Aktuelle Bücher im Juli 2015

Axel Hoedt (DGPh)
Fast Nacht

96 Seiten
Steidl Verlag
ISBN 978-3-86930-839-5; 28 Euro

Und alle Jahre wieder ist Fastnacht! In seinem zweiten Band setzt der Dr.-Otto-Steinert-Preisträger von 2011, Axel Hoedt, seine Reise durch die südwestdeutsche Karnevalslandschaft fort und weitet sie nach Österreich und in die Schweiz aus. Der aus dem Breisgau stammende Mode- und Porträtphotograph zeigt die Narren und ihre Verkleidungen jenseits gängiger Klischees und bricht radikal mit der Fastnachtikonografie. Keine wilden Luftsprünge vor Menschenmengen und romantischem Fachwerk, kein tolles Treiben ist zu sehen, sondern Narren in ernster Pose, vor heller Leinwand, im Wald oder vor landesüblichen Zweckbauten. Neben klassischen Studioaufnahmen stehen Polaroid-Schnappschüsse und Stillleben. Immer wieder konfrontiert Hoedt die Masken mit winterlich-starren Landschaftsimpressionen und erinnert daran, was die Fastnacht einst war: ein letztes rauschendes Fest vor dem Anbruch einer kargen Zeit.
 

Michael Lange (DGPh)
Fluss

80 Seiten, 39 Abb.
Hatje Cantz Verlag
ISBN 978-3-7757-3962-7; 35 Euro

Mit seiner landschaftlichen Schönheit und sagenumwobenen Vergangenheit ist der Rhein seit jeher ein beliebtes Sujet in Kunst und Literatur. Als einer der längsten Flüsse Europas inspirierte er die Meister der mittelalterlichen Tafelmalerei ebenso wie die Romantiker und die Vertreter der klassischen Moderne und Gegenwartskunst. Der Photograph Michael Lange (*1953 in Heidelberg) widmete sich zwischen 2012 und 2014 den Wassern des Oberrheins. Mit der Großformatkamera aufgenommen, erzählen seine Bilder von der Sehnsucht nach Stille und dem Wunsch, sich zu verlieren: Sie zeigen einsame Orte, in Nebeln verhangen, von geheimnisvollen Spiegelungen durchzogene Wasserflächen, entstanden in der Dämmerung zuzeiten des Zwielichts. Feinste Schattierungen und Farbabstufungen lassen Kompositionen von atmosphärischer Dichte und konzentrierter Klarheit entstehen.
(Ausstellungen: Alfred Ehrhardt Stiftung, Berlin 1.5.–28.6.2015 | Robert Morat Galerie, Hamburg 6.11.2015–10.1.2016)

 

RAY 2015
Imagine Reality

232 Seiten, 150 Farbabb.
Verlag Kehrer
ISBN 978-3-86828-620-5; 30 Euro

Wie können und möchten wir die Welt heute sehen? Wie werden mittels Verfremdung oder Auflösung der Alltagswirklichkeit neue Perspektiven durch die und in der Photographie erzeugt? Wie sehen – jenseits des Dokumentarischen – Bildsprachen aus, mit denen die Künstlerinnen und Künstler die philosophischen und existenziellen Aspekte menschlichen und dinglichen Daseins unserer Zeit reflektieren? Die Photographie-Triennale RAY 2015 präsentiert unter dem Titel „Imagine Reality“, in einer Hauptausstellung und sechs Partnerprojekten, insgesamt 35 Künstlerinnen und Künstler aus 15 Nationen mit ihren Bildfindungen zu subjektiven und inszenierten Wirklichkeiten. Diese führen in eine Welt, in der Realität und Fiktion, Fakten und Illusion untrennbar miteinander verwoben sind, und zu einer Erweiterung des Realen. Die verwendeten photographischen Mittel sind dabei so vielfältig wie die Geschichte der Photographie. Die gezeigten Positionen spiegeln die Transformation des Mediums wider und verweisen auf die Potenziale einer sichtbaren Welt.
(Ausstellungen: Frankfurt u.a., 20.06. – 20.09.2015)

 

