Neue Bücher im Juni 2020

Olaf Schlote
Memories Erinnerungen זיכרונות

Herausgeber: Klaus Honnef, Olaf Schlote
Texte von Ariella Amar, Klaus Honnef, Yael Kishon, Shunit Netter-Marmelstein
Gestaltung von Brückner und Aping, Bremen
Hardcover
Format: 30 × 24 cm, 208 Seiten
44 farbige und 27 s/w Abbildungen
Deutsch, Englisch, Hebräisch
Kerber Verlag
ISBN 978-3-7356-0655-6
40,00 €

Ausstellung: Olaf Schlote. Erinnerungen, Hecht Museum, Haifa: noch bis 31. Juni 2020

Wie die Ereignisse der jüngsten Gegenwart zeigen, wird der gezielte Massenmord an den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten immer öfter verharmlost und droht mehr und mehr in Vergessenheit zu geraten. Demgegenüber widmet sich der Photograph Olaf Schlote (*1961) aktiv der Erinnerung. Sein neues Buch ist eine Reise, die von Auschwitz, Majdanek und Stutthof nach Israel führt. In eindringlichen Porträts begegnet man 11 Überlebenden der ersten Generation. Menschen, die, dem Tod knapp entronnen, in Israel neu anfangen konnten. Sie erzählen von Vergangenheit, Gegenwart und der Hoffnung auf Zukunft.

Mitherausgeber Klaus Honnef schreibt dazu: "Olaf Schlote überbrückt die Ufer der Differenz und wagt den Spagat. Dabei schafft er Außerordentliches. Mit seinem fotografischen Projekt „Erinnerungen“ öffnet er Räume und Korridore. Er befreit das „fixierte“ Erinnern aus den Zwängen kategorialer Zuschreibungen – der Kunst wie der Wissenschaft. Erinnerung kann frei schweifen und bleibt gleichwohl nicht ohne Orientierung – wie „im richtigen Leben“. Fotografische Bilder liefern in seinem Projekt zwar die Orientierung, unterdrücken die subjektive Erfahrung aber nicht. Individuelle und kollektive Erinnerungen verzahnen sich. Sie behalten dennoch ihren eigenständigen Charakter. Die kollektiven werden den individuellen einverleibt. Das Erinnern wird buchstäblich zur leiblichen Erfahrung.

Selten hat ein Künstler die Essenz der (nicht nur fotografischen) Bilder klarer zur Anschauung gebracht und ihre Möglichkeit wie ihre Grenzen intensiver und imaginativer ausgelotet als Olaf Schlote. Kurzum: ein Meisterwerk."

 

Peter Beard
Hrsg.: Peter Beard, Nejma Beard
Mehrsprachig: Englisch, Deutsch, Französisch
770 Seiten
Format: 26x38 cm, Hardcover
Köln, Taschen-Verlag
ISBN: 978-3-8365-7742-7
100,00 €

Der photographierende Künstler, Sammler, Tagebuchschreiber und Buchautor Peter Beard (1938 – 2020) hat sein gesamtes Leben zu einem Kunstwerk gemacht. Aus dem jungen Mann, der seine Tagebücher illustrierte, wurde ein ernsthafter Künstler, der sich in der internationalen Szene eine zentrale Position eroberte. Das Medium Photographie bezeichnete er als eine Sache von „Nikons, Leicas und Glück – Technik, Timing, Zugang, Fügung, Psychologie, Beharrlichkeit, purem Zufall und gesundem Menschenverstand“.
Beard kollaborierte mit Francis Bacon und Salvador Dalí, gestaltete Tagebücher mit Andy Warhol und ging mit Truman Capote, Terry Southern und den Rolling Stones auf Tour – sie alle werden in seinem Werk auf die ein oder andere Weise zum Leben erweckt. Als Modephotograph nahm er Vogue-Stars wie Veruschka mit nach Afrika oder ließ Haute-Couture-Models unter der kenianischen Sonne Giraffen füttern.

In den frühen 1960er Jahren fuhr Beard nach Kenia, lernte dort die Autorin Tania Blixen kennen und schätzen und verbrachte daraufhin viele Jahre seines Lebens in Afrika. In seinem Vorwort zu dem großformatigen, 770 Seiten starken, im Taschen-Verlag, Köln, erschienenen Bildband prangert er an, dass Kenia in kürzester Zeit von einem Paradies und einer absolut unberührten Welt für wildlebende Tiere zu einem touristenverseuchten Parkplatz wurde, in dem Anarchie, Rebellion, Krieg und Seuchen herrschen. Denn dort erlebte er sowohl die Bevölkerungsexplosion als auch das Ende der Ressourcen und die Bedrohung vieler Tierarten. All seine Erfahrungen hielt Peter Beard in seinen Tagebüchern, Photographien und Collagen fest. Der umfangreiche Bildteil des Bandes ist daher unterteilt in „Tagebücher“ und „Collagen“.

Owen Edwards, der seit mehr als 30 Jahren über Photographie schreibt und Peter Beard erstmals Mitte der 1970er Jahre traf, lobt in seinem „Allesfresser“ überschriebenen, einführenden Essay die unerschöpfliche Energie und unstillbare Neugier des Künstlers, der sich mit seinen einzigartigen, manchmal schockierenden Werken, wie „Die letzte Jagd“ (The End of the Game), bewusst gegen den Zeitgeist stellte: Beard zeigte die verendeten Körper, wie sie waren, und beschrieb seine Eindrücke sorgfältig auf der Schreibmaschine oder einfach mit der Hand. Seine Photographien benutzte Beard dabei als Leinwand, ordnete gesammelte Objekte – Kontaktabzüge, Zeitungsschnipsel, Postkarten und irgendwie verknüpfte Informationen, die die Besitzgier des Künstlers beweisen - neben- und übereinander an und schmückte sie mit seinen akkuraten handschriftlichen Aufzeichnungen, akribischen Zeichnungen oder auch Tierblut.

