Aktuelle Bücher im August 2020

Markus Heinsdorff
static + dynamic

Beiträge von Manfred Baur, Rasmus Kleine, Gottfried Knapp, Michael Müller-Verweyen, Christian Schittich
Text: Deutsch / Englisch
280 Seiten, 260 Abbildungen in Farbe
Format: 24 x 30,5 cm, Halbleinen
München, Hirmer Verlag
ISBN: 978-3-7774-3473-5
45,00 €

Markus Heinsdorff, geboren 1954, studierte Bildhauerei an der Münchner Kunstakademie. Heute sind Natur und Raum die zentralen Themen des Künstlers, der Architektur und Photographie in seine Arbeiten einbezieht. Er initiierte und gestaltete weltweit Projekte, Installationen und Ausstellungen, wobei er mit Erfindergeist und ingenieurtechnischer Präzision immer wieder Materialien aus der jeweiligen Umgebung nutzte.

Der im Hirmer Verlag, München, erschienene Bildband „static + dynamic“ ist unter der Überschrift „Vom Nutzen der Schönheit“ in die Kapitel Türme, Räume, Wasser, Sphären und Flächen, Wind, Licht und Wertstoff eingeteilt. Anhand von über 40 Werken wird die fortwährende Auseinandersetzung des Installationskünstlers Markus Heinsdorff mit der Umwelt in Wort und Bild vorgestellt und durch Textbeiträge namhafter Autoren, die sein internationales Schaffen aus unterschiedlichen Perspektiven interpretieren, fachkundig gewürdigt.

So hat der Künstler beispielsweise in Ostasien begonnen, sich mit dem nachwachsenden Material Bambus zu beschäftigen und in China für das Goetheinstitut eine Wanderausstellung durch die Großstädte realisiert,  die 2010 auf der Expo in Shanghai in einer Präsentation im Deutschen Haus gipfelte. Diese Zusammenarbeit setzte er in Indien mit Zeltbauten aus Stahl, die mit farbigen Textilien abgedeckt waren, erfolgreich fort. Weitere Beispiele für alternatives, gleichzeitig billiges Bauen schuf Heinsdorff in Süd- und Ostasien, Südamerika und Afrika, aber auch in vielen Orten in Deutschland, wobei er sich immer wieder von den Grundelementen Erde, Wasser, Luft und Feuer hat faszinieren lassen.

Furore machte Heindorff zuletzt, als er in Kapstadts beliebtem Greenpoint-Park den ‚Ocean Dome‘, ein im Sonnenlicht glitzerndes, skulpturales Kunstwerk aufstellte, dessen bunte Hülle sich bei näherer Betrachtung als ein Turm herausstellt, in dem 5000 Plastikflaschen, Eimer und Kanister, Fischernetze, tausende Meter Angelschnur und sonstiger Abfall aus Kunststoff in 50 filigranen Gambionenkörben geschichtet waren. Damit machte er auf die Vermüllung der Weltmeere aufmerksam und demonstrierte gleichzeitig, dass sich dieses überall als Abfall herumliegende, ebenso günstige wie nachhaltige Material auch zum Bau einfacher, gut gestalteter Häuser verwenden lässt.

Alle Arbeiten von Markus Heinsdorff sind sowohl zeichnerisch als auch vom Künstler selbst oder von Fachphotographen der jeweiligen Länder dokumentiert in dem Band zusammengefasst. Auf diese Weise führt dieser mit Skizzen und Modellaufnahmen, vor allem aber zumeist großformatig wiedergegebenen  Photographien durch ein beeindruckendes Œuvre, das sich an der Schnittstelle zwischen Architektur und Nachhaltigkeit sowie bahnbrechender Installationskunst bewegt. (vZ)

 

Orhan Pamuk
Orange

Fester Einband / Leineneinband
192 Seiten, 350 Abbildungen
17.6 x 25 cm
Englisch
Steidl-Verlag, Göttingen
ISBN 978-3-95829-653-4
1. Auflage 07/2020
34.00 €

Die vorherrschende Farbe in Orhan Pamuks neuem Fotobuch ist Orange. Wenn der Literaturnobelpreisträger die tägliche Schreibarbeit beendet hat, nimmt er seine Kamera und durchstreift die verschiedenen Viertel seiner Heimatstadt Istanbul. Häufig erkundet er die abgelegenen Gassen, in die sich keine Touristen verirren, Orte, die vernachlässigt und vergessen scheinen, in ein ganz bestimmtes Licht getaucht.