Bernd Langmack
Abriss in Bruckhausen

96 Seiten 
Klartext Verlag
ISBN 978-3-8375-1494-0; 14,95 Euro

Der Ausstellungkatalog zeigt eine photographische Serie von großer Authentizität, da Bildmotive wie Texte von den Gesprächen des Photographen mit den betroffenen Anwohnern geprägt sind. Es ist nicht die erste Auseinandersetzung von Bernd Langmack mit den Ergebnissen des Strukturwandels im Ruhrgebiet. Mit eindrucksvollen Photographien und einer subtilen Motivauswahl hinterfragt er das offizielle Bild einer „Kreativregion.“ Sein dokumentarischer Stil hat stilistisch Bezüge zu Albert Renger-Patzsch und Bernd und Hilla Becher. Seine photographischen Serien zum Strukturwandel im Ruhrgebiet wurden bereits in mehreren Büchern präsentiert. Der Betrachter macht auch mit dieser Serie die Erfahrung, dass ein Bild mehr sagt als tausend Worte, und doch sind die informativen Texte wichtig, um die Photographien ganz zu verstehen. Da die Serien den Zeitraum 1990-2015 umfassen, wird der Wandel im Stadtbild sehr deutlich, die Stadtstrukturen wie auch widersprüchliche Entwicklungen lassen sich gut nachvollziehen. Die photographischen Serien konterkarieren, was im Text als „Duisburgs Masterplan vorgestellt wird. Die Photographien zeigen die Zerstörung des historisch gewachsenen Miteinanders von Industriebauten und Wohnbebauung und damit auch einen weiteren Verlust einer Ruhrgebiet-Identität. (DB)
(Ausstellung: Haus der Geschichte des Ruhrgebiets, Bochum, 23.6.- Feb 2016)

 

Alfred Ehrhardt
Hamburger Industriefotografie 

56 Seiten
Handelskammer Hamburg, 15 Euro

Der Ausstellungkatalog zeigt eine stilistisch ganz andere Seite des Photographen Alfred Ehrhardt (1901–1984). Wie die bereits vorgestellte Werkserie von Herbert List »Licht über Hamborn«, ist der Natur- und Kulturästhet in den 1950er Jahren auch kommerzielle Wege gegangen. Auch bei Ehrhardt blitzen die charakteristischen Stilelemente in diesen Serien immer wieder auf. 1952 photographierter er für eine Publikation der Handelskammer Hamburg u.a. die Norddeutsche Affinerie, Montblanc, Philips, Reemtsma sowie Steinway & Sons. Die eine Werkserie zeigt die Industriearbeiter in ihren täglichen Arbeitsumfeld, aber nicht als prägnante Porträts wie Herbert List in der Hamborner Hütte, sondern eher als Illustration des Arbeitsplatzes. In den Architekturaufnahmen greift Alfred Ehrhardt wie bei seinen Naturaufnahmen auf abstrakte Bildausschnitte, extreme Perspektiven und strenge Symmetrien zurück, die Stilmittel der »Neuen Sachlichkeit«. Die Ausstellung stellt die Industrieaufnahmen in einen Dialog mit den Naturaufnahmen von »Das Watt«, eine Thematik, die Alfred Ehrhardt eindeutig stärker gelegen hat. Dagegen bietet der Vergleich der Kataloge »Hamburger Industriephotographie 1952« und »Licht über Hamborn« die Möglichkeit, sich weitere Stilmittel bedeutender Photographen jenseits ihrer Schwerpunkte zu erschließen. (DB)
(Ausstellung: Handelskammer Hamburg bis 17. Juli)

 

