Aktuelle Bücher im Dezember 2014

Augen auf! 100 Jahre Leica
Herausgeber: Hans-Michael Koetzle (DGPh)
564 Seiten, ca. 1200 Farbabb.
Kehrer Verlag
ISBN 978-3-86828-523-9; 98 Euro

Eine Notiz im Werkstattbuch belegt: Spätestens im März 1914 hatte Oskar Barnack das erste funktionstüchtige Modell einer Kleinkamera für 35-mm-Kinofilm fertiggestellt. Damit war nicht nur ein neuer Photoapparat erfunden. Mit der kriegsbedingt erst 1925 eingeführten Leica (= Leitz / Camera) kündigte sich ein Paradigmenwechsel in der Photographie an. Nicht nur photographierenden Amateuren, Quereinsteigern und emanzipierten Frauen erleichterte die Leica den Zugang zum Lichtbild. Sie provozierte auch eine neue Art des Sehens, einen schnelleren, dynamischen Blick auf die Welt aus neuen Perspektiven. Rechtzeitig zum runden Geburtstag der legendären Kleinbildkamera und erstmals in dieser thematischen Breite bietet der mit etwa 1.200 Photographien bebilderte Band eine umfassende Kunst- und Kulturgeschichte der Leica von den 1920er-Jahren bis in unsere Tage. Essays internationaler Autoren beschäftigen sich unter anderem mit der technischen Genese der Leica, ihrem Einfluss auf den modernen Bildjournalismus und nicht zuletzt ihrer Bedeutung für verschiedenste Strömungen innerhalb der photographischen Avantgarde. Bis dato unveröffentlichte Dokumente aus dem Archiv der Leica Camera AG runden die facettenreiche 100-jährige Kulturgeschichte ab.
(Ausstellung: Haus der Photographie, Hamburg, 24.10.2014 – 11.01.2015)

 

Bettina Flitner (DGPh)
Das Prinzip Apfelbaum
116 Seiten, durchgehend farbig bebildert
Vergangenheitsverlag
ISBN:    978-3-86408-182-8; 16,90 Euro

Was bleibt von einem Leben, was bleibt von mir, wenn ich nicht mehr da bin? Diese Frage beschäftigt Menschen seit jeher. Doch darüber offen sprechen, ist für viele noch immer ein Tabu. Im Buch „Das Prinzip Apfelbaum“, herausgegeben von der Initiative „Mein Erbe tut Gutes“, lassen sich elf bedeutende Persönlichkeiten mit großer Offenheit auf diese Frage ein. Die Photographin Bettina Flitner versteht es, sie auf einfühlsame Weise für sich zu gewinnen. Ihre Bilder sind mehrschichtig, gefühlvoll, berührend. Die Texte, verdichtete Aufzeichnungen der Gespräche zwischen Photographin und Porträtierten, folgen keinen vorgefertigten Statements – sie lassen den Leser teilhaben am Nachdenken über das Leben und den Tod, über Erfahrungen und Hoffnungen und gewähren sehr persönliche Einblicke. Das öffnet den Raum für eigene Gedanken. Wer sich einlässt, erkennt: Sich als Teil dieser Welt zu begreifen, über sich hinauszudenken und Werte und Wissen weiterzugeben, gibt dem Leben Sinn. Die Frage „Was bleibt?“ verlängert die Suche nach einer verantwortungsbewussten Lebensführung über den Tod hinaus. Elf bedeutende Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur von Egon Bahr, Günther Grass über Anne Sophie Mutter bis hin zu Friede Springer, Ulf Merbold und Richard von Weizsäcker geben dazu Impulse und regen mit ihren Reflexionen zum Nachdenken an.
(Ausstellung: KPM Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin, 7.11.-7.12)

 

Vivian Maier
Hrsg. von Howard Greenberg
288 Seiten, 233 Tafeln in Duotone und Farbe
Schirmer/Mosel
ISBN: 9783829606868; 58 Euro

Als Vivian Maier (1926–2009) im Alter von 83 Jahren verarmt in Chicago starb, ließ sie ein Archiv von etwa 150.000 Photographien zurück, von dem so gut wie niemand gewusst, gehört noch etwas gesehen hatte. Die abenteuerliche Entdeckung dieses im Verborgenen entstandenen Werks war 2007 eine photohistorische Sensation – mit weitreichenden Folgen. Heute ist Vivian Maier, was man eine Medienfigur nennt: Gegenstand von Ausstellungen rund um die Welt, von Buchpublikationen (2011 erschien bei Schirmer/Mosel ein erster Einblick in ihr Oeuvre), TV-Features über die „Mary Poppins mit der Kamera“ und jüngst auch einem Dokumentarfilm. In der Bronx als Tochter französisch-österreichischer Eltern geboren, führte Vivian Maier jahrzehntelang eine Art Doppelleben: im Hauptberuf Kindermädchen mit wechselnden Anstellungen in New York und Chicago nutzte sie jede freie Minute zum Photographieren. Was immer ihr vors Objektiv kam – die Menschen auf den Straßen, ihre Schützlinge, kleine Szenen am Rande und immer wieder der eigene Schatten oder ihr Spiegelbild in Schaufenstern –, mit offensichtlicher Kenntnis der Photoszene ihrer Zeit, viel Sinn für Situationskomik und zunehmender Besessenheit lichtete sie alles ab, um es, teils noch unentwickelt, in Kartons zu horten. Die vorliegende Monographie bietet erstmals einen Überblick über Vivian Maiers Gesamtwerk und ist gleichzeitig die erste fundierte Biographie dieser ungewöhnlichen, bis vor kurzen noch völlig unbekannten Frau und Photographin.

 

Hillert Ibbeken: Revue.
Hg: Wolfgang Zurborn (DGPh)

168 Seiten, 125 Abbildungen
Verlag Kettler
ISBN 978-3-86206-402-1; 38 Euro

Revue ist ein Photobuch mit autobiographischen Zügen, in dem ein unermüdlicher Flaneur seine Liebe zum Medium der Photographie über einen Zeitraum von sechzig Jahren unter Beweis stellt. In den frühen 1950er- und 1960er-Jahren beginnt Hillert Ibbeken als Geologe die Welt zu bereisen. Anfangs sind es Erosions- und Sedimentsprozesse, die der passionierte Photograph in Feldstudien festhält. Bald wählt er Motive ohne geologischen Inhalt und wechselt zwischen den Sujets, in dem er Landschaften, fremde Kulturen und Architektur auf Photopapier bannt. Zu Hause, in Deutschland, entstehen im Laufe der Jahre umfangreiche Bildbände zur Architektur preußischer Baumeister – unter ihnen Karl Friedrich Schinkel und Friedrich August Stüler.

 

Hans Pieler / Wolf Lützen
Transit

Mitherausg. und Texte: Matthias Harder (DGPh)
96 Seiten, 61 Duplexabb.
Kehrer Verlag
ISBN 978-3-86828-531-4; 34,90 Euro

Fuhr man vor 1989 mit dem Auto von Westdeutschland nach West-Berlin, musste man die sogenannte »Transitstrecke« wählen, eine Art Korridor, den man nicht verlassen durfte. Schier endlose Passkontrollen seitens der DDR-Grenzsoldaten standen am Anfang und am Ende der Fahrt. Photographieren war unterwegs strengstens verboten. Hans Pieler und Wolf Lützen ließen sich davon nicht abschrecken; sie fuhren im Oktober 1984 in einem VW-Bus auf der Transitstrecke von Hamburg nach Berlin und machten während der Fahrt vom Beifahrersitz Hunderte von Aufnahmen – meist Blicke frontal oder seitlich aus dem Autofenster. Dabei hatten sie den Rückspiegel so eingestellt, dass das Spiegelbild eine zusätzliche, mitunter verwirrende Bildinformation lieferte.
Eine vergleichbare Photoserie über die Transitstrecke existiert von keinem Kollegen. Die Reiseschilderung ist weder repräsentativ noch linear erzählt, vielmehr subjektiv und individuell. Gleichzeitig ist dieser ungewöhnliche Blick auf die DDR heute, 30 Jahre später, ein wertvolles historisches Dokument – und eine Erinnerung an die Zweistaatlichkeit in Deutschland, die nunmehr vor 25 Jahre endete.
(Ausstellung: Vertretung des Landes Niedersachsen, Berlin, 10. – 17.11.2014)

 

Kurt Tauber
DDR – Berlin – Die Mauer

90 Seiten, über 70 Photos
Hofmann-Verlag
ISBN: 978-3-932737-37-4; 39,80 Euro

Der Lokaljournalist und Photograph Kurt Tauber bereiste 1979 und 1982 privat jeweils für ein paar Tage auf Verwandtenbesuch die DDR. Bei Ausflügen im Raum Meiningen - Suhl - Schmalkalden - Eisenach photographierte er fleißig und brachte einige hundert Farbdias mit nach Hause (und animierte damit die Stasi, eine Akte über ihn anzulegen, die er sich später von der Gauck-Behörde in Kopie zusenden ließ). Das Haus der Geschichte in Bonn kaufte eine Auswahl seiner Bilder für Ausstellungen zum Thema DDR an. In Berlin hielt sich Kurt Tauber erstmals als 18-Jähriger im März 1970 auf Abiturfahrt auf und photographierte seine ersten Mauerbilder, die er irgendwie mit Schere und UHU zu einem "Panoramaphoto", wie man heute sagen würde, zusammenpfriemelte und in ein Album klebte.  Spätere Besuche - dienstlich und privat - häuften sich ab 1980. Damals entstanden viele Photos der Berliner Mauer und auch Aufnahmen in Ost-Berlin.
(Ausstellung: Deutsches Kameramuseum Plech, 07.-30.11.2014)

 

Karl-Ludwig Lange.
Berliner Jahre 1973 – 2004

Hg. von Matthias Harder (DGPh) für die
Kommunalen Galerien und Berliner Regionalmuseen
208 Seiten, mit ca. 220 SW-Abbildungen
Nicolaischen Verlagsbuchhandlung
ISBN 978-3-89479-877-2; 34,95 Euro

Das Buch dokumentiert das photographische Werk von Karl-Ludwig Lange in den Jahren 1973-2004 und seine Präsentation in den Kommunalen Galerien Berlin. In ca. 1.000 Photographien wird der Bildkosmos von Karl-Ludwig Lange gezeigt, der ohne Auftrag aus der persönlichen Wahrnehmung der Stadt heraus entstand. Dr. Matthias Harder, Kurator des Projekts, hat in seinem Textbeitrag „Photographische Erinnerungsspuren, politische Gegebenheiten“ die Sequenzen und Bildpanoramen von Karl-Ludwig Lange eine visualisierte Stadtgeschichte mit den Metamorphosen einer 250 jährigen Urbanisierung Berlins genannt. Nicht das charakteristische Einzelbild, sondern die Motivserien erschließen seine Werkgruppen. Er variiert sein Bildkonzept im Gegensatz zu Michael Schmidts Wedding Serie, und veranlasst damit den Betrachter zu einem „vergleichenden Sehen und Lesen der Bildinhalte.“ In Langes Diptychen und Triptychen werden Veränderungen und Kontinuitäten der Stadtgeschichte sichtbar. Seine SW Photographien haben bildlich und thematisch sehr viele Zwischentöne, die unterschiedliche Facetten der Stadt erkennen lassen. Der besondere Reiz dieser Langzeitstudie besteht darin, dass das jeweils nächste Bild das vorangegangene zum Zeitdokument macht und in dem diskursiven Wechsel von Bekannten zum Unbekannten am gleichen Ort. Dies zeigt sich u.a. darin, dass in den frühen (vor 1989) Motiven viele Passanten und in den späteren Baugerüste und Kräne dominieren. Andere Werkserien widmen sich Straßenzügen und Hofanlagen verschiedener Berliner Stadtteile. Neben seinen dokumentarischen Serien hat Karl-Ludwig Lange einen Blick für poetische Strukturen und die Ästhetik des Banalen (Alltags). Er wird besonders deutlich in den Serien der Garagenfronten, den Passanten am Zebrastreifen und den Gedenktafeln der Kindergräber; im vergleichenden Sehen liegt die besondere Ausdruckskraft seiner Motivserien. (DB)
(Ausstellung: Kommunale Galerien Berlin, 26.10.2014 - 11.01.2015)

