Mitgliederportfolio Ute Behrend

BÄRENMÄDCHEN

Irgendwo in Nordamerika oder Kanada gibt es einen Indianerstamm, der seine pubertierenden Mädchen in große Bärenfelle kleidet. Sie leben etwas abseits vom Indianerdorf mit anderen Mädchen ihres Alters zusammen und sind durch das Tragen der Felle vor den Blicken der Erwachsenen und Jungen geschützt. Es wird Ihnen sogar geraten sich besonders plump, eben wie ein Bär, zu bewegen. In dieser behüteten Atmosphäre können sie sich ungestört entwickeln. Den Zeitpunkt, an dem sie Ihr Fell ablegen, bestimmen sie selbst. Ab da gehören sie zur Gemeinschaft der Erwachsenen Indianerinnen. Darüber hinaus können Indianermädchen dieses Stammes auch frei entscheiden ob sie Kriegerinnen werden wollen.
Das tun nicht viele, aber es hat immer mal wieder welche gegeben.

Als ich dies neulich einer Freundin erzählte, meinte sie sich daran zu erinnern, von diesem Stamm schon einmal gehört zu haben.

Tatsächlich habe ich die Geschichte jedoch frei erfunden.

WIE WERDEN JUNGE MÄDCHENZU STARKEN FRAUEN?

Adoleszenz ist das Thema meines neuen Buches. Zu Beginn erzähle ich eine Geschichte über einen fiktiven" Indianerstamm", der seine pubertierenden Mädchen trennt und sie in Bärenfellen kleidet. Auf diese Weise werden sie vor vorzeitiger Sexualisierung geschützt. Das Ergebnis ist ein Schutzraum, der den Mädchen die Möglichkeit gibt, sich in dieser wichtigen Phase ihres Lebens frei und selbstbestimmt zu entwickeln. Ich nenne diese Mädchen "Bärenmädchen" und ziehe Parallelen in unserer Gesellschaft, wo Freiräume für heranwachsende Mädchen immer weniger werden. Viele junge Frauen versuchen, den von der Gesellschaft und den Medien geprägten Stereotypen der sexualisierten Identifikation zu entkommen. Dies zeigt sich oft in ähnlichen Verhaltensmustern, z.B. beim Tragen von sehr großen Pullovern, die Mädchen gerne aus der Garderobe ihres Vaters "ausleihen".
In "Smart Girls, Gifted Women" untersuchte Barbara Kerr die Ähnlichkeiten, von Mädchen, die später zu starken Frauen wurden. Sie fand heraus, dass alle Mädchen Zeit für sich selbst, die Fähigkeit, sich in eine Idee zu verlieben, und eine "Schutzhülle" besaßen. Keine war besonders beliebt und die meisten blieben in ihrer Altersgruppe relativ isoliert. Interessanterweise gab ihnen diese Ablehnung einen Freiraum, in dem sie ihre Einzigartigkeit entwickeln konnten. Diese Mädchen gehen Beziehungen zu Männern erst später ein, auch wenn der soziale Druck hoch. Ich sehe die Bärenmädchen als direkten Gegenentwurf zu der von Vladimir Nabokov erfundenen Lolita, der Kindfrau.

Mehr Informationen kann man auf meiner Webseite finden: www.utebehrend.de