Aktuelle Bücher im Dezember 2016

Regina Schmeken (DGPh)
Blutiger Boden

144 Seiten, ca. 80 Abb.
Hatje Cantz
ISBN 978-3-7757-4158-3; 35 Euro

Im Frühjahr 2013 begann Regina Schmeken, Dr.-Erich-Salomon-Preisträgerin 1996, die Tatorte des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) zu photographieren. Um der Beklemmung zu begegnen, die jeden ergreift, der sich mit den Attentaten auseinandersetzt, entschloss sie sich, die Photographien im Rahmen einer Ausstellung zu zeigen. Dabei geht es darum, die Ungeheuerlichkeit dieser scheinbar willkürlichen Gewalt zu vergegenwärtigen sowie der Ermordeten zu gedenken. Der Titel bezieht sich auf die Propagandaformel »Blut und Boden« und damit auf die Überzeugung der Nationalsozialisten, dass ein »gesunder Staat« nur auf der Einheit von »eigenem Volk und Boden« gründen kann. Die Opfer des NSU waren vor allem türkischstämmige Mitbürger, die kaltblütig umgebracht oder schwer verletzt wurden. Regina Schmeken photographierte in acht deutschen Städten Orte, die auf den ersten Blick keine Spuren mehr aufweisen. Entstanden ist ein großformatiger Bilderzyklus in Schwarz-Weiß, dessen Motive in dem vorliegenden Bildband dokumentiert sind. Die Photographien, die die Geschehnisse mit bildnerischen Mitteln gleichsam aufarbeiten, wirken verstörend eindrücklich. (Ausstellungen: Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden, 3.11.2016  – 7.5.2017)

 

HG Esch (DGPh)
Beton am Berg

112 Seiten mit zahlreichen Farbbildern
Verlag Kettler
ISBN: 978-3-86206-614-8; 39 Euro

Die photographischen Arbeiten von Hans Georg Esch (DGPh) vereinen höchste technische Präzision mit sorgfältiger Gestaltung und spektakulären Momenten des Sehens. Seine Auseinandersetzung mit der Landschaft und den Bauten des Fürstentums Liechtenstein werden in großen Einzelbildern sowie in Tableaus aus mehreren kleinen Ansichten in diesem Bildband zusammengefasst. Das können Fassadenausschnitte der Vaduzer Banken oder abgestellte Wohnwagen, es können aber auch Variationen über die Veränderungen der Landschaft durch mehr oder minder starken Schneefall sein. Dabei interessierten HG Esch an Liechtenstein vor allem die Alpen im Licht der tief hängenden Wolken und das saftige Grün nach einem Regenguss. Denn so konnte er die unendlichen Details von felsigem Gestein wie auch von gestrichenem Beton in präzise gestalteten Bildern festhalten: Es sind die kleinen Grate auf den Felsen, die zahllosen Baumwipfel, die fein gezeichneten Wolken, die den Reiz Liechtensteins ausmachen. Selbst der Rhein zeigt immer seine enorme Bewegtheit im festen Flussbett und nicht nur mit der Fußgängerbrücke wird dem Wasser das Holz entgegengesetzt. Die Einzelbilder umfassen sowohl panoramatische Ansichten des ganzen Fürstentums als auch Ausschnitte von Bergmassiven oder Bauvolumina, wie dem Parlamentsgebäude. Das Katalogbuch ist angereichert mit einem einführenden Text des Liechtensteiner Autoren Stefan Sprenger sowie drei Essays von Rolf Sachsse, Professor für Designgeschichte und –theorie, dem Assistenzkurator am Kunstmuseum Liechtenstein, Fabian Flückiger, und dem Berliner Architekturjournalisten Ulf Meyer. (vZ) (Ausstellung: Kunstmuseum Liechtenstein, bis 29. Januar 2017)

 

Serge Fruehauf
Extra Normal

200 Seiten, 177 farbige Abb., Deutsch, Englisch, Französisch
Scheidegger & Spiess
ISBN 978-3-85881-527-9; 48 Euro

Gibt es im Bauen und Planen ein Unbewusstsein? Diese Frage scheint Serge Fruehaufs Antriebsfeder für seine architekturphotographische Langzeitstudie Extra Normal gewesen zu sein. Der 1969 in Vevey geborene Photograph hat in den letzten 20 Jahren ein Archiv mit mehr als 1000 Bildern absurder architektonischer Details zusammengetragen, die er alle mit einer analogen Fachkamera aufgenommen hat. Die Bestandsaufnahme des heute in Genf lebenden Künstlers folgt keinem wissenschaftlichen Anspruch. Auf sehr humorvolle und fast liebevolle Weise dokumentiert er die Irrungen und Wirrungen von Architekten, Planern sowie Bauingenieuren und -unternehmern des letzten halben Jahrhunderts, denen der Künstler im Stadtbild von Genf, Grenoble, Lyon oder Paris begegnet ist. Nachdem Fruehaufs Archiv bereits mehrmals in Ausstellungen gezeigt wurde, u.a. im Centre de la Photographie in Genf, präsentiert diese neue Monografie nun mehr als 170 Aufnahmen erstmals in Buchform.

 

Fred Herzog
Modern Color

320 Seiten, ca. 230 Abb.
Hatje Cantz
ISBN 978-3-7757-4181-1; 38 Euro

Fred Herzog wurde vor allem durch seinen ungewöhnlichen Einsatz von Farbe in den 1950er- und 1960er-Jahren bekannt, einer Zeit, in der Kunstphotographie fast ausschließlich mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen in Verbindung gebracht wurde. Mehr als 50 Jahre lang arbeitete der kanadische Photograph nahezu ausschließlich mit Kodachrome-Diafilmen, und erst im vergangenen Jahrzehnt ermöglichte es ihm der technologische Fortschritt, archivalische Pigmentdrucke herzustellen, die den außergewöhnlichen Farben und der Intensität der Kodachrome-Dias entsprechen. In dieser Hinsicht können seine Photographien als Prototyp für die New-Color-Photographen der 1970er-Jahre gelten. Diese Monografie vereint mehr als 230 Aufnahmen, von denen ein Großteil nie zuvor reproduziert wurde, und enthält zudem Beiträge gefeierter Autoren wie David Campany und Hans-Michael Koetzle (DGPh).

 

Robert Haas
Der Blick auf zwei Welten

200 Seiten, 219 Abb.
Hatje Cantz
ISBN 978-3-7757-4182-8; 35 Euro

Berührende Alltags- und Sozialstudien aus dem Wien der Zwischenkriegszeit und faszinierende Aufnahmen vom American Way of Life; Einfühlsame Porträts großer Persönlichkeiten – von Albert Einstein bis Arturo Toscanini – und Street Photography in New York: Das Werk des österreichisch-amerikanischen Photographen Robert Haas (1898–1997) umfasst viele Themen und vereint den Blick auf zwei Kontinente. Seine künstlerische Karriere begann er im Umkreis der Wiener Moderne in den 1920er-Jahren. In den 1930er-Jahren etablierte er sich als international erfolgreicher Photojournalist. Nach seiner Flucht vor den Nationalsozialisten 1938 fand Haas in den USA eine neue Heimat. Neben seiner Arbeit als bekannter Grafiker und Drucker in New York dokumentierte er in eindrucksvollen Aufnahmen den amerikanischen Alltag. Mit Robert Haas ist ein großer Photograph und ein herausragendes Œuvre wiederzuentdecken, das der Katalog erstmals in noch nie gezeigten Vintage-Abzügen präsentiert. (Ausstellung: Wien Museum, 24.11.2016–26.2.2017)

 

Katja Snozzi
Jahrhundertmenschen

152 Seiten, 100 sw Abbildungen
Text in Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch
Scheidegger & Spiess
ISBN 978-3-85881-518-7; 68 Euro

Noch nie lebten in der Schweiz so viele Menschen, die über hundert Jahre alt sind. Doch nicht alle sind pflegebedürftig oder dement. Dass auch Hundertjährige ihre Lebensfreude und Selbständigkeit bewahrt sowie Interesse am Zeitgeschehen haben – die Bilder der Tessiner Photographin Katja Snozzi beweisen es. 100 Hundertjährige und noch ältere Menschen aus allen Teilen der Schweiz hat Snozzi besucht und porträtiert. Die bei Tageslicht aufgenommenen Schwarz-Weiss-Bilder zeigen alle Facetten des Alters: Schönheit, Freude, Weisheit, Bitterkeit, Schmerz und Verzweiflung – das gelebte Leben.
Neben einer Einführung von Altbundesrätin Ruth Dreifuss begleiten Reflexionen von vier Schweizer Schriftstellern – Iso Camartin, Alex Capus, Alberto Nessi und Amélie Plume – die beeindruckenden Porträts.

 

Oksana Kyzymchuk
Kindheit unter den Eichen

208 Seiten, 151 farbige Abbildungen
Kerber Verlag
ISBN 978-3-7356-0313-5; 29 Euro

Einblicke in die Geschichte eines ukrainischen Dorfes: Die Aufnahmen der Künstlerin Oksana Kyzymchuk wirken unmittelbar, ungeschönt, direkt. Dieses Photobuch dokumentiert das dichte soziale Gefüge einer bäuerlich geprägten Kultur in der ukrainischen Provinz. Im Fokus stehen vor allem Kindheitsbildnisse, in denen der universelle Zauber sowie die Schönheit jeglicher Kindheit aufscheint. Betrachtend und zugleich erinnernd wird der Leser gleich zweifach berührt.

 

Udo Bernhart (DGPh)
Dem Himmel so nah – Vom Leben auf der Alm

142 Seiten
Cadmos-Verlag
ISBN: 978-3-8404-3039-8; 29,95 Euro

Dem Himmel so nah sind Sennerinnen und Senner in den Bergen. Sie leben und arbeiten mit und in der Natur und bringen ihr Demut und Wertschätzung entgegen. Jeder Wanderer spürt das beim herzlichen Empfang auf der Alm – bei freundlichen Gesprächen und köstlichen, regionalen Gerichten. Das alles macht das Almleben so richtig „g’schmackig“. In dem Buch „Dem Himmel so nah – vom Leben auf der Alm“ zeichnen die beiden Autorinnen Eva Maria Lipp, seit 1982 in der Erwachsenenbildung im Bereich regionale, saisonale und traditionelle Lebensmittel und Speisen sowie Gebäcke tätig, und Eva Schiefer, seit 1994 Lehrerin in einer landwirtschaftlichen Schule in der Steiermark mit dem Schwerpunkt, Jugendliche für die Verarbeitung von traditionellen, regionalen und saisonalen Lebensmittel zu begeistern, ein ganz besonderes Bild von fünf Almen und Hütten in Österreich und Südtirol. Dabei porträtieren sie fünf Sennerinnen und schildern ihr Leben mit der Natur, die Almtradition, aber auch die neuen Technologien. Im Mittelpunkt stehen die jeweiligen Spezialitäten der Almen und deren regionale Unterschiede, besonders das genussvolle Essen, deren Rezepte und jeweilige Zubereitung. Der Photograph Udo Bernhart (DGPh) hat dazu wunderbare Momente eingefangen. In Wort und Bild ist der Band daher eine einzigartige Beschreibung des Almlebens mit all seinen Herausforderungen und Belohnungen. (vZ)

