Mapping the Collection // Video Präsentation

David Wojnarowicz, Peep Show, 1978-1979, Museum Ludwig, Courtesy David Wojnarowicz und P·P·O·W, New York, Reproduktion: Rheinisches Bildarchiv Köln

Photograph: 

As­co, Vi­to Ac­con­ci, Ruth-Mari­on Baruch, T.C. Can­non (Kiowa/Cad­do), Bar­bara Chase-Ri­boud, Ed­ward Cur­tis, Sam Gil­li­am, Dan Gra­ham, David Ham­mons, Sharon Hayes, Robert In­dia­na, Pirk­le Jones, Cori­ta Kent (Sis­ter Cori­ta), Sh­er­rie Levine,

Laufzeit: 

Samstag, 20. Juni 2020 bis Sonntag, 23. August 2020

Beschreibung: 

Map­ping the Col­lec­tion wirft ei­nen neuen Blick auf zwei ein­fluss­reiche Jahrzeh­nte in der US­amerikanischen (Kunst-) Geschichte: die 1960er und 1970er Jahre. Die Ausstel­lung präsen­tiert Ar­beit­en aus der Samm­lung des Mu­se­um Lud­wig mit ein­er Auswahl von Kunst­w­erken von wei­blichen, queeren, in­di­ge­nen Kün­stler*in­nen sowie artists of col­or, die nicht in der Samm­lung vertreten sind, und gibt so ei­nen An­s­toß zur Er­weiterung des Rezep­tion­s­rah­mens US­amerikanisch­er Kunst. Die poli­tischen und ge­sellschaftlichen Ereig­nisse und En­twick­lun­gen dies­er bei­den Jahrzeh­nte bil­den den Hin­ter­grund vor dem unsere wes­teu­ropäisch geprägte Vorstel­lung und Rezep­tion US-amerikanisch­er Kun­st­geschichte kri­tisch hin­ter­fragt wird.

Denken wir an die 1960er und 1970er Jahre in den Vereinigten Staat­en, erin­n­ern wir uns in Deutsch­land vor allem an die afroamerikanische Bürg­er­rechts­be­we­gung, an die Er­mor­dun­gen von John F. Kennedy und Martin Luther King und an die Proteste ge­gen den Viet­nam-Krieg. Wir wis­sen je­doch wenig über die Brown Berets, über die Ak­tivis­ten des Amer­i­can In­dian Move­ment oder über die An­fänge der Gay Lib­er­a­tion. Charak­teris­tisch für die Kunst dies­er Jahre sind die Werke von Andy Warhol und Roy Licht­en­stein, Do­n­ald Judd und Robert Smith­son oder Robert Rauschen­berg und Robert In­dia­na. Afroamerikanische Kün­stler*in­nen hinge­gen sind kaum präsent in der Erzäh­lung US-amerikanisch­er Kunst des 20. Jahrhun­derts, in­di­gene oder Lat­inx noch weniger. Sie haben aber natür­lich eben­falls wichtige Beiträge zur En­twick­lung der Kunst und Kul­tur der Vereinigten Staat­en geleis­tet

Map­ping the Col­lec­tion zeigt neben Werken dies­er bekan­n­ten Kün­stler aus der Samm­lung des Mu­se­um Lud­wig auch Werke weniger bekan­n­ter Kün­stler, wie David Wo­j­narow­icz und Leon Polk Smith, die eben­falls in der Samm­lung vertreten sind und bringt sie mit Lei­h­gaben von Sen­ga Nen­gu­di, Adrian Piper oder T.C. Can­non (Kiowa/Cad­do) zusam­men. Ziel ist es, zum ei­nen zu zei­gen, wie Kün­stler*in­nen auf die sozialen und poli­tischen En­twick­lun­gen und Ereig­nisse dies­er bei­den Jahrzeh­nte reagiert haben, und zum an­deren deut­lich zu machen, dass for­male und stilis­tische En­twick­lun­gen und der Aus­tausch von Ideen nicht an den Grenzen von Gesch­lecht, eth­nisch­er oder sozialer Herkunft halt­macht­en. Durch diese Zusam­men­führung kom­men auch bish­er überse­hene Verbin­dun­gen und Al­lianzen zwischen Kün­stler*in­nen un­tere­i­nan­der und zwischen Kün­stler*in­nen und Ak­tivist*in­nen zum Vorschein, die deut­lich machen, dass Kunst stets mit dem sozialen und poli­tischen Kon­text ihr­er Ent­ste­hung ver­bun­den bleibt. Gleichzeitig wird so deut­lich, mit welchen Hin­der­nis­sen sich Kün­stler*in­nen aus in­di­ge­nen, afroamerikanischen oder an­deren margi­nal­isierten Com­mu­ni­ties kon­fron­tiert sa­hen und welchen Ein­fluss Herkunft, Ras­si­fizierung und Gen­der auf die Rezep­tion und uns­er Ver­ständ­nis von Kunst haben.

Map­ping the Col­lec­tion hin­ter­fragt den ver­traut­en (kunst-) his­torischen Kanon und knüpft damit an femi­n­is­tische und queere Diskurse an. Aber auch siedlerkolo­niale The­o­rien wer­den mitein­be­zo­gen, Aus­gangspunkt ist hier­bei die Kolo­nial­isierung des amerikanischen Konti­nents und der damit ein­herge­hende Genozid an den in­di­ge­nen Be­woh­n­er*in­nen Amerikas. Durch die Hinzufü­gung von Archiv­ma­te­rial wer­den die Werke in den his­torischen, poli­tischen und ge­sellschaftlichen Kon­text ihr­er Ent­ste­hung verset­zt. Es ergeben sich so neue Verknüp­fun­gen zwischen Kün­stler*in­nen, Werken und Kun­st­geschichte, aber auch die Rolle des Mu­se­ums selbst in der Ent­ste­hung und Bestä­ti­gung solch­er (kunst-) his­torisch­er Nar­ra­tive wird the­ma­tisiert. Map­ping the Col­lec­tion wirft Fra­gen zu Repräsen­ta­tion und Selb­stbes­tim­mung auf, die heute noch ge­nau­so rel­e­vant sind wie da­mals – in den Vereinigten Staat­en wie auch in Deutsch­land.

Her­vorge­gan­gen ist die Ausstel­lung aus dem Ter­ra Foun­da­tion Re­search Fel­low­ship in Amer­i­can Art am Mu­se­um Lud­wig. Über ei­nen Zei­traum von zwei Jahren wid­mete sich das Pro­jekt der Samm­lung US-amerikanisch­er Kunst des 20. Jahrhun­derts im Mu­se­um Lud­wig und un­ter­suchte diese hin­sichtlich postkolo­nialer, femi­n­is­tisch­er, queer­er oder gen­der-the­o­retisch­er Fragestel­lun­gen.

Name der Galerie / Museum / Ausstellungslokation: