Aktuelle Bücher im Februar 2017

Hans Eijkelboom
Photo Concepts

Hrg: Gabriele Conrath-Scholl (DGPh) und Wim van Sinderen
400 S. mit 60 s/w und farbigen Werkserien
Snoek Verlag
ISBN 978-3-86442-189-1; 39,80 Euro

Das Buch gibt einen umfassenden Überblick zum Werk von Hans Eijkelboom, das er seit mehr als vier Jahrzehnten mit einem forschenden Blick auf die »Human Identity« kontinuierlich entwickelt hat. Seine Anfänge liegen in der Konzeptkunst der 1970er Jahre und ihrem neuen medialen Verständnis von Photographie. Hat sich der Künstler in seinen frühen Serien teils selbst im Dialog mit anderen Personen dargestellt, sieht er heute in den Straßen der internationalen Metropolen das für ihn ideale Atelier. Dort bieten sich ihm tausenderlei Ansichten von Menschen: Männer, Frauen, Jugendliche, Kinder, die er zwar nicht persönlich kennenlernt, die sich ihm jedoch über ihr Äußeres mitteilen und es mehr als lohnenswert machen, den Blick auf sie zu lenken und sie unter spezifischen Aspekten in Bildreihen zu ver­sammeln. Den Band, der erstmals einen Überblick zu 60 wichtigen Werkreihen versammelt, hat Hans Eijkelboom gemeinsam mit dem Designer Jaap van Triest als Künstlerbuch konzipiert. Es zeigt Hans Eijkelboom, der 2017 zur documenta 14 eingeladen ist, als einen der wichtigsten niederländischen Künstler der Gegenwart. (Ausstellung: SK Stiftung Kultur Köln, 04.11.2016 – 19.03.2017)

 

Benjamin Katz (DGPh)
Text: 160 Seiten, mit 90 Abbildungen, Französisch / Englisch / Deutsch
Klinkhardt & Biermann Verlag
ISBN: 978-3-943616-39-2; 22 Euro

Seit den 1970er Jahren sind der 1939 in Antwerpen geborene und seit 1972 als Photograph in Köln lebende Benjamin Katz und seine Kamera aus der Kunstszene nicht wegzudenken. Ob A. R. Penck, Joseph Beuys, Markus Lüppertz, Anselm Kiefer, Gerhard Richter, Georg Baselitz, Per Kirkeby, Jörg Immendorff, Martin Kippenberger, Isa Genzken, Sigmar Polke oder die Photographen André Kertész, Cindy Sherman, Bernd und Hilla Becher oder Richard Avedon – kaum ein großer Name fehlt im umfangreichen Archiv des Photokünstlers. Bevor jedoch der Bildteil des Katalogbuchs, der die Ausstellung im Musée d’Art moderne de la Ville de Paris begleitete, beginnt, führen fünf Fachleute aus ihrer Sicht in die Arbeit von Benjamin Katz ein. Fabrice Hergott, Direktor des Museums, berichtet über die nun schon 30 Jahre währenden Begegnungen mit dem Photographen, während die Ausstellungskuratorin  Emmanuelle de l’Ecotais ihr Staunen und ihre Bewunderung über dessen Arbeiten ausdrückt. Kunsthistoriker Eric Darragon äußert sich unter dem Titel „Ein schönes Photo“ über die Porträtkunst im Allgemeinen und Düsseldorfs Kulturreferent Heinrich Heil überschreibt seinen Essay mit „Es-war-so-gewesen“ und meint damit den Augenblicksfänger Benjamin Katz. „Man muss gesehen haben, wie Katz seine Bilder aufnimmt“, stellt der FAZ-Journalist Freddy Langer in seinem Beitrag fest. „Mit vornehmer Zurückhaltung beobachtet er das Treiben, winkt mit einer kaum wahrnehmbaren Geste manchem Anwesenden zu, bisweilen lächelt er kurz, wackelt ein wenig fragend mit dem Kopf, und schon hat er seine Leica unter dem Arm hervorgezogen. Für einen Moment nur blickt er durch den Sucher, löst aus und lässt den Apparat ebenso schnell wieder verschwinden, wie er ihn hervorgezaubert hat. Kaum jemand hat etwas bemerkt.“ Benjamin Katz ist gleichsam ein Künstler und ein Künstlerfreund, seine Bilder zeugen von gegenseitigem Respekt und Zuneigung. Er besucht die Künstler im Atelier, begleitet sie bei ihren Schaffensprozessen und schenkt dem Betrachter Einblicke in deren Privatsphäre. Dabei entstehen wahrhaftige Aufnahmen, ohne Pathos und Stilisierung – das macht seine Photokunst so großartig. Die von Katz für den Band selbst komponierte Bildabfolge der 90 bewusst kleinformatig gedruckten Photographien präsentiert in eleganter Klarheit und Schlichtheit Höhepunkte seines künstlerischen Schaffens und zeigt neben zahlreichen Künstlerporträts auch Landschaften und Stillleben von berückender Schönheit – Höhepunkte seines künstlerischen Schaffens aus vier Jahrzehnten. (vZ)