Über Wasser
Malerei und Photographie von William Turner bis Olafur Eliasson

236 Seiten mit 240 zumeist farbigen Abbildungen
Hirmer Verlag
ISBN 978-3-7774-2477-4; 39,90 Euro

Tropfen, Wellen, Schnee und Spiegelungen – Wasser ist ein Element, das immer neue Formen annimmt und unterschiedlichste optische Effekte erzeugt. Im 19. Jahrhundert wird es zu einem eigenständigen Motiv in der Kunst. Der vorliegende, reich bebilderte Band zeigt, wie Wasser als Thema Maler und Photographen bis heute fasziniert. Einzelne Wassertropfen unter dem Mikroskop, abstrakte Formationen von Eisschollen oder riesige Monsterwellen in ihrer bedrohlichen Wucht: Wasser ist in seinen unterschiedlichen Erscheinungsweisen bis heute ein beliebtes Motiv in der Kunst. Die Publikation geht dem lebensstiftenden Element als Bildmotiv nach und verfolgt die vielfältigen Verbindungen von Malerei und Photographie in einer Zeitspanne von 200 Jahren. In ihren Beiträgen beleuchten Michael Philipp die Darstellung von Wasser in Antike und Neuzeit und Iris Wenderholm die Bändigung und Formung von Wasser in der Kunst seit der Renaissance. Christiane Stahl (DGPh) befasst sich unter dem Titel „Die große Welle“ mit dem Meer als Erfahrungsraum von Gustave Le Gray bis Otto Steinert während Ortrud Westheider über Wasser, Reflexion und Abstraktion von Turner bis Gursky berichtet. Schließlich äußert sich Ulrich Pohlmann unter dem Titel „Mare Nostrum, Mare Mortuum?“ über das Meer als Fluchtweg und Symbol der Migration. Der Katalog der Werke ist, verbunden mit weiteren ausführlichen Texten, thematisch aufgeteilt in „Tropfen“, „Wasser im Fall“, „Reflexionen“, „Welle“, „Eis und Schnee“, „Menschen im Wasser“ sowie „Unbezähmbares Element“. Der großformatige Band belegt, dass das Thema Wasser in seiner Vielgestaltigkeit Künstler bis heute inspiriert. Er zeigt gleichzeitig, wie die künstlerischen und gesellschaftlichen Fragestellungen seit 1800 immer brisanter werden und macht deutlich, dass zeitgenössische Künstler ästhetische Fragen nicht mehr gesondert von politischen behandelt wissen wollen. (vZ)
(Ausstellung: Bucerius Kunst Forum, Hamburg, bis 20. September)

 

Olivo Barbieri
Ersatz Lights. Case Study #1 East West

224 Seiten, 198 Abb., Englisch und Italienisch
Hatje Cantz Verlag
ISBN 978-3-7757-3982-5; 58 Euro

Olivo Barbieri (*1954) leuchtet in seinen Photographien menschliche Lebensräume so aus, dass unbekannte Facetten der Realität ans Licht treten. Urbane Zentren in China oder Amerika dominieren seine photographischen Serien neben Naturattraktionen, wie etwa den Dolomiten, Alpen oder der Insel Capri sowie berühmten Wasserfällen in Kanada, Argentinien, Simbabwe. Von 2003 bis 2013 photographierte Barbieri über 40 Städte und Metropolen weltweit. Stilistisches Erkennungsmerkmal seiner Aufnahmen ist eine äußerst geringe Tiefenschärfe, die den Eindruck erweckt, es handele sich um Miniaturmodelle. Trotz Menschenmassen, Verkehrsströmen, Hochhausketten, Gebirgszügen oder Wasserfluten in satten Farben und starken Kontrasten wirken die dargestellten Welten befremdlich. Durch die lange Belichtung der künstlich erleuchteten Städte wird dieses Gefühl noch verstärkt. Barbieris erste Nachtbilder entstanden Anfang der 1980er-Jahre in Italien. Ersatz Lights präsentiert erstmals sämtliche Nachtlandschaften des Künstlers.

 


