Neue Bücher im März 2020

Toni Schneiders
Schaut Her!

Herausgegeben von Sebastian Lux
296 Seiten
Halbleinen
24 x 29 cm
Deutsch
1. Auflage 02/2020
ISBN 978-3-95829-721-0
48.00 €

Toni Schneiders ist einer der stilprägenden Photographen in Deutschland. Mit seinen Aufnahmen im Rahmen von »fotoform« und »subjektiver fotografie« hat er entscheidend dazu beigetragen, die Bildsprache der photographischen Avantgarde nach 1945 zu erneuern und zu erweitern.

 

In seinem unmittelbaren Lebensumfeld im Alpenvorland und auf Reisen in aller Welt hielt Toni Schneiders markante Momente der Wirklichkeit und des Lebens in Photographien fest, deren Protagonist ein Mensch, ein Objekt oder eine Landschaft sein konnte.

Für seine präzise komponierten Aufnahmen fand Toni Schneiders die Schönheit der grafischen Form in den einfachen und naheliegenden Dingen. Durch dezidierte Bildausschnitte und die Betonung von Fläche und Linie, von Kontur und Struktur erzeugte er Motive von großer Klarheit, setzte sie aber zugleich mit Humor und Einfühlungsvermögen in eine menschliche Perspektive.

Zu seinem 100. Geburtstag widmet die Stiftung F.C. Gundlach dem bedeutenden Photographen eine Gesamtschau, die ihn als Porträtist, als Reise-, Industrie- und Landschaftsphotograph neu entdeckt.
Eine Kooperation der Stiftung F.C. Gundlach und des Kunstfoyer München

 

Mick Rock
The Rise of David Bowie, 1972–1973
Mit Texten von Michael Bracewell und Barney Hoskyns
Mehrsprachig: Englisch, Deutsch, Französisch
300 Seiten
Format: 23x32 cm, Hardcover mit Schutzumschlag
Köln, Taschen-Verlag
ISBN: 978-3-8365-8324-4
30,00 €

 

1972 veröffentlichte David Bowie (1947 – 2016) das geniale Konzeptalbum „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“. Damit präsentierte sich der englische Rockstar einer konsternierten Welt als androgyne, wimperngetuschte Kunstfigur in Glitzerklamotten, die die Grenzen zwischen männlich und weiblich, hetero und schwul, Fakten und Fiktion einriss, bis nur noch ein funkelndes Spektakel phantastischer Selbstinszenierung blieb. Album und Bühnenspektakel machten den stillen Londoner zu einem der größten Stars der Welt.

Der britische Schriftsteller und Kulturhistoriker Michael Bracewell gab seinem Essay denn auch den Titel „Der Schock des neuen Elektrisierten: Ziggy Stardust und David Bowie“. Er zeichnet dabei das Bild aus den frühen 1970er Jahren, in denen die jungen Leute glaubten, dass sich ihnen „auf der Bühne eine verführerische, verwirrende und erregende Art von Leben eröffnet“.

Begleitet wurde David Bowie auf seinem Glam-Trip in die Stratosphäre des Pophimmels von seinem Landsmann, dem 1948 ebenfalls in London geborenen Photographen Mick Rock. Dieser lag künstlerisch und persönlich auf einer Wellenlänge mit Bowie, wurde Teil seiner Entourage und arbeitete in den Jahren 1972/73 als offizieller Tourphotograph des Sängers, was gleichzeitig sein Durchbruch in der Rockszene war.

Barney Hoskyns, der leitende Redakteur von „Backpages“, der einzigen Bibliothek der Popliteratur und des Popjournalismus, schildert in der Einleitung zu seinem Gespräch mit dem Photographen Mick Rock zunächst, dass dessen Aufnahmen ab dem Frühjahr 1972 den unaufhaltsamen Aufstieg des charismatischen David Bowies in seiner brillanten Inkarnation als „Ziggy Stardust“ dokumentierten, wie es zu der Zusammenarbeit mit dem Künstler kam, wie dieser dachte und um was es diesem ging: „Er war auf dem Weg in die Zukunft, zurück schaute er nicht.“

Der einzigartige, 2015 noch unter Bowies Mitwirkung entstandene großformatige  Bildband „The Rise of David Bowie“ zeigt das Beste aus Mick Rocks Bowie-Portfolio aus 1972/73, von spektakulären Liveshows, legendären Studio-Porträts, Coverphotos bis hin zu Bildern aus dem Backstage-Bereich und vom Tour-Alltag: David Bowie, die Kunstfigur, aber auch den nicht minder facettenreichen Menschen jenseits cooler Rock-Posen. Entstanden ist eine leidenschaftliche Hommage an einen brillanten und inspirierenden Künstler. (vZ)

 

Stephen Shore
Transparencies.
Small Camera Works 1971-1979
Gebundene Ausgabe mit eingesetztem Foto
30 x 31 cm, 192 Seiten
Abbildungen in Farbe
in Englischer Sprache
55,00 €

 

2010 wurde der amerikanische Photograph Stephen Shore mit dem Kulturpreis der Deutsche Gesellschaft für Photographie ausgezeichnet - mit diesem Preis würdigt die DGPh Persönlichkeiten für bedeutende Leistungen im Bereich der Photographie.