 

Maren Heyne (DGPh)
Künstlerzeit

176 Seiten mit über 150 Photographien
Kunstservice
ISBN 978-3-00-045958-0; 28 Euro

Die Düsseldorfer Photographin Maren Heyne (DGPh) besuchte seit den 60er Jahren zahlreiche Künstler mit der Kamera. Neben den Bildnissen zeigen ihre Photos wie diejenigen, die Kunst schaffen, ihre eigene Wohn- und Arbeitswelt gestalten. Die Photos von Maren Heyne gestatten Einblicke in die Lebensbedingungen der Künstler - sie sind ein Zeitzeugnis der Künstlerszene vor allem der 60er und 70er Jahre. Heyne war von Anfang an im Kunstleben beheimatet, daher war es nur folgerichtig, das Künstlerporträt und das Künstlerleben zum photographischen Thema zu machen. Allerdings greift die Photographin nicht aus dem Stehgreif bei Künstlerbesuchen oder bei Feiern und Festen zur Kamera, bei denen es sicher so manches „lohnende“ Motiv gegeben hätte. Solche Schnappschüsse sind jedoch nicht die Sache von Maren Heyne. Ihre Künstlerporträts und die Photos aus Heim und Atelier sind verabredet, sie zeigen nicht einen beliebigen Moment aus dem Alltag der Porträtierten, sondern sie versuchen das Wesen des Menschen und seiner Kunst im Bild erkennbar zu machen. Die meisten der in den 60ern photographierten Künstler stehen in diesem engeren wie weiteren Zusammenhang, sie stehen für den Höhepunkt der jungen Kunst des Westens, die zur dominierenden Richtung des Nachkriegs-Deutschlands geworden war, und die den Übergang zu neuen Konzepten, Arbeitsformen und Medien bereiteten.

 

gute aussichten – junge deutsche fotografie
224 Seiten mit ca. 330 SW-Abbildungen
Verlag dpunkt
ISBN 978-3-86490-226-0; 19,95 Euro

Das Buch zeigt aktuelle Entwicklungen und neue Tendenzen der Photographie, die bis zu installativen Formen und bewegten Bildern reichen. Damit zeigt das Buch aktuelle künstlerische Tendenzen bei der Reflexion von Grundfragen menschlicher Existenz. Die Photographie ist dabei nur eines der verwendeten Medien in den Abschlussarbeiten deutscher Hochschulen, Fachhochschulen und Akademien. Dabei nutzen die jungen KünstlerInnen die Hinterfragung der Banalität des Alltags und gesellschaftlicher Rituale wie auch die kulturelle Entwurzelung zur Sichtbarmachung der Fragen an unsere Gesellschaft.
Ein interessantes Buch, wenn man sich mit den Stilmitteln zeitgenössischer Kunst und ihren Themen vertraut machen möchte. Dabei sind die Texte der Künstler zu ihren Werken für das Themenverständnis von Bedeutung. (DB)
(Ausstellung: Museum Marta, Herford, 23.11.2014 – 11.01.2015)

 

Daniel Josefsohn
OK DJ

Texte u.a. von Klaus Honnef (DGPh)
160 Seiten, 88 Abb.
Hatje Cantz
ISBN 978-3-7757-3881-1; 29,80 Euro

Daniel Josefsohn (*1961) hat in den vergangenen Jahren die Gratwanderung zwischen Provokation und Humor, zwischen ironischer Setzung und politischer Anstiftung genau austariert, um unbequem zu sein und genau dafür geliebt zu werden. Seine Photographien entziehen sich gängigen Sehgewohnheiten und bewegen sich scheinbar schwerelos zwischen Kunst und Kommerz. Nach der legendären Miststück-Kampagne für den Musiksender MTV in den 1990er Jahren arbeitete Josefsohn für zahlreiche Magazine und prägt seit 2011 mit seinen Arbeiten das Außenbild der Volksbühne Berlin. Nach einem Schlaganfall im Jahr 2012 dokumentierte er in der Photokolumne des ZEITmagazins ein Jahr lang gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Karin Müller das Vorher und Nachher, kontrastierte das Leichtlebige mit dem Schwermütigen, das Dreckige mit dem Schönen. Neben den besten Kolumnen-Bildern bietet der Band einen repräsentativen Querschnitt durch sein Gesamtwerk.

