Aktuelle Bücher im August 2018

Thomas Wrede (DGPh)
Sceneries

128 Seiten, 45 Farb- und 36 Duplexabb.
Kehrer Verlag
ISBN 978-3-86828-868-1; 35 Euro

Die Publikation Sceneries gibt einen umfassenden Einblick in das vielfältige und vielschichtige Werk des deutschen Photographen Thomas Wrede (*1963). Sie vereint erstmalig Arbeiten aus den letzten 25 Jahren, darunter bekannte Serien wie Domestic Landscapes, die komplexe »Bild im Bild« Situationen in Phototapeten zeigt, oder Die Vögel stehen in der Luft und schreien, Schwarz-Weiß-Photographien des meist tödlichen Aufpralls von Vögeln auf Fensterscheiben. Der Ausgangspunkt Wredes photographischen Schaffens ist immer wieder die Sehnsucht nach der Natur und die Frage nach ihrer medialen Vermittlung. In neuen Arbeiten aus seiner Erfolgsserie Real Landscapes untersucht er die Grenzen zwischen realen und surrealen Welten und präsentiert uns ein spannendes Wechselspiel aus Wahrheit und Fiktion. Dabei verschiebt er diese Grenzen bewusst und stellt die Frage nach der Wirklichkeitstreue von Photographie.

 

Bernd Langmack (DGPh)
Was von der Zeche bleibt

216 Seiten, ca. 140 Abbildungen
Klartext Verlag
ISBN: 978-3-8375-1952-5; 29,95 Euro

Mit dem vorliegenden Buch setzt die Stiftung Zollverein eine Buch- und Ausstellungsreihe fort, die sich mit der industriellen, sozialen und kulturellen Entwicklung des Ruhrgebietes auseinandersetzt, und zugleich auch eine stilistische Entwicklungsgeschichte des Mediums Photographie ist. Der in Essen lebende Bernd Langmack hat für das Buch Schwarzweiß- und Farb-Photographien zu den Themen Prolog, Ruhrzeichen, Umnutzung ehemaliger Zechengelände, Industriedenkmale und Epilog zusammengestellt. Eine Auswahl von 20 Motiven wird im „Rundeindicker“ der Kohlenwäsche im Portal der Industriekultur auf Zollverein gezeigt. Langmack dokumentiert seit den 1980er Jahren die Formen und Auswirkungen des Strukturwandels vom Steinkohlenbergbau zu den unterschiedlichsten Nachnutzungen. Dass er dies stets mit einer Großbildkamera getan hat, gibt seinen Photographien eine spezielle stilistische Note. Im Unterschied zu den Ruhrgebietslandschaften von Renger-Patzsch oder den Typologien der Fördertürme von Bernd und Hilla Becher hat Langmack ein besonderes Interesse für die Formen der Nachnutzung bergbautechnischer Areale. Dies können Industriebrachen, Gewerbegebieten, Einkaufszentren oder musealisierte Orte wie das Weltkulturerbe Zollverein sein. Da die SW-Photographien in besonderer Weise unser Bild der Bergbau Region geprägt haben, sind die gezeigten Farbphotographien in ihrer Aussage erst einmal ungewohnt. Auch wenn Langmack keine eigenständige Bildsprache entwickelte, sind doch klare Bezüge zu Renger-Patzsch zu erkennen, die er ideenreich variiert. Die Photographien sind nicht nur ein Blick zurück auf das, was war und was bis jetzt daraus geworden ist, sondern es wird auch ein erster Blick gewagt, wie sich das „Ruhrgebiet“ zeigt, wenn die letzte Schicht beendet ist. Das Buch ist ein Querformat, was den Abbildungen zu Gute kommt. Eine übersichtliche Typografie, und Themengliederung und eine gute Buchgestaltung machen das Buch zu einem Bestandteil des Jahres des Kohleausstiegs in Deutschland, das sich an Bergbau wie Photographie interessierte wendet. (Ausstellung vom 14. Juli bis 6. Januar 2019)

 