Dem Hauptteil folgen der Bildindex mit ausführlichen Bildunterschriften und Daten, eine bebilderte Biographie, ein Gespräch des Schriftstellers Steven L. Aronson mit Peter Beard „über seine  persönliche Geschichte und kosmische Philosophie“ einschließlich seiner Schilderung eines Griechenland-Sommers mit der Onassis-Familie auf Skorpios. Schließlich sind seine Veröffentlichungen und Ausstellungen aufgelistet. Das Werk ist daher eine Reise in die Welt des Peter Beard und sein Leben als Kunstwerk. (vZ)

 

Johann Karl
Die verbotene Stadt

Texte von Johann Karl, Karoline Karl
Gestaltung von Carsten Eisfeld / Eberle & Eisfeld, Berlin
Hardcover, 24,5 × 32,5 cm
192 Seiten, 112 farbige Abbildungen
Deutsch, Englisch
Kerber Verlag
ISBN 978-3-7356-0685-3
40,00 €

 

Vor den Toren Berlins liegen Wünsdorf Waldstadt, Kummersdorf-Gut und Sperenberg, Orte von denen wohl die meisten Einwohner Berlins und Deutschlands noch nicht viel gehört haben. Dabei atmen all diese Orte und deren Umgebung Zeitgeschichte. Denn es sind Orte, die wie zum Beispiel die Heeresversuchsanstalt Kummersdorf, eine gravierende Rolle in der Geschichte des 20. Jahrhunderts gespielt haben.

Johann Karl wurde 1992 in Berlin geboren, verlebte jedoch den Großteil seiner Jugend in Wünsdorf, bevor er mit 23 Jahren wieder zurück nach Berlin zog. Durch den Perspektivwechsel dieses Umzuges wurde ihm die verborgene Geschichte seines damaligen Wohnortes bewusst: "Die Straße, die jetzt über Zossen nach Wünsdorf führt, war lange Zeit nicht passierbar, da dort ein Schlagbaum stand und die Sperrzone der sowjetischen Garnison begann. Viele Häuser, in denen meine Freunde und ihre Familien gelebt haben oder immer noch leben, wurden zur Zeit des Nationalsozialismus und später durch die sowjetischen Besatzungstruppen für ihre Soldaten und deren Familien gebaut. Meine erste Freundin wohnte direkt gegenüber von einem gesprengten Luftschutzbunker in der Waldstadt; an diesem haben wir uns öfter getroffen und darauf gesessen als wäre es das Normalste der Welt."

Mit dem Projekt »Die verbotene Stadt« begibt sich der junge Berliner Photograph auf eine Spurensuche. In Bildern untersucht er historische Geschehnisse, Einrichtungen und Veränderungen Wünsdorfs und seiner Umgebung über vier Zeitepochen und gewährt Einblicke in die Nutzung der Areale – beginnend bei der Kaiserzeit, über den Nationalsozialismus und die Besetzung durch sowjetische Truppen hinaus bis in die heutige Zeit.

Die Buchveröffentlichung „Die verbotene Stadt“ ist Teil der Abschlussarbeit Johann Karls an der Neuen Schule für Fotografie, Berlin.  Sie wird vom 18. September bis zum 25. Oktober 2020 in der Abschlussausstellung #27: „Atopie“ in der Galerie der Neuen Schule zu sehen sein.

 

Karl Lagerfeld. Fotografie. Die Retrospektive
Photographien von Karl Lagerfeld

Herausgeber Kunstmuseum Moritzburg
Vorwort von Thomas Bauer-Friedrich
Texte von Hubertus Gaßner und Gerhard Steidl
Deutsch,
Buchgestaltung Festeinband, Duplexdruck
224 Seiten, zahlr. Abbildungen in Farbe und Schwarz-Weiß
Steidl Verlag, Göttingen
ISBN 978-3-95829-743-2
28,00 €


Ausstellung bis 06.01.2021 im Kunstmuseum Moritzburg (Halle)

Karl Lagerfeld war als Künstler nicht nur auf dem Gebiet der Mode tätig sondern auch auf den Gebieten Buchgestaltung, Film und Photographie. In diesem Sinne war er dem BAUHAUS und in der Photographie der Konzeptkunst verbunden, die durch „die Wahrnehmung der Bedeutungsdifferenz zwischen Einzelbild und Serie“ (Zitat) definiert ist. Diesen narrativen Charakter haben die im Buch gezeigten Serien „Casa Malaparte, a portrait of Dorian Gray, Ballet Russes, Atelier Fendi u.a.“ die jeweils eine Geschichte zu Mode, Kultur erzählen. Dies sind die ausdrucksstärksten Photographien, die eine subtile Kenntnis der Kunst- und Kulturgeschichte mit einer ausgefeilten Technik verbinden. So sind deutlich seine Bezüge zu Oscar Wilde, Eduard von Keyserling, Ovid und Longus zu ekennen. Manches Motive lassen sich als Hommage an Lyonel Feininger, Vilhelm Hammershøi, Edward Hopper und Florine Stettheimer, Fritz Lang und die Photographen Edward Steichen und Baron Adolph de Meyer deuten.