 

Thomas Ruff | Editionen 1988-2014
Werkverzeichnis von Jörg Schellmann
180 Seiten, 211 Abb.
Hatje Cantz
ISBN 978-3-7757-3858-3; 49,80 Euro
(Englische Ausgabe ISBN 978-3-7757-3859-0)

Thomas Ruffs Photoserien berühren – unverwandt blicken uns aus überlebensgroßen Porträts junge Menschen an, sterile Hausfassaden kommentieren die Tristesse der Vorstädte, verpixelte Aktphotos aus Internetpornos lassen zentrale Details kaum erahnen und verweisen doch auf die Macht dieser Bilder. In Ausstellungen zeigt der Photograph groß dimensionierte Abzüge, die nur wenige Male hergestellt werden. Er produziert jedoch konsequent auch kleinformatige Photoprints in unterschiedlichen Reproduktionstechniken, die als Editionen in Auflagen von meist mehr als 30 Exemplaren somit für ein breiteres Kunstpublikum erschwinglich sind. Das vorliegende Werkverzeichnis der Editionen wurde von Jörg Schellmann in enger Zusammenarbeit mit Thomas Ruff (*1958) erstellt und beruht auf neuesten Recherchen. Nach Erscheinungsjahren chronologisch geordnet, präsentiert der Band alle signierten und nummerierten Editionen des Photographen seit 1988.

 

Dennis Stock
Time Is On Your Side

176 Seiten, 100 s/w Abbildungen, Sprache: Englisch
Verlag Prestel
ISBN: 978-3-7913-4951-0; 45 Euro

Dennis Stock ist der Schöpfer einer der berühmtesten Photo-Ikonen des 20. Jahrhunderts: der angehende Hollywood-Star James Dean mit hochgeschlagenem Mantelkragen und Zigarette lässig im Mundwinkel auf dem regennassen Times Square 1955 in New York. Das Motiv gehört zu den weltweit meist reproduzierten Bildern und hat wesentlich zum unsterblichen Ruhm des im selben Jahr bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Schauspielers beigetragen. Dennis Stock war ab Anfang der 1950er-Jahre bis zu seinem Tod 2010 Mitglied der legendären Photoagentur Magnum und hat neben sämtlichen Hollywood-Größen wie Marilyn Monroe, Audrey Hepburn oder Grace Kelly seit den 1960er-Jahren vor allem in der amerikanischen Jazz-Szene photographiert. (Ausstellung: Suermond-Ludwig-Museum Aachen, 30.10.2014 - 25.01.2015)

 

Miyako Ishiuchi
Hasselblad Award 2014

152 Seiten, 70 Farb- und Duplex-Abb., Englisch
Kehrer Verlag
ISBN 978-3-86828-518-5; 49,90 Euro

Miyako Ishiuchi, eine der respektiertesten und fesselndsten japanischen Photographinnen ihrer Generation, ist die 34. Preisträgerin des renommierten Photographiepreises der schwedischen Hasselblad Stiftung 2014. Die Publikation würdigt Ishiuchis Werk mit einer grundlegenden Darstellung ihrer Hauptthemen: Erinnerung, Stofflichkeit und Körper. Ein herausragender Charakterzug ihrer Arbeiten ist die Bedeutung und Behandlung von Oberfläche – sei es die menschliche Haut, die Materialität eines Objekts oder persönliche Bekleidung. Indem sie besagten Oberflächen genaue Beachtung schenkt und sie als Spuren, Mediation und Symbole versteht, greift sie direkt Poesie und Politik historischer Ereignisse auf, die beispielsweise für die Frauen im Nachkriegs-Japan oder die Opfer von Hiroshima von Bedeutung waren. Das Buch zeigt Arbeiten aus Ishiuchis wichtigsten Serien: 1947, Scars, Mother’s, Hiroshima, Silken Dreams und Frida by Ishiuchi. Zwei aktuelle Essays von Christopher Phillips und Lena Fritsch geben grundlegende Einblicke in das Werk der beeindruckenden Photographin.
(Ausstellung: Hasselblad Center, Göteborg, 07.11.2014 – 01.02.2015)

 

Taewon Jang
Stained Ground

168 Seiten, 77 Abb., Englisch
Hatje Cantz
ISBN 978-3-7757-3784-5; 35 Euro

Bedrohlich und gewaltig, auch mitten in der Nacht grell beleuchtet – der koreanische Photograph Taewon Jang (*1976) stellt Industriestätten in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Wenn er Stahlfabriken, Atommeiler, Kühltürme, Lagercontainer oder Giftgasfabriken porträtiert, wird deutlich, dass der Mensch in der abgebildeten Umgebung kaum mehr eine Rolle spielt. Wohngebäude erscheinen im Vergleich dazu winzig, der Maßstab ist offensichtlich ein anderer geworden. Jang zeigt uns die industriellen Landschaften bevorzugt im Morgengrauen oder Abendrot, bei Mondlicht, Nebel oder Schnee, manchmal rückt er auch knorrige Bäume in den Bildvordergrund. Doch trotz oder gerade wegen dieser potenziell romantischen, Idylle versprechenden Topoi nimmt der Betrachter eine unheimliche Endzeitstimmung wahr. Scheinbar menschenleere Großanlagen beherrschen den Horizont; sich bewegende Bagger, Kräne und Förderbänder vermitteln den Anschein, als hätten sie ein gefährliches Eigenleben.