Wolfgang Volz (DGPh)
Christo and Jeanne-Claude - Barrels and The Mastaba

208 Seiten, Englisch
Taschen-Verlag
ISBN: 978-3-8365-7345-0; 40 Euro

Im Juni 2018 wurde auf dem Serpentine Lake im Londoner Hyde Park die neueste Installation von Christo und Jeanne-Claude verankert: Die „Mastaba“, eine 20 Meter hohe und 600 Tonnen schwere schwimmende, temporäre Skulptur, die auf die seit Beginn der Zivilisation gebräuchliche Mastaba-Form verweist. In Mesopotamien bezeichnete das Wort ursprünglich aus Lehm gebaute Sitzbänke mit zwei vertikalen und zwei abgeschrägten Seiten. Die Londoner Mastaba ist ein Vorbote dessen, was einmal Christo und Jeanne-Claudes gewaltigstes Unterfangen und einzig dauerhaftes Großprojekt werden soll: „The Mastaba“ für Abu Dhabi. Dabei handelt es sich um eine seit 1977 in Planung befindliche Skulptur aus 410.000 bunten Fässern, 150 Meter hoch, 225 Meter tief, 300 Meter breit und damit größer als die Cheops-Pyramide in Gizeh. Aus leuchtenden Farben inmitten der Wüste errichtet, wäre es nicht nur die größte jemals gebaute Skulptur, es wäre auch eine der atemberaubendsten Konstruktionen, die je von Menschenhand erschaffen wurde. Das vorliegende Buch, das von Lorenza Giovanelli und Christo selbst gestaltet wurde, gibt einen umfassenden Überblick über Christo und Jeanne-Claudes Arbeiten mit Büchsen und Fässern von den Anfängen 1958 bis heute, beispielsweise 1963 ‚The Wall of Oil Barrels‘ in der Neuen Galerie im Künstlerhaus, München, oder Ende der 1990er Jahre die Wand aus 13.000 Ölfässern im Gasometer, Oberhausen. Vor dem ausführlichen Bildteil unterhalten sich Hans Ulrich Obrist, der Direktor der Serpentine Gallery, und Christo über dessen thematisch verwandte Skulpturen, Zeichnungen und Photographien aus den letzten 60 Jahren. Es folgt ein eher historischer Teil mit Skizzen, Zeichnungen und Collagen weltweit von den Künstlern errichteter Mastabas. Die verschiedenen Entwürfe für die geplante Riesenmastaba für Abu Dhabi stellt der Künstler und Schriftsteller Adam Blackbourn vor. Der amerikanische Architekturkritiker Paul Goldberger führt in seinem Essay ausführlich in die Arbeit zur Londoner Mastaba ein, beginnend mit den frühesten Skizzen bis hin zu den Zeichnungen und Collagen, die kurz vor deren Realisierung entstanden sind. Den Beitrag runden Aufnahmen von Christos langjährigem Hausphotographen Wolfgang Volz (DGPh) ab. Diese zeigen die Diskussionen innerhalb der Arbeitsteams, den Aufbau und die Fertigstellung des Kunstwerks, das bunte Mosaik aus Rot-, Weiß-, Blau- und Violetttönen der aus 7.506 lackierten Fässern zusammengesetzten Mastaba auf dem Serpentine Lake im Londoner Hyde Park. (vZ)

 

Frederik Busch
German Business Plants

128 Seiten, 52 Farbabb.
Kehrer Verlag
ISBN 978-3-86828-850-6; 28 Euro

Der Arbeitsalltag der postindustriellen Gesellschaft bietet ein unerschöpfliches Reservoir an Erzählungen und Bildern; ob als Sitcom, als kritischer Leitartikel oder als Statistik eines Bundesamtes, aus der wir etwas über die soziopolitischen und wirtschaftlichen Umstände der arbeitenden Bevölkerung lernen sollen. Was wir aber allzu gerne vergessen, ist, dass die Menschen nicht die einzigen Wesen im Betrieb sind. Kakteen, Drachenbäume und Schefflera bevölkern Arztpraxen, Kanzleien und Werbeagenturen, um ein wenig Leben zwischen die Aktenstapel und Bildschirme zu bringen. Acht Jahre lang arbeitete Frederik Busch an seiner Photoserie Business Plants und porträtierte in zahlreichen Betrieben ebensolche Pflanzen. Porträts, da wir die Bürobotanik hier mit Eigennamen und knappen Charakterisierungen vorfinden und schnell erkennen, dass diese Pflanzen eben »auch nur Menschen« sind, die sich in ihrem tragikomischen Dasein in ganz alltägliche Fragestellungen um Beziehungen, Musik und Fitness verwickelt sehen. Der humoristische Zugang, den Frederik Busch gewählt hat, erlaubt es uns, an diese Pflanzen als Individuen, eben als Mitlebewesen heranzutreten, und nicht als Dinge, die lediglich der zivilisatorischen Überlegenheit der menschlichen Spezies ausgesetzt sind.