 

Carlos Ayesta / Guillaume Bression
Retracing Our Steps - Fukushima Exclusion Zone

152 Seiten, 102 Farbabb., Englisch/Französisch/Japanisch
Kehrer Verlag
ISBN 978-3-86828-738-7; 39,90 Euro

Seit dem Tsunami und der Atomkatastrophe im März 2011 haben Carlos Ayesta und Guillaume Bression immer wieder das »Niemandsland« rings um das betroffene Kernkraftwerk Fukushima Daiichi bereist. Dabei entstanden fünf Photoserien, die gestellte Szenen mit einem dokumentarischen Ansatz kombinieren. Diese ungewöhnlichen Photos regen dazu an, über die Folgen eines Atomunfalls dieser Größenordnung nachzudenken. Was bleibt in einem Gebiet zurück, aus dem 80.000 Menschen von einem Tag auf den anderen evakuiert wurden? Was halten die einstigen Bewohner von dem Gedanken, in ihre Geisterstädte zurückzukehren? Für die letzte Serie, betitelt Retracing our Steps, baten die Photographen ehemalige Anwohner, zu ihren Läden oder Schulen zurückzukehren und die Türen jener Gebäude noch einmal zu öffnen, die einst so alltäglich waren. Vor der Kamera wurden sie dazu eingeladen, sich ganz normal zu benehmen – so, als sei gar nichts geschehen. Das Normale und das Seltsame vermengen sich in diesen fast surrealen und doch plausiblen Photos zum Nachspiel eines historisch bedeutsamen Atomunfalls.

 

Giulio Rimondi
Italiana

96 Seiten, 55 Farbabb., Englisch
Kehrer Verlag
ISBN 978-3-86828-718-9; 35 Euro

Sinkendes Wirtschaftswachstum, instabile Politik, allgemeine Entkräftung – Italien scheint hinter seinen Möglichkeiten zurückzubleiben. Das Land ist von einer Krise erfasst, die weit über bloße Wirtschaftsfragen hinausgeht. Hier geht es um die ganze Vielfalt eines Landes aus einzelnen Ländern, das durch ein gemeinsames Leid zusammengehalten wird: die Einsamkeit. Italiana ist ein Abstieg durch nicht kartiertes Gelände, über gewundene Nebenstraßen, vorbei an kleinen Gestalten. Es ist die sekundäre Geografie eines nicht globalisierten Landes, für das der Begriff Modernität wenig Sinn macht. Hier stehen Liebenswertes und Slums nebeneinander, Schmutziges und Heiliges, Trostlosigkeit und Poesie. In stilistischer Hinsicht ist Italiana ein durch und durch klassisches Photobuch. In Zeiten, in denen Leserzahlen mit Erfolg gleichbedeutend sind, stellt es einen revolutionären Akt dar, einer Bildsprache zu entsagen, die nur auf das Spektakuläre ausgerichtet ist. Die Photos sind von ergreifender Neugierde und sie sprechen von der Zuneigung zu einem Land, das so gut bekannt und gleichzeitig so unbekannt ist. Italiana möchte einen Schritt auf eine europäische, nicht nur italienische, Identität und auf eine neue Art humanistischer Photographie zugehen, die aus einem Gefühl gegenseitiger Empathie erwächst.