Viktoria Binschtok
Marriage is a Lie / Fried Chicken

115 Seiten, 52 Farbabb.
Kehrer Verlag
ISBN 978-3-86828-657-1; 24,90 Euro

Ein Photo ist ein Photo ist ein Photo. Immer. Es ist keine Repräsentation von Realität, sondern nur visuelle Referenz an eine individuell erlebte Gegenwart und Ausgangspunkt für neue Assoziationen. Im photographischen Abbild sucht der Betrachter vertraute Muster, nimmt bekannte Farbgebungen wahr, vergewissert sich über den Kontext und konstruiert so sein eigenes Bild mit neuer Bedeutung. Dieser komplexe Prozess der Rezeption wurde oft genug untersucht. Soweit, so bekannt. Nur was passiert eigentlich, wenn der Autor eines Photos gar nicht existiert? Wenn keine eindeutige Intention vorhanden ist? Wenn die Realität als Bezugspunkt nicht überprüfbar ist? Und wenn Assoziationen aus einem rein maschinellen Algorithmus heraus entstehen? Mit einem spannenden Verwirrspiel aus digitaler Realität und analoger Virtualität hinterfragt Viktoria Binschtok gewohntes Sehverhalten und materialisiert die Bilderflut des Internets beziehungsweise entmaterialisiert die Wirklichkeit.
Anlässlich der Ausstellung "Marriage is a Lie / Fried Chicken" bei C/O Berlin umfasst diese Publikation kurze Essays, die die von Viktoria Binschtok aufgeworfenen Fragen nach der Zukunft des Mediums Photographie kritisch diskutieren. Ausgehend von ihren Arbeiten spüren vier internationale Autoren ihren eigenen Assoziationen und Gedankengängen nach – ähnlich der Funktion des von der Künstlerin verwendeten Suchalgorithmus. Auf diese Weise entsteht eine facettenreiche Collage unterschiedlichster Reflexionen zu den tiefgreifenden Veränderungen des Mediums Photographie, die darüber hinaus Viktoria Binschtoks Arbeiten in den aktuellen internationalen Diskurs einbettet. Die Autoren sind Charlotte Cotton, Matthias Harder (DGPh), Joshua Chuang und Laurel Ptak.
(Ausstellung: C/O Berlin 20.06. – 16.08.2015)

 

Marc Lüders
System Plural

96 Seiten, 39 farbige und 2 s/w Abbildungen
Kerber Verlag
ISBN:    978-3-7356-0129-2; 25 Euro

Das Werk Marc Lüders‘ zeichnet sich durch die subtilen Einbrüche der Malerei in den Bildraum der Photographie aus. In seinen „Photopicturen“ werden gemalte schwebende Objekte und topografisch entortete Figuren in eine anonyme Umgebung hinein versetzt. In seinem aktuellen Werkzyklus lässt Lüders transparente Figuren in seinen Bildern auftauchen, die Formen und Farbigkeit der ursprünglichen Photographien – z. B. Wald- oder Jahrmarkt-Szenerien – durchscheinen lassen. Dabei lösen sie sich in ihrer Durchsichtigkeit mehr und mehr von ihrer temporären Umwelt ab. Der Katalog präsentiert rund vierzig neue Arbeiten, überwiegend aus den letzten beiden Jahren.
(Ausstellung: Levy Galerie, Hamburg, 19.5.2015 – 10.7.2015)

 

Lee Miller
160 Seiten, 136 Abb.
Hatje Cantz Verlag
ISBN 978-3-7757-3955-9; 29,80 Euro

Lee Miller (1907–1977) begann ihre künstlerische Karriere 1929 als surrealistische Photographin in Paris. Oftmals in Zusammenarbeit mit Man Ray fertigte sie Bilder an, in denen sie Motive durch enge Bildausschnitte und experimentelle Techniken verfremdete und so eine paradoxe Wirklichkeit in Szene setzte. Die Publikation macht ihre besten Arbeiten wieder zugänglich, darunter neben frühen surrealistischen Kompositionen auch Reisephotos. Am Ende des Zweiten Weltkriegs reiste Lee Miller als Kriegsberichterstatterin durch Europa, wobei ihr erschütternde Aufnahmen von historischer Bedeutung gelangen. Eines der spektakulärsten Bilder entstand Ende April 1945 in Adolf Hitlers Stadtwohnung am Münchner Prinzregentenplatz: Lee Miller ließ sich nackt in der Badewanne des Diktators ablichten – nachdem sie unmittelbar zuvor als eine der ersten Photographen und Photographinnen die Verbrechen in den eben befreiten Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald festgehalten hatte.
(Ausstellung: Albertina, Wien 8.5.–16.8.2015)

 

