In der Ausstellung begegnen sich zeitgenössische Kalligrafien von Lin Chun Chen (林俊臣, Tainan/Lukang, Taiwan) und Andreas Walther (Gießen und Taiwan) in einem Dialog des Lichtes der Fotografie und der Schwärze der Tusche.
Lin Chun Chen´s Kalligrafien und Andreas Walthers Fotografien vermitteln in der Ausstellung eine gegenseitige Durchdringung und Annäherung zwischen den sich noch immer fremd gebliebenen ästhetischen Bildkulturen Ostasiens und Europas.
Dem entspricht auch die Verwendung unterschiedlicher Medien durch die beiden Künstler:
Andreas Walther thematisiert in seinen Arbeitsprozessen die Gestaltung körperlicher Wirklichkeit mit Mitteln der Fotografie, während Lin Chu Chen in Körperlichkeit selbst den Ausgangspunkt für die Entstehung seiner kalligrafischen Werke sucht. Die Bewegung des Pinsels bringt die visuell erlebbare Linie hervor und dokumentiert dabei auch die innere Dynamik des oder der Schreibenden.
Die Arbeit von Andreas Walther ist vielfältig vom Leben und Arbeiten zwischen den Kulturen Deutschlands und Ostasiens inspiriert. Nach wie vor lassen sich in seinen Arbeiten - mit der Reflexion künstlerischer Praxis in verschiedenen Medien - Spuren seines Studiums an der Kunsthochschule für Medien Köln (1998 – 2003) entdecken, aber seit seiner intensiven Zuwendung zur daoistischen Ästhetik (2006) findet sich zunehmend eine Reflexion der Theorie und Praxis des phänomenologischen Schauens, das sich definitionsgemäß bei der Betrachtung von Phänomenen auf die unmittelbare Erfahrung konzentriert und die Interpretation durch Theorien oder Vorurteile zu vermeiden sucht.
Zwar gibt es im Westen verständliche Berührungsängste gegenüber ostasiatischer Kalligrafie, weil die Sorge überwiegt, man könne das Werk durch die Unkenntnis der Schriftzeichen nicht in Gänze erfassen; doch ist das auch für Muttersprachler*innen in vielen Fällen nicht anders, sodass auch ihnen zunächst ‚nur‘ die phänomenologische Annäherung an kalligrafische Werke bleibt. [...]