Die Photographien wurden zusammen mit Karl Lagerfeld für Buch und Ausstellung ausgewählt und dafür angefertigt, so dass vom Ergebnis (Buch) direkt auf seine künstlerischen Intensionen geschlossen werden kann. U.a. 60 Selbstporträts Lagerfelds zeugen von seiner Tendenz zur Selbstinszenierung. Auf Grund seiner vielseitigen photographischen Interessensgebiete, wie Architektur, Landschaft, Abstraktion, Porträt, Selbstporträt und Modephotographie hat er auch das visuelle Bild der Modehäuser – Chanel und Fendi und die `Photogeschichten´ für bedeutende internationale Modezeitschriften nachhaltig geprägt.

Ein für Mode interessierte Leser und Photographen gleichermaßen interessantes Buch, das schön gestaltetet ist und zur kritischen Reflexion der Schnittmengen beider Medien anregt. Als Dokument der Kulturgeschichte der `Houte Cuture´ aber auch für die Entwicklung der zeitgenössischen Moderne und ihren stilistischen Impulsen für die Photographie wird die Buchkonzeption den gezeigten Werkgruppen künstlerisch gerecht. Die unterschiedlichsten photographischen Medien wie Daguerreotypien, Platinotypien, Polaroidtransfers, Silbergelatine-Prints, Siebdrucke, handcolorierte Algrafien, Acryl-Inkjetdrucke und hintergrundbeleuchtete LED zeigen die Vielseitigkeit von Lagerfelds künstlerischem Ansatzes. Ein gelungenes Buch, das die bisherigen Werke zur Modegeschichte durch seinen interdisziplinären Ansatz ergänzt, und damit der zeitgenössischen Photographie neue Themengebiete aufzeigt. (db)

 

Peter Fink
My Minds Eye

Herausgeber: Celina Lunsford, Fotografie Forum Frankfurt
Texte: Andrea Horvay, Celina Lunsford
Design:Kehrer Design (Peter von Freyhold)
Festeinband 24 x 28,8 cm, 208 Seiten,
176 S/W- und 11 Farbabildungen
Englisch
Kehrer-Verlag
ISBN 978-3-86828-986-2 2020
38,00 €

Ausstellung: 13.02. – 16.05.2021, Fotografie Forum Frankfurt

 

Peter Fink (1907, Grand Rapids – 1984, New York City) bereiste in den 1950er- bis 1970er- Jahren die Welt und fotografierte an abgelegenen Orten und in Industriestädten der Nachkriegszeit in Japan, Frankreich, Portugal, Nordafrika und im Mittleren Osten. Kunst und Kultur sind wiederkehrende Themen, ebenso wie das Leben von Arbeitern, Familien oder Kindern an jedem Ort, den er besuchte. Daneben entstanden expressive Porträts und Modefotografien, surreale Stillleben oder seine radikalen Refractions – Reflexionen auf Architektur. Zu Lebzeiten war Peter Fink weltweit in 50 institutionellen Einzelausstellungen vertreten. Seine Arbeiten befinden sich in renommierten Museen wie dem Metropolitan Museum of Art, New York, und dem Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main. (Kehrer Verlag)

 

Philippe Dudouit
The Dynamics of Dust

Mit Texten von Philippe Dudouit, Emilio E. Manfredi
Designer*in: DIY (Philippe Cuendet & Ivan Liechti)
Broschiert, 210 Seiten, 100 Farbabbildungen
Format: 24.4 × 30.5 cm
Englisch
Edition Patrick Frey
ISBN: 978-3-906803-92-0
58,00 €

 

Das fotografische Langzeitprojekt The Dynamics of Dust gründet in der Auseinandersetzung des Schweizer Fotografen Philippe Dudouit mit der Sahel-Sahara-Region, dem südlichen Rand der Sahara. Dudouit zeichnet in seinen Arbeiten die neu entstehenden soziopolitischen und wirtschaftlichen Banden der einst nomadischen Bevölkerung dieses transnationalen Gebiets nach. Das frühere Touristenparadies ächzt. Der Aufstieg des islamistischen Terrorismus in der Region wird dafür verantwortlich gemacht, genauer betrachtet unterliegt dem aber ein gefährlicher Cocktail aus wirtschaftlicher Unterentwicklung, Armut und Staatsversagen. In das Vakuum nistete sich eine komplexe Struktur militarisierter Islamisten, Menschenhändler, Drogen- und Waffenschmuggler ein. An der fragilen Infrastruktur nagt zudem die Korruption, befeuert durch die Interessen grosser Konzerne an Öl, Gold und Uran. Hier wächst eine verlorene Generation junger Menschen heran, der oftmals nichts anderes übrig bleibt, als zu flüchten – ins Ausland oder in die Kriminalität.


Dudouits fotografische Sensibilität spiegelt sich in einer bewusst gewählten Hybridität analoger und digitaler Aufnahmeverfahren – tableauhafte Grossformatfotografie wechselt sich mit flüchtigeren digitalen Aufnahmen ab, die sich teilweise auch nur aus an den Fahrzeugen befestigten Prosumer-Kameras speisen. Begleitet werden die Aufnahmen von GPS-basierten Karten und Erfahrungsberichten Dudouits. (Edition Patrick Frey)

 

Mario Testino
Ciao. Omaggio all’Italia
Texte:  Italienisch, Englisch
254 Seiten
Format: 27x37 cm,  Hardcover mit Schutzumschlag
Köln, Taschen-Verlag
ISBN 978-3-8365-7881-3
60,00 €

Der 1954 in Lima (Peru) geborene Mario Testino gilt seit vier Jahrzehnten als einer der einflussreichsten Mode-, Porträt- und Lifestyle-Photographen. Sein breit gefächertes Werk reicht jedoch weit über die Tätigkeit eines Photographen hinaus und etabliert ihn als einen Visionär mit einem Blick für die unterschiedlichsten Welten und Kulturen.