Was Stephen Shores Bedeutung auszeichnet, ist nicht nur das Revolutionäre - die Verwendung der Farbe als autonomes Ausdrucksmittel oder die kalkulierte Fokussierung auf das Alltägliche und Banale -, das die Protagonisten der Becher-Schule und spätere Fotografengenerationen nachhaltig beeinflusst hat. Denn Stephen Shore untersuchte schon früh das Wesen der Photographie und den Einfluss der Technik auf das photographische Ergebnis. Der soeben bei Mack erschienen Photoband ‚Transparencies‘ widmet sich einer solchen Betrachtung.

Der großformatige und daher preiswerte Photoband 'Transparencies. Small Camera Works 1971-1979‘ beinhaltet 35mm-Aufnahmen aus einem Jahrzehnt, das für Stephen Shore entscheidend gewesen ist. Nach seinen Jahren bei Andy Warhols Factory widmete er sich seriellen Arbeiten mit der Kleinkamera. Für seine Projekte ‚American Surfaces‘ (1972/1973) und erst recht ‚Uncommon Places‘ (1971-1983) reichte ihm das Format jedoch nicht mehr. Zu unterschiedlich war das aus der Technik resultierende Ergebnis, das Shore zuerst mit der 4x5 und später mit der 8x10 Zoll-Kamera erreichen konnte. Er war auf dem Sprung, thematisch zum ganz großen Sprung anzusetzen, der in den ‚Uncommon Places‘ gipfelte, Stephen Shores Meisterwerk, das ihn berühmt gemacht hat.

Dieses und die Verwendung der Umgangssprache in der Photographie beschreibt Britt Salzseen - Kuratorin am LACMA - im Nachwort zu 'Transparencies. Small Camera Works 1971-1979‘ anschaulich und in einem verständlich zu lesenden Englisch. Das dies erst am Ende des Buches geschieht, ist m.E. kein Nachteil des perfekt produzierten Photobandes: so erfreut sich der Betrachter beim ersten Durchblättern dem für die USA in den 1970er Jahren typischen und dem in Shores Photographien bekannten Vokabular, das in großformatigen Bildern wiedergegeben ist.

Nach dem Lesen des Textes konzentriert man sich dann auf die photographische Wirkung, die die 35mm-Aufnahmen erzielen. Und dann erschliesst sich die dem eigentlichen Inhalt vorangestellte Reihung relativ klein abgedruckter Aufnahmen.

Der aktuelle Band, 'Transparencies. Small Camera Works 1971-1979‘ ein sehr empfehlenswertes Photobuch für Liebhaber der amerikanischen Farbphotographie ebenso wie für den Photofachmann und die photographische Lehre. Schön auch, dass ergänzend dazu im April schon die erweiterte Neuauflage von ‚American Surfaces‘ erscheint. Gut für den Geldbeutel, dass dies nicht gleichzeitig mit ’Transparencies’ geschehen ist.“ (© Richard G. Sporleder, März 2020)


Roger Eberhard
Human Territoriality

N° 300
Designer*in Giliane Cachin
Gebunden, 116 Seiten, 51 Farbabbildungen
24.5 × 33.5 cm
1. Auflage 2020
Sprache: Englisch
ISBN: 978-3-907236-00-0
60,00 €

 

Grenzen sind zunächst als Mittel der Separation zu sehen. Sie trennen zwei Seiten, definieren ein Hier und ein Dort. Und gleichzeitig zeichnen sie auch ein Porträt dessen, was sich innerhalb der Grenzlinie befindet, vermitteln Geborgenheit und Sicherheit. Und obwohl sie Anspruch auf ewige Gültigkeit erheben, ist doch nichts so veränderlich wie Grenzverläufe. Es ist schon ironisch, dass Menschen oder ganze Völker so viel Stolz und Protektionismus aufgrund von Grenzen entwickeln, obwohl sie wissen, dass es fiktive Gebilde sind, die sich laufend ändern oder gar ganz verschwinden. – Roger Eberhard
 

Human Territoriality versammelt Roger Eberhards Photographien von ehemaligen Grenzgebieten rund um den Globus und quer durch die Menschheitsgeschichte. Manche Grenzverläufe verschoben sich aufgrund des klimatischen Wandels oder landschaftlicher Eingriffe nur um einige hundert Meter, andere verschwanden, weil die Grossreiche auf beiden Seiten niedergegangen waren. Zusammen mit den ausführlichen Bildunterschriften helfen die Photographien das vielgestaltige kartographische Puzzle unserer Welt zu entschlüsseln. In einer Zeit von Massenmigration, Grenzmauern und erstarkendem Nationalismus zeigen sie die Wechselhaftigkeit dieser menschgemachten Gebietsmarkierungen. Roger Eberhard (*1984, Zürich) studierte Photographie am Brooks Institute of Photography, Santa Barbara, und an der Zürcher Hochschule der Künste.