Es ist das orange Licht von Straßenlampen und aus Häusern, das Orhan Pamuk so gut aus seiner Kindheit in Istanbul kennt. Doch das vertraute, warme Licht verschwindet. War in seiner Kindheit das weiße Licht Krankenhäusern, Fabriken, Wartehallen oder Kühlschränken vorbehalten, so haben jetzt moderne, billige Leuchtmittel überall in der Stadt Einzug gehalten und nachts leuchtet es zunehmend eisig-weiß aus den Fenstern. Die Lichter der Nacht haben sich so schleichend und beinahe unmerklich verändert wie die sozialen Strukturen der ganzen Stadt. Über Jahrzehnte hat Orhan Pamuk die nächtliche Stadtlandschaft fotografiert und so in seinen Bildern ein Istanbul bewahrt, das allmählich verschwindet.

Die Photographien sind atmosphärisch dicht und warm-leuchtend. Eine große Nähe zu den photographierten Szenerien schaffend, laden sie den Betrachtenden ein, einen Blick in die verschwindende Stimmung der Stadt zu werfen, und dabei fast Teil von ihr zu werden.

 


Candida Höfer
Editions 1987 - 2020

Herausgeberin: Anne Ganteführer-Trier
Autorin: Anne Ganteführer-Trier
Gestaltung: Book Book, Berlin
Umschlag: Freirückenbroschur als Hardcover
Format: 21 x 26 cm
260 seiten, 145 Abbildungen
Deutsch, Englisch
DCV
ISBN 978-3-947563-85-2
44,00 €

Candida Höfer (geb. 1944 in Eberswalde, lebt und arbeitet in Köln) gehört mit ihren menschenleeren Aufnahmen von Bibliotheken, Opernhäusern, Konzertsälen, Kirchen und Museen zur internationalen Avantgarde der Photographie. In ihrem bekannten OEuvre gibt es immer wieder auch Editionen – Photoabzüge in verändertem Format und größerer Auflage –, welche die Künstlerin zur Unterstützung von Institutionen und Verlagen produzierte.

Zwischen 1987 und 2020 erschienen 105 Editionen, die in diesem Buch erstmals komplett und mit allen produktionstechnischen Angaben veröffentlicht werden. Sie bilden einen repräsentativen Querschnitt durch das gesamte bildnerische Werk von Candida Höfer. Den einführenden Essay
schrieb die Kunsthistorikerin Anne Ganteführer-Trier.

Auf der Webseite des Verlages (dcv-books.com) gibt es ein sehr schönes making-of zum Buch von knapp 10 Minuten. (th)

 

"Wer bist du? – Unser Leben mit Friedrich"
Photographien von Florian Jaenicke
Prolog Florian Jaenicke
Texte von Florian Jaenicke
Deutsch
Buchgestaltung Festeinband
176 Seiten, 52 Abbildungen in Farbe
Aufbau Verlag, Berlin
ISBN 978-3-351-03768-0
24,00 Euro

Wöchentliche Kolumne aus dem ZEITmagazin (Hamburg)
Ausstellung bis 20.09.2020 in der Lounge des Münchner Stadtmuseums (Reihe “Gesichter der Stadt”)