Aufgrund seiner italienischen Wurzeln fand Testino seine Liebe zu Italien in dem Moment, in dem er das Land selbst erlebte: Mit der Entdeckung Italiens wurde zudem Testinos Leidenschaft für die Mode geweckt. „In Rom drehte sich alles um die heißesten Trends und angesagtesten Stylings. Dabei liebte ich vor allem die Art und Weise, wie die Italiener den jeweils aktuellen Look für die nächste neue Welle hinter sich ließen, ohne ihre Identität zu verlieren“, erläutert der Photograph seine Herangehensweise. Dabei zeichnet Testino ein Bild vom Menschen, das von Gelassenheit und Lebensfreude kündet, mit dem Auge für Traditionen, aber immer am Puls der Zeit.

Für den großformatigen, im Taschen-Verlag, Köln, erschienenen Bildband „Ciao“ stellte Testino zusammen mit Koautor Alain Elkann seine größtenteils erst in den letzten Jahren entstandenen Lieblingsaufnahmen aus Italien zusammen. Bunt gemischt in Farbe oder Schwarzweiß wechseln eng gefasste Ausschnitte mitten im Geschehen mit wunderbaren Landschaftsaufnahmen, die, jeweils dezent mit goldfarbenen Orts- und Jahresangaben versehen, ganzseitig oder doppelseitig oder gar noch größer auf Aufklappseiten wiedergegeben sind. Die Photographien zeigen seine Freunde, Stars und Sternchen aus der Film- und Modebranche an den Küsten von Capri und Amalfi oder auf den belebten Plätzen Venedigs oder Roms. Einzelporträts, Alltagsszenen und Familienphotos präsentieren den typisch südeuropäischen Mix aus jung und alt, konservativ und freizügig, und beweisen letztlich die ungebrochene Begeisterung der Italiener für ihren temperamentvollen Lebensstil.

Der Band ist grob unterteilt in die drei Kapitel ‚In Giro‘ (unterwegs), ‚Alla Moda‘ (Mode) und ‚Al Mare‘ (am Meer) und fasst die sehr persönliche Reise Mario Testinos durch das Land seiner Vorfahren zusammen. Er feiert die Kultur und die Energie Italiens und bietet gleichzeitig eine Chronik aus 40 Jahren stilbildender Photographie. (vZ)

 

Regina Anzenberger   
Shifting Roots (signed)

Photographien: Regina Anzenberger
Text: Regina Anzenberger
Herausgeber: AnzenbergerEdition
124 Seiten
Format: 24 x 18,5 cm
2020
ISBN: 978-3-9503876-1-2
54,00 €

Ausstellung: noch bis 28. August 2020, Anzenberger Gallery, Wien

Regina Anzenberger photographierte Shifting Roots im Wald entlang eines kleinen Flusses in der Nähe von Wien. In Zeiten des Klimawandels gilt Wasser als das Blut der Erde. Der Fluss wird zur Metapher für das Leben. Shifting Roots befasst sich mit den Ursprüngen, dem Weitergehen, dem Anfang und dem Ende sowie mit der laufenden Veränderung des Lebenszyklus und dem Generationswechsel. Der Wald wird zu einer Quelle der Energie und Inspiration für alle Kreativität.

Shifting Roots ist der dritte Teil einer Trilogie nach Roots & Bonds (2015) und Goosewalk (2019).

 

Thomas Köster (DGPh)
Mary Bauermeister
Im Märchenreich. Haus und Garten

Autor und Photographie: Thomas Köster
Vorwort: Petra Oelschläger
Text: Deutsch / Englisch
224 Seiten, 243 Abbildungen in Farbe
Format: 28 x 33 cm, gebunden
München, Hirmer Verlag
ISBN: 978-3-7774-3502-2
39,90 €

Mary Bauermeister, geboren 1934, gilt als „Mutter“ der Fluxusbewegung. Sie studierte zunächst an der Hochschule für Gestaltung in Ulm, schrieb sich 1955 an der an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken bei Otto Steinert in Photografik ein und ließ sich ein Jahr später in Köln als freie Künstlerin nieder. In den 1960er-Jahren eroberte sie mit ihren Linsenkästen und Steinspiralen von den USA aus die Kunstwelt. Ihre Werke sind in zahlreichen großen Museen, wie dem MoMa und dem Guggenheim Museum in New York oder im Museum Ludwig in Köln, vertreten.

In den 1970er Jahren kehrte Mary Bauermeister nach Deutschland zurück und begann sich mit Grenzwissenschaften, wie Geomantie, zu beschäftigen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse nutzte sie für die Planung von Gärten, die sie für öffentliche und private Auftraggeber weltweit ausführte. Der prägnanteste und wichtigste Ort ihres eigenen Lebens aber ist ihr von dem Architekten Erich Schneider-Wessling gestaltetes Wohn- und Atelierhaus mit seinem 6000 Quadratmeter großen Garten in Rösrath-Forsbach bei Köln, das der Autor und Photograph Thomas Köster (DGPh) mit einem ausführlichen Text, vor allem aber mit vielen Photographien in dem Bildband dokumentiert.