 

Charlie Koolhaas
City Lust

London Guangzhou Lagos Dubai Houston
Gebunden
412 Seiten, 354 farbige Abbildungen
20.5 x 30 cm
Scheidegger & Spiess
ISBN 978-3-85881-804-1 Englisch
59,00 €

In ihrem neuen Buch führt uns Charlie Koolhaas nach London, Guangzhou, Lagos, Dubai und Houston: Städte, in denen sie entweder gelebt oder gearbeitet hat. In ihrem persönlichen und humorvollen Bericht untersucht sie die raschen Veränderungen in den kulturell sehr unterschiedlichen Metropolen, die durch die Einflüsse des globalen Handels und die Entwicklung einer gemeinsamen globalen Kultur doch miteinander verbunden sind. Eine fesselnde Kombination aus fotografischer Dokumentation und schriftlichem Zeugnis.

City Lust porträtiert eine globale Landschaft, die dem aktuellen Pessimismus widerspricht – um neue Kreationen, unerwartete Möglichkeiten und intime Verbindungen zu enthüllen, die trotz der großen globalen und wirtschaftlichen Unterschiede entstehen.

Charlie Koolhaas, geboren 1977 in London, hat einen Abschluss in Soziologie der Universität in New York und in Interaktiven Medien der Goldsmiths, University of London. Sie lebt und arbeitet als Künstlerin, Photographin und Schriftstellerin in Rotterdam. Sie lehrte Theorie der visuellen Kultur an der TU Delft und am Sandberg Instituut in Amsterdam und war Gastdozentin am Strelka-Institut in Moskau, an der ETH Zürich, am HEAD Genf und an der Harvard Graduate School of Design.

 

Simone Kappeler
America 1981

Herausgegeben von Jürg Trösch und Markus Bosshard
Mit Texten von Peter Pfrunder
256 Seiten mit 160 farbigen und 77 s/w Abbildungen
Scheidegger & Spiess
ISBN 978.3.85881.679.5
68,00 €

Ende der 1970er-Jahre rebelliert die Jugend in Zürich, eine ganze Generation sucht das «Neue». Die Photographin Simone Kappeler lässt 1981 die helvetische Enge hinter sich und bricht zu einem Roadtrip nach Amerika auf: die Autoreise als Akt der Befreiung. Im Gepäck hat sie neben einer Hasselblad und einer Kleinbildkamera auch eine Polaroidkamera, mit der sie spontan und unbeschwert fotografieren kann. Auf der Reise ergänzt sie die Ausrüstung durch viele Billigkameras.

Schnappschussartige Bilder entstehen, skizzenhaft und beiläufig, unbefangen, direkt und hemmungslos. Was zählt, ist der Augenblick, das unmittelbare und sinnliche Erlebnis, das Lied der Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit. Erst 35 Jahre später  beginnt Kappeler, das ganze Material zu sichten und neu zu interpretieren. Die für dieses Buch getroffene Bildauswahl und die Komposition der rund 250 wiedergegebenen Bilder offenbaren trotz Experimentierfreude eine konsistente Haltung und künstlerische Handschrift. Kappelers Blick auf Amerika von 1981 hat bis heute nichts von seiner Frische verloren.

 

 

Madame d’Ora
Herausgegeben von Monika Faber
Mit Beiträgen von Esther Ruelfs (DGPh), Lisa Silverman und Magdalena Vukovic
232 Seiten mit 80 farbigen und 100 s/w Abbildungen
Prestel
ISBN 978.3.7913.5970.0
49,00 €

Die österreichische Photographin Dora Kallmus (1881-1963) wurde unter ihrem Künstlernamen Madame d'Ora bekannt. Sie war die renommierteste und gefragteste Porträtistin des Wiener Fin de siècle und etablierte anschließend im Paris der 1920er Jahre eines der elegantesten Photostudios des Art déco. Unter ihren Modellen waren Josephine Baker, Coco Chanel, Colette, Pablo Picasso und viele andere Größen der Kunst- und Modewelt. Sie hatte Aufträge von berühmten Modehäusern und photographierte für Lifestyle- und Modezeitschriften.

Dieser retrospektiv angelegte Katalog zeigt das Werk einer der Pionierinnen der Porträtphotographie entlang ihrer wichtigsten Lebensstationen, beginnend mit ihrer frühen Jugend als Tochter jüdischer Intellektueller in Wien bis zu ihrer Zeit als führende Society-Photographin in Wien und später in Paris. Thematisiert wird auch ihr Überleben während des Holocaust sowie ihre Photographien von Flüchtlingen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und schließlich eine Reihe von so bemerkenswerten wie schockierenden Bildern, in denen sie die Pariser Schlachthöfe dokumentierte.

Ausstellung: Neue Galerie, NYC bis 8.Juni

 

Sandra Abend und Hans Körner (Hrsg.)
Schlüsselbilder
Hardcover
Format 20 cm x 21,5 cm
198 Seiten mit ca. 180 Abbildungen
ISBN: 978-3-943915-39-6
28,00 €

Schlüsselbilder sind vielschichtig, sie fungieren nicht nur als Leitbilder mit Symbolcharakter, sondern können sowohl kulturell, politisch, aber auch emotional zum Wende- und Angelpunkt werden. Welches Potenzial diese Bilder haben, welchen Einfluss sie wirklich  ausüben, in welcher Sinndichte sie reflektiert und diskutiert werden, welche Inhalte und Werte sie bis heute transportieren sowie in welcher Lesart die Bilder verstanden werden – das sind die Fragen, denen in den Aufsätzen dieses Buches nachgegangen wird.