Das Buch mit der Werkserie »Wer bist du? – Unser Leben mit Friedrich« des Photographen Florian Jaenicke geht über eine Kinder Portraitserie weit hinaus. Ich kenne nur ein weiteres Buch, das mich so emotional und photographisch angesprochen hat und das ist »Manuel« von Stefan Moses. In beiden Fällen setzt ein Vater seine Gefühle für seinen Sohn in eindrucksvolle und zeitlose Bilder um. Können wir uns bei „Manuel“ in die Bilder hineinversetzen, weil wir darin unsere eigene Kindheit reflektieren, ist es bei „Friedrich“ die Reflexion wie würde man selbst in dieser Situation denken, welche Gefühle empfinden? Diesen Aspekt haben seit Anfang 2019 die Leser des ZEITmagazins für sich nachvollziehen können indem sie sich jede Woche mit einer Photographie von Friedrich auseinandersetzen konnten. Die kurzen Bildtexte geben nur einen Einblick in den Alltag eines schwerstbehinderten Kindes und seiner Eltern. Es ist für jeden Betrachter ein Moment der „Perspektiven verschiebt - und lehrt, was Glück bedeutet.“ Für Friedrich: die Beatles und Schweinsbraten. Für seine Eltern: die Liebe zu Friedrich. In eindrucksvoller Weise setzt die Photographie sich mit dem Leben behinderter Mitbürger auseinander und ist ein Appell sie in ihrer Lebensweise zu respektieren. So ist davon auszugehen, dass auch Friedrich damit einverstanden ist, dass viele seinen Alltag kennenlernen.

Aber es gibt noch eine ganz andere Perspektive auf diese Photographien und das ist die stilistisch ästhetische der künstlerischen Photographie, die bei Harun Farocki – als operative Bilder bezeichnet wird. Denn die gezeigten Alltagssituationen sind ein `anschaulicher Beweis´ für die folgenden Aussagen. Auch Friedrich hat alle Alltagsbedürfnisse und -Freuden, die Photographien lassen die Eltern aber auch alle Betrachter den schwerbehinderten Jungen besser verstehen. Die dritte Frage, die diese Photoserie aufwirft: Wer bist Du? – gerichtet an den Leser oder die Leserin, die ein Jahr lang mit einem Menschen konfrontiert wurden, wie er ihnen im Alltag nur selten begegnet. Und die, wenn es passiert, nicht wissen, welche Haltung sie einnehmen sollen, und damit die Sichtweise des Betrachters auf die eigene Lebenssituation lenken.

Ein sehr empfehlenswertes Buch als Dokument einer besonderen menschlichen Situation, die über das Individuelle hinaus auch eine gesellschaftliche Aufgabe ist. Das Buch regt dazu an über die aktuelle Frage nachzudenken, welche identitätsstiftende Wirkung kann Photographie in Bezug zu gesellschaftlichen Veränderungen und Meinungen haben? Ein eindrucksvolles und menschlich berührendes Buch, das jeden Leser auch dazu anregen wird über seine persönliche Situation nachzudenken. Und es vermittelt die Erkenntnis, dass glücklich sein da ist wo uns Zuneigung und Unterstützung begegnen und dass dies ein elementarer Teil unseres Lebens ist. (db)

 

Paris, Blicke - Roger Melis
Photographien von Roger Melis

Herausgeber: Kulturamt der Stadt Fellbach
Essay von Michael Davidis
Deutsch
Buchgestaltung Broschur
24 Seiten, 16 Abbildungen in Schwarz-Weiß
Schutzgebühr 5 € (in der Galerie)

Ausstellung:  bis 30.08.2020, Galerie der Stadt - Fellbach

Die Stadt Fellbach erinnert mit Ausstellungen bekannter Photographen an die beiden hier geborenen Photojournalisten Hansel Mieth und Otto Hagel, die in Amerika (Ende 1930er Jahre) bedeutende Erfolge als Chronisten ihrer Zeit hatten. In dieser Kontinuität wird in der Städtischen Galerie jetzt die Serie »Paris, Blicke« des Photographen Roger Melis (1940–2019) gezeigt. Melis vertrat den ostdeutschen Photorealismus und war mit seinen Modephotographien auf internationalem Niveau, die zahlreichen Schriftsteller- und Künstler-Portraits prägen bis heute unser Bild dieser Zeit.