 

Heidi Specker
Fotografie

32 Seiten, 20 Farbabbildungen
Edition Camera Austria
ISBN 978-3-902911-45-2; 10 Euro

Fassadenausschnitte, das Kopftuch einer Freundin auf Reisen, eine Silberschale in der Wohnung Giorgio de Chiricos in Rom –  ein paar wenige Bilder und ein Text stecken in diesem Buch das Terrain ab, in dem die photographischen Strategien von Heidi Specker ins Spiel gebracht werden. Photographie bietet ihr die Möglichkeit, die Hierarchien zwischen Geste, Materie, Material, Oberfläche und Körper aufzulösen und dies alles einem Vergleich zu unterziehen. In ihren Projekten wird der Zugriff sichtbar, den sie mit und durch ihre Bilder vornimmt, die Art und Weise ihrer Reflexion des Sichtbaren und die Versuche, eine spezifische ästhetische Strategie zu entwickeln. Dabei setzt sie mitunter eine Poetik des Sichtbaren frei, um eine Art Disharmonie zwischen Bild und Gegenstand zu befragen wie auch das Vermögen der photographischen Bilder, deren Wirkung wir alle teilen.

 

Phoebe Kiely
They were my Landscape

98 pages, English
Mack Books
ISBN 978-1-912339-05-1; 30 Euro

They were my landscape by Phoebe Kiely builds a fragmented picture of a place that is at once personal and anonymous. Based in Manchester, Kiely compulsively catalogues her urban and suburban surroundings, drawing attention to prosaic spectacles and passers-by. In her book, the cracked concrete of vernacular architecture, or the flattened feathers of a pigeon lying on a road are granted the same scrutiny as a young man smoking at a bus stop, or a walking mother carrying her young child. Echoing the fragility of everyday life, Kiely’s elusive sequence of black-and-white photographs vacillates between portraits, objects and street scenes. Within this mutable body of ongoing work, she attempts to find a sense of self.

 

Demetris Koilalous
Caesura

132 Seiten, 85 Farbabb., Englisch, Griechisch
Kehrer Verlag
ISBN 978-3-86828-859-9; 39,90 Euro

Caesura ist eine Sammlung von Photographien von Menschen zwischen zwei Welten: Flüchtlinge aus Asien und Afrika riskieren bei der gefährlichen Überfahrt über die Ägäis nach Griechenland ihr Leben und setzen nun all ihre Hoffnungen in das Ziel ihrer Reise: Europa. Zäsur (lat.: caesura) bezeichnet in der Verslehre und in der Musik einen Einschnitt und meint in diesem Zusammenhang ein kurzes Atemholen oder Innehalten. Die Menschen in Caesura haben eine flüchtige Identität angenommen; sie posieren auf Bildern, die von Übergang und Unsicherheit zeugen. Mit seinen Photos will der Photograph weder Antworten geben noch historisch relevante Aussagen über diese Massenflucht und die Agonie der Menschen treffen. Stattdessen sollen die Bilder die Frage aufwerfen, was und wer der Mensch ist.

 

Street. Life. Photography
244 Seiten, 194 Farb- und S/W-Abb.
Kehrer Verlag
ISBN 978-3-86828-852-0; 49,90 Euro

Flüchtig geflasht, akribisch beobachtet, rauschhaft energiegebündelt, schockgefroren, voyeuristisch aufgeladen, drastisch überspitzt, romantisch wild, tragisch, komisch, grüblerisch abwesend und seltsam erschreckend – die Straße, der »urban space«, als direkt und alltäglich erfahrbarer städtischer Lebensraum ist eines der mit Abstand schillerndsten und facettenreichsten photographischen Sujets. Die im Rahmen der Triennale der Photographie stattfindende Ausstellung Street. Life. Photography umfasst 52 photographische Positionen mit rund 350 Arbeiten aus der Sammlung F. C. Gundlach und der Sammlung Falckenberg sowie zahlreichen Leihgaben und Kooperationen mit zeitgenössischen Künstlern. Sie gliedert sich in sieben thematische Gruppen: Street Life, Crashes, Public Transfer, Urban Space, Lines and Signs, Anonymity und Alienation. Emanzipiert von Henri Cartier-Bressons »decisive moment«, drängen neue erzählerische Tendenzen der Street Photography die Konzentration auf photographische Zeugenschaft beiseite. Photographiehistorische Ikonen und aktuelle Positionen laden sich gegenseitig auf und geben in einem bewusst subjektiv gewählten Überblick Auskunft über gesellschaftliche Phänomene, wie sie sich innerhalb der letzten 70 Jahre photographisch auf der Straße manifestierten.