Mit Beiträgen von:  Sandra Abend, Oskar Bätschmann, Werner Busch, Michael Ebert, Klaus Honnef, Hans Körner, Manja Wilkens und Wolfgang Ullrich.

 

Die Entdeckung der Welt
Frühe Reisephotographie von 1850 bis 1914

Originaltitel `Les Premiers Voyageurs Photographes´
Herausgeber Olivier Loiseaux, Gilles Fumey, Freddy Langer
Vorwort Freddy Langer
Texte von Olivier Loiseaux, Gilles Fumey,
Deutsch,
Buchgestaltung Festeinband, meist Duotonabbildungen,
240 Seiten, 230 farbige Abbildungen
Prestel Verlag, München
Buchhandelspreis: 45,00 €
ISBN: 978-3-7913-8591-4

Wie heute noch diente auch vor 100 Jahren die Photographie zur Erkundung fremder Welten und ihrer visuellen Aneignung. Waren es damals professionelle Photographen, so ist das Ziel doch identisch möglichst viele unbekannte und exotische Menschen, Orte und Länder zu präsentieren.

Die französischen Nationalbibliothek hat jetzt aus ihrem Archiv 230 Motive (1850-1914) in Duoton aber auch farbige Vergrößerungen für das Buch zur Verfügung gestellt. Wenn man bedenkt, dass das weitere Reisen erst Mitte der 1960er Jahre einer breiteren Öffentlichkeit möglich war, sind hier bemerkenswerte Motive versammelt, wie die Pyramiden (Ägypten), die Wüste Sahara, das Kap der Guten Hoffnung, Nord und Süd-Amerika, Europa, das Osmanische Reich, die Mongolei und Persien, Indien, Japan, die Gewürzinseln bis nach Australien, das heute noch ein Abenteurerziel ist. Die Technik der Daguerreotypie zeigte erste Bilder der Welt aber erst das von William Henry Fox Talbot entwickelte Negativverfahren (Kalotypie, 1841) machte auch entfernteste Regionen vielen Menschen zugänglich. Beim Selfie geht es um „.. ich bin dagewesen“ damals ging es darum „auch ich kenne diesen Ort“ (Erweiterung des Wissens). Die historischen Photographien vermitteln noch heute das Interesse an der „Fremde und den Fremden,“ die noch einen exotischen Nimbus besitzen.

Am 1. Juli 1841 organisierte Thomas Cook (Tischler und Wanderprediger) für 570 Personen eine Tagesreise, es war die erste Pauschalreise. So haben Reisephotographie und Massentourismus einander befruchtet. 1849 erfolgt  der Startschuss zur Photographiereise mit der Orientreise von Maxime Du Camp nach Ägypten beauftragt vom französischen Bildungsministerium. Es ist der erste Reisebericht in Buchform, illustriert mit selbstgemachten Photographien, der ersten Fotoreise der Geschichte. Mit der Entwicklung der Gelatine-Trockenplatte (1878, bis heute genutzt!) und dem wenig später entwickelt Rollfilm sind der Erkundung der Kontinente keine Grenzen mehr gesetzt.

Die Reisephotographie dient bis heute der Erweiterung des Wissenshorizonts, der visuellen Bewahrung von Natur- und Kulturgütern und dem Interesse an den Veränderungen der Welt. Photographie dient der Informationsbeschaffung,-erfassung und -archivierung und damit regt das empfehlenswerte Buch zu weiteren Diskursen über die stilistischen Varianten der Reisephotographie an. db

 

NEUES AUS BETON UND STAHL
Photographien von Karl Walter und Bernhard Müller

Herausgeber Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Geleitwort Anselm Hartinger
Texte von Christoph Kaufmann, Friederike Degener, Nadja Staab, Peter Leonhardt
Deutsch
Buchgestaltung Festeinband
112 Seiten, ca. 120 Abbildungen in Schwarz-Weiß
Eigenverlag Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Buchhandelspreis: 24,00 €
ISBN 978-3-945027-22-6

Ausstellung bis 17. Mai im Stadtgeschichtliches Museum / Haus Böttchergäßchen (Leipzig)

Die Studioausstellung zur Industriephotographie (1920er Jahre) in Sachsen stellt einer breiten Öffentlichkeit die vielseitigen Werkgruppen (1913-1935) der Leipziger Photographen Karl Walter und Bernhard Müller (Plattenarchiv, mit rund 4.000 Aufnahmen) vor. Das Buch ist damit zugleich eine Dokumentation des Bauens, der Architektur und des Alltagslebens in Leipzig. Es basiert auf den 280 Photographien des Ateliers Walter, das seinen Schwerpunkt in der Architekturphotographie in Bauphase und dem fertiggestellten Gebäude hatte. Daneben gibt es nur wenige Motive aus der Reportagephotographie.