 

Beatrice Minda
Iran. Interrupted

160 Seiten, 87 Abb.
Hatje Cantz
ISBN 978-3-7757-3612-1; 38 Euro

Beatrice Minda (*1968) beschäftigt sich immer wieder mit dem Verhältnis von privatem Raum, Erinnerung und Geschichte. Nach der ausdruckstarken Erkundung rumänischer Interieurs in ihrem Bildband Innenwelt reist die Künstlerin für ihre neue Arbeit in die islamische Republik Iran. Dort taucht sie in die weitgehend unbekannte Welt privater persischer Wohnräume und Innenhöfe samt ihren Abschottungen durch Gitter, Mauern oder undurchlässige Vorhänge ein. In einem Land mit mehrtausendjähriger Geschichte folgt Beatrice Minda dabei der Fährte einer teils massiv verschütteten Tradition und identifiziert – trotz aller historischen Brüche – verborgene Zeichen von Kontinuität. In den sensiblen Farbbildern wird sicht- und spürbar, wie sich die gegenwärtige Geisteshaltung der Bewohner ebenso wie historische, kulturelle und soziale Zusammenhänge im Privatraum spiegeln. Subtil kommt dadurch die gesellschaftspolitische Dimension von Iran.Interrupted zum Ausdruck.

 

Peter Lindbergh
Images of Women II

296 Seiten, 158 Tafeln in Farbe und Duotone
Schirmer/Mosel
ISBN 9783829606851, 78 Euro

Peter Lindbergh, der in Paris lebende deutsche Weltstar der zeitgenössischen Modephotographie, wird am 23. November dieses Jahres 70 Jahre alt. Schirmer/Mosel widmet diesem Ereignis einen dritten großen Bildband seiner Photographien von schönen, starken und kreativen Frauen. Schauspielerinnen, Models und Socialites aus vielen Ländern der westlichen Welt versammeln sich vor Lindberghs Kamera zu einem Panoptikum der Frauenphotographie in all ihren Spielarten: Portrait, Mode, Tanz und Akt. In seiner unverkennbaren Handschrift, die zwischen der Sprache des Ausdruckstanzes der 20er Jahre und dem samtenen, elegischen Schwarzweiß des film noir changiert, die jede Bewegung des Körpers und der Seele registriert und manchmal auch die dunkle Tinte der Melancholie nicht scheut, hat Peter Lindbergh sie alle in betörende photographische Bilder gesetzt.

 

Chuck Close: Photographer
204 Seiten, 200 farbige Abbildungen, Sprache: Englisch
Verlag Prestel
ISBN: 978-3-7913-4765-3; 49,95 Euro

Photographie ist ein wesentliches Element im kreativen Kosmos des US-amerikanischen Künstlers Chuck Close (geb. 1940). Ob als Polaroidporträt oder im Großformat aufgenommene Komposition, ob als Ausgangsmaterial für Gemälde oder Drucke oder mit verschiedenen phototechnischen Verfahren wie Daguerreotypie, Hologramm oder Woodburytypie aufgenommene Studie: Die künstlerischen Möglichkeiten der Photographie faszinieren und inspirieren Chuck Close vom Anbeginn seiner inzwischen mehr als vier Jahrzehnte währenden Karriere, in deren Verlauf er sich dieses Medium mehr und mehr erschlossen hat. Der vorliegende, opulent ausgestattete Band präsentiert nun erstmals einen kompletten Überblick über das photographische Werk dieses bedeutenden US-amerikanischen Künstlers: die eindringlichen Porträts von Künstlerfreunden wie Philip Glass und Hollywood-Stars wie Brad Pitt ebenso wie die zahlreichen Selbstporträts sowie Akt- und Naturstudien. Der kenntnisreich einführende Essay von Colin Westerbeck und das aufschlussreiche Künstlergespräch mit Chuck Close vermitteln auf faszinierende Weise einen Einblick in dessen Gesamtwerk und den enorm wichtigen Einfluss der Photographie darauf.

 

Igor Ponti
Looking for Identity

136 Seiten, 59 Abb., Englisch, Italienisch
Hatje Cantz
ISBN 978-3-7757-3925-2; 39,80

Das Schweizerkreuz kommt einem in den Sinn, das Schweizer Messer, Berge, Käse natürlich und vielleicht noch die Schokolade von Lindt & Sprüngli: Was aber ist wirklich typisch schweizerisch? Was kennzeichnet Land und Leute auf unverwechselbare Weise? Was verbindet die Landesteile trotz unterschiedlicher Sprachen? Diese Fragen und das Interesse an traditionellen und sich verändernden Identitäten führten den Schweizer Photographen Igor Ponti (*1981) auf (Ab-)Wegen quer durch die Kantone. Er entdeckte vielsagende visuelle Helvetismen, die teils spöttisch, teils liebevoll Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Kantonen aufzeigen: Autobahnen durchschneiden Bilderbuchlandschaften, ein wuchtig geschnitzter Wilhelm Tell steht am Wegesrand, die Würstchenbude bietet Cervelat oder Bratwurst, ein schönes altes Holzhaus stimmt wehmütig, eidgenössische Gartenzwerge tragen Rot-Weiß, Panzersperren aus Beton schützen die gefährdete Idylle.

 

The Helsinki School
From the Past to the Future

288 Seiten, 206 Abb., Englisch
Hatje Cantz
ISBN 978-3-7757-3901-6; 39,80 Euro

Nach den bereits erschienenen vier Bänden zu The Helsinki School zieht diese neue Publikation ein Resümee der 20-jährigen Geschichte der Photographengruppe und beschreibt sowohl die Entstehung der mit ihr verbundenen künstlerischen Positionen als auch die Entstehung der Gallery Taik Persons. Internationale Kuratoren, Kunstkritiker und Museumsdirektoren erzählen in einer Reihe von Essays von ihren Begegnungen mit Vertretern der Helsinki School seit den 1990er Jahren bis heute. Ein Gespräch zwischen Timothy Persons und Alistair Hicks komplettiert diese Beiträge. Installationsphotos vieler internationaler Ausstellungen, Archivmaterial, Bücher, Poster, Einladungen sowie nicht zuletzt jüngste Arbeiten der wichtigsten Vertreter der einzelnen Künstlergenerationen runden den Band ab. Die Publikation wirft also nicht nur einen Blick zurück, sondern auch nach vorne, in die Zukunft eines der erfolgreichsten Konzepte der zeitgenössischen Photographie.