 

The Essential Cecil Beaton
Photographien 1920-1970  
    
320 Seiten, 265 Abbildungen in Duotone und Farbe
Schirmer/Mosel
ISBN: 978-3-8296-0609-7; 19,80 Euro    

„Schönheit ist wirklich das wichtigste Wort im Wörterbuch“ soll Cecil Beaton (1904 – 1980) einmal gesagt haben. Als fanatischer Ästhet hat er mit seinen detailversessenen und aufwändig inszenierten Porträts Photographie-Geschichte geschrieben. Er gehört zweifellos zu den glamourösen Ausnahmeerscheinungen der internationalen Kunstavantgarde der 1920er und 1930er Jahre. 1924 verkaufte Beaton seine ersten Photos an die ‚Vogue‘. Die Highsociety wurde auf den mondänen und feinsinnigen Photographen, der auch als Film- und Theaterausstatter tätig war, aufmerksam. So groß die gesellschaftliche Bandbreite – vom britischen Königshaus über Hollywood bis hin zum New Yorker und Londoner Underground –, innerhalb derer sich Beaton mühelos bewegte und photographierte, so opulent ist seine Monographie „The Essential Cecil Beaton“. Das Buch gibt anhand von 265 herausragenden Bildbeispielen Einblick in die schier unerschöpfliche Kreativität des Multitalents – von seinen frühen Schülerphotos im großbürgerlichen Elternhaus bis zu den Porträts aus dem ‚Swinging London‘ der späten 1970er Jahre. Der Bildband beginnt mit dem Essay „Beaton und seine Schönheiten“ von David Alan Mellor, Professor für Kunstgeschichte an der University of Sussex. Philippe Garner, bei Christie’s Spezialist für Photographie, Design und Kunst des 20. Jahrhunderts, schildert in seinem Text unter dem Titel „Instinktiv stilsicher – Cecil Beaton als Modephotograph“ dessen Leben und Werdegang. Der ausführliche Bildteil mit Arbeiten von 1920 bis 1970 ist garniert mit Aussagen von Cecil Beaton zur Photographie. Das Werk ist somit ein ‚must-have‘ für alle, die sich für Mode, Photographie, Zeitgeschichte und für einen außergewöhnlichen Menschen interessieren, der mit seinem glanzvollen photographischen Werk Maßstäbe setzte. (vZ)

 

Blake Wood
Amy Winehouse

176 Seiten mit 85 Farb- und Schwarzweiß-Bildern
Englisch, Deutsch, Französisch
Taschen-Verlag
ISBN:  978-3-8365-7103-6; 30 Euro

Als der 22-jährige amerikanische Photograph Blake Wood 2007 nach London zog, machte ihn ein gemeinsamer Freund mit Amy Winehouse bekannt. Die gefeierte Sängerin mit der sinnlichen und emotional-rohen Stimme hatte gerade für ihr Album ‚Back to Black‘ (2006) fünf Grammy Awards eingeheimst und stand auf der Höhe ihres Ruhms, litt aber unter ihrem launischen Partner und den permanenten Nachstellungen der Medien. Zwischen Wood und Winehouse entwickelte sich eine enge Freundschaft, die über Jahre Bestand hatte. Der vorliegende Band erzählt die Geschichte dieser Freundschaft anhand der Photographien, die Blake von Amy machte. Die 85 ausgewählten Farb- und Schwarzweiß-Bilder zeigen die Soulikone u. a. bei einem Auftritt in Paris, beim Schlagzeugspiel in ihrem Studio in Camden Town (London), in unbeschwerten Urlaubsmomenten auf St. Lucia oder beim zwanglosen Herumalbern zu Hause. Woods Bilder offenbaren eine selten gesehene, heitere Seite von Winehouse - auf ihnen agiert sie zwanglos und entspannt wie ein ganz normales, typisches Londoner Mädchen, das das Leben in vollen Zügen genießt. Den begleitenden Essay mit dem Titel „Dieses strahlende Licht voller Liebe“ schrieb die renommierte amerikanische Journalistin Nancy Jo Sales. Der Photograph Blake Wood, der die Geschichte von Amy Winehouse mit seiner Kamera dokumentierte, sagt dazu: „Das ist keine düstere und verzerrte Untergangsgeschichte, wie sie die Medien erzählt haben. Sie war eine brillante, liebevolle Seele, die großartige persönliche Triumphe erlebt hat; und das ist es, woran mich diese Bildern erinnern.“  (vZ)