Möglich geworden war die gezeigte `Paris Serie´, da Melis eine einmonatige Ausreisegenehmigung für die französische Hauptstadt erhalten hatte. Die Serie zeigt eindrucksvoll den suchenden und analysierenden Blick des Photographen, der sich mit dem Gegensatz eines deutschen Stadtbildes der fünfziger Jahre und dem Flair einer Kultur- und Weltmetropole auseinandersetzt und daraus Bilder gestaltet, die aussagekräftig und damit zeitlos sind. Die ganz anderen gesellschaftlichen Strukturen werden sichtbar in der Demonstration S.16, den Straßenszenen S. 12+15. Die politische Pluralität einer gewachsenen Republik (im Gegensatz zur Diktatur) zeigt er (S. 16+18).
Ein besonders prägnantes Beispiel ist die Silhouette des `Flics´ mit Paletot vor der Kuppel des `Palais du Luxembourg,´der totale Gegensatz zum `Vopo´ bei der Abreise in Ostberlin.

Es ist das Staunen des Photographen vor einer weltberühmten, multikulturellen aber auch multiethnischen Stadt. Wie andere berühmte Paris-Chronisten u.a. Brassai, Otto Steinert und Cartier-Bresson beschreibt er besonders den Alltag der Menschen und die `Frauen von Paris´ - die Motive regen den fachkundigen Betrachter zu einem anregenden Vergleich an.

Das Buch ist eine wichtige Neuerscheinung, da es stilistisch einen bedeutenden Photographen vorstellt und zugleich dazu anregt, über die aktuelle Frage nachzudenken, welche identitätsstiftende Wirkung künstlerische Photographie in Verbindung mit dem `Europa Gedanken´ haben kann. Den Photographien wird der pointierte und kenntnisreiche Text von Michael Davidis (Historiker und Buchwissenschaftler) auch mit dem Hinweis auf die `ROM-Reisenden´ gerecht.

Eine gelungene Publikation, die zum Nachdenken über die Photographie und ihre künstlerischen Möglichkeiten anregt, Ein empfehlenswerter Erinnerungsband an eine Reise nach Paris, bei dem nur bedauerlich ist, dass einem so bedeutenden Photographen nicht ein umfangreicherer Bildband gewidmet werden konnte.(db)

 

James Hill
The Castle

Text: Englisch
144 Seiten mit 76 Duplexabbildungen
Format: 24x27 cm, Leineneinband
Heidelberg, Kehrer Verlag
ISBN 978-3-86828-929-9
45,00 €

Der englische Photograph James Hill berichtet seit 1995 für die ‚New York Times‘ aus den Krisengebieten der Welt, vornehmlich aus der damaligen Sowjetunion, später auch aus Afghanistan und dem Irak. Seine Reportagen wurden von World Press Photo ebenso geehrt wie mit dem Pulitzer Preis und beim Fotofestival VISA pour l'Image in Perpignan dem Visa d’Or ausgezeichnet.

Aktuell lebt er mit seiner Frau, einer Nachfahrin des Flugpioniers Hubert Latham (1883 – 1912), in der Normandie auf dem in der Region Centre-Val de Loire gelegenen Château de Maillebois.

Hier photographiert James Hill seit rund 20 Jahren das Leben rund um das 1380 erstmals erwähnte Schloss. Umgeben von einem Park mit Wäldern und kilometerlangen, mäandernden Alleen ist es, von massiven Mauern geschützt, eine Insel der Vergangenheit inmitten der Gegenwart. Die Würde und die Erhabenheit des Gebäudes, das im Laufe der Jahrhunderte schon allein durch den vom nahen Atlantik her wehenden Wind eine besondere Patina und manche Narben erhielt, inspirierte auch viele Künstler.
 