 

Jeffrey A. Wolin
Pigeon Hill - Then & Now

96 Seiten, 58 S/W-Abb., Englisch
Kehrer Verlag
ISBN 978-3-86828-721-9; 29,90 Euro

Von 1987 bis 1991 machte Jeffrey Wolin Hunderte von Porträtphotos, die Bewohner der Sozialsiedlung »Pigeon Hill« in Bloomington, Indiana, zeigen. Damals gab es viele Diskussionen über die Probleme des Wohlfahrtsstaats mit Kriminalität, Drogenmissbrauch und dauerhafter Armut. Im Jahr 2010 ermordete ein Meth-Dealer eine Frau, und ihr Bild erschien in der Lokalzeitung. Wolin erkannte in ihr eines der Modelle seiner früheren Porträts wieder. Er beschloss, jene Bewohner der Sozialbauten ausfindig zu machen, die er einst photographiert hatte. Eine ganze Generation später wollte er dokumentieren, wie ihr Leben verlaufen war. Dazu hat er in den letzten fünf Jahren über hundert Menschen erneut photographiert. Viele leben nach wie vor in ärmlichen Verhältnissen, während andere inzwischen gesicherte Mittelschicht-Existenzen führen. Nicht wenige hängen im Strafvollzugssystem fest, meist für gewaltfreie Vergehen wie Nichtzahlung von Kindesunterhalt oder Drogenmissbrauch. Die USA haben einen höheren Anteil von Inhaftierten als jedes andere Land der Erde. Wolin konzentriert sich auf die Gesichter der Personen, die er mit den früheren Porträts zu Bildpaaren zusammenstellt. So sieht der Betrachter, wie Lebenserfahrungen – gute und schlechte – in diesen offenen, ausdrucksvollen Gesichtern geschrieben stehen.

 

Emmanuel Georges
America Rewind

112 Seiten, 78 Abb., Englisch, Französisch
Hatje Cantz Verlag
ISBN 978-3-7757-4237-5; 45 Euro

Bei seinen Reisen quer durch die USA hat sich der französische Photograph Emmanuel Georges auf die Suche nach dem amerikanischen Traum gemacht. Mit einer Großformatkamera und in dokumentarischer Herangehensweise hat er das vorgefundene Amerika wirklichkeitsgetreu abgebildet. Zugleich offenbart sich in seinen Aufnahmen ein feines Gespür für die ganz eigene Poesie der Orte. Entstanden ist eine Art photographisches Roadmovie über 20.000 Kilometer: Von der früheren Autoindustrie-Metropole Detroit bis nach Butte in Montana, einer einstigen Bergbaustadt, die inzwischen zur Hälfte verwaist ist, von Pennsylvania nach Arkansas den ‚Rust Belt‘ entlang, erzählen ehemals florierende Städte vom Ende des wirtschaftlichen Aufschwungs. Georges‘ wiederkehrende Motive – im Verfall begriffene Industriefassaden, Garagen, Motels, Kinos – werden zu ikonischen Bildern der amerikanischen Stadtlandschaften. Tief durchdrungen von einer allgegenwärtigen Melancholie, erweisen sich die leeren Straßen, alten Autos und verlassenen Tankstellen als Zeugen vom Ende des amerikanischen Traums.