 

Ville Lenkkeri
The Petrified Forest

160 Seiten, 92 farbige Abbildungen, Englisch
Kerber Verlag
ISBN 978-3-7356-0257-2; 40 Euro

The Petrified Forest ist eine Serie von Photographien und Texten, in der sich der Photograph Ville Lenkkeri intensiv mit seiner Herkunft aus einer kleinen Stadt in den finnischen Wäldern auseinandersetzt. Die Photographien entstammen den Erinnerungen und Emotionen, die Lenkkeri bis heute mit seiner Heimatstadt verbindet, in den Texten ergänzt er fehlende Bilder und Eindrücke. Das Buch befasst sich nicht nur mit subjektiven Erinnerungen und dem Aufwachsen in einer industriellen Kleinstadt, sondern auch mit der Struktur von Wahrheit und Darstellungsformen – eine starke Verbindung zu Lenkkeris früheren Arbeiten. Es ist bereits die vierte Monografie des Photographen und seine bisher persönlichste.

 

Emil Gataullin
Bis zum Horizont

256 Seiten, 129 Photos, Deutsch, Englisch, Russisch
Edition Lammerhuber
ISBN 978-3-903101-16-6; 49,90 Euro

Der russische Photograph Emil Gataullin (geb. 1972 in Yoshkar-Ola, RUS) studierte zunächst Malerei am V. Surikov Moscow State Academy Art Institute, begann aber um die Jahrtausendwende, sich für Photographie zu interessieren und fand in dem Photographie-Theoretiker Alexander Lapin seinen Lehrer und Mentor. Die Liebe des in Korolyov bei Moskau lebenden Gataullin gehört seit dieser Zeit der Schwarzweiß-Photographie, allerdings mit zunehmend häufigen Ausflügen zur Farbe. In dem vorliegenden Buch „Bis zum Horizont“ hat er das Leben in einem russischen Dorf, fernab der großen Entscheidungen und Sensationen, in eindrucksvollen Bildern dokumentiert. Denn er sieht ganz einfach, was andere übersehen würden. Er zaubert mit dem Nichts. Er schafft es, auch aus banalsten Alltagsszenen Bilder von besonderer Magie zu machen. Gataullins Werk ist gleichzeitig Dokumentation und photographisches Gedicht, es tanzt auf dem Grat zwischen bewusster Kargheit und Zurückhaltung und zärtlicher Komposition. Seine Bilder sind weder verklärend noch zynisch. Sie sind eine Liebeserklärung an ein Russland, das jenseits von Moskau beginnt. Sie schreiben dem Betrachter nichts vor – und sind gerade deshalb so geheimnisvoll. Begleitet wird diese Zauberwelt des russischen Landlebens von einem nicht minder poetischen Text aus der Feder von Peter-Matthias Gaede, von 1994 bis 2014 Chefredakteur von GEO. Mit der photographischen Dokumentation „Bis zum Horizont“ gewann Gataullin 2014 den Alfred Fried Photography Award. (vZ)
(Ausstellung: Galerie für Fotografie (GAF), Hannover, 10.11.2016-15.01.2017)

 

Bling Bling Baby!
192 Seiten, 108 Abb.
Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch
Hatje Cantz
ISBN 978-3-7757-4244-3; 58 Euro

Brennende Blumen und Lollipop-Hipster, Glitzerfassaden und Alpentapeten – in der Photokunst der letzten Jahre hat sich ein neuer Bilderkanon entwickelt, bei dem die Kunst der Übertreibung auf die Glorifizierung des Oberflächlichen trifft. Von Glam Fashion bis zur Naturpoesie, vom Pop-Porträt bis zur ironischen Inszenierung zeigen neue photographische Positionen eine Vorliebe für alles Opulente, Zuckersüße und Triviale. Der vorliegende, aufwendig gestaltete Band kommt mit bedrucktem Leineneinband und Silberschnitt ebenso knallig daher wie seine Photographien. Inspiriert ist er vom ‚Bling Bling‘ des Hiphop, das für Glitzersteine und die Lust an der Zurschaustellung von Reichtum steht. Die von der Kuratorin und Publizistin Nadine Barth herausgegebene Publikation stellt die wichtigsten Ansätze dieser faszinierenden Richtung vor, die mit Witz und Farbgewalt die Grenzen des Mediums auslotet.
(Ausstellung: NRW Forum, Düsseldorf, 19.11.2016-15.01.2017)

 

Peter Bialobrzeski
Taipei Diary

112 Seiten, 4 Colour Offset, Englisch
Limited Edition of 500
The Velvet Cell
978-1-908889-30-0; £18.00

In 2014, Peter Bialobrzeski arrived in Taipei to print his book Cairo Diary. Almost immediately, he set out to document the urban landscape of what was once considered the de facto capital of China, and what it has become today. In 1949 the Kuomintang, led by Chiang Kai Shek, fled the mainland to take refuge in Taiwan. They declared Taipei the provisional capital of the Republic of China. The Kuomintang believed for a long time in the provisional. That resulted in an underdeveloped infrastructure and an overspend on“defence”, which in reality was saving up for aggression. The exile to the island of Formosa was only a step on the way to kicking Mao and his Reddies out of the mainland. You don’t have to visit Taiwan to find that idea very amusing when you look at “Red China” today.