 

Mert Alas and Marcus Piggott
408 Seiten, etwa 300 Photographien
Taschen-Verlag
ISBN: 978-3-8365-7306-1; 60 Euro

Der gebürtige Türke Mert Alas und der gebürtige Waliser Marcus Piggott, beide Jahrgang 1971, lernten einander auf einer Party kennen, taten sich zusammen, taumelten durch das Londoner Clubleben, begeisterten sich füreinander, für Mode und Photographie, und landeten mit ihren ersten professionellen Aufnahmen direkt auf dem Cover des Stylemagazins ‚Dazed & Confused‘ – das war der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Die ‚Vogue‘ stellt dazu aktuell fest: „Ihr Stil zählt zu den einflussreichsten in der gegenwärtigen Fashionphotographie.“ Denn Mert und Marcus gestalten heute das weltweite Image von Marken, wie Giorgio Armani, Roberto Cavalli, Fendi, Miu Miu, Gucci, Yves Saint Laurent, Givenchy und Lancôme, sowie von Celebritys, wie Lady Gaga, Madonna, Jennifer Lopez, Linda Evangelista, Gisele Bündchen, Scarlett Johansson, Kate Moss, Björk, Angelina Jolie und Rihanna, die sich darum reißen, von den beiden porträtiert zu werden. Virtuos spielen ihre Photographien mit einem breiten Spektrum an Stilen und Einflüssen sowie den Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung. Berühmt sind sie aber vor allem für die Inszenierung starker und sexuell selbstbewusster Frauenfiguren, mit anderen Worten „kraftvolle Frauen, Frauen mit Signalwirkung – Frauen, die weder groß reden noch sich bewegen müssen, um klarzumachen, wer sie sind“. Das zusammen mit Giovanni Bianco, den Kreativdirektor der italienischen ‚Vogue‘, entstandene Werk erkundet die einzigartige Vision einer kreativen Partnerschaft, die den Glamour zurück in die Modephotographie gebracht hat. Die Kuratorin und Publizistin Charlotte Cotton beschreibt in ihrem Essay das mittlerweile 20jährige Schaffen der Marke ‚Mert & Marcus‘ als Belebung des grundlegenden Kanon des Bildermachens. „Als eine Art Alchemisten erschaffen sie neue visuelle Erzählungen. In ihren Photographien kommt sowohl das rasante Tempo zum Ausdruck, mit dem sie sich – bei hoher Produktionsfrequenz – durch ein Kaleidoskop von Stilmitteln bewegen, als auch ein verhalten spielerischer Umgang mit den Konventionen der visuellen Geschichte. Sie schaffen Bilder, die vor allem in der Dynamik unserer vernetzten Sphäre wirken“, stellt Cotton fest. Darüber gibt der opulente Bildband mit seinen rund 300 zumeist farbigen Bildern beredt Zeugnis. (vZ)

 

Sigrid Neubert – Architekturfotografie der Nachkriegsmoderne
336 Seiten, 570 Photographien, Pläne und Grundrisse
Hirmer-Verlag
ISBN:  978-3-7774-30362; 45 Euro