Die Motivserien dokumentieren den Wohnungsbau der 1920er Jahre und neue öffentliche Gebäude wie das GRASSI Museum aber auch Innenräume wie „gediegene Salons und Privatgemächer“ und die entstehenden Freizeitmöglichkeiten „wie den Leipziger Zoo oder das Freibad Schönefeld“ aber auch `Max Klingers´ ehemaliges Bildhaueratelier werden dokumentiert. Architektonisch und für das `Neue Bauen´ markante Beispiele sind u.a. der Uhr- und Fahrstuhlturm (Schubert & Salzer Maschinenfabrik, Chemnitz), das Sudhaus (Sternburg-Brauerei, Leipzig-Lützschena).

Da Buch gibt ein Konvolut einer Werkgruppe für die Leipziger Stahlbetonfirma Max Gotthilf Richter (1912 bis 1934) wieder, es sind also im Auftrag entstandene hochwertige Photographien deren Archivierung - wie wir sie auch aus Werk von Renger-Patzsch z.B. RUHRCHEMIE kennen - durch den Auftraggeber erfolgte. Durch den Enkel des Firmeninhabers gelangte das Firmenarchiv 2017 in das Stadtgeschichtliches Museum.

Mit dem Titel `Silber auf Glas´ wird auf die besondere technische Qualität der Photographien aus dem Atelier Hermann Walter hingewiesen. Ein empfehlenswertes Buch als Dokument der Architekturgeschichte der Weimarer Republik aber auch für die Entwicklung von der klassischen Moderne und ihren stilistischen Impulsen für die Photographie. db

 

Sophie-Charlotte Opitz
Bilderregungen - Die Produktionsmechanismen zeitgenössischer Kriegsfotografie

Deutsch
342 Seiten, 62 Abbildungen
Weimar: Jonas Verlag
2020
ISBN 978-3-89445-577-4
42,00 €
asw-verlage.de

Das Buch widmet sich den Produktionsmechanismen zeitgenössischer Kriegs- und Konfliktphotographie. Der Buchtitel Bilderregungen kann aus diesem Grund auf zwei Weisen gelesen werden: Bilder-Regungen beschreibt Vorgänge, in denen Bilder etwas bewegen und etwas durch sie bewegt wird. Der Begriff der Bild-Erregungen stellt die Frage: Was bewegt wiederum das Bild? Entgegen einer allgemeingültigen Aussage darüber, was Kriegs- und Konfliktphotographie ist, richtet sich das Interesse auf die manchmal paradoxen Sinnzusammenhänge, Verschiebungen und Ablösungen, die die 'Zwischenräume' von Kriegs- und Konfliktphotographie eröffnen.

Fünf Jahre lang hat Opitz auf Grundlage von 16 zeitgenössischen Projekten von 5 PhotographInnen die Zusammenhänge und Veränderungen von Kriegs- und Konfliktphotographie untersucht. Im Buch schreibt Opitz über soziokulturelle Beeinflussungen, mediale Diskurse, gestalterische Mittel, philosophische Grundfragen und vieles mehr. Dabei zeigt sich, dass das Wissen um die Produktionsmechanismen nicht nur einlädt, mit tradierten Sehgewohnheiten zu brechen, sondern nach nachhaltigen Handlungsformen verlangt, die das Gestern und Morgen im Heute mitdenken. Das Buch ist im Jonas Verlag erschienen.

Über die Autorin:
Sophie-Charlotte Opitz ist promovierte Kunst- und Medienwissenschaftlerin. Nach einem Stipendium an der Akademie Schloss Solitude, ist Opitz seit 2019 Stipendiatin im Programm "Museumskuratoren für Photographie" der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Daneben veröffentlicht sie regelmäßig Artikel, hält Vorträge und lehrt zu Themen aus der Kunst- und Medientheorie und kulturellen Gedächtnisforschung.

 

Vorbilder/Nachbilder
Die photographische Lehrsammlung der Universität der Künste Berlin 1850-1930

Photographien von Fratelli Alinari, Ottomar Anschütz, Karl Blossfeldt, Adolphe Braun, Eugène Cuvelier, Georg Maria Eckert, Constant Famin, Wilhelm von Gloeden, Albert Renger Patzsch, Jakob August Lorent, Gustave le Gray, James Robertson, Henry Peach Robinson, F. Albert Schwartz, Giorgio Sommer oder Carleton Watkins.
Herausgeber Ulrich Pohlmann, Dietmar Schenk, Anastasia Dittmann
Texte von Ludger Derenthal, Monika Faber, Antje Kalcher, Mei-Hau Kunzi, Hubert Locher, Kristina Lowis, Paul Mellenthin, Sabina Mlodzianowski, Angela Nikolai, Helena Perez Gallardo, Dorothea Peters, Herbert Rott, Bernd Stiegler, Herta Wolf
Deutsch / Englisch
Buchgestaltung Festeinband, Duplexabbildungen
416 Seiten, ca. 450 Abbildungen in Schwarz-Weiß
Snoeck Verlagsgesellschaft mbH, 2020, Köln
Museumspreis 39,80 €, Buchhandelspreis: 68,00 €
ISBN 978-3-86442-305-5