 

Jean-Luc Cramatte
Culs de ferme

288 Seiten, 200 Farbabbildungen, Französisch
Edition Patrick Frey
ISBN: 978-3-906803-18-0; 70 Euro

In Culs de ferme befasst sich Jean-Luc Cramatte im Rahmen einer Serie mit dem Thema der Anhäufung in einer Landschaft, die im Zeitalter der Globalisierung oft als sauber und ordentlich vorgestellt wird. Mit seinen zahlreichen Projekten, die ebenso ehrgeizig wie antikonformistisch sind, erlangt sein Werk geradezu prometheische Dimensionen. Cramatte ist mit den Bruchlinien vertraut und kann als Photograph der Umbrüche gelten. Auch die Serie der schweizerischen Postämter (Poste mon Amour, 2001–2008) ist ein schönes Beispiel dafür. Seit 20 Jahren beschäftigt sich Cramatte mit der Idee des photographischen Inventars. Er ist ein obsessiver Bildersammler – eigene Photographien interessieren ihn ebenso wie gefundene Bilder. Es gefällt ihm, in Serien zu denken und zu arbeiten und alle möglichen Spuren zu sichern, denen wir unser (lückenhaftes) kollektives Gedächtnis verdanken. Seine Untersuchungen der sichtbaren Welt beruhen immer auf eigenwilligen Konzepten und lenken den Blick auf Unscheinbares und Übersehenes. In Form von photographischen Bestandsaufnahmen durchleuchtet er humorvoll und kritisch die «Normalität» unserer Gegenwart und liefert damit eine aufschlussreiche Ethnographie des Alltags. Er führt manchmal den Begriff des Katalogs an seine Grenzen und erfindet so letztendlich die Realität neu. Cramatte bleibt einem streng dokumentarischen Ansatz verpflichtet, wobei er sich nicht vor dem Unanschaulichen, der Kargheit oder der Monotonie scheut. So mündet seine Arbeit in einer Art Poesie des Gewöhnlichen. Von den ersten Anzeichen von Zerfall bis hin zur komplett überwucherten Ruine halten seine Bilder den Ist-Zustand fest. Damit liefern sie – weder anklagend noch jammernd, sondern ungeschminkt und frei von Nostalgie – einen aufschlussreichen Befund dieses Umbruchs. Über den volkskundlichen und soziologischen Ansatz hinaus sucht Cramatte vor allem Situationen einzufangen, die ihn an reale oder literarische Begebenheiten erinnern.

 

Jason Sangik Noh
Biography of Cancer

208 Seiten, ca. 200 Abb., Englisch
Hatje Cantz
ISBN 978-3-7757-4214-6; 40 Euro

Jason Sangik Noh ist Chirurg und auf Krebserkrankungen spezialisiert. Parallel zu seiner medizinischen Laufbahn hat er sich intensiv mit Photographie beschäftigt. Sein Buch lässt sich keiner bestimmten Kategorie zuordnen: Es ist eine Art Bild-Notizbuch mit Skizzen, Photos und handschriftlich verfassten Anmerkungen. Auf diese Weise verschmelzen wissenschaftlicher Anspruch und menschliche Anteilnahme zu einem beeindruckenden und berührenden Dokument. Als eine der am kompliziertesten zu behandelnden Erkrankungen der modernen Zivilisation forderte die Krankheit den Autor zu dieser »Biografie des Krebses« heraus. Es ist ihm gelungen, sich ohne Pathos mit dem Thema auseinanderzusetzen und es auf diversen Ebenen zu beleuchten. Für Erfolg und Genesung, aber auch Niederlage und Verzweiflung findet er sein eigenes bildnerisches Vokabular. Dieses Projekt erregte große Aufmerksamkeit und gewann den diesjährigen Preis der Ilwoo Foundation in Korea.

 

Eric Bachmann
Casa Verdi

124 Seiten, 42 Farbabb.
Edition Patrick Frey
ISBN 978-3-906803-25-8; 36 Euro

Wenn die Uhrzeiger langsam auf die Essensstunde hin vorrücken, dann sieht man über Mailands Piazza Buonarotti plötzlich einzelne sehr wunderliche Greise schleichen. Die seltsamen Gestalten steuern auf ein nobel wirkendes Haus zu, einen kleinen Palast mit neugotisch inspirierter Fassade. Sie sind Bewohner der Casa di Riposo, des von Giuseppe Verdi 1896 gegründeten Altersheims für Musiker, die nach einem langen Leben mit leeren Taschen dastehen – sei es, weil sie mit ihrer Passion für eine brotlose Kunst zeitlebens Habenichtse waren oder weil sie, wie Verdi in seiner bescheidenen Art sagte, einfach «weniger Glück hatten als ich». Schon vor Daniel Schmids von inniger Anteilnahme zeugendem Film Il Bacio di Tosca (1984), der die Sängerinnen und Sänger der Casa Verdi porträtierte, berichteten 1981 der Schweizer Photograph Eric Bachmann und der deutsche Journalist Christian Kämmerling für ein Schweizer Magazin über die elegische Welt der Casa Verdi. Der vorliegende Bildband Casa Verdi versammelt nun erstmals einen Großteil der Bilder aus Bachmanns Archiv, Kämmerlings feinfühligen Essay und einen Biografieteil, der die Geschichten der abgebildeten Musiker versammelt. Wer in die Casa di Riposo aufgenommen wird, braucht sich um seinen Lebensabend keine Sorgen mehr zu machen: Verdi hat dem Haus – seinem, wie er sagte, «schönsten Werk» – das Herzstück seines riesigen Vermögens vererbt, die Urheberrechte an allen seinen Opern.