30 Jahre lang arbeitete Sigrid Neubert (*1927) als Photographin für viele bedeutende Architekturbüros und wurde zu einer der wichtigsten Interpretinnen der Architektur im Nachkriegsdeutschland. Dabei arbeitete sie mit maßgebenden Architekten der Spätmoderne zusammen. Als eine der wenigen Architekturphotographinnen ihrer Zeit interpretierte sie zwischen 1957 und 1989 vor allem in Bayern zahlreiche herausragende Bauten in sensiblen und ausdrucksstarken Photographien, arbeitete aber auch in Österreich, Afrika und Südamerika. Mit ihren einfühlsamen, hier erstmals in diesem Umfang zugänglich gemachten Photographien stellt sie die individuellen Qualitäten der jeweiligen Architektur heraus und zeigt den Facettenreichtum vieler vergessener oder zerstörter Bauwerke der Nachkriegs- und der Spätmoderne, darunter zahlreiche architektonische Schätze. Ludger Derenthal, der Leiter der Sammlung Photographie der Kunstbibliothek in Berlin, verantwortet das Begleitbuch zu der gleichnamigen Ausstellung als Herausgeber. Der Architekt Frank Seehausen schildert unter der Überschrift „Notizen zu Persönlichkeit und Werdegang“ das intensive Leben von Sigrid Neubert und hat für den Band etwa 60 Bauprojekte ganz unterschiedlicher Dimension ausgewählt. Die Texte dazu erläutern jeweils die Arbeits- und Produktionsbedingungen der Photographin, nennen den Architekten, den Bauherrn, den Gebäudetyp, den Standort, das Baujahr, den Zeitpunkt der Photographien und den heutigen Zustand, so dass das Buch mit seinen 570 bis auf wenige Ausnahmen schwarzweißen Bildern wie ein Mosaik zur Architektur der Spätmoderne im Nachkriegsdeutschland wirkt. (vZ)

 

Massimo Listri
Die schönsten Bibliotheken der Welt

560 Seiten, Englisch, Deutsch, Französisch
Taschen-Verlag
ISBN: 978-3-8365-3524-3; 150 Euro

Ob vertäfelte Klosterbibliothek, Büchersaal einer altehrwürdigen Universität, die berühmte Privatbibliothek der Medici oder die private Hausbibliothek, die die eigene Biographie abbildet: Büchersammlungen und Bibliotheken sind Wohlfühlorte. Massimo Listri, geboren 1953 in Florenz, schlug sehr früh die Photographenlaufbahn ein. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitete er für Kunst- und Architekturzeitschriften und realisierte erste große Photoreportagen über prachtvolle Bauwerke aller Epochen. Insgesamt publizierte er mittlerweile über 70 Bildbände und zeigte seine Photographien weltweit in Ausstellungen. Für den Photoband „Die schönsten Bibliotheken der Welt“ besuchte er einige der ältesten und schönsten Bibliotheken der Welt. Er führt u. a. durch die päpstlichen Sammlungen der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek, die Trinity College Library in Dublin, durch die Laurenziana in Florenz und durch Klosterbibliotheken in der Alten wie in der Neuen Welt – jede von ihnen erfüllt von einer einzigartigen magischen Atmosphäre. Einleitend führt der Kulturwissenschaftler Georg Ruppelt unter dem Titel „Gedächtnis der Welt“ in das Thema ein. Beginnend mit „Bibliotheken in Geschichte und Gegenwart“ schildert er die Zeit von der Antike über Mittelalter, Humanismus und Barock bis zum 20. Jahrhundert und endet mit „Mit Bibliotheken in die Zukunft“. Das 30x40 cm große, sieben Kilogramm schwere, in einer speziellen Tragetasche aufzubewahrende Werk ist aufgeteilt in die Kapitel Südeuropa, Westeuropa, Mitteleuropa und Amerika und enthält auch Bilder weiterer Photographen und Photoagenturen. Jede Bibliothek wird mit Name, Ort, Datum der Gründung, Anzahl der vorhandenen Bände, deren Typus und deren vorhandene Highlights vorgestellt. Die größtenteils doppelseitig gedruckten Photographien geben einen hervorragenden Eindruck über das jeweils einzigartige Innere als Kathedralen des Wissens, die nicht nur bibliophile Naturen in ihren Bann schlagen. Detaillierte Begleittexte der auf Kunst- und Architekturgeschichte spezialisierten Wissenschaftlerin Elisabeth Sladek beschreiben ausführlich die Entstehung, die Architektur und die oftmals wechselvolle Vergangenheit der einzelnen Bibliotheken. Massimo Listris Riesenwerk ist sowohl ein Augenschmaus für Bücherfreunde als auch eine Ode an das Lesen und die Schriftkultur. Zugleich ist es eine kulturhistorische photographische Wallfahrt an die Stätten, die Archiv und Arche unserer Geschichte sind. (vZ)