 

Robert Frank
Books and Film

64 Seiten Zeitungsdruck auf Recyclingpapier
Steidl
ISBN 978-3-86930-938-5; 10 Euro (4er Pack)

Dieser Katalog zur Ausstellung "Robert Frank | Books and Film, 1947-2014" ist eine Sonderausgabe der Süddeutschen Zeitung – in Originalformat und -drucktechnik. Robert Frank gilt als Erfinder der Street Photography. Viele seiner Bilder wurden aus der Hüfte geschossen, aus dem fahrenden Auto, mitten in einer Bar oder auch versteckt im Park. „Ich musste einfach sehr schnell sein, wenn ich Leute photographiert habe“, sagt er selbst über die Art, wie er Mitte der Fünfzigerjahre auf seiner Rundreise durch Amerika seine Bilder gemacht hat. Sehr schnell muss auch Zeitung sein: am Nachmittag geschrieben, nachts gedruckt, morgens im Briefkasten. Insofern ist es also nur konsequent, wenn Franks Aufnahmen einmal nicht als millionenschwer versicherte Gelatin Silver Prints gezeigt werden, gerahmt wie für die Ewigkeit, sondern auf dem Papier, aus dem die Süddeutsche Zeitung Tag für Tag gemacht wird. Das Gesamtwerk von Robert Frank wird von Gerhard Steidl per Acryl-Inkjetdruck auf bis zu vier Meter lange Zeitungspapierbahnen gedruckt und dann direkt an die Wände geklebt. Als Frank selbst in seinem Haus im kanadischen Mabou erstmals von dieser Ausstellungsidee hörte, sagte er: „Cheap, quick, and dirty, that’s how I like it!“.
(Ausstellung: Akademie der Bildenden Künste, München, 22.11. – 21.12.2014)

 

RealSurreal
Meisterwerke der Avantgarde-Fotografie

259 Seiten mit 228 Abb. in Duoton, 50 farbigen und 5 s/w Abb.
Wienand Verlag
ISBN 978-3-86832-233-0; 39,80 Euro

Die Frage nach der bildlichen Evidenz der Photographie ist so alt wie die Photographie selbst. Nachdem der Piktorialismus zunächst versucht hatte, die Lichtbildkunst nach den Regeln der Malerei auszurichten, besann sich um 1920 eine neue Generation wieder auf die spezifischen Eigenheiten der Photographie – das „Neue Sehen“ entstand. Der Katalog zeigt eine Auswahl von rund 200 Meisterwerken aus der in diesem Umfang noch nie gezeigten Münchner Sammlung Siegert zur Photographie des „Neuen Sehens“ zwischen Neuer Sachlichkeit und surrealistischen Tendenzen. Die Schwerpunkte liegen auf der Photographie in Deutschland, dem Pariser Surrealismus und der Avantgardeszene in Prag. Anhand seltener Originalabzüge namhafter Künstler wie Wols oder László Moholy-Nagy lässt sich die Vielschichtigkeit der Photographie von real bis surreal neu entdecken.
(Ausstellung: Kunstmuseum Wolfsburg, 15. November 2014 bis 6. April 2015)

 

We the Children
296 Seiten, 164 großformatige Photos von 45 Photographen
Edition Lammerhuber
ISBN 978-3-901753-74-9; 49,90 Euro

Kinder sind verletzlich. Und sie werden verletzt. Kinder können stark sein. Und dabei muss ihnen geholfen werden. Die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen soll die Kinder dieser Welt schützen und stärker machen. Und glücklich. 2014 wird die UN-Kinderrechtskonvention 25 Jahre alt. 25 Jahre Kinderrechte ist der Anlass, das Thema vehement in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. UNICEF Deutschland und GEO – unterstützt von 45 der besten Photographen der Welt und der Edition Lammerhuber – tun dies in diesem gemeinsamen Projekt. Eine Auswahl besonders berührender Photographien aus dem Wettbewerb „UNICEF-Foto des Jahres“ formulieren in 35 Bildreportagen aus 15 Jahren ein aufrüttelndes Plädoyer, die Rechte der Kinder zu achten und jedem Mädchen und jedem Jungen auf der Welt eine Kindheit in Würde zu garantieren. We the Children nutzt die Kraft des Buches, um auf das Leid und die Nöte, aber auch auf die Wünsche und Träume der Kinder von heute aufmerksam zu machen. Es ist ein Buch voll Hoffnung auf eine kindgerechte Welt.

 

Carl Friedrich Mylius
Das alte Frankfurt am Main 1855-1890
Hg: Eberhard Mayer-Wegelin (DGPh)
288 Seiten, 270 Abb.
Schimer/Mosel
ISBN 978-3-8296-0682-0; 49,80 Euro