 

Jan C Schlegel
Essence

96 Seiten, 55 Photographien, Englisch
seltmann+söhne
ISBN    978-3-946688-03-7; 69 Euro

Seit 1998 reist Jan C. Schlegel regelmäßig in entlegene Orte, die weitgehend vom Tourismus und der westlichen Welt abgeschnitten sind. Auf seinen Touren beobachtete der Künstler den rapiden Schwund von Traditionen und zunehmenden Wandel der Lebensgewohnheiten der Menschen durch die Globalisierung. Die unaufhaltsamen Veränderungen weckten in dem Photographen den dringenden Wunsch, Menschen zu portraitieren, Eindrücke festzuhalten und die traditionellen Lebensformen dieser Stämme in seinen Bildern zu bewahren. Schlegel verweilte oft wochenlang mit seinem Assistenten bei einem Stamm, um die Lebensgewohnheiten kennen zu lernen und zu begreifen. Nur so erlangte er das Vertrauen, um Bilder mit der gewünschten Nähe und Intimität zu erzeugen. Über 60 Länder hat er so in den letzten Jahren bereist, stets auf der Suche nach der unverwechselbaren Schönheit und Vielfalt der Völker. Seine Kompositionen, das stark kontrastierende Spiel mit Licht und Schatten, die innere Kraft, sowie außergewöhnliche Perspektiven gewähren einen Blick auf den verborgenen kulturellen Reichtum dieser Welt, welcher immer seltener zu finden ist. Schlegel schafft nicht nur künstlerische Photographien, sondern dokumentiert und erhält in seinen Bildern einzigartige Kunstwerke – die Menschen selbst.

 

Christian Nilson
The Swiss

96 Seiten, 67 farbige Abbildungen
Scheidegger & Spiess
ISBN 978-3-85881-529-3; 48 Euro

Der Schwede Christian Nilson lebt seit gut 13 Jahren in der Schweiz, ist mit einer Schweizerin verheiratet, seine Tochter kam hier zur Welt. Über die Photographie versucht er seit einiger Zeit, sich seiner neuen Heimat anzunähern. Nilson besuchte Veranstaltungen und Orte – typisch schweizerische ebenso wie multikulturelle – und nahm Traditionelles und Innovatives, Bürgerliches und Schräges, Allgemeinverständliches und Spezielles auf. Zehn Jahre nach Andri Pols Buch Grüezi / Seltsames aus dem Heidiland porträtiert nun ein «Zugezogener» die Schweiz. Mit liebevollem Blick, nie von oben herab, aber bisweilen mit einem Augenzwinkern zeigt Nilson ein Land, das zwischen Verschlossenheit und Offenheit, zwischen Tradition und Fortschritt oszilliert – und damit seine neuen Heimat.

 

Stephen Shore
Factory: Andy Warhol

192Pages, 175 Illustrations, English
Phaidon Press
ISBN: 9780714872742; 49,95 Euro

Warhol's Factory as seen through the lens of a young Shore, providing an insider view of this extraordinary moment and place. Stephen Shore (DGPh-Kulturpreis 2010) was 17 years old when he began hanging out at The Factory - Andy Warhol's legendary studio in Manhattan. Between 1965 and 1967, Shore spent nearly every day there, taking pictures of its diverse cast of characters, from musicians to actors, artists to writers, and including Edie Sedgwick, Lou Reed, and Nico - not to mention Warhol himself. This book presents a personal selection of photographs from Shore’s collection, providing an insider's view of this extraordinary moment and place, as seen through the eyes of one of photography's most beloved practitioners.

 

Reinhart Wolf
New York

80 Seiten
Taschen-Verlag
ISBN: 978-3—8365-2522-0; 29,99 Euro

Der deutsche Photograph Reinhart Wolf (1930 – 1988) besaß ein besonderes Auge für Architektur. Im Jahre 1979 richtete er das Objektiv seiner Großformatkamera auf einige der höchsten Gebäude der Welt und reiste mehrmals nach New York, um die Wolkenkratzer der Stadt zu photographieren – eine transatlantische Begegnung der besonderen Art. Mit Texten von Edward Albee und Sabina Lietzmann und einem Interview mit Andy Warhol ist der im Taschen-Verlag in deutscher, aber auch in englischer, französischer und italienischer Sprache erschienene Nachdruck von Reinhart Wolfs großformatigem Bildband „New York“, der 1980 bei seinem Erscheinen für Furore gesorgt hatte und schnell zu einem Klassiker wurde, zum einen eine nostalgische Hommage an den Geist der 1970er-Jahre, vor allem aber ein herausragendes Beispiel für außergewöhnliche Architekturphotographie. Von gotischen Verzierungen bis zu den glatten Oberflächen des internationalen Stils bildet Wolfs Album die gesamte stilistische Bandbreite der Wolkenkratzer von Manhattan ab: Das Chrysler-Building schimmert im Morgengrauen, das Empire State Building leuchtet vor einem düsteren Gewitterhimmel, und das Flatiron Building ist in die Sonne des Spätnachmittags eingetaucht. Auch wenn sich die Skyline der Stadt – nicht zuletzt durch die Ereignisse des 11. September 2001 - in den letzten drei Jahrzehnten dramatisch verändert hat: Mit seinem Überblick über diese großartigen, schwindelerregenden Bauwerke hielt Wolf nicht nur architektonische Leistungen oder Wunder der Ornamentik im Bild fest, sondern auch – und vor allem – die Anziehungskraft dieser stets himmelwärts strebenden Metropole. (vZ)

