeit übertreffen solche digitalen Original-Druckgrafiken mitunter alles bisher Gesehene. Und aus den Pionieren von einst sind zwischenzeitlich langjährig erfahrene, hoch geschätzte Experten geworden.
Einer dieser Experten der ersten Stunde ist Michael Maria Müller: Seit 1993 fertigt er digitale Kunstdrucke mit der schon legendären IRIS 3047 - bis zum heutigen Tag. 1998 gründet Michael Maria Müller in Berlin sein eigenes Unternehmen Artificial Image, das bald zu den besten digitalen Kunstdruckateliers weltweit gezählt wird, Ansprechpartner sowohl für Künstler als auch Museen. Das mittlerweile dreiköpfige Team arbeitet unter hervorragenden Bedingungen für die Herstellung beeindruckender Bilder – und setzt dabei auf Kooperation: Von der medientechnischen Beratung über die Vermietung eines kalibrierten Arbeitsplatzes bis zum Vollservice mit Rundum- Betreuung entscheiden allein die Ansprüche anspruchsvoller Bildermacher über die Form der Zusammenarbeit.

Nähere Informationen unter: www.artificiality.com

Zweiter Werkstattbesuch

Der zweite Werkstattbesuch führte uns am 12. Juni 2009 in das Atelier des Photorestaurators Martin Jürgens nach Hamburg.

Martin Jürgens
Hamburg Margaretenstr. 29a
20357 Hamburg

Ein Themenbereich, der auch schon in der Arbeit von Michael Maria Müller mitschwingt ist das Thema der Nachhaltigkeit. An den Diskussionen und Entwicklungen der letzten 10 Jahre lässt sich erkennen, dass dieser Bereich stärker in den Fokus von Photographen und Medienschaffenden gerückt ist. Lange Jahre führte die Photorestaurierung eine Randexistenz in der Papierrestaurierung. Doch mittlerweile befinden sich unter den Mitgliedern der DGPh einige Experten für Konservierung und Restaurierung für Photographie und Medien.
Martin Jürgens aus Hamburg ist einer von ihnen. Zur Photorestaurierung kam er nach seinem Photodesignstudium über einen Master of Science am Rochester Institute of Technology und die Ausbildung in Photographic Preservation am George Eastman House in Rochester, NY und einem Master of Art der Papierrestaurierung an der Queen's University in Kingston, Ontario. Seit 2001 arbeitet er als freiberuflicher Photorestaurator mit Atelier in Hamburg.
Seine Arbeits- und Forschungsgebiete umfassen neben historischer und zeitgenössischer Photografie auch die Materialien, Chemie und Erhaltung von Digitaldrucken. Mit seiner Arbeit über die Langzeitstabilität silikonbasierter Kaschierungsmethoden (etwa Diasec) erlangte er einiges Aufsehen.

Näheres unter: www.martinjuergens.net

Dritter Werkstattbesuch

Der dritte Werksattbesuch führte uns am 7. August 2009 zu einer Spezialistin und einer Exotin der Photographie. Susanna Kraus, eigentlich von Haus aus Schauspielerin, reanimierte mit unbeschreiblicher Begeisterung und Willen eine in Vergessenheit geratene Erfindung Ihres Vaters.

Dem Umstand entsprechend, dass Susanna Kraus ihr momentanes Atelier voraussichtlich im Laufe des August aufgeben muss, hatten wir uns kurzfristig entschlossen, mit der Reihe Werksattbesuch noch einmal in Berlin Station zu machen.

Susanna Kraus, Berlin
Auguststr. 5a, im Hof des alten Postfuhramtes
10115 Berlin

Von der Technik der wissenschaftlichen Photographie ausgehend schuf der Physiker Werner Kraus Anfang der 70-Jahre eine eigens für die 1:1-Photographie entwickelte Optik

Der Nürnberger Professor für Goldschmiedekunst Erhard Hössle konstruierte ein aus verschweißten Eisenplatten und beschichteten Planen bestehendes begehbares Kunstobjekt, in dessen Innenraum man sich, ohne Fotograf, nur seinem seitenrichtigen Spiegelbild überlassen, selbst fotografieren kann.

Imago 1:1 nannten sie die daraus entstandene raumgreifende begehbare Selbstporträtkamera, die es ermöglicht eine 1:1 Abbildung im Format 60x200 cm direkt auf ein Silber Gelatine Schwarzweiß-Umkehrpapier zu erstellen. Bei diesem analogen photographischen Prozess entfällt das Negativ, die Belichtung erfolgt mittels Projektion auf das Photopapier – jedes Bild ist ein Unikat.

Die Kamera fand große Beachtung. Als in den 1980er Jahren die Produktion des SW Positivpapiers eingestellt wurde geriet die Kamera in Vergessenheit. Erst die Schauspielerin und Künstlerin Susanna Kraus, Tochter des Erfinders, reaktivierte im Jahre 2004 die Kamera wieder und bringt nun sogar das Silbergelatine Umkehrpapier wieder auf den Markt.

Näheres unter: www.camera-imago.com