Die Offenheit der Hausarchitektur spiegelt die Offenheit des Lebens von Mary Bauermeister: Das Anwesen konzipierte die Künstlerin mit Hütten, Turm- und Holzaufbauten, Bau- und Zirkuswagen, Steinspiralen, Pyramiden, Bäumen, Nutzpflanzen sowie gleichberechtigt nebeneinander stehenden, mittlerweile überwucherten Relikten früherer Aktionen als eine Art magisches Märchenreich, als das es ihr Ex-Mann, der Komponist Karlheinz Stockhausen, in den 1980er Jahren bezeichnete. „Ein Ensemble, das das Denken und Wirken dieser Künstlerin, ihr Verantwortungsbewusstsein für Mensch und Natur, in einzigartiger Weise reflektiert“, so Petra Oelschlägel, die Direktorin des Kunstmuseum Villa Zanders, in ihrem Vorwort.

Der im Hirmer Verlag, München, erschienene Band „Mary Bauermeister - Im Märchenreich. Haus und Garten“ präsentiert ihre kunstvoll-verwunschene Wirkstätte. Die Künstlerin selbst sagt dazu: „Das ist ein Hexenbuch. Diese Photos sind pure Magie.“ (vZ)

 

Lene Marie Fossen
The Gatekeeper

Herausgeber: Ilgın Deniz Akseloglu, Ellen K Willas
Texte: Ilgın Deniz Akseloglu, Arno Rafael Minkkinen, Margreth Olin, Kelsey Osgood
Design: João Linneu
Leineneinband mit Siebdruck
Japanische Bindung inklusive 2 Altarfalzen und 1 Ausklappseite
Format: 24x29 cm
138 Seiten, 10 Farb- und 62 S/W-Abbildungen
Englisch
Kehrer Verlag, 2020
ISBN 978-3-86828-977-0
45,00 €

Dieses Buch berührt. Die Photographien von Lene Marie Fossen sind gleichermaßen verstörend wie kunstvoll ästhetisch. Die schonungslosen Selbstporträts von Lene Marie Fossen zeugen von der inneren Zerrissenheit der Photographin, die die Veröffentlichung dieses Buches nicht mehr miterlebt. Sie wollte die Zeit anhalten, als sie im Alter von zehn Jahren beschloss, nicht mehr zu essen, nicht erwachsen zu werden. Lene Marie Fossen lehnte eine lineare Zeitlichkeit für sich ab, die sie zwingt, die Pubertät zu durchleben. Sie entschloss sich, offen mit ihrer Krankheit umzugehen, und fand ihr Ausdrucksmittel in der Photographie.

Seit Mitte der 70er-Jahre haben Essstörungen in unserer Gesellschaft ein erschreckendes Ausmaß angenommen. Heute sind sie die dritthäufigste Todesursache bei jungen Frauen in Europa. Lene Marie Fossen starb am 22. Oktober 2019 im Alter von nur 33 Jahren. Die Publikation würdigt Fossen als Künstlerin, zeigt aber auch den schweren Weg, den sie gegangen ist, und dass Anorexie eine ernstzunehmende Krankheit und nicht zu verharmlosen ist.

Der Dokumentarfilm Self-Portrait über Lene Marie Fossen wird ab Januar 2020 in Kinos in Norwegen, Schweden, Dänemark, Frankreich und Deutschland gezeigt.

 

AUSTRALIEN 1872.
Wie ein Deutscher sein Glück fand und Fotogeschichte schrieb.
Grußwort Mathias Cormann, Hans Henkell
Texte von Dr. Christoph Hein
Deutsch,
Festeinband,
240 Seiten, mit ca. 200 Abbildungen
Emons Verlag, Köln
ISBN 978-3-7408-0633-0
39,95 €

Das Buch »Australien-1872« beschreibt einen bedeutenden Schritt in der Verbreitung des Mediums Photographie und ist zugleich die Lebensgeschichte des Bernhard Otto Holtermann und die Entwicklung Australiens von der Sträflingskolonie zum Sehnsuchtsort junger Europäer. Damit ist es photohistorisch und kulturhistorisch (UNESCO-Weltkulturerbe) von Interesse. 1858 wandert der mittellose Hamburger Holtermann nach Australien aus und findet 1872 in Hill End (bei Sidney) den größten Goldgesteinsbrocken der Welt.
Er wollte von seinem Reichtum etwas zurückgeben an den Kontinent `Australien´ und finanziert die besten Photographen Australiens, damit diese ein positives Bild vom Land und dem dortigen Alltagsleben erstellen. Er selbst wird zum Förderer der Photographie indem er diese Photographien auf Reisen und Weltausstellungen weltweit präsentiert und nimmt damit auch Einfluss auf die Entwicklung des Pionierlandes Australien selbst, auf die Kolonialgeschichte des Landes und die Selbstfindung einer Nation.
150 dieser kulturell und zeitgeschichtlich wertvollen Photographien werden mit Holtermanns Lebensgeschichte und Dokumenten aus Archiven jetzt publiziert. Er setzte seinen Reichtum nicht nur unternehmerisch vorausschauend und philanthropisch geprägt ein sondern mit seiner Erinnerung an die alte Heimat schafft er eine Basis für einen deutsch australischen Kulturaustausch. Diese weltweit größte Glasplattensammlung stellt heute ein bedeutendes Zeitdokument dar.