 

Film-Stills
242 Seiten + 7 Transparentfolien, 174 Farb- und S/W-Abb.
Kehrer Verlag
ISBN 978-3-86828-752-3; 49,90 Euro

Film-Stills sind sowohl visuelle Spuren des Films als auch eigenständige photographische Bildformen. Während Dreharbeiten auf Filmsets von eigens engagierten Standphotographen angefertigt, basieren sie auf einem komplizierten und aufwendigen Verfahren, bei dem Szenen des Films speziell für den Photoapparat re-inszeniert werden, womit der Film von einem bewegten zu einem statischen Medium transformiert wird. In einer umfassenden Ausstellung widmet sich die Albertina erstmals diesem hybriden Genre und zeigt 130 Film-Stills der 1910er bis 1970er Jahre. Werden Film-Stills herkömmlicherweise als bloße filmische Referenz (miss)verstanden, die eher den Blick des Kameramannes und des Regisseurs als den des Photographen widerspiegeln, so werden sie hier als eigenständige photographische Bildformen untersucht, die einer selbstständigen, durchaus vom Film losgelösten Betrachtung bedürfen. Verschiedene Aspekte der intermedialen Bezüge dieses Genres werden untersucht: Die von Brüchen und Kopplungen gekennzeichneten Schnittstellen zwischen Photographie und Film, die Funktion von Standbildern sowie ihr Verhältnis zur bildenden Kunst werden beleuchtet. (Ausstellung: Albertina, Wien: 11.11.2016 – 26.02.2017)

 

William Claxton
Jazzlife – A Journey for Jazz across America in 1960

600 Seiten, Englisch, Deutsch, Französisch
Taschen-Verlag
ISBN: 978-3-8365-4293-7; 49,99 Euro

Im Jahre 1960 reisten der Photograph William Claxton und der renommierte Musikkenner Joachim Ernst Berendt auf den Spuren des Jazz durch die Vereinigten Staaten. In Konzertsälen und neben Marschkapellen, in Seitenstraßen und in U-Bahnhöfen versuchten sie dieses lebendige, atmende, pulsierende Musikphänomen zu dokumentieren, das Amerika über alle Klassen- und Rassenschranken hinweg in seinen Bann zog. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit zwischen Claxton und Berendt war „Jazzlife“, ein bei Sammlern überaus begehrter, im Taschen-Verlag jetzt wieder herausgebrachte Bildband, der fernab klischeehafter Vorstellungen von verrauchten Jazz-Kaschemmen zu ergründen versuchte, was diese originärste aller amerikanischen Kunstformen eigentlich ausmachte. Ob in New Orleans und New York, in St. Louis, Biloxi, Jackson, LA oder Newport – Claxton und Berendt waren zur rechten Zeit am rechten Ort, um der ‚Kunst des Moments‘ Gesichter zu geben. Mit Bildern von Charlie Parker, Count Basie, Duke Ellington, Muddy Waters, Gabor Szabo, Dave Brubeck, Stan Getz, Billie Holiday, Ella Fitzgerald, Miles Davis, Charles Mingus, Thelonious Monk, John Coltrane und vielen anderen ist dieses Buch Dokument einer großartigen Epoche und eine liebenswerte persönliche Hommage an eine einzigartige Kunstform – ganz einfach ein Klassiker. (vZ)



Felix Thürlemann
Das Haremsfenster

176 Seiten, 127 s/w Abb., 8 farb. Abb.
Wilhelm Fink Verlag
ISBN: 978-3-7705-6047-9; 26,90 Euro

Die Entdeckung Ägyptens als touristisches Ziel war begleitet von einer reichen Produktion photographischer Bilder. Diese hatten mit der Lebenswirklichkeit der Bewohner Ägyptens kaum mehr etwas zu tun, umso mehr aber mit den Phantasien und Phantasmen der westlichen Touristen. Die Aufnahmen stammten alle aus den Ateliers auswärtiger Photographen und zeigten nach dem Prinzip des Orientalismus das, wodurch sich die traditionelle muslimische Kultur von der westlichen unterschied. Ein besonders beliebtes Motiv waren die Haremsfenster oder Mashrabiyas, die das Erscheinungsbild der traditionellen Stadtviertel Kairos prägten. Die an den privaten Wohnräumen angebrachten Erker erlaubten es den Frauen, das Treiben im Hof und auf der Straße zu beobachten, ohne dabei selbst gesehen zu werden. Für die Photographen wurde der architektonische Schleier zu einem emblematischen Zeichen, das den Orient als solchen charakterisierte.

 

Wildlife
Fotografien des Jahres – Portfolio 26

160 Seiten mit 150 farbigen Abbildungen
Knesebeck Verlag
ISBN 978-3-86873-963-3; 34,95 Euro

Pracht und Vielfalt der Natur – die besten Naturphotographien des Jahres 2016
Der renommierte, bei Naturphotographen weltweit äußerst begehrte Wettbewerb »Wildlife Photographer of the Year« prämiert herausragende künstlerische Aufnahmen der Natur. Die 100 besten Bilder der Sieger und der lobend Erwähnten des Wettbewerbs 2016 zeigt dieser Band in hervorragender Qualität mit einem informativen Begleittext, der die Entstehungsumstände spannend beschreibt. Wer sich über die aktuelle Entwicklung der Naturphotographie informieren will, erhält hier meisterhafte Beispiele von Tier- und Landschaftsbildern, die unseren Planeten in seiner ganzen Schönheit und Zerbrechlichkeit zeigen.