Bernd Nicolaisen
Restlicht

160 Seiten 104 Abbildungen
Hatje Cantz Verlag
ISBN 978-3-7757-4061-6; 58 €

Das Buch zeigt eine photographische Serie von großer Intensität, da Bernd Nicolaisen sich sehr intensiv mit dem Medium Photographie der „Lichtzeichnung“ auseinandergesetzt hat. Wie Klaus Honnef (DGPh) in seinem Vorwort schreibt, hat das Restlicht (Abendlicht, Dämmerung) besondere Eigenschaften in Bezug auf den Kontrastumfang. Andererseits sind die präsentierten Photographien Hybriden zwischen Photographie, Photogrammen und Lichtgrafiken (Hajek-Halke, Heidersberger). Im Gegensatz zu letzteren haben die Motive von Bernd Nicolaisen einen Aspekt von Realität. So ist die stilistische Zuordnung dieser Serie schwierig und stellt etwas Neuartiges dar. Der entscheidende Unterschied zu den genannten Kategorien ist, dass das Licht nicht als solches genutzt wird, sondern es erzeugt Realität als Bildinhalt. Außerdem entsteht das Bild nicht durch das gelenkte Zufallsprinzip, sondern durch den gestalterischen Akt von Bernd Nicolaisen. Der Präsentationsort eine Krypta, ein Ort innerer/spiritueller Erleuchtung, lässt den Ort der Entstehung physisch nacherlebbar werden; ein indirekter Hinweis auf Platons Höhlengleichnis, spielt das Licht doch in allen Kulturen die Metapher für das Göttliche und die Wahrheit. Das Buch enthält neben der jetzt in Zürich ausgestellten Werkserie »Iceland 2004-2015« die Serien »Wasser«, »Holz« und »Stein«, die alle dem Thema „Restlicht“ zugeordnet werden. Der Begriff der Landschaft für diese Photographie ist etwas irreführend, da sie gar nicht sichtbar ist, sondern Nicolaisens Motive sind Erkundungen von Eisstrukturen und Gletscheroberflächen. In allen Serien sind stilistisch die Strukturen das wesentliche Element der photographischen Auseinandersetzung, und lassen das Ganze nur emotional erahnen. Letztere haben mit den Eisbildern nur gemeinsam, dass sie ebenfalls Strukturen darstellen, aber überwiegend Tageslicht-Photographien sind. Besonders deutlich wird dies in der Serie »Stein«, in der die Farben in den Vordergrund treten ohne eine Lichtkunst zu sein, wie bei den Eisbildern und damit das Dokumentarische nicht mehr sichtbar ist. Die Gesteine werden weder metaphysisch noch physisch sichtbar. Insgesamt ein interessantes Buch, das in seiner hybriden Form der Photographie zum Nachdenken über die Photographie und ihre künstlerischen Möglichkeiten anregt und einen Beitrag zu weiteren Diskursen über die stilistischen Varianten konzeptueller Photographie bietet. (DB)
(Ausstellung: Krypta des Großmünsters Zürich, 10. Juli bis 21. August)

 

Christoph Brech
Freie Blicke

160 Seiten, 119 Abb. in Farbe und S/W
Sieveking Verlag
ISBN 978-3-944874-16-6; 49,90 Euro

Christoph Brech profitiert von einem Privileg, wie es so schnell keinem Zweiten zuteilwerden wird. Drei Jahre lang konnte er unbehelligt von den endlosen Besucherströmen die Säle und Galerien der Vatikanischen Museen bei Tag und bei Nacht photographieren. Auf seinen Streifzügen durch die zahllosen Ausstellungsräume und die Sixtinische Kapelle hielt er Eindrücke von außerordentlicher Ruhe fest. Seine Blicke zeigen eines der bekanntesten Museen der Welt, wie es sonst niemand zu Gesicht bekommt: menschenleere Raumfluchten, würdevoll präsentierte Kunstwerke, aber auch versteckte Winkel. Der hochwertige Bildband stellt Brechs Photographien historische Aufnahmen aus den Archiven des Vatikans an die Seite. Arnold Nesselrath, Direktor der Abteilung für byzantinische, mittelalterliche und moderne Kunst in den Vatikanischen Museen, führt anregend in die Geschichte des Hauses ein. Ein Bildband, der neue Blicke auf die Schönheiten dieses Weltmuseums ermöglicht.