 

Henrik Purienne
Holiday

260 Seiten, Englisch
Prestel
ISBN: 978-3-7913-8271-5; 49,95 Euro

Ein Tag am Strand. Freiheit, Jugend und Unbeschwertheit – in seinen Photographien erschafft Henrik Purienne eine heitere, entspannte Stimmung, die den Betrachter den Alltag vergessen lässt. Die erotischen Aufnahmen des gefeierten südafrikanischen Photographen porträtiert die hedonistische Jeunesse dorée. In seinem Bildband Pilgrim hält Purienne jedoch nicht die perfekten Posen fest. Vielmehr interessieren ihn die Momente, in denen sich ein Hauch Melancholie in die bildhübschen Gesichter der Models einschleicht. Manche der 250 Aufnahmen wirken wie Schnappschüsse – wie zufällig und unerlaubt durchs Schlüsselloch erhascht. Anderswo blicken die Models selbstbewusst und herausfordernd direkt in die Kamera. Sie alle strahlen eine entwaffnend sinnliche Natürlichkeit aus. Auch die kommerziellen Arbeiten Puriennes vermitteln diese Leichtigkeit und Lebenslust. Seine Werbeaufnahmen für die Modehäuser und Brands wie Adidas, American Apparel oder Stussy machten ihn in kurzer Zeit zu einem weltweit gefragten Fashion- und Lifestyle-Photographen.

 

Ashkan Sahihi
Beautiful Berlin Boys

48 Seiten, 20 Duplexabb.
Kehrer Verlag
ISBN 978-3-86828-763-9; 35 Euro

Ashkan Sahihi, 1963 in Teheran geboren, in Deutschland aufgewachsen, zog 1987 nach New York City. Für ihn und viele andere verkörperte das damalige New York Zuflucht und Schutz, Fortschritt und Möglichkeit. Die Community, in der Sahihi sich bewegte wurde kurz darauf durch HIV und AIDS erschüttert. In nur wenigen Jahren verloren etliche Freunde und Kollegen aus der Kunstszene ihr Leben. In Berlin, begegnete er 2013 jungen schwulen Männern, die ihn an das New York der 1980er Jahre und an die Suche nach Formen der Identität erinnerten. Es schien ihm, als hätte das Berlin der 2010er Jahre das alte New York als Sehnsuchtsort ersetzt. Sahihis konzeptionelle Serie Beautiful Berlin Boys ist nicht nur eine Hommage an die Freunde aus vergangene Tagen, sie setzt auch ein Zeichen für das Privileg eines Lebens in Freiheit und Offenheit, für Zugehörigkeit und Toleranz. Ashkan Sahihi lebt und arbeitet seit 2013 in Berlin. Er photographierte unter anderem für das Zeit Magazin, The New Yorker und Vogue. In den letzten Jahren stellte er unter anderem im MoMA/PS1 in New York und in der Akademie der Künste Berlin aus. Seine 2015 veröffentlichte Arbeit Die Berlinerin ist eine photographisch-soziologische Studie von Frauen in Berlin.

 

Hadley Hudson
Persona - Models at Home

128 Seiten, 84 Abb., Englisch
Hatje Cantz Verlag
ISBN 978-3-7757-4246-7; 40 Euro

Models zuhause – dieses Thema fesselte die amerikanische Photographin Hadley Hudson, seit sie im Jahr 2008 zum ersten Mal Models in den eigenen vier Wänden porträtierte. Sie war fasziniert, wie sehr sich in dem privaten Raum im Gegensatz zu den üblichen Studiosettings die Persönlichkeiten und Lebensgeschichten der Models widerspiegeln: in New Yorker Modelapartments, in zu klein gewordenen Kinderzimmern in Paris, besetzten Häusern oder schmuddeligen WGs in Berlin und Wien. Beeinflusst von C. G. Jungs Konzept der Persona (griech. für Maske), erlaubt Hudsons direkter dokumentarischer Stil einen unverstellten Blick in die private Welt der Teenager, den sie mit Zärtlichkeit, Trotz, Ungewissheit und Ehrgeiz erwidern. Das Photobuch bietet intime Einsichten in die Modewelt und dekonstruiert gleichzeitig deren makellose Oberfläche.