 

Barbara Lutterbeck
Zu Gast in Aserbaidschan

176 Seiten, 132 farbige Abb.
Wienand Verlag
ISBN 978-3-86832-305-4; 24,80 Euro

Aserbaidschan, das „Land des Feuers“, birgt unendlich viele Schönheiten und Schätze und darüber hinaus ein breitgefächertes Angebot kultureller Anziehungspunkte. Als Teil Südkaukasiens liegt das Land zwischen dem Kaukasus und Kleinasien sowie dem Schwarzen und Kaspischen Meer. Genauso vielfältig wie die Landschaft ist auch die Küche Aserbaidschans: Herzhafte Lammgerichte, klebrig süßes Baklava und die schier unendliche Welt der orientalischen Gewürze laden zum Nachkochen ein. Die atmosphärischen Bilder der Kölner Photographin Barbara Lutterbeck, die auf ihrer Reise das Lebensgefühl dieses Landes eingefangen hat, locken ebenso zu einer Entdeckungstour, wie die vielen ansprechende Rezepte.

 

Raoul Hausmann
Photographisches Sehen

545 Seiten, 155 s/w Abb.
Wilhelm Fink Verlag
ISBN: 978-3-7705-5979-4; 79 Euro

Ein Klassiker der modernen Photographie ist in einer Edition seiner Schriften neu zu entdecken. Raoul Hausmann hat Zeit seines Lebens in Theorie und Praxis versucht, die Photographie als neue Sehform zu begreifen. Sie stellte für ihn die Möglichkeit dar, die Wirklichkeit anders, lebendig, spannungsreich und bis dahin ungesehen wahrzunehmen und dann auch darzustellen. Über einen Zeitraum von fast fünfzig Jahren hat er dabei immer neue Projekte in Angriff genommen: Das Spektrum reicht von Pflanzen-, Landschafts- und Aktaufnahmen über Bildberichte, Photomontagen und Infrarotphotographien bis hin zu ethnographischen und experimentellen Bildern. Der Band, erschienen in der Reihe "photogramme" und herausgegeben von Berlinische Galerie, Musée départemental d'art contemporain de Rochechouart und Bernd Stiegler (DGPh), versammelt alle überlieferten Texte Hausmanns zur Photographie. Viele von Ihnen – wie etwa ein umfangreiches Manuskript zur Infrarotphotographie – werden hier erstmals ediert. Damit wird das theoretische Werk eines der bedeutendsten Photographen der Moderne umfassend erschlossen und vorgestellt.

 

Periphere Visionen
Wissen an den Rändern von Fotografie und Film

243 Seiten, 1 Grafik, 61 s/w und 25 farb. Abb.
Wilhelm Fink Verlag
ISBN: 978-3-7705-5914-5; 34,90 Euro

Wissen und Sehen stehen in einem intimen Verhältnis zueinander. Ihre Beziehung ist jedoch keineswegs direkt und eindeutig; sie ist stets medial vermittelt und weist unscharfe Ränder auf. Der Sammelband geht diesem ebenso komplexen wie vielgestaltigen Verhältnis nach. Untersucht wird die Thematik am Beispiel der Medien Photographie und Film, die maßgeblich zum Topos bildlicher Evidenz beigetragen haben. Hiervon ausgehend problematisieren die Beiträge die zu simple Gleichsetzung von Sichtbarkeit und Wissen (bzw. Nichtsichtbarkeit und Nichtwissen). Darüber hinaus hinterfragen sie vereinfachende Grenzziehungen zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem sowie zwischen Wissen und Nichtwissen. Der Band verdeutlicht den Umstand, dass sich überall dort, wo das Wissen über das Sehen oder das Sehen über das Wissen hinausschießt, Zonen des Möglichen öffnen: Es entstehen diffuse Ränder des Ungewissen im Feld des Visuellen wie auch im Reich der Erkenntnis.

 

Hermann Mitterhofer
Das Repräsentations-Dispositiv

434 Seiten, 5 s/w Grafiken, 97 s/w Abb., 38 s/w Tab.
Wilhelm Fink Verlag
ISBN: 978-3-7705-6116-2; 59 Euro

Die Rede von der »Macht der Bilder« in Zeiten des Terrors hat Konjunktur. Wie ist der hegemoniale Bild-Diskurs der Medien angeordnet? Welche gesellschaftlichen Bruchlinien schreiben sich in die Bilder ein? Zur Freilegung eines Repräsentations-Dispositivs wird der Frage nachgegangen, wie bestimmte Bilder repräsentativ für Ereignisse werden. Ausgehend von diskursanalytischen Methoden werden Verfahren aus den Bildwissenschaften aufgegriffen und anhand eines Bilderkorpus von 1500 Pressebildern zu 9/11, entlang eines Zeitraums von zehn Jahren, angewendet. In der Analyse zeigen sich Beziehungen zwischen den Bildern als narrative Anordnungen, Prozesse von Interikonizität und ihre emotionale Wirkung über die Pathosformel Aby Warburgs. Die zentralen Themen der Studie sind kollektives Bildergedächtnis und kollektives Trauma, Prozesse der Identitätsbildung sowie ideologische Funktionsweisen der Bilder.