 

Hans Christian Krass
Architektur der Moderne in Berlin

152 Seiten, 120 farbige Abbildungen 
Nicolai Verlag
ISBN 978-3-89479-919-9; 28 Euro

Der Bildband mit den Photographien Hans Christian Krass zeigt Architektur Schwerpunkte in Berlin von circa 1920 bis 2010. Es ist ein Buch, das einen Überblick über die Vielfalt Berlins geben will, so überwiegen die Fassaden und Ensembledarstellungen wie auch Ortssituationen. Doch in verschiedene Themensujets gelingt es dem Photographen, seine eigene Interpretation der Architektur einzubringen wie z.B. bei den Treppenhäusern, die an freie graphische Strukturen erinnern. Die Ausschnittdarstellungen der Fassaden sind subtil gewählt und von großer graphischer Schönheit. Beide Serien zeigen überzeugend die architektonische Idee der Gebäude. Das Buch ist nicht nur ein gelungener Erinnerungsband eines Berlinbesuchs, sondern für den ambitionierten Amateurphotographen auch eine schöne Anregung für einen eigenen Photorundgang in Berlin. (DB)

 

Zoom! Architektur und Stadt im Bild
208 Seiten, 225 meist farbige Abbildungen

Verlag Walther König
ISBN 978-3-86335-735-1; 29,80 Euro

Der Ausstellungkatalog zeigt wie die Ausstellung die Brüche und Gemeinsamkeiten, u.a. in den Ländern Italien, Nigeria und China, die sich aus gesellschaftlichem wie wirtschaftlichem Wandel in der Architektur ergeben. Nicht die repräsentativen Aspekte von Architektur (vergleiche „Architektur der Moderne in Berlin“) sondern die Veränderungen in den Stadtstrukturen und individuellen Lebensräumen werden in Photographien und Videoarbeiten thematisiert. Dadurch ist die Architekturphotographie aus der Darstellung der gestalteten Form für Architekten und Auftraggeber, in die Rolle eines kommunikativen Mediums zwischen Architekten, Stadtplanern und der Öffentlichkeit, also den beteiligten unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen gewechselt. Die Strukturierung des Buches in eine Abfolge unterschiedlicher photographischer Serien macht es auch interessant für den aktiven Photographen, der sich mit aktueller Architekturphotographie auseinandersetzen möchte. Für Architekten ist es sicher von Bedeutung, durch die Photographie den Bezug zur Realität der Nutzung durch die Bewohner zu erhalten. Die aktuellen Entwicklungen einer globalen Urbanisierung, der Strukturwandel ganzer Städte, die Anforderungen durch wachsende Migration machen aus der ästhetischen Perspektive zunehmend eine sozialkritische, an gesellschaftliche Relevanz orientierte Photographie. Dabei setzen sich die Photographen wieder vermehrt mit den Lebens-, Wohn- und Arbeitswelten auseinander, die Architekten oder Stadtplaner nicht kennen. Die konzeptuelle Photographie, die in diesem Buch gezeigt wird, kann die komplexen Wechselbeziehungen von Gesellschaft, Architektur und Stadtplanung sichtbar machen und die tatsächliche Nutzung auf Grund sozialer, kulturelle und wirtschaftlicher Faktoren an die Planer zurück spiegeln. Eine scheinbar vordergründige Dokumentarphotographie kann durchaus das Abgebildete hinterfragen und damit als ein kritisches Medium den gesellschaftlichen Diskurs ergänzen und unterstützen. Das Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne hat damit ein für beides Fachschaften informatives Buch vorgelegt, das in viele Diskussionen einbezogen werden wird. (DB)

 

Dierk Maass
Highway° to' Heaven

84 Seiten, 47 Farbabb.
Verlag Kehrer
ISBN 978-3-86828-631-1; 28 Euro

Panamericana – Traumstraße der Welt. Von Alaska bis Feuerland spannt sie sich über den gesamten amerikanischen Kontinent, fast 48.000 Kilometer lang. Sie ist wichtige Lebensader, Transportstrecke für Menschen und Waren aller Art, Weg der Mythen und Sehnsüchte, der Glücksritter, der Enttäuschten und der Hoffenden. In der Atacama-Wüste, einer der trockensten Gegenden der Erde, an der Grenze zwischen Peru und Chile, ist die Panamericana meist die einzige Spur des Lebens, die aber gleichzeitig auch den Tod in die Region gebracht hat. Übermüdete Trucker, lebensmüde Raser, aber manchmal auch durch die extremen Temperaturschwankungen in dem ariden Klima hervorgerufene Schäden am Asphalt – häufig passieren schlimme Unfälle, die zahlreiche Opfer fordern. Stumme Zeugen dieser Unfälle sind die unzähligen Animitas (= kleine Seelen) am Straßenrand. Gläubige Verwandte oder Freunde haben diese Gedenkstätten eingerichtet, nicht als Orte der Trauer, sondern um an die Seelen der Toten zu erinnern. Diese fantasievollen und teilweise farbenfrohen Zeichen eines einzigartigen, zeitgenössischen Totenkults haben den Künstler Dierk Maass so gefesselt, dass er ihnen mehrere Reisen und eine eigene Werkreihe gewidmet hat: Highway° to' Heaven.

 

Michael Lohmann
Myanmar

168 Seiten, 204 lackierte Abbildungen
Tecklenborg Verlag
ISBN 13: 978-3-944327-24-2; 34,50 EUR

Myanmar ist ein Land mit einem Herzen aus Gold: Nirgendwo sonst auf der Welt wurde das kostbare Edelmetall so verschwenderisch ausgegossen wie im ehemaligen Burma, das als Zentrum des Buddhismus gilt. Golden leuchten unzählige Tempelspitzen, Pagoden und Statuen und zeugen von der spirituellen Magie dieses geheimnisvollen Landes. Nach jahrzehntelanger Isolation öffnet sich Myanmar heute wieder dem Reisenden und bietet in seiner Ursprünglichkeit noch jene vom Zauber der Vergangenheit erfüllten Bilder, die in Südostasien sonst kaum mehr zu finden sind. Von der alten Königsstadt Bagan über die legendäre Shwedagon Pagode bis zu den schwimmenden Gärten des Inle-Sees ziehen jahrhundertealte Schauplätze einer bewegten Geschichte und zauberhafte exotische Landschaften den Besucher in ihren Bann. Das „Land der goldenen Pagoden“ gilt als Refugium traditioneller Lebens­weisen, dem die freundlichen, von tiefer Spiritualität geprägten Menschen eine goldene Seele verleihen.

 

Cornelia Kemp (DGPh) (Hrsg.)
Unikat, Index, Quelle

Erkundungen zum Negativ in Fotografie und Film
261 Seiten mit 163 zum Teil farbigen Abbildungen
Wallstein Verlag
ISBN 978-3-8353-1515-0; 29,90 Euro