C. F. Mylius (1827-1916), laut Klappentext „mehr Heimatforscher als Geschäftsmann“, photographierte den rasanten Wandel Frankfurts ab 1855. Für diesen Band ist eine stadtgeschichtlich relevante Auswahl aus den ca. 800 bis heute bekannt gewordenen Werken von Mylius getroffen worden, die aus öffentlichen und privaten Sammlungen stammt. Die sachkundige Auswahl zu dieser bedeutenden Frankfurt-Monographie ist im Wesentlichen dem jahrzehntelangen Engagement von Eberhard Mayer-Wegelin zu verdanken, der unter anderem das stadt- und photohistorische Highlight dieses Bandes beisteuerte: ein knapp 8 Meter langes, 26teilige Panorama, eine über den Main hinweg vom Sachsenhäuser Ufer aufgenommene Vedute. In seiner Mischform –für die Anfangs- und Endbilder schwenkte Mylius die Kamera auf seinem Stativ, für die anderen Aufnahmen suchte er sich wohl bildpaarweise multiple Standorte über eine Wegstrecke von rund 2,5 Kilometern – dürfte das monumentale Bild ein Novum in der Photogeschichte darstellen. Im vorliegenden Buch hätte man sich einen Ausklapper gewünscht; den herstellungstechnisch und kostengünstig zu produzieren war wohl nicht realisierbar. Neben zwei Karten sind dem Band sachkundige Bildunterschriften beigegeben. Die dem lediglich mit dem heutigen „Mainhattan“ vertrauten Betrachter werden schnell erkennen, dass kaum noch ein Stein, kaum ein echter Fachwerkbalken von damals geblieben ist. (HCA)

 

Das Zeitalter der Maschinen
Von der Industrialisierung des Lebens

160 Seiten, 170 Abbildungen
Edition Braus
ISBN: 9783862281053; 39,95 Euro

Zehntausende Streckenkilometer Eisenbahn, rauchende Fabrikschlote in den Städten, Spekulationen an der Börse und in den Häusern Glühbirnen statt
Kerzen. In der Zeit des Kaiserreichs vollzog sich in Deutschland der Durchbruch zur modernen Industriegesellschaft, der mit massiven gesellschaftlichen Veränderungen einherging. Wohnen, Bildung, Arbeit und Kultur – alle Lebensbereiche waren tiefgreifenden Veränderungen unterworfen. Spektakuläre Photographien aus der Schatzkammer des bpk – Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte - belegen Aufbruch und Wandel der Zeit, in der die Grundlagen unserer heutigen Lebenswelt gelegt wurden.

 

Fotografie im 1. Weltkrieg
128 Seiten mit ca. 220 SW-Abbildungen
E. A. Seemann Verlag
ISBN 978-3-86502-340-7; 24,95 Euro

Das Buch zeigt die besondere Rolle der Photographie im Ersten Weltkrieg. Gehen die Kunsthistoriker davon aus, dass im Krimkrieg die ersten Kampforte und im Amerikanischen Bürgerkrieg erstmalig das Kampfgeschehen photographiert wurde, dann wurden im Ersten Weltkrieg erstmalig Photographien zur Feindaufklärung, zur Dokumentation des Kriegsgeschehens und zur Propaganda an der Heimatfront eingesetzt. Die Photographie wurde damit ein Bestandteil der Kriegsführung, sie prägte nicht nur unser Bild des Kriegs, sondern es entstand eine neue Stilform, die „Kriegsreportage“, die 25 Jahre später zum Propagandainstrument wurde. 1914-18 ist umfassend dokumentiert in Luftaufnahmen, Stadtbildern, photographierten Kriegstagebüchern, Postkarten und Soldatenporträts. Heute werden neben den offiziellen Kriegsphotographen der Armeen auch Kriegstagebücher und die Schnappschüsse einfacher Soldaten archiviert. Das Buch zeichnet sich dadurch aus, dass es keine photographisch belegte Geschichte des Krieges ist, sondern eine Nutzungsgeschichte des Mediums Photographie (Dokumentation, Bildpresse, Propaganda, Publizistik) im Krieg, diese wird in gut ausgewählten Motiven (Originalabzüge) auf Plakaten und aus Büchern und Zeitschriften präsentiert. Diese Kriegsphotographien beschleunigten den kulturellen und gesellschaftlichen Umbruchs, den der Erste Weltkrieg darstellte. So erlebte auch die Photographie einen radikalen Stilwandel und mit dem »Neuen Sehen« und der »Neuen Sachlichkeit« wurde sie ein Impulsgeber der Klassischen Moderne. (DB)
(Ausstellung: Museum für Fotografie, Berlin, 07.11.2014 - 22.02.2015)



Benno Wundshammer
Propagandafotografie im Zweiten Weltkrieg

120 Seiten mit ca. 220 SW- und Farbabbildungen, Deutsch und Russisch
Ch. Links Verlag
ISBN 978-3-86153-815-8; 18 Euro

Das Buch zeigt eine interessante Auseinandersetzung mit dem Werdegang eines Reportagephotographen, aber auch die Veränderungen in der Motivgestaltung des Genres. Die Auswahl der Motive zeigt sehr deutlich, dass der Photograph Benno Wundshammer alles festgehalten hat, was er in den unterschiedlichsten Situationen wahrgenommen hat, und dies mit großer Stilsicherheit und Professionalität. Vergleicht man die jetzt viel gezeigten Soldaten in den Eisenbahnwaggons von 1914 mit denen von Wundshammer auf dem Fliegerhorst 1939 photographierten Soldaten, so wird der gravierende Unterschied deutlich.
Aus diesen photographischen Serien wurde auf beiden Seiten in den Propagandaabteilungen durch Auswahl und Sperrung und neuer Reihenfolge ein politischer gewünschter Sinn erzeugt. Wie die Autorin Jelena Koloskowa in ihrem Text „Das Ostfront Duell der Propagandisten“ deutlich macht, wurde aus der im ersten Weltkrieg erfundenen Kriegs-Propaganda von 1939-45 ein „Krieg der Ideologien.“ Das vorliegende Buch ist eine sehr wichtige Publikation, da die vorgestellten Grundmuster bis heute verwendet werden, und wir so vielleicht die tägliche Bilderflut in den Nachrichten kritischer bewerten können. (DB)
Ausstellung: Deutsch-Russisches Museum Berlin, 13.11.2014 - 15.02.2015)

 