 

Eva-Maria Fahrner-Tutsek
Havana - Short Shadows

164 Seiten, 60 Farbabbildungen,
Deutsch, Englisch und Spanisch.
Hirmer Verlag
ISBN: 978-3-7774-3098-0; 29,90 Euro

Der vorliegende Bildband über Cubas Metropole verdient Beachtung,weil er nicht in der viel belichteten Nostalgie Sehnsucht über das Havanna des „Buena Vista Social Club“ verharrt, sondern das heutige, im Umbruch befindliche Havanna thematisiert. Die Photographin Eva-Maria Fahrner-Tutsek greift für ihre Bildserien dabei das von den Brüdern Goncourt literarisch entwickelte Prinzip des „Flaneurs“ auf. So sind ihre Menschen und Straßenszenen genau beobachtet und ergeben in der Serie des Buches einen differenzierten Eindruck vom Alltagsleben in Havanna. Besondere Beachtung verdienen die genau beobachteten Details, die hinter die „pittoreske Fassade“ schauen lassen und einen Eindruck von der sozialen Realität geben. Beispielhaft sind hier die Motive Eierpaletten, der streunende Hund vor dem vergitterten Laden und der Mann, der durch die kleine Luke im abweisenden Rolltor schlüpft. Er ist quasi die Metapher für das ganze Land, es gibt jetzt kleine Möglichkeiten durch das enge staatliche Netz zu schlüpfen. So ist das Buch auch keine in sich schlüssige Dokumentation eines politischen Zustandes, sondern eher ein vielschichtiger, zum Nachdenken anregender photographischer Essay, der die kubanische Hauptstadt in vielen Facetten persönliche Momenten und sozialistische Tristesse zeigt. Diese Atmosphäre wird in dem autobiographischen Text des kubanische Autors, Literaturwissenschaftlers und Journalisten Leonardo Padura aufgegriffen, der kongenial die Photographien ergänzt. Abgerundet wird die zweifache Beschreibung Havannas mit einem Text des Londoner Theoretiker der Photographie, Michael Freeman, zur Dokumentarphotographie. (DB)
(Ausstellung: Alexander Tutsek-Stiftung, München, 27.07. - 16.11.2018)

 

Philip Volkers
Dust to Dawn

216 Seiten, 147 Farb- und 4 S/W Abbildungen, Englisch
Kehrer Verlag
ISBN 978-3-86828-840-7; 49,90 Euro

Philip Volkers porträtiert altertümliche und moderne Festivals auf der ganzen Welt und ist mit seiner Kamera stets mitten im Geschehen. Mit großer Leidenschaft dokumentiert er die Zusammenkünfte von spirituellen Sinnsuchern, Selbstdarstellern und Visionären und erforscht ihre Bedeutung. Dust to Dawn ist eine Dokumentation der visuellen Abenteuer des Photographen auf dem berühmten Burning Man-Festival in Nevada. Jedes Jahr treffen sich 75.000 Menschen bei glühender Hitze in einem ausgetrockneten Salzsee in Nevada zu einem ungezwungenen, interaktiven Kunst-Festival gigantischen Ausmaßes. Was als anarchische Strandparty in San Francisco begann, an deren Ende eine Holzpuppe verbrannt wurde, hat sich zu einem Schmelztiegel für Kreativität und Selbsterfahrung gemausert. Mit Dust to Dawn gibt uns Volkers einen Einblick in einen visuellen Abenteuerspielplatz. Grandiose Ansichten und atemberaubendes natürliches Licht werden mit großer Leichtigkeit apokalyptisch anmutenden Installationen gegenübergestellt. Volkers spielt mit seinen Porträts von schrillen Festivalbesuchern mit den Vorurteilen des Betrachters, gleichzeitig verbeugt er sich mit seinen Landschaftsaufnahmen vor dieser einzigartigen Umgebung.