Ausstellung bis 14. Juni 2020 im Münchner Stadtmuseum (München)
Ausstellung vom 8. August 2020 bis 10. Januar 2021 im Museum für Fotografie (Berlin)

Das Buch »Vorbilder / Nachbilder« zeigt in eindrucksvoller Weise an der photographische Lehrsammlung der Universität der Künste Berlin wie die Photographie von dem dokumentarischen Abbild (1850) zur Künstlerischen Inspiration (1930) geworden ist. So verwundert es den kundigen Betrachter nicht, dass am Höhepunkt der Sammlung die bahnbrechenden Photographien von Alber Renger-Patzsch u.a. mit den Motiven `Natterkopf Töpferhände, Pflanze und Kaimauer´ stehen. Aber auch andere große Namen wie Fratelli Alinari, Ottomar Anschütz, Karl Blossfeldt, Adolphe Braun, Eugène Cuvelier, Georg Maria Eckert, Constant Famin, Wilhelm von Gloeden, Albert Renger Patzsch, Jakob August Lorent, Gustave le Gray, James Robertson, Henry Peach Robinson, F. Albert Schwartz, Giorgio Sommer oder Carleton Watkins sind enthalten.

Die Kunstakademien und Kunstgewerbeschulen (19. - frühes 20. Jh.) nutzten Photographie als einen eigenen didaktischer Bildtypus in der kreativen Praxis um angehenden Künstlerinnen und Künstlern das `Sehen´ zu lehren! Daraus entstanden dann nachempfundene Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken als ein bildnerisches `Studium der Dinge.´ Photographien wurden aber auch von heute bedeutenden Malern wie Gerhard Richter als Vorlage genutzt.

Diese `Schule des Sehens´ geht vom „Antikensaal“ (Gipsabgüsse) aus und ist im Archiv der `Universität der Künste´ (Berlin) mit circa 25.000 photographischen Einzelblättern, Konvoluten und Alben, in Deutschland ein bedeutendes singuläres Archiv für die Kunst Ausbildung und gleichzeitig eine einzigartiger stilistischer Querschnitt durch die Photographie. Die häufigsten Motive sind Kunstreproduktionen, Landschaften, Naturstudien (Wasser, Wolken, Bäume, Pflanzen, Felsen etc.), Architektur, Stillleben (Früchte, Glas etc.), Porträts, Genreszenen / Lebende Bilder, Akte und Tierstudien sowie Orient- und Historiendarstellungen.

Größtenteils sind die Photographien auf Karton montiert was ihre Handhabung erleichterte und sie 150 Jahre vor Beschädigungen bewahrt hat. Früher alltägliche Vorbilder sind heute wertvolle Raritäten. Aus den einstigen „Lehrmitteln“ sind wertvolle `Vintage prints´ geworden von heute sehr bekannter Photographen. Durch die universitäre Förderung war es möglich den umfangreichen Archivbestand sorgfältig zu inventarisieren, zu digitalisieren und demnächst in einer Bilddatenbank online zugänglich zu machen. Das Buch und die Ausstellung sind eine Kooperation des Münchner Stadtmuseums mit der Universität der Künste Berlin und der Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin.

Ein sehr empfehlenswertes Buch als Dokument der Kulturgeschichte aber auch für die Entwicklung der klassischen Moderne und ihren stilistischen Impulsen für die Photographie. Für zeitgeschichtlich interessierte Leser, Kunstwissenschaftler und Photographen ein gleichermaßen interessantes Buch, das durch seinen interdisziplinären Ansatz die Bedeutung der Photographie um weitere Aspekte ergänzt. db

 

Ein Architekt als Medienstratege.
Otto Wagner und die Fotografie

Andreas Nierhaus
Monika Faber (Herausgeberin)
deutsch
Fotohof edition, Band 290
2020, französische Broschur mit Fadenheftung
21 × 21,5 cm, 180 Seiten
178 SW- und Farbabbildungen
ISBN 978-3-902993-90-8
€ 19,90

Otto Wagner (1841–1918), einer der Pioniere der modernen Architektur, beschritt auch in seiner leidenschaftlichen Argumentation für einen radikalen Wandel im Bauen völlig neue Wege. Die Verwendung privater Aufnahmen, ungewöhnliche Perspektiven und Ausschnitte sowie ein untrügliches Gespür für die Wirkmächtigkeit des photographischen Bildes kennzeichnen seinen zukunftsweisenden Umgang mit dem Medium. Wagner war sich der vielfältigen Möglichkeiten der Photographie ebenso bewusst wie ihrer Vorzüge gegenüber Zeichnung und Modell, den etablierten Kommunikationsmitteln seiner Profession. Ausgehend von erst jüngst entdeckten Photographien aus Otto Wagners Besitz wird in dieser Publikation der strategische Einsatz des Mediums in der Frühzeit der architektonischen Moderne analysiert.