Das Schloss und seine Bewohner hat James Hill in dem im Kehrer Verlag, Heidelberg, erschienenen Band „The Castle“ in liebevollen, zuweilen auch skurrilen Schwarzweiß-Bildern dokumentiert. In seinem Nachwort schildert er außerdem die wechselvolle, fast 700-jährige Geschichte des Château de Maillebois und die Veränderungen, die es unter den wechselnden Besitzern im Laufe der Jahrhunderte erfuhr. Seine Photographien spiegeln die Fülle von Emotionen, die das Leben in einem Haus voller Geschichte mit sich bringt, aber auch wie seine Bewohner und die Dorfgemeinschaft damit umgehen. Der Photograph beobachtet seine Familie in ihrer Rolle als temporäre Hüter des Schlosses, die seine Traditionen zu bewahren und in eine ungewisse Zukunft zu überführen sucht. (vZ)

 

Bernhard Fuchs. Mühl
Photographien von Bernhard Fuchs

Text von Bernhard Fuchs
Deutsch
Buchgestaltung Leineneinband,
96 Seiten, 44 Abbildungen in Farbe
Verlag Koenig Books, London
ISBN 978-3-96098-843-4
45,00 €

Ausstellung bis 8. November 2020 im Josef Albers Museum Quadrat (Bottrop)
Vorzugsausgabe Sign. Buch und Originalphotographie, Bildgröße 22 × 22,5 cm im Schuber, 550 €

Die Werkserie »Mühl« spiegelt im gewissen Sinne die forschenden Blicke eines Jungen wider, der im ländlichen Raum aufgewachsen, seine entdeckenden Streifzüge durch die Natur macht und in diesem Fall nicht nur sammelt, sondern die Eindrücke in Photographien festhält. Mit dieser Werkserie hat sich Bernhard Fuchs stilistisch von seinem Lehrer Bernd Becher abgenabelt. Das Ehepaar Becher hat die industriellen Objekte frontal ganzheitlich und mit nahezu neutralem Hintergrund photographiert.

Fuchs dagegen zeigt Motive, die Fundstücke in der Natur sind, Details wie Steine, einen Baum, ein Bachufer, Zweige, die erst wieder aneinandergereiht ein Ganzes - die Natur - ergeben. Es ist eine Photographie des Suchens und des Findens, die den Blick auf das lenkt, das im schweifenden Blick des Wanderns nicht wahrgenommen wird. Diese Intensität und Verdichtung gelingt Fuchs weil er dem „Mühlviertel“ seiner Oberösterreichischen Heimat auch emotional sehr nahe ist. Damit kommt er in dieser Serie der `Neuen Sachlichkeit´ nahe die auch den Wesenskern der Dinge darstellen wollte, dies aber in einer formal strengen „Darstellung“ getan hat.

Anna Thiemann führt zum Verhältnis von Natur und Kunst aus, dass in der Romantik eine intensive Beobachtung mit der schöpferischen Einbildungskraft des Kunstschaffenden kombiniert wird, so wie in der Werkserie dem Alltäglichen, dem scheinbar Bedeutungslosen eine besondere ja magische Bedeutung verliehen wird. Die Photographie kann die Landschaft und Naturelemente in objektiver Darstellung mit Detail und Materialgenauigkeit darstellen (Karl Blossfeld) oder sie kann fast malerisch einen emotionellen Eindruck wie hier bei Bernhard Fuchs mit den `Waldungen´ vermitteln. Die `Bäume´ von Albert Renger-Patzsch liegen wohl zwischen beiden stilistischen Varianten, da diese Werkserie beide Aspekte – eine beeindruckende Ästhetik der Natur – und die im Motiv enthaltenen abstrakten symbolischen Bedeutungen miteinander verbindet.

Das Buch ist eine wichtige Neuerscheinung, da es stilistisch einen bedeutenden Photographen vorstellt und dazu anregt, über die Frage nachzudenken, welche identitätsstiftende Wirkung künstlerische Photographie in Bezug auf den Schutz einer ursprünglichen Natur haben kann. Es ist ein besonders gestaltetes Photographiebuch, das leichte Querformat kommt dem konzeptuellen Gedanken der gezeigten Werkgruppe künstlerisch entgegen. Diese Photographie hat ein starkes narratives Element, die Aufeinanderfolge der Motive ist gleich einem Jungen der seinem Großvater am Ende des Tages von seinen Entdeckungen und Erlebnissen berichtet. So lässt diese Art der Naturbeschreibung in uns Jugenderlebnisse wieder hochkommen.(db)

 

Christina Hesselholdt
Vivian

208 Seiten
Hanser Berlin
Fester Einband
ISBN 978.3.446.26589.9
21,00 €

Ein vielschichtiges, zutiefst inspiriertes literarisches Porträt über die rätselhafte Straßenfotografin Vivian Maier. Christina Hesselholdt schreibt den ersten Roman über diese radikal unabhängige Frau.