Canaletto 
Bernardo Bellotto malt Europa

344 Seiten, 305 farbige Abbildungen
Hirmer Verlag
ISBN 978-3-7774-2246-6; 39,90 Euro

Das Buch und die Ausstellung stoßen einen interessanten Diskurs an, in wieweit Malerei und Photographie artverwandte Arbeitsweisen und Stilmittel verwenden und damit vergleichbare künstlerische Werke schaffen. Beide künstlerischen Medien faszinieren den engagierten Betrachter durch das Wechselspiel von dokumentarischer Präzision (der optischen Linsen) und künstlerischer Freiheit der Bildgestaltung. Die Künstler setzten jeweils die ihnen geeigneten Stilmittel zur Realisierung ihrer Bildidee ein. Bernardo Bellotto (1722–1780), den wir unter seinem Künstlernamen „Canaletto“ kennen, hat mit seinen Stadtansichten (Veduten) unser Bild der Städte Dresden, Wien, Warschau und München (im 18. Jahrhundert) geformt. Der Künstler Canaletto setzte in einem komplexen Arbeitsprozess eine Camera obscura für seine wirklichkeitsnahen Darstellungen der Städte ein, zur Fixierung des „Lichtbildes“ benutzte er Bleistift und Papier, statt Silbergelantinefilm oder digitalem Chip. Auch zeitgenössische Photographen haben mit einer Camera obscura z.B. Stadtansichten von München und Paris erstellt. Canalettos künstlerisches Selbstverständnis, das neu zu entdecken sich lohnt, ist zeitlos wie Albert Renger-Patzsch Photographien der Zechenanlagen, die idealisierend komponiert und ein wahrhaftigeres Bild der Wirklichkeit im Revier zeigen. Diese interessante Auseinandersetzung wird in der Ausstellung mit vier aktuellen München-Ansichten des Photographen Elmar Haardt in Bezug zu Canalettos Münchener Gemälden fortgeführt. Damit entsteht ein künstlerisch und historisch spannungsreicher Dialog zwischen dem Betrachter und den künstlerischen Medien. Leider ist die Vedute 2014 (Elmar Haardt) nicht im Katalog enthalten, hier wäre ein spannender Diskurs zwischen Malerei und Photographie möglich gewesen! Doch der Blick auf Canalettos kreativen Beitrag zum europäischen Stadtbild und seine “lichtbildnerischen Stilmittel” schärfen die aktuelle künstlerische Diskussion, dass Technik nur ein wichtiger Teil ist, aber die Kenntnis der Vorgänge menschlicher Wahrnehmung und die Ikonographie des individuellen wie auch des kollektiven Erinnerns in Malerei und Photographie erst das künstlerische Schaffen ausmacht. (DB)
(Ausstellung: Alte Pinakothek, München, 17.10.2014-18.01.2015)

 

Le Corbusier Le Grand
1000 farbige und 1000 S/W Abbildungen
Phaidon
ISBN: 9780714858517; 150 Euro

Eine eindrucksvolle Bildbiographie über Leben und Werk von Le Corbusier (1887–1965), den einflussreichsten Architekten, Stadtplaner und Theoretiker der Moderne. Die 2000 zum Teil erstmals veröffentlichte Bilder und Dokumente zeigen seine berühmtesten Bauwerke, Stadtplanungsprojekte, Gemälde, Publikationen und Möbelstücke. Außerdem sind bis dato unbekannte Skizzen, Archivaufnahmen und persönliche Korrespondenz zu sehen. Seltene Photographien und Briefe geben Aufschluss über Le Corbusiers Verhältnis zu Josephine Baker, Eileen Gray, Fernand Léger, Pablo Picasso, Jean Prouvé und vielen anderen. Ein unverzichtbares Werk für jeden Architekturkenner und alle, die sich für die Entwicklung der Moderne und des Designs im 20. Jahrhundert begeistern.

 

Leica Kalender 2015 – Thomas Hoepker
42 x 29,7 cm, englisches Kalendarium, Spiralbindung,
13 Aufnahmen in Farbe und Schwarz-Weiß
lfi-online shop
24,95 Euro

„Nichts ist interessanter als die Wirklichkeit“, bemerkte Magnum-Photograph und Leica Hall of Fame-Mitglied Thomas Hoepker einmal. Damit beschrieb er – wissentlich oder nicht – sehr präzise seinen eigenen Impetus. Der Photojournalist ist bekannt für seine unaufgeregten, subtilen Aufnahmen, fern von Sensationsrausch oder plakativen Motiven. Mit seiner präzisen Bildgestaltung, seinen dichten Bildaussagen und seinem unglaublichen visuellen Gespür hat Hoepker den deutschen Bildjournalismus geprägt wie kaum ein anderer. 1989 wurde er erstes deutsches Mitglied der Agentur Magnum Photos, von 2003 bis 2007 war er ihr Präsident. Jahrzehntelang zählte er zum festen Mitarbeiterstab des Stern. Er schuf Ikonen der Zeitgeschichte, porträtierte Politiker und Prominenz, dokumentierte Elend und Alltag. Er suchte stets nach der Wahrhaftigkeit des Augenblicks und zählt genau deshalb zu den großen Vertretern des engagierten humanistischen Bildjournalismus. So interessant die Wirklichkeit ist, so sehr interessiert sich Hoepker auch zeitlebens für sie.

 

Fantastic Moments
Kalender 50 x 42cm, Spiralbindung
29 Euro
www.new-art-community.de

Der Photokunst-Spendenkalender wurde in Zusammenarbeit der New Art Community mit Nadine Barth und Gunnar Henke aufgelegt. Durch die Spendenaktion werden junge talentierte Photographen unterstützt.