 

Adolphe de Meyer - Begegnung mit dem Faun
Photographien von Adolphe de Meyer

Konzeption Boris von Brauchitsch
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Jan T. Wilms
Deutsch,
Bibliophile Buchgestaltung Festeinband, Duplexabbildungen
120 Seiten, ca. 40 Abbildungen in Schwarz-Weiß
Edition Braus, 2020, Berlin
Buchhandelspreis: 19,95 €
ISBN 978-3-86228-108-4

Ausstellung bis 1. Juni 2020 im Kunsthaus (Kaufbeuren) https://www.kunsthaus-kaufbeuren.de
 

Der erste professionelle Modephotograph der Geschichte Adolphe de Meyer und sein Werk werden von Boris von Brauchitsch fachkundig in den 1900er Jahre verortet und damit die Zeit vor dem BAUHAUS in unser Blickfeld gerückt. De Meyers Leben ist so facettenreich wie seine Photographie 1868 in Paris geboren, Kindheit in Dresden lebte und arbeitete er in London, New York, Paris, Venedig und Los Angeles. Sein Leben in der illustren wie abgehobenen Gesellschaft, die sich über Kunst, Aristokratie und Geld definierte, entsprach seinen photographischen Sujets.


Als einer der bekanntesten `Piktorialisten´ gehörte er zur Kunstphotographie, deren Merkmale feine Abstufungen der Lichter und Schatten und ein emotional malerischer Effekt waren, arrangierte er seine Modelle und Objekte in atmosphärischen aufgeladenen Situationen. Mit seinen Bewegungsstudien und Posen des berühmten Tänzers Waslaw Nijinsky schuf er frühe Ikonen der Ballettphotographie, die auch den Beginn (ab1913) einer professionellen Tätigkeit als Modephotograph für Magazine wie Vogue, Vanity Fair und Harper’s Bazaar darstellen. Er ist damit wie der spätere H.P. Horst ein Wegbereiter der künstlerischen Modephotographie.
 
Ein sehr empfehlenswertes Buch als Zeugnis der Zeitepoche des `Piktorialismus´ aber auch für die klassische SW Photographie. Die bibliophile Buchgestaltung in ihrer klaren SW Optik entspricht diesem wichtigen photographischen Archivbestand zu Modephotographie. Eine übersichtliche Typografie, und Themengliederung und ein guter SW-Druck machen das Buch zu einem wichtigen Werk in Deutschland, das sich an Mode wie Photographie Interessierte wendet. db

 

Burkhard Jüttner – Situationen | Fotografien 1971 bis 2015
Hrsg. von Jens Bove in Zusammenarbeit mit der Deutschen Fotothek / Sächsische Landesbibliothek
Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
archiv der fotografen, Bd. 3
175  Seiten, zahlr. farb. Abb., geb.
Format 24 x 27 cm
ISBN 978-3-86530-252-6
29,95 €

Bereits seit seinen ersten Bildern folgt Burkhard Jüttner der Entwicklungslinie des Visualismus, den er zu einem eigenen konzeptionellen Ansatz weiterentwickelt hat. Mit seiner häufig als „Magischer Realismus“ rezipierten Photographie tritt uns eine perfekt gestylte Bildwelt von ­großer Eleganz und mit oft bizarren Zügen entgegen, doch gefällige Schönheit ist Jüttners Sache nicht. Seine formal reduzierten, unterkühlten, geradezu minimalistischen Photographien zeigen Situationen, die befremden. Den strengen Gesetzen des Dokumentarischen folgen sie nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten sind sie vor allem Produkte seiner Vorstellung: Er betrachtet nicht die Wirklichkeit aus subjektiver Sicht, sondern betreibt eine dokumenta­rische Photographie seiner subjektiven Visionen.

Bei der Reihe "archiv der fotografen" handelt es sich um eine einmalige Dokumentation, die nicht nur Photographen und Photo-Spezialisierte interessiert, sondern auch ein begehrtes Sammelobjekt ist.

 

Sichtweisen. Die neue Sammlung Fotografie
Fotografien u.a. von Albert Renger-Patzsch, Otto Steinert, Heinrich Riebesehl,
Man Ray bis Bernd Hilla Becher
Herausgeberin Linda Conze
Vorwort Felix Krämer
Texte von Linda Conze, Thomas Weski, Janos Frecot, Vera Knippschild
Deutsch, Englisch
Buchgestaltung Festeinband, farbige Buchpapiere
192 Seiten, ca. 200 Abbildungen in Schwarz-Weiß und Farbabbildungen
Distanz Verlag, Berlin
Buchhandelspreis: 36,00 Euro.
ISBN 978-3-95476-319-1
ISBN 978-3-95476-320-7 (English edition)

Ausstellung: bis 17. Mai 2020 im Museum Kunstpalast (Düsseldorf)
 

Das Buch »Sichtweisen. Die neue Sammlung Fotografie« zur gleichnamigen Ausstellung im Museum Kunstpalast zeigt einen speziellen Blick auf 150 Jahre Photographie. Während die bisherigen Ausstellungen 2019/2020 zur Photographie und dem BAUHAUS den Focus auf die heute aktive Schülergeneration richteten wie z.B. »Neues Sehen -Neue Sachlichkeit« (LWL Westfalen-Lippe) ist dies der Blick auf die Lehrgeneration und ihre Inspirationen! Ein besonderer Reiz geht auch davon aus, dass es keine kunstwissenschaftlich orientierte Themenausstellung ist, sondern die 3000 Photographien der Sammlung Kicken ein subjektiver persönlicher Blick auf die Stilentwicklung der Photographie sind, der diese nicht nur nachvollziehbar sondern auch neu interpretierbar macht!