 

Daniela Hahn (Hg.)
Beyond Evidence

Das Dokument in den Künsten
264 Seiten, 41 s/w Abb., kart.
Wilhelm Fink Verlag
ISBN: 978-3-7705-5747-9; 34.90 Euro

Dokumente materialisieren ein machtvolles Evidenzversprechen. Zugleich steht das, was sie sichtbar machen, im Verdacht, nicht wahr, sondern zu manipuliert und täuschend zu sein. In künstlerischen Praktiken wird diese Spannung als solche ausgestellt, erprobt und befragt. Statt Dokumente aber einfach aus den Archiven ans Licht zu bringen und sie in neuen Zusammenhängen zu konstellieren und zu inszenieren, untersuchen dokumentarische Verfahren in den Künsten die Strategien der Repräsentation, Beglaubigung und des Beweises als dynamische Verhandlungen zwischen Dokumenten, Künstlern und Betrachtern, indem sie selbst Dokumente produzieren. Die Beiträge in diesem Band widmen sich eben diesen Aushandlungsprozessen und den daraus resultierenden Geltungsansprüchen, in denen die Praktiken, Technologien, Rhetoriken, aber auch die Listen, Störungen und Kontingenzen der Produktion von Evidenzen durch Dokumente offen gelegt werden.

 

Historische Perspektiven auf den Iconic Turn
Die Entwicklung der öffentlichen visuellen Kommunikation

346 S., 80 Abb., 16 Tab.
Herbert von Halem Verlag
ISBN 978-3-86962-176-0; 32 Euro

Die Fortschritte bei den bildproduzierenden Verfahren haben dazu geführt, dass die massenmediale Kommunikation immer stärker durch Bilder geprägt ist. Aber die historisch fundierte Perspektive auf den Iconic Turn enthüllt, dass Bilder und visuelle Darstellungen seit jeher einen bedeutsamen Faktor im Prozess des Medienwandels darstellen. Dieser Prozess lässt sich nur verstehen, wenn die zeitliche Dimension dieses Wandels stärker in den Blick gerückt wird.
Ziel des vorliegenden Buches ist es deshalb, den Iconic Turn vor allem als historischen, langfristigen Entfaltungsprozess zu begreifen, in dessen Folge die visuellen Aspekte der öffentlichen Kommunikation nicht schlagartig, sondern kontinuierlich an Quantität und Qualität gewannen. Es zeigt sich, dass auch die kommunikative Logik der Bilder, ihre Ausdruckspotenziale, ihre Wahrnehmung und Wirkung sowie ihr Anteil an einer visuellen Konstruktion von Wirklichkeit und einer Visual Culture, betrachtet und reflektiert werden sollten. Vor diesem Hintergrund präsentiert der Band Historische Perspektiven auf den Iconic Turn: Die Entwicklung der öffentlichen visuellen Kommunikation die Ergebnisse einer gemeinsamen Tagung der beiden DGPuK-Fachgruppen “Visuelle Kommunikation” und “Kommunikationsgeschichte” und fasst die gegenwärtigen Forschungsströmungen zum Iconic Turn als historischen Entfaltungsprozess zusammen.

 

Bernd Stiegler (DGPh)
Der montierte Mensch

377 Seiten, 147 s/w Abb.
Wilhelm Fink Verlag
ISBN: 978-3-7705-5976-3; 39,90 Euro

Ein technisches Zeitalter ist angebrochen, konstatiert man einhellig zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und so träumt man von einem neuen, einem technischen Menschen, der zuallererst neu zu erschaffen, zu konstruieren sei. Die Montage ist in den 1920er und 1930er Jahren dasjenige Verfahren, das von den Fabriken über die Kinos bis hin zu den Zeitschriften und dem Alltagsleben genau dieser Aufgabe dient. Es findet sich in allen Feldern der Technik und Ästhetik, versteht sich als visuelle Alphabetisierung, Psycho- und Medientechnik und zugleich auch als Vermittler zwischen den politischen Extremen. Taylorismus und Fordismus, aber auch Reflexologie, Arbeitswissenschaft und Psychotechnik sind die Strategien einer Neukonstruktion des Menschen und der Gesellschaft in den Vereinigten Staaten, in Europa, aber auch im revolutionären Sowjetrussland. Zwischen Utopie und Dystopie pendelnd wird das Leben in einer technischen Welt entworfen. Der montierte Mensch, dessen Geschichte hier nachgezeichnet wird, hat jene des 20. Jahrhunderts in entscheidender Weise geprägt.

 

Jesús Vassallo
Seamless - Digital Collage and Dirty Realism in Contemporary Architecture

200 pages, 164 color and 7 b/w illustrations, English
Park Books
ISBN 978-3-03860-019-0; 38 Euro

During the past fifty years, documentary photography and architecture have become increasingly interdependent, blurring the disciplinary boundary between the two. Seamless looks at the work of a new generation of European photographers and architects working together to produce images of architecture made from fragments of reality. At the same time, it investigates how shared digital technologies influence the creation of architecture and its photographic representation through images. Based on a series of interviews, Seamless discusses the collaborations between Filip Dujardin and Jan De Vylder, Philipp Schaerer and Roger Boltshauser, and Bas Princen and Office Kersten Geers David van Severen. Each of the three sections is illustrated with a series of images that form parallel narratives within the book. In the concluding essay, architect Jesús Vassallo pulls together the threads of the conversations to investigate questions about the impact of digital technology on the value assigned to images, how shared technological platforms enhance the influence photographers and architects have on each other, and why they have often chosen to focus on the dirty realism of urban spaces.

 

Lilo Tadday (DGPh)
Fotokalender 2017

12 der schönsten Bilder von Basstölpeln, Seevogel des Jahres
Format ca. 20 x 30 auf Hochglanzpapier  
35,00 € (plus Versand)
www.tadday-foto.de