 

ReVision. Fotografie im MKG
392 Seiten, 224 Abbildungen
Steidl Verlag
ISBN: 978-3-95829-283-3; 48 Euro

Das Buch »ReVision. Fotografie im MKG« präsentiert eine in Deutschland einzigartige photographische Sammlung, die von den Anfängen bis in die zeitgenössische Photographie eine stilistischen Breite mit Albuminabzügen, C-Prints, Daguerreotypien, Photochromdrucke, Glasnegative, Gummidrucke, Heliogravüren, Kalotypien, Öldrucke, Pigmentdrucke, Platindrucke und Silbergelatineabzüge in einer Anzahl von 75.000 Werke umfasst. Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) erwarb als erstes Museum in Deutschland Photographien als eigenständige künstlerische Werke, und zeigt diese ab 1911 in Ausstellungen. Das besondere dieser kontinuierlichen Sammlung ist die Vielfalt und Heterogenität der Themen und Stile - auch jenseits der Kunstphotographie -, die in dem vorliegenden Buch aus einer neuen Perspektive gesehen werden. Die Photographie wird zum Beispiel als historisches Dokument, als Hilfsmittel der Wissenschaften und als künstlerische Arbeit präsentiert. Die Ausstellung ist in fünf Abschnitte (200 Exponate) gegliedert, die im Katalog auf elf Kapitel verteilt sind. Die Buchgestaltung des Sammlungskatalogs ist von der gleichen hohen Qualität wie die gezeigte Sammlung, die von Justus Brinkmann 1877 gegründet und in den 1950er Jahren durch Fritz Kempe um die klassische Moderne ergänzt wurde. Somit ist das Buch eine Geschichte der Photographie. Umfassend und in der Breite der Einzelkonvolute wird in den Texten u.a. von Esther Ruelfs, Sven Schumacher, Steffen Siegel (DGPh) und Bernd Stiegler (DGPh) die Bildauswahl beleuchtet und die zukünftige Nutzung der Sammlung skizziert. Die fundierten Essays bilden die kunsthistorische und kulturwissenschaftliche Einführung in die jeweiligen Kapitelthemen. Das Buch ist unentbehrlich für jeden Freund künstlerischer Photographie in seiner umfassenden Text- und Bildauswahl zur Geschichte der Photographie, dem Tafelverzeichnis und einen sehr informativen Index, der in der Kontextualisierung der Photographien auch eine ideale Vorbereitung für die Arbeit im Studiensaal des MKG ist. (DB) (Ausstellung: 21.12.2016 - 17.04.2017 im MKG Museum Hamburg)

 

Barney Hoskyns
75 Jahre Capitol Records

Text: Englisch, mit Einlage in Deutsch und Französisch
492 Seiten
Taschen-Verlag
ISBN 978-3-8365-6447-2; 99,99 Euro

Der Sänger und Songschreiber Johnny Mercer hatte Capitol Records am 7. Februar 1942 zusammen mit dem Musikladen-Besitzer Glenn Wallichs und dem Filmproduzenten Buddy DeSylva gegründet – in Los Angeles, im Westen der USA und nicht in New York, dem damals eigentlichen Zentrum der amerikanischen Musik. Um dann mit dem Capitol Records Tower an der Ecke Hollywood und Vine der Stadt ein neues, inoffizielles Wahrzeichen zu geben, einem weißen Hochhaus in Form eine Stapels von Schallplatten, das 1956 das erste runde Bürogebäude der Welt war. Anlässlich des 75. Geburtstages des Labels präsentiert der Taschen Verlag jetzt mit einem opulenten, fast sechs Kilogramm schweren Band auf fast 500 Seiten die offizielle Chronik der Capitol Records vom Gründungsjahr bis heute. Mit einem Vorwort von Beck und Essays fachkundiger Historiker und Musikexperten sowie Hunderten von Bildern aus den umfangreichen Firmenarchiven kann die Entwicklung des Labels und die Entstehung einiger der größten Hits des 20. und 21. Jahrhunderts verfolgt werden. Durch Pop, Rock, Country, Klassik, Soul und Jazz hindurch umfasst die photographische und musikalische Geschichte die erfolgreichsten, coolsten, hipsten und kreativsten Stars des Labels, aber auch die vielen “one-hit wonders”, die nur kurz im Rampenlicht standen und schnell wieder verschwanden. Autor Barney Hoskyns, 1959 in London geboren und leitender Redakteur von „Backpages“, der einzigen Bibliothek der Popliteratur und des Popjournalismus, beschreibt in fünf Kapiteln die Geschichte der Popmusik. Im Anhang geht Alan Hess auf das Entstehen und die Architektur des Capitol Records Tower ein und präsentiert Sean Wilentz deren Studios. Passend zu dem Jubiläum haben Fachleute zudem die Cover der 75 wichtigsten Alben ausgewählt, von „Wee Small Hours“ von Frank Sinatra 1955 bis „Morning Phase“ von Beck 2014. Der Bildband enthält Aufnahmen von etwa 100 Photographen, die in Kurzbiografien vorgestellt werden, so beispielsweise Anton Corbijn, Alfred Eisenstaedt, Eliot Elisofon, Lee Friedlander, Greg Gorman, Olaf Heine, David Lachapelle, Peter Lindbergh, Linda McCartney, Don McCullin, Rankin, Ken Schles, Phil Stern und Bob Willoughby. Der opulente Band „75 Years of Capitol Records“ ist ein Meilenstein, auf den kein Musikfan, aber auch kein Photointeressierter verzichten sollte - eine Hommage an ein legendäres Label, das für zahllose Generationen den Soundtrack ihres Lebens schuf. (vZ)