Beim Blättern im Buch wird der Leser zu einer Neubetrachtung der stilistischen Entwicklung der Photographie angeregt, da Ikonen der klassischen Moderne neben journalistischen, wissenschaftlichen Motiven und Einzelbilder neben thematisch konzeptuellen Serien stehen. Frühe photographische Techniken, klassische SW-Photographie und amerikanische Farbphotographie sind besonders sehenswert durch nicht so bekannte Positionen. Denn alle Photographien sind nicht zeitlich oder nach Stilepochen geordnet sondern nach den Themen: „Licht, Neugier, Mensch, Dinge Ordnung, Alltag, Zeugnis und Raum“ dies führt zu sehr inspirierenden Gegenüberstellungen.

So wird der Betrachter ganz unmerklich an die Inspirationen Gedanken und Intensionen der Photographen*innen herangeführt und kann nachvollziehen – wie diese thematischen Anliegen jeweils die stilistische Gestaltung der Photographie kontinuierlich verändert und bis heute auch sehr unterschiedlich geprägt haben.

Das Buch »Sichtweisen. Die neue Sammlung« zeigt eine interessante Übersicht über die Entwicklung der Photographie von dem `Realitätsmedium zur künstlerischen Position´ und stellt daneben grundlegende Fragen zu dem musealen Sammeln und Präsentieren von Photographie. Für Düsseldorf sind die gezeigten 150 Fotografien die erste Kunstausstellung, die die ganze Bandbreite und Vielfalt dieses Mediums auffächert und die durch den Ankauf (Museum Kunstpalast) der `Sammlung Kicken´ (über 3000 Fotografien) möglich wurde. Ein sehr empfehlenswertes Buch als Dokument der 150 Jahre Kulturgeschichte der `Photographie´ aber auch für die Entwicklung der klassischen Moderne und ihren stilistischen Impulsen für die Photographie, das zur kritischen Reflexion der Stile und Positionen anregt.

Ein für Kunstwissenschaftler und Photographen gleichermaßen interessantes Buch, das schön gestaltetet ist mit einer ausgewogenen dem Bauhaus entsprechenden Typografie und einer sachlich funktionalen Buchgestaltung. Insgesamt eine besonders gelungene Publikation, die den gezeigten Werkgruppen künstlerisch gerecht wird und den Liebhaber des Photographie-Buches durch eine besondere künstlerische Note erfreut.

 

Land.Leben – Na jsy
Thomas Kläber,
1968–2018
Herausgegeben von Jürgen Matschie,
152 S., Schwarz-Weiß-Photographien
Hardcover, 978-3-7420-2539-5 1
19,90 €

Allein schon die beiden Kinder auf dem Buchtitel halten den Blick lange fest. Der Photograph Thomas Kläber aus der Nähe von Cottbus beeindruckt immer wieder mit seinen Bildern.
Der Domowina-Verlag in Bautzen hat ihm jetzt ein Buch gewidmet:  „Land.Leben – Na jsy“ ist der Titel des Bilbandes, herausgegeben vom Photographiker Jürgen Matschie aus Bautzen. Damit legt Matschie ein weiteres Buch in seiner Reihe "Lausitzer Fotografen" vor und dokumentiert anhand zahlreicher Schwarz-Weiß-Photos die Arbeit von Thomas Kläber von 1968 bis 2018.

Ein Markenzeichen der Bilder des in Kolkwitz lebenden Photographen ist deren Dichte, die durch die besondere Nähe zu seinen Protagonisten und ihrem sozialen Umfeld gekennzeichnet ist, teilt der Verlag mit. Bereits vor fünfzig Jahren entstanden die ersten Bildmotive zum "Landleben“, das sich zu seinem all umspannenden Hauptthema entwickeln sollte. Anfänglich waren es Freunde und Nachbarn aus seinem Heimatort Beyern im Landkreis Herzberg an der Elster und der Umgebung, die bei der Arbeit und in der Freizeit auf ihren Höfen, den Feldern oder zu Hause mit Interesse begleitet wurden. Ab Mitte der 1980er Jahre rückten zunehmend die Dörfer um Cottbus in seinen Fokus. Über Jahrzehnte gelangen ihm eindrucksvolle Photos vom alltäglichen Zusammenleben der Menschen, nicht nur auf dem Dorf. Der entstandene Bildkomplex ist deshalb mehr als nur eine Chronik vom Dasein der kleinen Leute in der Lausitz, der sich mit der Zeit und den gesellschaftlichen Umwälzungen änderte, heißt es weiter in der Mitteilung. (st)