 

Hans Hildenbrand
Hofphotograph und Pionier der frühen Farbfotografie

296 Seiten mit 265, meist farbigen Abbildungen
Verlag Regionalkultur
ISBN: 978-3-95505-096-2; 24,80 Euro

Von Hans Hildenbrand ist kaum etwas anderes übrig geblieben als Bilder: ein paar Originale, der Rest gedruckt. Allein dieses visuelle Erbe kann Hinweise auf Arbeitsweisen und Motivation geben. Aber diese Bilder haben es wahrlich in sich: Farbphotographien aus der Zeit des Ersten Weltkrieges lassen eine Epoche näher rücken, die lange vergangen ist. Ob es die beeindruckenden Bilder deutscher Soldaten in den Schützengräben sind, die erstaunlich freizügigen Akte in der Natur oder imposante Porträtaufnahmen: Diese Photographien bleiben im Gedächtnis und haben auch heute noch hohen künstlerischen Anspruch. Mit Hilfe von Rolf H. Krauss gelang es, alle bekannten Bestände von Hans Hildenbrand in der Sammlung des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg zusammenzufassen. Dazu hatte die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) in Köln ebenso großzügig beigetragen wie Herr Giuseppe Vittorelli. Beide überließen dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg außergewöhnliche Bestände von Hans Hildenbrand. So kann nun mit dem vorliegenden Band ein umfassender Überblick über das Schaffen des Stuttgarter Hofphotographen und Pioniers der Farbphotographie gegeben werden.



Lars Netopil (DGPh)
Museum Leica

672 Seiten mit über 600 großformatigen farbigen Abbildungen
2 Teilbände im Schuber
Leica Fotografie International
ISBN 978-3000592614; 179 Euro

Was im zukünftigen Leica Museum zu sehen sein wird, hat Lars Netopil in dem seinem Bildband “Museum Leica” zusammengestellt. Leica-Kenner und -Historiker Netopil, der in der Altstadt von Wetzlar einen Leica Store mit historischen und modernen Kameras betreibt und schon mehrere opulente Bände dieser Art veröffentlichte, hat sein bewährtes Team nun auf die Schätze angesetzt, die im neuen Werksmuseum zu sehen sein werden. In 36 Kapiteln werden die wesentlichen Exponate aus dem Bestand des neuen Leica Werksmuseums beschrieben - von der UR-Leica bis zur rot eloxierten Leica.

 

Rundbrief Fotografie
Juniheft 2018
Hg. Bildarchiv Foto Marburg
Verlag Dr. Wolfgang Seidel (DGPh)
Jahresabo 75,20 Euro für DGPh-Mitglieder

Ein Schwerpunkt liegt im aktuellen Heft (N.F. 98) auf dem Blick auf die Photographie im Medienverbund und ihrer substantiellen Wandlung.
In der Rubrik „Ein Bild“ erörtert Evelyn Runge eine Photographie, die demonstrierende Menschen mit einer Photographie als Produkt einer komplexen politischen Kommunikationssituation zeigt. In „Mediengeschichte“ behandelt Jacob Birken das Publikationsschicksal einer berühmten Aufnahme des Photographen Arnold Genthe vom Erdbeben in San Francisco am 18. April 1906. Der Autor geriet in Vergessenheit, Ansel Adams interpretiert es in einer aspektreichen Anverwandlungsgeschichte neu. Bernd Stiegler (DGPh) hebt in der Rubrik „Mediengeschichte“ auf das Werk und die theoretische Orientierung des Photographen und Lehrers für Photographie, Otto Steinert, und seine Konzeption der „absoluten Photographie“ ab. Rein formal aufgefasst und im Einklang mit der formalen Ästhetik der Abstraktion der Nachkriegsjahrzehnte, resultiert sie in absoluter Formkunst, die aus der strengsten Beherrschung der Technik hervorgeht. Dirk Lichtblau, Alice Tran und Michael Rothe beschreiben in der Rubrik „Materialität“ die erfolgreiche Anwendung des nicht-invasiven Verfahrens des SurveNIR-Systems zur Identifikation und Zustandsbewertung von  Cellulosenitrat- / Celluloseacetat-Filmen bei Röntgenbildern von im Nationalsozialismus zwangsverschleppten Menschen. Neben der Technik interessiert die Autoren Aufwand, Erhaltung und Umgang mit den Schattenbildern, aber auch deren inhaltliche Bedeutung, da wir und die Nachwelt ihnen als Spuren menschlicher Existenzen und Zeugnisse menschenverachtenden Handelns moralisch verpflichtet sind.