Als sie im Jahr 2009 stirbt, ist Vivian Maier eine einsame, verarmte Frau, die praktische Männerschuhe bevorzugte und skurrilerweise ständig eine Kamera bei sich trug. Kurz darauf avanciert sie posthum zur genialen Straßenfotografin: In ihrer Wohnung findet man einen riesigen
Bilderschatz – an die 200.000 Fotos hat Vivian Maier über die Jahre aufgenommen, die meisten davon jedoch nie entwickelt. Wer war diese Frau, und was hat sie dazu bewogen, ein fotografisches Werk zu schaffen, ohne es je sichtbar zu machen? In Vivian geht Christina
Hesselholdt der Faszination dieses Mysteriums nach. Ihr Roman ist ein vielschichtiges, zutiefst inspiriertes literarisches Porträt einer radikal unabhängigen Frau. (Hanser)

 

 

Mary Ellen MARK - The Book of Everything
Dreibändige Ausgabe im Schuber
Format: 24,5 x 32,2 cm
880 Seiten, 624 Aufnahmen
Steidl Verlag, 2020
Subskriptionspreis bis Ende August: 150,00 €, ab September 300,00 €

Der Steidl Verlag wartet im August mit gleich zwei mehrbändigen Ausgaben auf, die er noch bis Ende August 2020 zum Subskriptionspreis mit 100,00 € bzw. 150,00 € möglicher Preisersparnis anbietet. Neben ‚Outlands‘ von William EGGLESTON ist dies ‚The Book of Everything‘ von Mary Ellen Mark.

"'The Book of Everything’ beinhaltet mit 624 Seiten einen Überblick zum Werk der ehemaligen MAGNUM-Photographin (1977 - 1981) in monumentalem Ausmaß und aufwändiger Gestaltung. Der Filmregisseur, langjährige Ehepartner und Mitarbeiter von Mary Ellen MARK, Martin Bell, stellte für die von ihm konzipierte Ausgabe Bilder aus über 50 Jahren zusammen sowie verschiedene Texte der ausgebildeten Kunsthistorikerin.

Die 1940 in Philadelphia (Pennsylvania) geborene Photographin mit Abschluss in Photojournalismus verzichtete in rund 50 Jahren auf reißerische Fotos und erzählte von 1963 bis zu ihrem Tod im Jahr 2015 doch brillante, intime, provokative Geschichten. Auf diese Stories arbeitete sie sich gewissenhaft vor und genau dies reflektiert die Zusammenstellung durch ausgedehnte Bildstrecken.

Die für Viele hauptsächlich bekannten Schwarz-Weiss-Arbeiten - wie etwa ‚Passport‘ (1974) ‚Streetwise‘ (1982, 2015), 'American Odyssey‘ (1999) oder ‚Twins‘ (2003) - werden durch mutige Farbakzente wie farbige Trennblätter aufgefrischt; dazu sehen wir oft ganzseitige Farbaufnahmen, wie z.B. aus ‚Falkland Road‘ (1981, 2005) in satten Farben in bester Druckqualität.

Zu dieser sehr umfangreichen, chronologischen Auswahl aus insgesamt über zwei Millionen Bildern enthält "The Book of Everything" Erinnerungen von Freunden, Kollegen und vielen von denen, die sie photographiert hat. Neben den von Mary Ellen MARK selbst geäußerten Gedanken über Zweifel und Unsicherheiten sowie ihre Vorstellungen der von ihr porträtierten Personen und dokumentierten Themen zeigt diese Ausgabe, welch hartes Geschäft gerade der Photojournalismus ist.