 

Rolf H. Krauss (DGPh)
Einblicke

188 Seiten; 45 farbige und 29 s/w Abbildungen
Kerber Verlag
ISBN 978-3-7356-0323-4

Das Buch versammelt dreizehn Essays, hauptsächlich aus den letzten zehn Jahren, fast alle über Photographie. Das Medium, mit dem wir täglich zu tun haben, wird aus den verschiedensten Perspektiven betrachtet. Durch die kundige Auswahl und Führung des Autors vermitteln die Essays Einblicke, die sich im günstigsten Fall zu Einsichten verdichten. Jeder Essay ist eine sorgfältig recherchierte Erzählung aus der analogen Welt der Photographie. Der Leser kann der vorgeschlagenen Blickführung folgen, er kann sich aber auch – und das ist das Ziel dieses Buches – durch spielerischen und neugierigen Umgang mit dem Gebotenen zu eigenen Blicken anregen lassen.

 

Das Sichtgedicht
Dietrich Schultze von Hagenbach (DGPh)

170 Seiten
Frankfurter Verlagsgruppe AG
ISBN 3-927-059-02-1

Während Dietrich von Hagenbach, hinter dessen Name sich Dietrich Schultze (DGPh) verbirgt, seine Bücher jeweils in einem Arbeitsjahr zu Ende bringt, ist das neue Sichtgedicht das Ergebnis von über 50 Jahren poetischer Inspiration, photographischer Sammlung und Sichtung seiner Bilder. Es erscheint in vierter Auflage zum 2000. Todesjahr von Publius Ovidius Naso, dem altrömischen Dichter der Metamorphosen.  Es beinhaltet tiefgreifende Änderungen seit der Originalausgaben von "New York",  "Häuser und Brücken". Damals wurden die Götter der Antike besungen, Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Pluto und ihre Satelliten oder Monde, während in dem neuen Buch die heute von der NASA erreichten Planeten der Sonne abgebildet sind, und analog den Sagen bildmäßig und dichterisch im Text nachgezeichnet wurden, sodaß eine Sichtgedicht Sammlung entstand, welche sogar anschaulich modernisiert ist. Viele der Erstlingsgedichte sind aber erhalten geblieben und wurden mit Photos des Autors ergänzt, damit die Synthese anschaulicher wird; denn ein Bild ersetzt tausend Wörter, aber ein Wort kann wiederum auch tausend bildhafte Szenen in der Vorstellung inspirieren. Hier wird kurz das Inhaltsverzeichnis zusammengefaßt, aus dem die Allegorien auf insgesamt 168 Seiten ersichtlich sind und künstlerisches Ringen nach Kombination von verbalem Ausdruck und bildhafter Anschauungen reflektieren.