Ein sehr empfehlenswertes Buch als Dokument der Kulturgeschichte und Entwicklung Australiens aber auch für die Entwicklung der klassischen Photographie. Für zeitgeschichtlich interessierte Leser, Kulturwissenschaftler und Photographen ein gleichermaßen interessantes Buch, das schön gestaltetet ist, dem Australien-Interessierten den Horizont erweitert, und zugleich ein wertvoller Beitrag zur Erforschung der deutschen Auswandererschicksale. (db)

 

Peter Bialobrzeski
Give my Regards to Elizabeth

Texte von Mick Brown und Peter Bialobrzeski
Englisch/Deutsch
96 Seiten mit 48 Abbildungen in Farbe
Leinen mit Schriftprägung und eingeklebtem Bild
Hartmann Books
ISBN 978-3-96070-045-6
34,00 €

 

Dieses Buch zeigt Bilder Peter Bialobrzeskis aus dem England der frühen 90er Jahre. Er schloss dort sein Folkwang Studium mit einem einjährigen DAAD-Stipendium am London College of Communication und dieser Arbeit in Buchform ab. Das Buch entstand damals als handgebundenes Einzelexemplar unter Verwendung von Originalfotografien noch völlig analog, und fand keine Verbreitung und Öffentlichkeit. 27 Jahre und über 20 Buchveröffentlichungen später, erscheint nun das erste Buch von Peter Bialobrzeski als faksimilierte Ausgabe des ursprünglichen Layouts.

Bialobrzeski kam damals aus dem, durch die Wiedervereinigung noch euphorisierten Deutschland, in ein Land wachsender Arbeitslosigkeit und Depression. Margret Thatcher’s neoliberale Politik hatten tiefe Spuren im Land und bei den Menschen hinterlassen. Er wollte die ihm, einem Kind der sozialen Marktwirtschaft bundesrepublikanischer Prägung, fremde Klassengesellschaft Englands in Fotografien festhalten. Die Bilder sind, aus heutiger Sicht, von der britischen Farbfotografie der 80er Jahre geprägte Dokumente. In Ihnen sind bereits die visuellen Ideen und Konzepte zu sehen, die Bialobrzeski später mit Büchern und Ausstellungen weltbekannt machen sollten (Neontigers, The Raw and the Cooked, Paradise Now, Heimat, Die Zweite Heimat, No Buddha in Suburbia etc.).

Peter Bialobrzeskis Arbeiten wurden in Europa, den Vereinigten Staaten, Asien, Afrika und Australien ausgestellt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den renommierten World Press Photo Award (2003 und 2010) und im Jahr 2012 den Dr. Erich Salomon Award der DGPH. Er lehrt an der HBK Bremen. (Hartmann Books)

 

Das Jahr 1990 freilegen
Herausgeber Jan Wenzel
Editorial Team: Jan-Frederik Bandel, Anne König, Christin Krause, Elske Rosenfeld, Andreas Rost, Wolfgang Schwärzler, Monique Ulrich, Anna Magdalena Wolf und der Heinrich-Böll-Stiftung.
Design: Wolfgang Schwärzler, fadengeheftete Broschur,
Format: 24,5x33,2 cm
592 Seiten, zahlreiche Schwarzweiß- und Farbphotographien, Deutsch
Verlag: Spector Books Leipzig
ISBN: 9783959053198, 36,00 €


Mit dem Buch »Das Jahr 1990 freilegen« wird eine ganz besondere Buchgestaltung verwirklicht, die kongruent zu den Texten und Bildinhalten ist und diese geradezu inszeniert. Es ist kein Photographenbuch aber eine Konzeption, die zu 50% aus den Photographien ihre Aussagekraft bezieht. Das Layout ist genauso zerrissen wie die die gesellschaftlichen Ereignisse 1990, die in essayistischen Reflexionen und Geschichten, dieses Jahr aus heutiger Perspektive analysieren.

Diese Auseinandersetzung mit dem Jahr der Wiedervereinigung war eine konzeptionelle Herausforderung, so wie jeder Tag neue Entwicklungen brachte ist jede Doppelseite anders gestaltet und dokumentiert damit die Vielschichtigkeit der Ereignisse. Die damalige Beschleunigung der Geschichte in Ostdeutschland ist somit visuell erlebbar.

Es ist eine intensive und überzeugende Dokumentation des Jahres 1990 mit narrativen Elementen in den Texten und Photographien. Die Bildstrecken u.a. von Gerhard Gäbler, Ingrid Hartmetz, Barbara Klemm, Ute Mahler, Jürgen Matschie, Barbara Metselaar–Berthold, Hildegard Ochse, Manfred Paul, Ludwig Rauch, Jens Rötzsch, Andreas Rost, Michael Schade, Donald Saischowa, Hans-Christian Schink, Gundula Schulze Eldowy zeigen Straßenszenen, Porträts, sowie Alltagssituationen. Es entsteht mit dem Blättern im Buch ein „Performatives Lesen“ dabei ergeben „Sitzungsprotokolle des Runden Tischs und Interviews, die Günter Gaus mit prominenten Bürgerrechtlern und Politikern geführt hat. Notate von Kurt Biedenkopf oder Kohls Berater Horst Teltschik aus dem Kanzleramt stehen neben Briefen der in der DDR untergetauchten und 1990 inhaftierten RAF-Terroristin Inge Viett (aus dem Gefängnis)“ einen Blick in das Kaleidoskop 1990. Dieses beinhaltet u.a. „Im Januar die Erstürmung der Berliner Stasi-Zentrale, Anfang März die Gründung der Treuhandgesellschaft, im gleichen Monat die ersten freien Wahlen zur Volkskammer, deren Bestehen nicht lange währt, im Sommer die Einführung der D-Mark sowie der endgültige Abriss der Mauer, die deutsche Wiedervereinigung am 3. Oktober, Anfang Dezember die erste gesamt-deutsche Bundestagswahl....“

Es ist kein Gemeinschaftswerk (kollektiv), sondern eine großartige Sammlung einer einjährigen Recherche, die originales Text- und Bildmaterial gesichtet und arrangiert hat. Daraus entstanden ist eine suggestive Text-Bild-Konzeption, die Vergangenheit zeigt und doch hochaktuell erscheint in einer polyphonen Zusammenstellung aus „Aufbruch und Enttäuschung, Emanzipation und neuer Demütigung.“ Alles ist visuell erlebbar und in Texten nachvollziehbar und bleibt doch auch verwirrend. Buchgestaltung und Buchinhalt sind in besonderer Weise kongruent.