Auch das macht ’The Book of Everything’ über den monografischen Ansatz hinaus so bedeutsam und die Bücher so wichtig für jede Photobuch-Bibliothek.
’The Book of Everything’ kann noch bis Ende August im deutschen Buchhandel (und nicht über Amazon) zum o.g. Vorzugspreis bezogen werden. Das bereits erwähnte Buch, ebenfalls eine drei-bändige Ausgabe ‚Outlands‘ von William EGGLESTON kostet im gleichen Zeitraum noch 280,00 € (Ab September 380,00 €)

Als DGPh-Mitglied bei Vorbestellung über Cafe Lehmitz Photobooks innerhalb Deutschlands versandkostenfrei.“ (© Richard G. SPORLEDER)

 

Thomas Heller
Siebenbürgen süße Heimat

Mit einer Erzählung von Thomas Perle und
einem Nachwort von Thomas Schulz
Bildband
gebunden, 220 × 260 mm, 128 S., Duoton
Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale)
ISBN 978-3-96311-375-8
25,00 €

Über einen Zeitraum von mehreren Jahren hat der Photograph Thomas Heller Siebenbürgen bereist. Sein Ziel war eine photographische Bestandsaufnahme der letzten Sachsen, die hier geboren wurden und die der Verlockung der Ausreisewelle Anfang der 90er Jahre, aus verschiedenen Motiven, widerstanden haben.

Nur noch einige Tausend von ihnen, mit einem Altersdurchschnitt von über 60 Jahren, leben im heutigen Rumänien. Die Siebenbürger Sachsen sind die älteste noch existierende deutsche Siedlergruppe in Osteuropa. Ein Gemeinschaftsleben findet sich nur noch in einigen Städten in Siebenbürgen. In den Dörfern leben, von Ausnahmen abgesehen, nur noch wenige, meist ältere Sachsen. Oft waren sie es, die sich mit ihren bescheidenen Möglichkeiten um den Erhalt und Schutz der nun verlassenen Kirchen und Häuser von Verwandten und Nachbarn kümmerten. Hellers Bilder dokumentieren, wie eine 850 Jahre lang bewahrte Kultur im Zeitraffer zu Ende geht und in einigen Jahren nicht mehr da sein wird.

Der Photograph Thomas Heller, geb. 1964 in Dresden, lebt und arbeitet in seiner Geburtsstadt. Seit 2006 beschäftigt er sich intensiv mit dokumentarischer Photographie. Thomas  Schulz,  geb.  1970  in  Wermsdorf,  lebt  und  ar-beitet als Rechtsanwalt in Berlin. Thomas Perle, geb. 1987 in Oberwischau, lebt und arbeitet als freier Autor in Wien.


Greg Gorman
It’s not about me
A Retrospective

Format: 24,5 x 31,4 cm
416 Seiten mit 100 Farb- und 242 Schwarz-Weiß-Fotografien
Hardcover
te Neues
ISBN 978.3.96171.275.5
80,00 €

Wenn Sir Elton John das Vorwort schreibt und John Waters das Nachwort, dann muss es sich um einen wahrhaft Großen unter den Starphotographen handeln. Greg Gorman hat in seinem über 50 Jahre währenden Schaffen praktisch jeden photographiert, der in Hollywood Rang und Namen besitzt – oder auf dem Weg dahin war, ein Star zu werden: Leonardo di Caprio oder Johnny Depp lichtete er zu Beginn ihrer Karriere ab.

Er schuf ikonische Plakate für Filme wie Scarface oder Tootsie, außerdem Plattencover für David Bowie oder Magazincover für Andy Wahrhol. Aus allen Bildern spricht die tiefe Verbindung, die Gorman zu den Porträtierten aufbaut.

2012 konnte man in der Kölner InFocus Galerie, (jetzt Hauptstr. 114, 50996 Köln) eine Werkschau mit seinen Fotos sehen.(th)