Das Ende der analogen Photographie besiegelte zugleich das Schicksal des Negativs als Speicher der Bildinformation. An die Stelle der optisch vermittelten Anschauung ist die digitale Information, an die Stelle der Photochemie die Auswertung computergenerierter Daten getreten. Das von Cornelia Kemp (DGPh), Kuratorin des Fachbereichs Foto +  Film am Deutschen Museum, herausgegebene Buch beschäftigt sich daher kritisch mit dem Phänomen des Negativs und stellt dessen Anwendung zur Diskussion. Die in dem Band versammelten Fachbeiträge fächern ein breites Spektrum auf, das von der Erfindung über die Materialität und bewusste Manipulation des Negativs bis hin zu Aspekten der negativen Bildlichkeit reicht. So beschäftigt sich Larry J. Schaaf mit William Henry Fox Talbot, dem Erfinder des Negativ-Positiv-Verfahrens. Mark Osterman spürt in seinem Beitrag „A Photographic Truth“ den verschiedenen Facetten der „photographischen Wahrheit“ nach, während sich Dorothea Peters (DGPh) der Suche nach dem richtigen Tonwert der photographischen Wiedergabe widmet und Dagmar Keultjes sich mit dem Thema der Porträtretusche befasst. Marjen Schmidt (DGPh) berichtet über die technischen Eingriffe als eher künstlerischer Maßnahme am Beispiel der Glasnegative von Frank Eugene. Von dem deutsch-amerikanischen „Maler-Photographen“, dessen Arbeit sich nicht nur durch die intensiven Wechselbeziehungen zwischen den eigenen Gemälden und Photographien, sondern vor allem auch durch die ungewöhnlich deutlichen Eingriffe in seine Negative von seinen Kollegen unterscheidet, besitzt das Deutsche Museum einen umfangreichen Bestand, den Cornelia Kemp unter dem Titel „The Creation of Beauty“ untersucht. Rolf Sachsse wiederum spürt der Verbindung zwischen farbtheoretischen Modellen und farbphotographischen Verfahren nach. Vera Dünkel und Jochen Hennig befassen sich in ihrem Beitrag mit der Bedeutung des Negativs in der Wissenschaft am Beispiel von Röntgenbildern und elektronenmikroskopischen Aufnahmen, während der abschließende Aufsatz von Martin Koerber den Blick auf die eminent wichtige Bedeutung des Negativs als Ursprungsmedium für die filmische Überlieferung lenkt. Der Band lässt somit in Text und Bild die verschiedenen Aspekte des Negativs von der Entstehung bis zum vielfältigen Gebrauch dieses Mediums in Photographie, Kunst, Wissenschaft und Filmproduktion Revue passieren. (vZ)
 

Wolfgang Kubak (DGPh)/Max L. Roth
Nikon Coolpix P610

224 Seiten, durchgehend farbig gedruckt
ISBN: 978-3-943125-38-2; 29,95 Euro

Informationen zur Technik und zur Funktionsweise der Coolpix P600 verständlich aufzubereiten und übersichtlich darzustellen, Tipps und Hinweise zur Photopraxis zu geben, die über die Bedienungsanleitung der Kamera hinausgehen, sind Ziele des Buchs. Im Mittelpunkt steht dabei immer das Bildergebnis. Der photoguide zeigt, welches Potenzial für aussagekräftige Photos in der handlichen Nikon Coolpix P610 steckt. Durch ihre Vielseitigkeit erschließt sie viele photographische Situationen –Unterstützt wird der Text auf 224 Seiten durch über 800 Bildbeispiele, Vergleiche und Grafiken, die das Verstehen erleichtern und Anregungen zur eigenen kreativen Leistung vermitteln.

 

Georg Frömelt / Benjamin Grna
Unterwegs mit der GoPro

232 Seiten
Verlag mitp
ISBN: 9783958451254; 15,99

Die verschiedenen Editionen des beliebten Alleskönners im Porträt,
Schritt für Schritt von der Idee über die Aufnahme bis hin zu Videoschnitt, Musikuntermalung und Präsentation. Mit Bildbeispielen und Infos zu den unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten. Kaum ein anderes Kamerasystem hat in den letzten Jahren für so viel Furore gesorgt wie die GoPro, denn mit den kleinen handlichen und robusten Kameras können spielend leicht qualitativ hochwertige Aufnahmen von und in extremen Situationen gemacht werden.
Die Autoren Georg Frömelt und Benjamin Grna zeigen in diesem Buch die Unterschiede der verschiedenen GoPro-Modelle und deren Möglichkeiten in Bezug auf Photo, Film, Reihenaufnahme und Timelapse-Video. Sie erklären anhand von Beispielen, welches Zubehör es gibt und wann der Gebrauch von Stativ, Filter, Mikrofon & Co. sinnvoll ist. Faszinierende Bilder demonstrieren, wie die GoPro-Kamera »in Action« am besten eingesetzt werden kann. Dabei demonstrieren sie die beinahe unendlichen Möglichkeiten der GoPro und geben Tipps und Tricks aus der Praxis. Abschließend gehen die Autoren auf die Nachbearbeitung der Bilder und Videos sowie die Präsentation der Ergebnisse im Internet ein.