Ein sehr empfehlenswertes Buch als Chronik einer Zeitenwende aber auch für die klassische SW Reportagephotographie. Sehr treffend hat Jens Bisky (Süddeutsche Zeitung) es eine „zeithistorische Publikation mit nicht vergleichbarer Stimmenvielfalt“ genannt. Es steht in einer Tradition besonders gestalteter Photographiebücher. die ein besonders gelungene Zusammenspiel von Text, Bild und Buchgestaltung haben, das dem gezeigten historischem Thema künstlerisch gerecht wird und den Liebhaber des Photographie-Buches erfreut.(db)

 

Christopher Mavrič - Zwischen Brücken
Photographien von Christopher Mavrič
Herausgeber FOTOHOF
Vorwort Stefan Schlögl
Text von Oskar Aichinger
Deutsch
Buchgestaltung englische Broschur,
146 Seiten, ca. 75 Farbabbildungen
Verlag FOTOHOF Edition, Salzburg
ISBN 978-3-902993-89-2
25,00 €

Das Buch »Zwischen Brücken« des Photographen Christopher Mavrič ist ein gelungenes Beispiel konzeptueller Fotografie. Er setzt sich mit dem 20. Wiener Gemeindebezirk auseinander, der zwischen der Donau und dem Donaukanal gelegen ist. Es ist eine klassische Milieustudie, die von den beeindruckenden Ganzkörperportraits geprägt ist.

Ergänzt werden diese durch sachliche zurückhaltende Architekturmotive (Verortung der Portraits) und Panoramen, die dem Leser die besondere Ortssituation erfassbar machen. Die charakterisierenden Portraits von der „Blumenfreundin, dem Musik Fan, den Bauarbeitern, dem Melonenverkäufer, der Hundefreundin, der Cafe-Chefin, dem Angler“ und vielen anderen sind ein Spiegelbild der `Brigittenau´ (20. Wiener Gemeindebezirk) und zeigen auf was einen lebendiger und lebenswerten Stadtteil und seine Wohnumgebung ausmachen. Vom einstigen Arbeiterbezirk zum heutigen Zuwandererbezirk vermitteln die Fotografien den ganzen Charme dessen was man als `Wiener Vorstadt´ bezeichnet. Die Vielfalt der gezeichneten Charaktere zeigt spontane Begegnungen mit den Bewohnern und ihrem Lebensumfeld, das angedeutet aber doch deutlich als Selbstauskunft einbezogen ist. Jeder erscheint wie er sich gerade im Moment der Aufnahme fühlt.

Das quadratische Buch in englische Broschur ist sehr schön gestaltet mit einer ausgewogenen dem Bauhaus entsprechenden Typografie und einer sachlich funktionalen Buchgestaltung. Insgesamt eine besonders gelungene Publikation, die den gezeigten Werkgruppen künstlerisch gerecht wird und den Liebhaber des Photographie-Buches durch eine besondere künstlerische Note erfreut. (db)

 

In der Eifel
Photograph: Heinrich PIEROTH
Hrsg./Autor(en): Rheinsches Bildarchiv, Katja Hoffman
Buchgestaltung: Ralf REICHE
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag,
Format: 28,5 × 31 cm., 320 S., S/W-Abb.
Deutsch
Emons Verlag, Köln
39,95 €


Zu der Bildband-Reihe des Verlags, in der bereits gleich große und ähnlich gestaltete Titel über das Ruhrgebiet, das Saarland, Hamburg u.a. erschienen sind, kommt nun der großformatige Bildband 'In der Eifel: Photographien von Heinrich Pieroth aus den 1920er bis 1950er Jahren' hinzu. Er sticht insofern aus der Reihe heraus, da es sich um ihre erste Monografie handelt, die zudem parallel zur wissenschaftlichen Aufarbeitung des photographischen Nachlasses veröffentlicht wird (Kube, Susanne: Heimat und Menschen. Der Mayener Photograph Heinrich Pieroth, 128 S., ca. 80 Abb. Mayen: GAV 2020).

Heinrich PIEROTH (1893–1964) war Photograph in Mayen und konzentrierte sich in seinen Arbeiten ganz auf seine Heimatregion, wo er auch ausgebildet wurde und zeitlebens wohnte. Jenseits der politischen und historischen Ereignissen und dem Weltkrieg selbst, werden im Bildband ‚In der Eifel. Fotografien aus den 1920er Jahren bis in die 1950er Jahren' Landschaften, Bewohner und deren Alltag im Südosten der Eifel gezeigt. Mit der Publikation setzt das Rheinische Bildarchiv (RBA) in Köln ein Vorhaben um, das bereits lange geplant war und auf eine Schenkung des Sohnes von Heinrich Pieroth, Karlheinz Pieroth zurück geht.

Auffallend ist die aufwendige Gestaltung des Bildbandes durch Ralf Reiche: der feste Schutzumschlag schützt den schwarzen Einband mit Titelprägung. Der umfangreiche Bestand an S/W-Photographien wurde für den Bildband selbst in einzelne Motivgruppen aufgeteilt, die jeweils von einem Text von der Redakteurin und Lektorin Katja Hoffmann begleitet werden. Diese Einteilung wird farblich besonders hervorgehoben. Die Schrift ist groß und gut lesbar. Zudem finden sich unter und neben den zumeist ganzseitigen Aufnahmen erläuternde Hinweise zu den Abbildungen.

Diese Hinweise, die zeitgemäße Gestaltung sowie die Behandlung der Photographien von Heinrich Pieroth in guter Wiedergabequalität unter Beachtung ihres Ursprungs machen die Betrachtung dieses "visuellen Gedächtnisses der Eifel – zu einer Zeit, als nicht nur die bis heute ländlich geprägte Region die Schwelle zur Moderne überschritt, sondern auch die Fotografie selbst" (© Emons Verlag, 2020) zu einem Genuss. Dieser Band, wie die ganze Reihe ist deswegen besonders spannend, weil der Verlag nicht nur bislang unveröffentlichte Aufnahmen erstmalig abdruckt, sondern jeder Bildband ein kleines Sittengemälde der analogen Zeit darstellt. (© Richard G. SPORLEDER)


Magazin L.Fritz #6
Herausgeber Internationale Photoszene Köln
Deutsch, Englisch
66 Seiten, ca. 69 Abbildungen in Farbe und Schwarz-Weiß
Kettler Verlag, Bönen
4,00 €
 

Erfreulicherweise erscheint trotz des abgesagten `Photoszene Festival Köln´ das Magazin „L.Fritz #6“ als Trostpflaster für alle interessierte Photograph*innen mit dem Thema „outer space.“ Dabei ist das Thema nicht nur im übertragenen Sinn, sondern ganz real in Form von Weltraum Themen aufgefasst.

Das Magazin gliedert sich inhaltlich in 6 vorgestellte Portfolios, unter dem Motto `Einblicke´ werden 5 Texte und Interviews zum photographischen Bild von Mond und Erde vorgestellt. Ergänzt durch Buchvorstellungen, und die allgemeinen Themen `Kunst trifft Archive #2´ und `Kunst hat Recht(e)´. Allem vorangestellt ist die Feststellung das unsere Vorstellung und unser Wissen vom Weltall durch die `Photographie´ geprägt ist. Während die Portfolios sich in einem künstlerischen Ansatz mit `diesem Bildmaterial´ auseinandersetzen, lassen die Texte die wissenschaftliche Nutzung zur photographischen Erforschung des Weltalls zu Worte kommen, mit einer zum Thema passenden Buchauswahl. 2 weitere Texte setzen sich mit der Archivierung von Weltraumbildern und deren nutzungsrechtlichen Aspekten auseinander.
Insgesamt ein interessanter Beitrag, der in seiner hybriden Form der Photographie zum Nachdenken über die Photographie und ihre medialen Möglichkeiten anregt, aber nur entfernt das anspricht, was wir allgemein unter künstlerischer Photographie verstehen. (db)

 

Traumsequenzen
Photographien von Leo Seidel
Vorwort Samuel Wittwer
Texte von Boris von Brauchitsch, Theodor Fontane
Deutsch,
Buchgestaltung Festeinband,
128 Seiten, ca. 100 Abbildungen in Farbe und Schwarz-Weiß
Verlag Edition Braus, Berlin
ISBN 978-3-86228-206-7
24,95 €

Das Buchformat - ein leichtes Querformat - ist der perfekte Einstieg in das Thema „Traumsequenzen “ denn es hat die Optik eines Skizzenbuches, das leichte schnell erfasste Motivstimmungen festhält und dem Betrachter viele Interpretationsmöglichkeiten gibt. Der Photograph realisiert dieses freie künstlerische Projekt mittels des Polaroidmaterials und experimentiert gleichzeitig mit den technischen Möglichkeiten dieses fotografischen Materials um über das Zufallsprinzip motivische Varianten zu erzeugen.

Der Polaroidphotographie haftet der Odem des Unikats ähnlich einer Daguerretypie an was hier nicht zutrifft, da der Photograph Leo Seidel auch Polaroid Negativmaterial verwendet. Gerade bei den Schlossansichten und deren Innenräumen changieren seine Bildmotive sehr stark ins Malerische. Die Motive der Berliner und Brandenburger Schlösser sind genau ausgewählte Bildausschnitte, die durch den technischen Zufall verfremdet und hinterfragt werden. Dabei setzt er Polaroidmaterial ein, das bei der Belichtung ein Papierpositiv und ein Filmnegativ erzeugt. Durch ein Zurücklassen von Entwicklerpaste auf dem Negativ entstehen chemische Veränderungen, die zu vom Zufall gesteuerten Veränderungen führen, die den Motiven einen magischen Charakter bis zum Surrealen geben.

In den Stillleben ist nicht die Technik, sondern das Arrangement surreal. Die SW-Aufnahmen sind von bestechender Detailschärfe aber teils von mystischen Bildelementen, die zum Teil mit Symbolen den Betrachter mit eigenen Erinnerungen zu Geschichten anregen. Dabei nutzt er sehr geschickt den Spagat zwischen selbst arrangierten Objekten und jenen aus der `königlichen´ Kunst/Kuriositätenkammer. Der Kunstwissenschaftler Dr. Samuel Wittwer (SPSG) spannt zurecht den Bogen von den Photographien zu der Tatsache, dass die Entstehung des `Preussischen Arkadiens´ einst auch eine `Traumsequenz´ der Könige Friedrich II. und Friedrich Wilhelm IV. war.

Insgesamt ein interessantes Buch, das in seiner hybriden Form der Photographie zum Nachdenken über die Photographie und ihre künstlerischen Möglichkeiten anregt. Photographien und kunsthistorisch bzw. photographietechnische (Dr. Boris von Brauchitsch) Textbeiträge regen zu weiteren Diskursen über die stilistischen Varianten konzeptueller Photographie an. (db)